Die Bemühungen der empirischen Pädagogik, „empirisch-analytische Denkweisen zum zentralen Bestandteil der Erziehungswissenschaft zu machen“ zeugen von einem Bedürfnis, die Erziehungswissenschaft (als eine Sozialwissenschaft) von den Geisteswissenschaften abzugrenzen, indem man sich der Methoden der Naturwissenschaft bedient.
In dieser Ausarbeitung des Referats zum Thema Empirische Erziehungswissenschaft soll dargestellt werden, wo sich die Erziehungswissenschaft im weiten Feld der Wissenschaften einordnen lässt, und wovon ihre „Wissenschaftlichkeit“ abhängig gemacht wird. Dazu wird ein kurzer Abriss über die verschiedenen Erklärungsmodelle gegeben und anschließend das praktische Vorgehen in der empirischen Erziehungswissenschaft beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Empirische Erziehungswissenschaft
2.1. Erziehungswissenschaft und Wissenschaftsverständnis – die Erklären-Verstehen-Debatte
2.2. Die wissenschaftliche Erklärung
2.3. Intersubjektive Nachprüfbarkeit
2.4. Wissenschaftlichkeit von Wahrscheinlichkeitsaussagen
2.5. „Auf Jungen achtet man einfach mehr“ – empirische Pädagogik in der Praxis
2.6. Die Operationalisierung einer eigenen Hypothese und ihre empirische Überprüfung
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einordnung der empirischen Erziehungswissenschaft innerhalb der Sozialwissenschaften und beleuchtet die methodischen Ansätze, die zur Sicherung ihrer „Wissenschaftlichkeit“ herangezogen werden. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie empirische Forschung in der Pädagogik – jenseits klassischer naturwissenschaftlicher Gesetze – Erkenntnisse gewinnen und pädagogisches Handeln fundieren kann.
- Die Erklären-Verstehen-Debatte in den Erziehungswissenschaften
- Struktur wissenschaftlicher Erklärungen (deduktiv-nomologisch vs. probabilistisch)
- Die Bedeutung der Intersubjektiven Nachprüfbarkeit und Falsifizierbarkeit
- Praxisbeispiele empirischer Schul- und Unterrichtsforschung
- Herausforderungen bei der Operationalisierung erziehungswissenschaftlicher Hypothesen
Auszug aus dem Buch
2.3. Intersubjektive Nachprüfbarkeit
Diese allgemein gültigen Gesetze müssen zuerst hergeleitet werden, und zwar durch die der Deduktion (die oben beschrieben wurde) entgegengesetzten Induktion. Also werden „Gesetze [. . .] aus Erfahrungen abgeleitet, die sich systematisch mithilfe von Beobachtungen und Experimenten gewinnen lassen“ (ebd. S. 186). Es sollen demnach aus speziellen Fällen allgemeingültige Aussagen und Gesetze gewonnen werden.
Kommt man, wie Koller es tut, auf das Beispiel des geplatzten Autokühlers zurück, so würde das bedeuten, dass man unter Einbeziehung der speziellen Bedingungen versucht, das Gesetz zu formulieren, welches das Ereignis erklärt. Durch Experimente könnte ein Wissenschaftler sich also sowohl herleiten, dass das Platzen des Kühlers temperaturabhängig ist, als auch feststellen, dass ein Zufügen von Frostschutzmittel das Platzen verhindern könnte. Aus diesen Erkenntnissen kann er dann allgemeingültige Gesetze ableiten.
Die Induktion als Methode der Ableitung von allgemein gültigen Gesetzen weist allerdings Probleme auf. Schließt man von einem speziellen Fall auf alle potentiell folgenden, kann die Gültigkeit des Gesetzes jederzeit widerlegt werden, wenn man plötzlich doch auf die Ausnahme stößt, denn Abgesehen von Aussagen über sehr begrenzte und vollständig überschaubare Gegenstandsbereiche ist es prinzipiell nicht beweisbar, dass eine auf induktivem Weg gewonnene verallgemeinernde Aussage wirklich für alle Fälle gilt bzw. dass es nie und nirgends einen Fall geben kann, der diese Aussage widerlegen würde (ebd. S. 188; Hervorhebungen im Original).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entscheidung ein, die empirische Erziehungswissenschaft als methodischen Ansatz zu beleuchten, und steckt das Ziel ab, ihre Rolle und Wissenschaftlichkeit innerhalb der Wissenschaften zu klären.
