Weltweit gibt es viele Staaten, die sich zur Umsetzung der Menschenrechte verpflichtet haben. Von diesen Staaten wird deshalb erwartet, dass sie die Menschenrechte ihrer Bürger achten, schützen und gewährleisten. Allerdings wissen die Menschen oft nichts von ihren Rechten und können diese deshalb bei ihrer Regierung, die sich für die Umsetzung der Menschenrechte verpflichtet hat, nicht einfordern. Die Realität zeigt, dass Millionen von Menschen geboren werden und sterben ohne jemals zu erfahren, dass ihnen Menschenrechte zustehen bzw. zugestanden hätten. Es hat sich aber gezeigt, dass Menschen, die mehr Erfahrung mit dem Menschenrechtssystem aufweisen, dieses auch besser nutzen können. Damit eine mündige Gesellschaft entwickelt werden kann, die ihre Rechte einzufordern weiss, ist die Menschenrechtsbildung enorm wichtig.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG, ZIEL UND GLIEDERUNG DER ARBEIT
2. MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERHINDERN DURCH DIE GESELLSCHAFT?
2.1 AMARTYA SEN’S CAPABILITY APPROACH
2.1 EXKURS: IST EINE UNIVERSELLE DURCHSETZUNG VON MENSCHENRECHTEN REALISTISCH?
2.2 DURCHSETZUNG DER MENSCHENRECHTE „VON UNTEN“ UND „VON OBEN“
2. 3 HINTERGRUND UND ZIEL VON MENSCHENRECHTSSTÄDTEN
2.4 ERFOLG VON MENSCHENRECHTSSTÄDTEN
3. DER CAPABILITY APPROACH IM VERGLEICH UND ANDERE PHILOSOPHISCHE ANSÄTZE
3.1 JOHN RAWLS GERECHTIGKEITSTHEORIE
3.2 THOMAS HOBBES: KRIEG ALLER GEGEN ALLE
3.3 JÜRGEN HABERMAS’ DISKURSETHIK
3.4 IMMANUEL KANTS KATEGORISCHER IMPERATIV: EINER FÜR ALLE UND JEDEN
4. NACH MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN: VERSÖHNUNG ZWISCHEN AUTORITÄTEN UND GESELLSCHAFT OHNE JURISTISCHE HILFE?
4.1 DIE AFRIKANISCHE MORALPHILOSOPHIE UBUNTU
4.2 TRUTH AND RECONCILIATION COMMISSIONS – Z.B. SÜDAFRIKA
5. UBUNTU UND ANDERE PHILOSOPHISCHE ANSÄTZE
5.1 AMARTYA SENS CAPABILITY APPROACH
5.2 JOHN RAWLS’ GERECHTIGKEITSTHEORIE
5.3 THOMAS HOBBES: KRIEG ALLER GEGEN ALLE
5.4 JÜRGEN HABERMAS’ DISKURSETHIK
5.5 IMMANUEL KANTS KATEGORISCHER IMPERATIV: EINER FÜR ALLE UND JEDEN
6. FAZIT UND AUSBLICK
7. QUELLEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und wie Menschenrechte durch die gesellschaftliche Ebene („von unten“) wirksam durchgesetzt werden können, um über rein strafrechtliche oder staatliche Mechanismen hinauszugehen. Dabei wird erforscht, wie Ansätze wie der Capability Approach und die afrikanische Philosophie „Ubuntu“ zur Etablierung von Menschenrechtsstädten oder Wahrheits- und Versöhnungskommissionen beitragen können.
- Die Rolle der gesellschaftlichen Ebene bei der Durchsetzung von Menschenrechten
- Analyse des Capability Approach nach Amartya Sen als Strategie für Menschenrechtsstädte
- Vergleichende Untersuchung philosophischer Ansätze (Rawls, Hobbes, Habermas, Kant) im Kontext von Gesellschaft und Staat
- Die Bedeutung von „Ubuntu“ für Versöhnungsprozesse nach Menschenrechtsverletzungen
- Das Modell der „Truth and Reconciliation Commissions“ am Beispiel Südafrikas
Auszug aus dem Buch
2.2 Durchsetzung der Menschenrechte „von unten“ und „von oben“
Bei Sen sind staatliche Massnahmen und damit die Gesetzgebung bei der Durchsetzung von Menschenrechten „von oben“ wichtig. Aber nicht nur. Er sieht den Menschen als Bürger, der sich jenseits rechtlich geregelter Verpflichtungen grundsätzlich wechselseitig verpflichtet ist. Wobei es für Sen Mittel und Wege gibt, die bei der Anerkennung von Menschenrechten wichtig und oft auch effektiv(er) sind als die rechtliche Ebene. So ist für Sen bei der Durchsetzung von Menschenrechten nicht nur die staatliche Anerkennung, die durch die Gesetzgebung Gestalt annimmt, sondern auch eine öffentliche Anerkennung, gesellschaftliche Aktivitäten sowie Menschenrechtsbildung – über Staatsgrenzen hinaus – wichtig. Man kann sagen, es handelt sich um eine universelle Menschenrechtsdurchsetzung „von unten“ mit der Hilfe von Mechanismen „von oben“.
