Woher kommt die Angst, die wir verspüren, das unangenehme Gefühl, das wir als Deutsche als zum Großteil christlich sozialisierte Gesellschaft bekommen, wenn es um den Islam in Deutschland geht? Was ist es, wovor wir Angst haben oder was uns Unbehagen bereitet?
„Der Islam gehört zu Deutschland“ (Christian Wulff 03.10.2010). Beim Hören dieses Satzes unseres Bundespräsidenten aus der Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit steht vielen deutschen Bürgern das Unverständnis ins Gesicht geschrieben. Wie kann er denn so etwas sagen? Türkischunterricht in Grundschulen, Islamunterricht und jetzt auch noch die Studiengänge zur Ausbildung von Imamen. „Wie konnte es nur soweit kommen?“, flüstert es in vielen Köpfen und Gesprächen immer wieder nicht nur zwischen den Zeilen. Bis heute ist die Diskussion über diesen Satz eine heiß umkämpfte Debatte, die nicht nur in der Politik geführt wird. Der Spiegel Online unterstützt mit dem Debattenbeitrag „Warum der Minister recht hat“ vom 06.03.2011 die Aussage unseres Innenministers Hans Peter Friedrich, der mit den Worten „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ eine klare Gegenposition zu den Worten des Bundespräsidenten einnimmt und somit weiter zum Überdenken dieses Satzes anstichelt.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Einführung zum Interreligiösen Dialog am Beispiel der interreligiösen Kulturwochen in Garbsen
1.1 Einführung zum interreligiösen Dialog
1.2 Interreligiöse Kulturwochen
1.3 Politisches Interesse am interreligiösen Dialog
1.4 Die Weltethoserklärung
1.5 Weitere interreligiöse Projekte
2. Relevanz des interreligiösen Dialogs für den interkulturellen Dialog in Deutschland
2.1 Stellenwert der Religion in der Gesellschaft
2.2 Angst vor dem Islam?
2.3 Religion und Tradition
3. Soziologie des Dialogs
3.1 Stereotypen von Muslimen
3.2 Mögliche Ursachen für Stereotypen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Spannungen im interreligiösen Dialog in Deutschland zwischen christlicher Sozialisation und gesellschaftlich wahrgenommener Islamphobie. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Kommunikation zwischen Islam und Christentum in einer postsäkularen Gesellschaft entwickelt und welche Faktoren – jenseits der reinen Religionsunterschiede – Unbehagen und Stereotypen hervorrufen.
- Analyse des interreligiösen Dialogs am konkreten Beispiel der Kulturwochen in Garbsen
- Untersuchung des politischen Interesses und der Bedeutung der Weltethoserklärung
- Reflektion über den Stellenwert der Religion im deutschen Gesellschaftskontext
- Soziologische Betrachtung von Stereotypen über Muslime und deren mediale sowie kulturelle Ursachen
Auszug aus dem Buch
Mögliche Ursachen für Stereotypen
Festzustellen ist also ob diese Ängste, die wir vor der Islamischen Welt und ihrer Kultur haben tatsächlich berechtigt sind und wenn ja, ob die Verallgemeinerung dieser Ängste auf die gesamte Islamische Welt oder nur auf einen kleinen Teil von Extremisten und Fundamentalisten zutrifft. Exakt an diesem Punkt scheint die Argumentationskette zu reißen, denn erhebt nicht der Islam den Absolutheitsanspruch, die einzig wahre Religion zu sein und den Koran als einen durch verbalinspiriration geschriebenen und somit unwiderruflichen Glaubenskodex. Ist er damit nicht automatisch Fundamentalistisch? Gibt es also diese Liberal denkenden Muslime überhaupt? Alleine aus meiner Erfahrung mit liberal denkenden Muslimen zu sprechen, wäre an dieser Stelle keine besonders überzeugende Argumentation um eine Gegenposition zu vertreten, daher bin ich sehr froh über folgenden Beitrag im ZDF gestolpert zu sein, in dem Passanten zur Rede von Christian Wulff, die ich eingangs erwähnte, befragt wurden. Hier äußert sich Mohsseu Amiri zu den teilweise menschenrechtswidrigen Passagen des Korans mit folgenden Worten:
„Einige dieser Gesetze, die gegen die Menschenrechte sind, müssen reformiert werden. Das ist die Aufgabe von den islamischen Theologen, die Reformierung des Islam wie Martin Luther in Europa.“
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Debatte um die Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ und formuliert die Forschungsfrage nach den Ursachen für die gesellschaftlichen Ängste und das Unbehagen gegenüber dem Islam.
1. Einführung zum Interreligiösen Dialog am Beispiel der interreligiösen Kulturwochen in Garbsen: Dieses Kapitel stellt Praxisbeispiele für interreligiöse Verständigung vor, erläutert die Bedeutung der Weltethoserklärung und thematisiert das politische Interesse an einem gelingenden Dialog.
2. Relevanz des interreligiösen Dialogs für den interkulturellen Dialog in Deutschland: Es wird der Stellenwert der Religion in der deutschen Gesellschaft analysiert und argumentiert, dass nicht primär religiöse Unterschiede, sondern Differenzen in Kultur und Tradition das Unbehagen auslösen.
3. Soziologie des Dialogs: Hier werden die Entstehung von Stereotypen gegenüber Muslimen, die Rolle der medialen Berichterstattung sowie die Existenz liberaler Strömungen im Islam untersucht.
Schlüsselwörter
Interreligiöser Dialog, Islam, Christentum, Postsäkularität, Weltethos, Islamphobie, Gesellschaft, Religion, Tradition, Stereotypen, Kultur, Migration, Integration, Deutschland, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Kommunikationsdynamiken zwischen Islam und Christentum in Deutschland und untersucht, warum das Thema in einer postsäkularen Gesellschaft so kontrovers diskutiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der interreligiöse Dialog, die Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft, das Entstehen von Vorurteilen sowie der Einfluss von Medien und kulturellen Traditionen auf das gesellschaftliche Miteinander.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die Angst und das Unbehagen gegenüber dem Islam in einer christlich geprägten Gesellschaft zu ergründen und aufzuzeigen, wie ein fundierter Dialog diese Ängste abbauen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung aktueller gesellschaftspolitischer Debatten, Medienberichte und empirischer Studien wie dem Religionsmonitor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung von Praxisbeispielen (Garbsen), eine soziologische Reflexion über den Stellenwert von Religion und eine kritische Untersuchung der Entstehung von Stereotypen gegenüber Muslimen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interreligiöser Dialog, Islamphobie, Weltethos und interkulturelle Verständigung charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt der Weltethoserklärung in dieser Untersuchung zu?
Die Weltethoserklärung dient als theoretisches Fundament, um aufzuzeigen, dass verschiedene Weltreligionen gemeinsame ethische Kernelemente teilen, die eine Basis für ein friedliches Zusammenleben bilden können.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Medien?
Der Autor sieht in der einseitigen medialen Berichterstattung einen wesentlichen Faktor, der Vorurteile schürt und die Entstehung eines negativen Feindbildes gegenüber dem Islam fördert.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des Verhältnisses von Religion und Kultur?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass nicht die Religion an sich, sondern kulturelle Prägungen und Traditionen die größten Barrieren im Dialog darstellen und diese Differenzen durch Begegnung überwunden werden müssen.
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- Christoph Jagstaidt (Author), 2011, Wie entwickelt sich die Kommunikation zwischen Islam und Christentum in Zeiten der Postsäkularität?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/283703