Das Thema Kinderarmut rückte seit der Einführung der Hartz IV-Gesetze immer weiter in den Vordergrund von sozialpolitischen Debatten. Das Institut für Wirtschaftsforschung verkündete in der Pressemitteilung vom 12.05.2011, dass im Jahre 2009 der Prozentsatz der in Armut lebender Kinder bei 16,4% lag. Demnach verdoppelte sich die Kinderarmut in Deutschland in den letzten 20 Jahren. Die Jugendforscher Hutsch und Ringo führen diese Entwicklung insbesondere auf die im Jahre 2005 eingeführten Hartz IV-Gesetze zurück.
Klassische psychoanalytische Entwicklungsmodelle betrachten die Kindheit als einen Lebensabschnitt, der durch vielfältige und massive Veränderungen geprägt ist. Nach dem Eriksonschen Entwicklungsmodellen sind die Erlebnisse und Erfahrungen in dieser Lebensphase des Individuums besonders prägend. Anlehnend an diese Erkenntnisse aus der Identitäts- und Entwicklungsforschung, können die durch die Armut hervorgehenden Lebensumstände Auswirkungen auf die psychische sowie physische Entwicklung für Individuen verursachen und somit zu einer einschneidenden Erfahrung für die Individuen werden, welche das ganze spätere Leben prägen kann. Hierbei wird die Dringlichkeit und Signifikanz der Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderarmut erkenntlich.
Dies stellt das Thema dieser Seminararbeit dar und wird anhand von des ressourcenorientierten – und des Lebenslagenansatzes näher beleuchtet. Zudem zeigt diese Arbeit das Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland auf. Die genaue Auseinandersetzung mit den Folgen und dem Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland ist in den Vordergrund zu stellen, um in dem darauffolgenden Kapitel effektive Handlungsmöglichkeiten der sozialen Arbeit und Präventionsmaßnahmen hervorzubringen. Von Nöten ist demnach auch die in Kapitel 2 vorgenommene Begriffserläuterung, welche die Probleme und Situation der in Armut lebenden Kinder in Deutschland konkretisieren soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung von Kinderarmut und die Messung
2.1. Zwei Definitionsansätze von Armut
2.1.1 Die „absolute“ Armut
2.1.2 Die „relative“ Armut
2.2. Zwei Konzepte zur Verarbeitung von Kinderarmut
2.2.1 Der ressourcenorientierte Ansatz
2.2.2 Der Lebenslagenansatz
3. Die Auswirkungen von Armut auf die betroffenen Kinder
3.1. Die Auswirkung der „relativen“ Einkommensarmut auf die materielle Situation
3.2. Die Auswirkung der „relativen“ Einkommensarmut auf die Gesundheitsentwicklung
3.2.1 Die körperliche Gesundheit
3.2.2 Die psychische Gesundheit
3.3 Die Auswirkung von Armut hinsichtlich der
3.3.1 Sozialverhalten
3.3.2 Soziale Kontakte
3.4 Die Auswirkung von Armut auf die kulturelle Situation
4. Schluss
4.1 Fazit
4.2 Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Kinderarmut in Deutschland auf die betroffenen Kinder. Ziel ist es, das Ausmaß der Armut zu verdeutlichen und zu analysieren, wie sich materielle Unterversorgung auf die physische sowie psychische Entwicklung und das soziale Leben auswirkt, um daraus effektive Handlungsansätze für die Soziale Arbeit abzuleiten.
- Definition von Kinderarmut (absolute vs. relative Armut)
- Messkonzepte: Ressourcenorientierter Ansatz und Lebenslagenansatz
- Einfluss von Armut auf Gesundheit, Sozialverhalten und Bildung
- Stigmatisierung und soziale Exklusion armer Kinder
- Handlungsmöglichkeiten und Präventionsansätze der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Auswirkung der „relativen“ Einkommensarmut auf die materielle Situation
Die Versorgung innerhalb eines Haushaltes mit der lebensnotwendigen Grundversorgung hängt von dem Einkommen der Familie ab. Daneben gibt es auch andere Möglichkeiten die Versorgungssituation zu verbessern, wie z.B. Unterstützung durch soziale Netzwerke oder Tauschmöglichkeiten. Die Verwandtschaft kann zu einem Beitrag zur Entlastung der finanziellen Situation leisten. Andererseits gibt es auch Familien, denen es an einer derartigen Unterstützung durch Nächste mangelt. Die Lebenssituation der Kinder geht mit der Haushaltsorganisation der Familie einher und durch die Haushaltsorganisation der Eltern gestaltet und über verschiedene kommunikative, sowie handlungsbezogene Strategien innerhalb der Familie vermittelt. Kinder im Grundschulalter sind auf ihre Eltern angewiesen, denn sie können keinen Einfluss auf ihre Einkommens- und Versorgungsgrundlage nehmen. Sehr wohl können sie zur Ausgestaltung ihrer Lebenslage selbst Einfluss nehmen, indem sie selbständig Wege und Mittel suchen, angemessen mit ihrer Situation umzugehen. Hierbei ist anzumerken, dass Kinder die Versorgung in den Bereichen Ernährung, Kleidung und Wohnen wahrscheinlich anders betrachten als die Erwachsene. Durch die finanzielle Knappheit können Eltern ihren Kindern vielleicht nicht jeden Wunsch erfüllen.
