Im Rahmen des Seminars „Qualitätsentwicklung pflegerischer Arbeitsprozesse“ wurde sich mit Clinical Pathways bzw. Klinischen Behandlungspfaden auseinandergesetzt.
Wesentliche Grundlage des Referats waren hierbei ein Studienbrief zum Thema „Organisationsmanagement - Reorganisation im Gesundheitswesen“ von Dr. Silke Kühnle aus dem Jahre 2003 sowie des Aufsatzes „Klinische Behandlungspfade: Ein Weg zur Integration von standardisierter Behandlungsplanung und Patientenorientierung?“ von Barbara Hellige und Renate Stammer aus dem Jahre 2005.
Ausgehend von diesen Quellen stellen die Referenten das Instrument „Clinical Pathways“ in vor, betrachten seine Entstehungsgeschichte, seine Grundlagen und die Ziele, welche mit seiner Implementierung verfolgt werden.
Darauf aufbauend erfolgt eine kritische Betrachtung der Behandlungspfade, welche Chancen und Risiken bei der Einführung in Deutschland mit dem besonderen Fokus der Pflege darstellt.
Anschließend erfolgt eine Darstellung des s.g. „Kölner Modells“, welches als Beispiel für eine gelungene Umsetzung der Materie präsentiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Clinical Pathways
2.1. Entwicklung
2.2. Motiviation
2.3. Grundlagen
2.4. Clinical Pathways in der Praxis
3. Kritik
3.1. CP entlehnen sich an Ökonomie und sind fürs Gesundheitssystem nicht geeignet
3.2. Medizin und KKH-Zentrierung
3.3. System
3.4. Zweckrationalität vs. Komm. Verständigung
4. Lösungsansätze
4.1. Lösungsansätze der Autoren: Kölner Modell
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht das Instrument der „Clinical Pathways“ (klinische Behandlungspfade) im Kontext der pflegerischen Organisationsentwicklung. Ziel ist es, die Entstehung, Grundlagen und Ziele dieser Pfade darzustellen, eine kritische Analyse ihrer Chancen und Risiken im deutschen Gesundheitswesen vorzunehmen sowie mit dem „Kölner Modell“ eine praxisorientierte Lösung für eine patientenzentrierte Prozessgestaltung aufzuzeigen.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte von Clinical Pathways
- Kritische Analyse der ökonomischen und medizinischen Zentrierung
- Risiken der Standardisierung für die professionelle Pflege
- Das Kölner Case Management-Modell als Referenzbeispiel
Auszug aus dem Buch
3.4. Zweckrationalität vs. Komm. Verständigung
In ihren Ausführungen beklagen Hellige und Stemmer das Fehlen einer handlungstheoretischen Fundierung von klinischen Pfaden. Ohne ein solches Fundament sei es nicht möglich Qualitätsindikatoren für eine patientenzentrierte Ausrichtung der Clinical Pathways zu finden. Ohne explizit genannt zu sein, würde bei der Entwicklung der Pfade strategisches, auf bestimmte Zwecke gerichtetes, Handeln vor auf kommunikativer Verständigung ausgerichtetem Handeln dominieren. Gepaart mit dem Primat von Medizin und Ökonomie bei der Pfadentwicklung ergäben sich vielfältige Gefahren.
Aus pflegerischer Perspektive sollte die Pfadentwicklung geleitet sein durch das Ziel der Herstellung kommunikativer Verständigung. Das gemeinsame Entwickeln von Zielen und das Herbeiführen von Verstehensprozessen ist kaum in linearen Pfaden abbildbar, da beim kommunikativen Handeln im Gegensatz zum strategischen Handeln keine fest definiertes Zielkriterium zu machen ist. Macht man dies trotzdem läuft man Gefahr der Pflege ein Wesensmerkmal zu rauben. Kommunikaive Verständigung ergibt sich eben auch aus indirekten, impliziten, nicht benennbaren Faktoren in der Pflege-Patient Beziehung. Eine Einengung dieses Handlungsspielraums auf starre Behandlungspfade nimmt der Pflege diese besondere Offenheit und beschränkt sie künstlich auf „vordefinierte Handlungsoptionen“ [Hellige/Stemmer (2005)]. Die Sprache und die Kategorien in denen man denkt verengen sich auf die Optionen des Behandlungspfades, welche basierend auf strategischem Handeln vorselektiert sind und somit Tür und Tor für eine „pflegekulturelle Verarmung“ öffnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autoren führen in die Thematik der Clinical Pathways ein, benennen die verwendeten Studienquellen und skizzieren den Aufbau der kritischen Betrachtung sowie die Vorstellung eines Lösungsmodells.
2 Clinical Pathways: Dieses Kapitel definiert klinische Behandlungspfade als konsensbasierte Dokumentationsinstrumente, beleuchtet ihre industrielle Herkunft und ihren Zusammenhang mit dem DRG-Vergütungssystem.
3. Kritik: Die Autoren hinterfragen die Ökonomisierung der Patientenversorgung, die Vernachlässigung der pflegerischen Perspektive und das Fehlen einer handlungstheoretischen Basis in linearen Pfadmodellen.
4. Lösungsansätze: Hier wird das Kölner Case Management-Modell als erfolgreiche Verknüpfung von System- und Fallmanagement präsentiert, das die Patientenperspektive stärker in den Fokus rückt.
Schlüsselwörter
Clinical Pathways, Klinische Behandlungspfade, Organisationsentwicklung, Pflege, DRG-System, Case Management, Kölner Modell, Prozessoptimierung, Qualitätsentwicklung, Patientenorientierung, Systemtheorie, Ökonomisierung, Krankenhausmanagement, Fallmanagement, Standardisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und kritischen Bewertung von "Clinical Pathways" im Krankenhauswesen unter besonderer Berücksichtigung pflegerischer Prozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Logik hinter Behandlungspfaden, deren Auswirkungen auf die pflegerische Autonomie und der Vorstellung alternativer Konzepte wie dem Case Management.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse, ob klinische Pfade der Komplexität pflegerischer Arbeit gerecht werden und wie eine patientenzentrierte Gestaltung in der Praxis gelingen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und einer kritischen Auseinandersetzung mit Fachaufsätzen und Studienbriefen zum Thema Prozessreorganisation im Gesundheitswesen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition von Clinical Pathways, eine kritische Hinterfragung ihrer Struktur und ökonomischen Ausrichtung sowie die Vorstellung des Kölner Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Clinical Pathways, Case Management, Pflege und Organisationsentwicklung definieren.
Was genau kritisiert der Autor an der Systemtheorie in den Pfaden?
Kritisiert wird, dass viele Pfade nur lineare Abläufe abbilden und soziale Systeme, wie das Krankenhaus, als unberechenbar missachten, wodurch die menschliche Komponente und situative Flexibilität verloren gehen.
Warum ist das Kölner Modell für die Pflege besonders interessant?
Das Kölner Modell verknüpft System- und Fallmanagement so, dass nicht nur ökonomische Kriterien zählen, sondern explizit auch die Bedürfnisse des Patienten und des sozialen Umfelds in die Planung einbezogen werden.
- Quote paper
- Mario Schröder (Author), 2009, Clinical Pathways. Kritik und Lösungsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284000