2. Empirische Erziehungswissenschaft: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der empirischen Pädagogik, einschließlich der Erklären-Verstehen-Debatte, der wissenschaftlichen Erklärung, der intersubjektiven Nachprüfbarkeit sowie praktischer Anwendungsbeispiele und der Operationalisierung von Hypothesen.
3. Schluss: Der Schluss reflektiert die Ausgangsfrage über die Annäherung der Pädagogik an naturwissenschaftliche Standards und betont die Notwendigkeit, verschiedene methodische Ansätze in der Erziehungswissenschaft geschickt zu kombinieren.
Schlüsselwörter
Empirische Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Wissenschaftlichkeit, Erklären-Verstehen-Debatte, nomothetisch, teleologisch, deduktiv-nomologisch, probabilistisch, Falsifizierbarkeit, Operationalisierung, Intersubjektive Nachprüfbarkeit, Empirische Überprüfung, Unterrichtsforschung, Sozialwissenschaften, Induktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den methodischen Ansatz der empirischen Erziehungswissenschaft und wie diese versucht, wissenschaftliche Erkenntnisse nach den Standards sozialwissenschaftlicher Forschung zu gewinnen.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie erziehungswissenschaftliche Hypothesen wissenschaftlich fundiert werden können und wie sich die Pädagogik zwischen geisteswissenschaftlichem Verstehen und naturwissenschaftlichem Erklären positioniert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Themenfeldern gehören die Logik wissenschaftlicher Erklärungen, das Problem induktiver Schlüsse, die Bedeutung der Falsifizierbarkeit sowie die praktische Anwendung empirischer Methoden in der Schulforschung.
Welche wissenschaftliche Methode steht im Mittelpunkt?
Im Zentrum steht das empirisch-analytische Paradigma, wobei insbesondere zwischen deduktiv-nomologischen Modellen und probabilistischen Erklärungsmodellen unterschieden wird.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil analysiert theoretische Modelle zur Erklärung von Sachverhalten, diskutiert die Grenzen induktiver Forschung und zeigt an einem konkreten Beispiel aus der Unterrichtsforschung die Operationalisierung von Hypothesen auf.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Empirische Pädagogik, Wissenschaftstheorie, Wahrscheinlichkeitsaussagen und Methodologie beschreiben.
Warum sind absolute Gesetze in der Erziehungswissenschaft schwer zu finden?
Im Gegensatz zu Naturwissenschaften, die sich mit deterministischen Abläufen befassen, sind erziehungswissenschaftliche Sachverhalte meist hochkomplex, weshalb hier eher probabilistische Aussagen als absolute Gesetze getroffen werden können.
Was bedeutet "Operationalisierung" in diesem Kontext?
Operationalisierung bezeichnet den Vorgang, eine abstrakte Hypothese in beobachtbare und messbare Kriterien zu übersetzen, damit sie einer empirischen Überprüfung zugänglich gemacht werden kann.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Erklären-Verstehen-Debatte?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Erziehungswissenschaft sich nicht einseitig für eine Methode entscheiden muss, sondern beide Herangehensweisen sinnvoll kombinieren sollte, um pädagogisches Handeln zu verbessern.
Wie wird das Problem der "schwarzen Schwäne" für die Induktion genutzt?
Das Beispiel der Schwäne verdeutlicht, dass man durch Beobachtung zwar Muster erkennen kann, diese aber niemals absolute Gewissheit bieten, da ein einziger Gegenbeweis (der schwarze Schwan) die gesamte Theorie falsifizieren kann.
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- Lynn Bay (Author), 2014, Empirische Erziehungswissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/285812