„Die Farben sind Taten des Lichts, Taten und Leiden.“ Über die Taten, also deren Wirkungen kann – laut Goethe in Zur Farbenlehre – zum Wesen eines Phänomens vorgedrungen werden. Was sind nun die phänomenologischen „Taten“ des Feuers?
Feuer geht einher mit Licht und Wärme. Doch dies sind positiv besetzte Attribute, und, wie sich zeigen wird, nicht die einzigen, die in Johann Wolfgang von Goethes Gedichten Anwendung finden. In seinen Werken inszeniert Goethe Feuer als sowohl schaffendes wie zerstörendes Prinzip, deren besondere Qualität, einer naturphilosophischen Grundlage bedingt. Bereits für Heraklit, jener Vorsokratiker, der sich intensivst mit Feuer beschäftigte, galt dieses als Urgrund alles Lebens:
Alle Qualitäten des Seins – selbst Gegensätze – sind im allumfassenden Feuer aufgehoben, „nicht äußerlich sichtbar, ist es eine Art von Weltseele, die alles Leben durchwirkt und das All der Erscheinungen aufbauend und zerstörend lenkt.“
Dieser Interpretation folgend, erhält Feuer als Element eine allumspannende und überschreitende Geltung, „so verfährt auch Goethe, indem er den Erdgeist als Feuer alles Lebendige beseelen und, durchaus heraklitisch die Gegensätze umgreifend, sogar ‚Geburt‘ und ‚Grab‘, also Werden und Vergehen bestimmen läßt.“
Doch die umfassende Bedeutung des Feuers ist nur eine Qualität des metaphorischen Gebrauchs in Goethes Werken. Es gibt „[k]napp 800 Belege [für Feuer], davon etwa 450 im dichterischen Werk, 150 in den [naturwissenschaftlichen] Schriften“ .
Den Begriff des Feuers durchzieht wie es scheint kein inflationärer Bedeutungsgehalt, dennoch enthält er eine Vielzahl an Implikationen. Nehme man – neben der pansophisch universalen Begrifflichkeit – das zerstörende und schaffende Prinzip im Prometheus sowie das kreative und schöpferische Attribut in Wandrers Sturmlied. So scheint die „[r]eiche Entfaltung der Bedeutungsstruktur, bes[onders] auch der Bildlichkeit, ab 1770, zuerst unter dem Eindruck von Mystik u Hermetismus [z.B. Feuer des Lebens], dann entsprechend dem Lebensgefühl des Sturm und Drangs [im Besonderen in der Hymnik, auf die im weiteren Verlauf eingegangen wird]“ einen interessanten Bearbeitungsgegenstand zu bieten. Neben der literarischen Verarbeitung beschäftigte sich Goethe auch intensiv mit dem theoretischen Konzept des Feuers in Form einer Vertiefung in die „Elementenlehre der Antike [sowie der] Rezeption der Oxidationstheorie Lavoisiers“. [...]
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung.
- II. Stoische Feuerlehre im Pantheismus des 18. Jahrhunderts..
- III. Feuermetaphorik in Goethes Hymnen und frühen Gedichten...
- III.I Prometheus.
- III.II Wandrers Sturmlied
- III.III Überblick weiterer Gedichte mit feuermetaphorischen Elementen..
- IV. Didaktische Bemerkungen
- V. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Ausarbeitung befasst sich mit der Feuermetaphorik in Goethes frühen Gedichten und Hymnen, insbesondere im Kontext der stoischen Feuerlehre und dem Pantheismus des 18. Jahrhunderts.
- Die stoische Feuerlehre als Grundlage für Goethes Verständnis des Feuerelements.
- Die Anwendung der Feuermetaphorik in Goethes Hymnen, insbesondere in "Prometheus" und "Wandrers Sturmlied".
- Die verschiedenen Bedeutungsaspekte des Feuers in Goethes Werk.
- Der Zusammenhang zwischen Feuer und Schöpfung, Zerstörung und Transformation.
- Die didaktischen Implikationen der Feuermetaphorik.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und erläutert die Bedeutung der Feuermetaphorik für Goethes Werk. Kapitel II beleuchtet die stoische Feuerlehre im Kontext des Pantheismus des 18. Jahrhunderts, wobei die Bedeutung des Feuers als allumfassendes Prinzip hervorgehoben wird. Kapitel III analysiert ausgewählte Hymnen Goethes, insbesondere "Prometheus" und "Wandrers Sturmlied", in Bezug auf die Feuermetaphorik. Dabei werden die verschiedenen Bedeutungsaspekte des Feuers, wie Schöpfung, Zerstörung und Transformation, untersucht. Kapitel IV bietet didaktische Reflexionen zur Feuermetaphorik und deren Relevanz für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Feuermetaphorik, Goethe, Stoische Feuerlehre, Pantheismus, Hymnen, Prometheus, Wandrers Sturmlied, Schöpfung, Zerstörung, Transformation, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Welche Bedeutung hat das Feuer in Goethes naturphilosophischem Verständnis?
Goethe betrachtet Feuer als ein allumfassendes Prinzip, das sowohl schaffende als auch zerstörende Qualitäten besitzt. Es wird als eine Art "Weltseele" inszeniert, die alles Lebendige beseelt.
Welche Rolle spielt die stoische Feuerlehre in dieser Arbeit?
Die stoische Feuerlehre dient als Grundlage für das Verständnis des Feuerelements im Kontext des Pantheismus des 18. Jahrhunderts, der Goethes Denken prägte.
In welchen Gedichten Goethes wird die Feuermetaphorik besonders analysiert?
Die Analyse konzentriert sich vor allem auf die Hymnen "Prometheus" und "Wandrers Sturmlied", in denen das Feuer als kreatives, schöpferisches und rebellisches Attribut erscheint.
Wie verbindet Goethe die Philosophie Heraklits mit dem Feuerelement?
Wie Heraklit sieht Goethe im Feuer den Urgrund des Lebens, der Gegensätze wie 'Geburt' und 'Grab' sowie 'Werden' und 'Vergehen' in sich vereint.
Wie oft thematisiert Goethe das Feuer in seinem Gesamtwerk?
Es gibt knapp 800 Belege für den Begriff Feuer, davon etwa 450 im dichterischen Werk und 150 in seinen naturwissenschaftlichen Schriften.
Welche didaktischen Aspekte werden in der Arbeit behandelt?
Das vierte Kapitel bietet didaktische Bemerkungen zur Relevanz der Feuermetaphorik für den Literaturunterricht.
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- Kai Wöbcke (Author), 2014, Zur Feuermetaphorik des jungen Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284473