Bei der Durchsetzung „von unten“ kann es sich um eine gesellschaftlich organisierte Anwaltschaft (advocacy) handeln, die die Einhaltung von Menschenrechten fordert. Es kann sich um eine Überwachung der Menschenrechte seitens Non-Governmental Organizations (NGOs) handeln, die versuchen einen effektiven öffentlichen Druck (naming and shaming) auszuüben, wenn Menschenrechte verletzt werden oder es kann sich um Aktivitäten in Bezug auf die Menschenrechtsbildung handeln (vgl. Sen 2004: 343f und 356). Letztere entsprechen dem Prinzip der Menschenrechtsstädte, auf die nun genauer eingegangen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG, ZIEL UND GLIEDERUNG DER ARBEIT: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage zur gesellschaftlichen Durchsetzung von Menschenrechten vor und definiert die Rolle von Menschenrechtsstädten sowie Truth and Reconciliation Commissions.
2. MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERHINDERN DURCH DIE GESELLSCHAFT?: Dieses Kapitel analysiert den Capability Approach als Basis für eine aktive gesellschaftliche Beteiligung und die Entstehung von Menschenrechtsstädten.
3. DER CAPABILITY APPROACH IM VERGLEICH UND ANDERE PHILOSOPHISCHE ANSÄTZE: Hier werden zentrale philosophische Theorien wie die von Rawls, Hobbes, Habermas und Kant hinsichtlich ihrer Eignung für eine gesellschaftliche Menschenrechtsdurchsetzung verglichen.
4. NACH MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN: VERSÖHNUNG ZWISCHEN AUTORITÄTEN UND GESELLSCHAFT OHNE JURISTISCHE HILFE?: Dieser Teil thematisiert die afrikanische Moralphilosophie Ubuntu und deren praktische Anwendung in südafrikanischen Versöhnungskommissionen.
5. UBUNTU UND ANDERE PHILOSOPHISCHE ANSÄTZE: Die Kapitel stellen die verschiedenen Philosophen erneut in den Kontext von Ubuntu, um zu prüfen, ob diese als Strategie hinter Versöhnungskommissionen dienen können.
6. FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst zusammen, dass eine mündige Gesellschaft durch die Verknüpfung von staatlichen Strukturen mit gesellschaftlichem Engagement die beste Voraussetzung für den Schutz der Menschenrechte bietet.
7. QUELLEN: Eine Auflistung der verwendeten rechtsphilosophischen und politikwissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Menschenrechte, Capability Approach, Ubuntu, Menschenrechtsstädte, Versöhnungskommission, Zivilgesellschaft, Menschenrechtsbildung, Gerechtigkeit, Rechtsphilosophie, politische Partizipation, soziale Gerechtigkeit, Autonomie, Diskurs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeit, Menschenrechte durch gesellschaftliches Engagement („von unten“) nachhaltig durchzusetzen, anstatt sich ausschließlich auf staatliche oder strafrechtliche Instanzen zu verlassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören der Capability Approach nach Amartya Sen, die afrikanische Philosophie Ubuntu, das Konzept der Menschenrechtsstädte sowie die Arbeit von Wahrheits- und Versöhnungskommissionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob und wie philosophische Ansätze dazu beitragen können, dass Bürger aktiv zur Achtung und zum Schutz von Menschenrechten beitragen, besonders in Situationen, in denen staatliche Autoritäten versagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsphilosophische Analyse und einen komparativen Vergleich verschiedener Theorien (Rawls, Hobbes, Habermas, Kant), um deren Relevanz für die gesellschaftliche Menschenrechtsdurchsetzung zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse des Capability Approach und den Vergleich mit anderen Denkern sowie die Untersuchung von Ubuntu als ideologisches Fundament für Versöhnungsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Menschenrechte, Capability Approach, Ubuntu, Menschenrechtsstädte und gesellschaftliche Partizipation.
Inwiefern unterscheidet sich der Capability Approach von Rawls' Gerechtigkeitstheorie laut der Autorin?
Während Rawls den Fokus auf die gerechte Verteilung materieller Güter durch den Staat legt, betont der Capability Approach die individuelle Freiheit und die Fähigkeit der Menschen, ihre Lebensentwürfe innerhalb einer Gesellschaft selbst zu bestimmen.
Warum wird die Truth and Reconciliation Commission (TRC) in Südafrika als Fallbeispiel gewählt?
Die TRC dient als Beispiel für eine Versöhnung, die durch die Philosophie von Ubuntu geprägt ist und es ermöglichte, historische Ungerechtigkeiten transparent zu machen, ohne primär auf strafrechtliche Verfolgung zu setzen.
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- Martina Schöb (Author), 2013, Universelle Durchsetzung der Menschenrechte auf Gesellschaftsebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284220