Problematisch wird es, wenn die Kinder die materielle Überhäufung als Zuwendung deuten. Diese Einstellung zu materiellen Gütern hängt häufig auch mit der der Eltern zusammen bzw. mit ihrem Umgang mit Einschränkungen in dieser Hinsicht. Allein beim Thema Kleidung können sich Diskrepanzen zwischen den Kindern und Eltern ergeben. Für Eltern ist hierbei von großer Wichtigkeit, dass die Kleidung ihrer Kinder maßgerecht, witterungsangepasst und sauber ist. Da die Familien aber mit einem knappen Budget auskommen müssen, tendieren sie eher zu gebrauchter Kleidung. Sie setzen voraus, dass das Tragen der gebrauchten Kleidung kein großes Problem für ihre Kinder darstellt. Für die Kinder kann Kleidung jedoch von großer Bedeutung sein, denn sie symbolisiert den sozialen Status. Kinder möchten sich ihren Gleichaltrigen anpassen, d.h. das zur Schau stellen des sozialen Status ist einhergehend mit der Anerkennung innerhalb einer Gruppe und daher von größter Wichtigkeit für die Kinder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Kinderarmut in Deutschland seit den Hartz IV-Gesetzen und betont die Relevanz einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Folgen für die kindliche Entwicklung.
2. Die Bedeutung von Kinderarmut und die Messung: Dieses Kapitel differenziert zwischen absoluter und relativer Armut und führt den ressourcenorientierten Ansatz sowie den Lebenslagenansatz als Messinstrumente ein.
3. Die Auswirkungen von Armut auf die betroffenen Kinder: Der Hauptteil analysiert detailliert, wie sich relative Einkommensarmut negativ auf die materielle Situation, die physische und psychische Gesundheit sowie das Sozialverhalten und die Bildungschancen auswirkt.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Komplexität des Konstrukts Kinderarmut und zeigt auf, welche unterstützenden Maßnahmen die Soziale Arbeit ergreifen kann.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Armut, Deutschland, Hartz IV, Lebenslagenansatz, Ressourcenansatz, Materielle Unterversorgung, Gesundheit, Bildungsungleichheit, Sozialverhalten, Stigmatisierung, Soziale Arbeit, Familienhilfe, Entwicklungsstörungen, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Kinderarmut in Deutschland und untersucht, wie diese Lebenslage die Entwicklung und Teilhabe der betroffenen Kinder beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Feldern gehören die Definition und Messung von Armut, die Auswirkungen auf Gesundheit und Bildung sowie die soziale Integration bzw. Exklusion von Kindern aus armen Verhältnissen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Ausmaß der Kinderarmut darzustellen, die verschiedenen Dimensionen der Folgen für Kinder aufzuzeigen und Ansätze für die Soziale Arbeit zu identifizieren, um diese Folgen zu mildern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Studienanalyse, um bestehende Ansätze (Ressourcen- und Lebenslagenansatz) und empirische Daten (z.B. AWO-ISS-Studie) theoretisch zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Armutsdefinition und eine detaillierte Analyse der Auswirkungen von Armut auf materielle Lebensumstände, physische und psychische Gesundheit, Sozialverhalten und kulturelle Bildungschancen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kinderarmut, Lebenslagenansatz, Bildungsungleichheit, Gesundheit und Soziale Arbeit charakterisieren.
Welche Rolle spielt die elterliche Situation bei der psychischen Gesundheit der Kinder?
Laut der Arbeit wirken sich finanzieller und emotionaler Stress der Eltern negativ auf die Eltern-Kind-Beziehung aus, was dazu führen kann, dass Kinder elterliche Ängste übernehmen und ein geringeres Selbstwertgefühl entwickeln.
Warum haben Kinder aus armen Verhältnissen laut der Studie oft Schwierigkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen?
Die Arbeit führt an, dass Scham, mangelnde finanzielle Mittel für Vereine oder Geburtstage sowie ein oft externalisierendes, aggressives Verhalten die soziale Integration erschweren und zu Isolation führen können.
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- Bahriye Öztürk (Author), 2014, Kinderarmut in Deutschland. Welche Auswirkungen hat Armut auf die betroffenen Kinder?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284627