Der Kunst- und Materialbegriff wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert, transformiert und erweitert.
In der Kunst kommt dem Material heutzutage mehr als nur eine technische Bedeutung zu. Die gesamte Erscheinung eines Kunstwerkes ist durch das Material und dessen Bearbeitung bedingt und bestimmt seine ästhetische Wirkung. Zudem haben verschiedene Materialien eine unterschiedliche Wirkung auf uns und lassen sich in unterschiedlicher Weise herstellen und bearbeiten, denn die verschiedenen Stoffe (oder Materialien) besitzen bestimmte Eigenschaften und aus diesen Eigenschaften erwachsen bestimmte Assoziationen.
Lange Zeit sah man das Material der Form als untergeordnet an. Heutzutage leben wir in einer Fülle an unterschiedlichem Material, das zugleich auch in der Kunst seine Anwendung findet. Es lassen sich viele Werke nicht einmal beschreiben, geschweige denn verstehen, ohne die Bedeutung eines Materials zu hinterfragen. Es gibt wohl kein Material, das in der Kunst mittlerweile nicht verwendet werden darf oder wird. Kein Material sorgt mehr für sonderliche Aufregung – sicherlich begünstigt durch die Verbreitung des Bildes über Massenmedien.
In meiner Arbeit möchte ich versuchen, die wichtigsten Schritte deutlich zu machen, die für den Wandel des Stellenwerts des Materials in der Kunst bedeutend sind.
Zu Beginn soll der Materialbegriff geklärt werden. Ihm folgt ein Überblick über den Wandel des Stellenwerts des Materials. Dieser hat sich, wie sich zeigen wird, erst im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert. Der Hauptteil der Arbeit, die Geschichte des Materials in der bildenden Kunst, widmet sich den Themen: Farbe als Material, Materialien der Plastik und Alltagsgegenstände in der Kunst. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Materialbegriff
3. Der Wandel des Stellenwerts des Materials
4. Die Geschichte des Materials in der bildenden Kunst
4.1 Farbe als Material
4.1.1. Pablo Picasso und Georges Braque
4.1.2 László Moholy-Nagy
4.1.3 Emil Schumacher, Jean Fautrier und Jean Dubuffet
4.1.4 Lynda Benglis und Claes Oldenburg
4.2 Materialien der Plastik
4.2.1 Pablo Picasso
4.2.2 László Moholy-Nagy
4.2.3 Dan Flavin
4.3 Alltagsgegenstände in der Kunst
4.3.1 Marcel Duchamp
4.3.2 Meret Oppenheim
4.3.3 Peter Greenaway und Raffael Rheinsberg
5. Fachdidaktische Übung
5.1 Zur praktischen Aufgabe
5.2 Didaktische Überlegung
5.3 Kompetenzen
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel des Stellenwerts von Materialien in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Bedeutung und Wahrnehmung von Werkstoffen – von traditionellen Medien bis hin zu Alltagsgegenständen – gewandelt hat und wie dieser Prozess fachdidaktisch im Kunstunterricht produktiv genutzt werden kann.
- Historische Entwicklung und Aufwertung des Materialbegriffs
- Farbe als eigenständiges Material in der Malerei
- Integration industrieller Stoffe und Alltagsobjekte (Readymades)
- Künstlerische Strategien von der Moderne bis zur Gegenwartskunst
- Fachdidaktische Ansätze zur Förderung der Materialsensibilität
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Pablo Picasso
Pablo Picasso erschuf 1912 die „Gitarre“, eine Skulptur aus niederem Material: Pappe, Papier, Leinwand, Schnur, Öl und Bleistift – eigentlich ein Atelierexperiment. Sie war zunächst ein „Hilfsmittel gewesen, um sich spezielle Raum-Flächen-Verhältnisse klar zu werden, die ihn bei seinen gleichzeitig in Arbeit befindlichen Bildern beschäftigten.“ Dennoch gab er mit den Gitarren-Konstruktionen Anstöße, sich mit „neuen“ Materialien zu beschäftigen. Er setzte gewöhnlichen Pappkarton ein, um das Material aus der Zweidimensionalität zu lösen. Zudem konnten sich nun auch in der „Bildhauerei“ ungelernte Künstler auf diesem Gebiet betätigen. Es gelang der Ausbruch der Skulptur und Plastik aus den Fesseln der traditionellen Materialien. Die zuvor durch Material und Bearbeitung festgelegten Begriffe wie Skulptur oder Plastik konnten nun nicht mehr angewendet werden, da man sich auf keinen verbindlichen Sprachgebrauch einigen konnte. Dadurch entwickelten sich neue Gestaltungsmöglichkeiten in der Plastik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel des Kunst- und Materialbegriffs im 20. Jahrhundert und stellt die methodische Herangehensweise der Arbeit vor.
2. Materialbegriff: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Material“ sowohl etymologisch als auch im künstlerischen Kontext und beleuchtet dessen Bedeutung als Medium der ästhetischen Gestaltung.
3. Der Wandel des Stellenwerts des Materials: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung nach, in der Material lange Zeit der Form untergeordnet war, bis es im 20. Jahrhundert eine deutliche Aufwertung erfuhr.
4. Die Geschichte des Materials in der bildenden Kunst: Dieser Hauptteil analysiert die Verwendung von Farbe, Materialien in der Plastik und Alltagsgegenständen anhand ausgewählter Künstlerbeispiele.
5. Fachdidaktische Übung: Hier wird ein praktisches Seminarbeispiel vorgestellt, bei dem Studierende durch den Einsatz von Aluminiumfolie ästhetische Erfahrungen sammeln und über Materialeigenschaften reflektieren.
6. Schlusswort: Das Fazit fasst die Bedeutung der Materialsensibilität zusammen und plädiert für die Förderung dialogischer Prozesse im modernen Kunstunterricht.
Schlüsselwörter
Materialbegriff, Bildende Kunst, Moderne, Plastik, Farbe, Alltagsobjekte, Readymades, Materialsensibilität, Kunstdidaktik, Ästhetik, Werkstoff, Transformation, Gestaltungsprozess, Industrialisierung, Dialogisches Gestalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Bedeutung des Materials in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts und dessen Wandel über die Jahrzehnte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die historische Aufwertung des Materials, die Verwendung von Farbe, die Rolle von Alltagsgegenständen sowie fachdidaktische Ansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die wichtigsten Schritte im Wandel des Stellenwerts des Materials aufzuzeigen und zu untersuchen, wie Künstler dieses Potenzial für ihre Werke nutzten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bedeutender kunstwissenschaftlicher Quellen sowie auf die Dokumentation einer fachdidaktischen Übung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Künstler und deren Umgang mit Material analysiert, darunter Picasso, Moholy-Nagy, Duchamp und die Akteure des Informel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Materialbegriff, Readymade, Materialsensibilität, Kunstdidaktik, Plastik und der Wandel der künstlerischen Gestaltungsmittel.
Warum ist Aluminiumfolie für die didaktische Übung relevant?
Sie bietet eine hohe visuelle und haptische Qualität bei gleichzeitig geringer Hemmschwelle für Lernende, wodurch sie sich besonders für exploratives Gestalten eignet.
Was zeichnet die "Ready-mades" von Marcel Duchamp aus?
Duchamp übertrug alltägliche, industriell gefertigte Objekte in den Kunstkontext, ohne sie künstlerisch zu verfremden, um die Idee als Kunstwerk in den Vordergrund zu rücken.
- Quote paper
- Claudia Kaak (Author), 2013, Geschichte und Stellenwert des Materials in der bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/285310