Unter Migration verstehen wir im allgemeinen "Wanderung, Bewegung von Individuen oder Gruppen im geografischen oder sozialen Raum, die mit einem Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist". Völkerwanderungen gibt es, seit es Menschen gibt. Historische Beweise dafür finden wir schon in antiken Werken, wie zum Beispiel über die Reise des Aeneas nach Sizilien als Metapher für den Bevölkerungsdruck in Westgriechenland und die griechische Kolonienbildung in Italien, sowie in der Bibel, in der zahlreiche Geschichten von Flucht und Vertreibung vorkommen. Alleine Menschen mit jüdische Wurzeln sind ein Paradebeispiel für Flucht und Vertreibung. Aber auch Entdeckungsdrang und Neugierde waren Gründe für Wanderungen, wie uns Historiker bestätigen. Auch fand demnach eine reziproke Beeinflussung in vielerlei Hinsicht statt.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition und Ursachen von Migration
1.1 Entwicklung von Migration
2. Zur Problematik der Beziehung zwischen Einheimischen und Zugewanderten in modernen Gesellschaften
2.1 Moderne Gesellschaften als spannungsgeladene Gebilde
2.2 Marginalität der Eingewanderten und Verlust des Mobilitäts- und Modernitätsvorsprungs
2.3 Traditionen in modernen Gesellschaften
3. Rassismus in Europa als institutionelles Phänomen
4. Assimilation, Integration und ethnische Konflikte
5. Die Wirkung von Kommunikation
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Dynamik der Integration von Migrantinnen und Migranten in moderne Gesellschaften, wobei ein besonderer Fokus auf den Auswirkungen von Kommunikation im Assimilationsprozess sowie den institutionellen Mechanismen von Rassismus und Ausgrenzung liegt.
- Grundlagen und Ursachen von Migrationsbewegungen
- Spannungsfelder in der Beziehung zwischen Einheimischen und Zugewanderten
- Rassismus als institutionelles Phänomen innerhalb Europas
- Differenzierung zwischen Integration und Assimilation
- Der Einfluss von Kommunikationsprozessen auf die soziale Eingliederung
Auszug aus dem Buch
5. Die Wirkung von Kommunikation
Wenn wir von Kommunikation sprechen, meinen wir im allgemeinen die Übertragung von Informationen von einem Sender auf einen Empfänger. Früher sind Kommunikationstheoretiker davon ausgegangen, dass dieser Vorgang reibungslos passiert, wenn Störquellen wie Rauschen o.ä. ausgeblendet werden. Spätestens seit Niklas Luhmann änderte sich diese Sichtweise in eine selektionstheoretische Interpretation. „Dabei wird davon ausgegangen, dass es keine „Übertragung“ von Informationen mehr gibt, sondern daß jeder Kommunikationsprozess auf einer Reihe von „Selektionen“ der beteiligten Akteure beruht, wobei die jeweils mitgeteilten „Informationen“ den (potentiellen) Empfänger immer nur zu Selektionen veranlasst, die auch ganz anders ausfallen könnten, als vom Sender jeweils beabsichtigt.“ (Esser 2000: 28) Das bedeutet, dass der Empfänger Selektionen vornimmt, die damit beginnen, dass der Empfänger sich sozusagen den Sender auswählen kann. Ebenfalls trifft bereits der Sender eine Auswahl, nämlich durch die Art der Informationen, die meist für potentielle Empfänger bestimmt sind.
Dann ist es auch nicht unwesentlich, auf welche Art die Information transportiert wird. Es macht einen großen Unterschied, ob Kommunikation direkt verbal, schriftlich oder über Symbole passiert. Dann muss die Information noch verstanden werden. Ebenso nimmt die Erwartungshandlung auf eine Reaktion Selektionsgewicht ein. Zu guter Letzt ist zu sagen, dass der Empfänger auch dann noch Selektionen vornimmt, wenn er die Information versteht, sich dann aber aus anderen Selektionsgründen, wie die Wichtigkeit eigener Abwägungen, anders entscheidet, wie er die Information aufnimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition und Ursachen von Migration: Dieses Kapitel definiert den Migrationsbegriff und differenziert zwischen freiwilliger Migration sowie Fluchtwanderungen aufgrund von Verfolgung oder existentieller Bedrohung.
1.1 Entwicklung von Migration: Hier werden historische Migrationsphänomene betrachtet und der Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Entwicklungen und Wanderungsbewegungen am Beispiel Österreichs aufgezeigt.
2. Zur Problematik der Beziehung zwischen Einheimischen und Zugewanderten in modernen Gesellschaften: Dieses Kapitel thematisiert die Spannungen zwischen der ansässigen Bevölkerung und Migranten, die oft durch den empfundenen Mobilitätsvorsprung der Neuankömmlinge ausgelöst werden.
2.1 Moderne Gesellschaften als spannungsgeladene Gebilde: Es werden die systemimmanenten Zwänge moderner Gesellschaften analysiert, die zu Konkurrenzdruck und einer ablehnenden Haltung gegenüber Fremden führen.
2.2 Marginalität der Eingewanderten und Verlust des Mobilitäts- und Modernitätsvorsprungs: Dieses Kapitel erläutert, wie durch Modernisierungsdruck und soziale Ausgrenzung die Identitätsbildung in einer sogenannten „ethnic community“ begünstigt wird.
2.3 Traditionen in modernen Gesellschaften: Hier wird untersucht, wie etablierte Gesellschaften durch das Festhalten an Traditionen und die Abwehr von Neuankömmlingen Mechanismen der sozialen Exklusion aufrechterhalten.
3. Rassismus in Europa als institutionelles Phänomen: Dieses Kapitel beschreibt Rassismus nicht als individuelles Vorurteil, sondern als tief in den sozioökonomischen Strukturen Europas verwurzeltes Phänomen.
4. Assimilation, Integration und ethnische Konflikte: Es wird theoretisch zwischen Systemintegration und sozialer Integration unterschieden, um die Herausforderungen bei der Eingliederung in multiethnische Gesellschaften zu verdeutlichen.
5. Die Wirkung von Kommunikation: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Kommunikationsprozesse durch Selektion geprägt sind und welche zentrale Rolle die Sprachkompetenz für den Erfolg der sozialen Integration spielt.
6. Fazit: Das Fazit fordert eine Abkehr von der einseitigen Erwartungshaltung an Migranten und plädiert für die Auflösung ethnischer Gruppierungen zugunsten einer stärkeren Individualisierung und gleichen Chancen für alle.
Schlüsselwörter
Migration, Integration, Assimilation, Kommunikation, Rassismus, Institutionelle Diskriminierung, Moderne Gesellschaft, Ethnie, Sprachkompetenz, Soziale Mobilität, Identität, ethnic community, Marginalisierung, Systemintegration, Sozialintegration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Problematik der Integration von Migrantinnen und Migranten in moderne europäische Gesellschaften und analysiert dabei die Hürden des Assimilationsprozesses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Ursachen von Migration, die Spannungsverhältnisse zwischen Einheimischen und Zugewanderten, Rassismus als institutionelle Struktur sowie die Bedeutung von Kommunikation und Sprache für die soziale Teilhabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Assimilation ein wechselseitiger Prozess ist und dass bestehende ethnische Schichtungen durch politische Maßnahmen und die Förderung von Individualisierung abgebaut werden müssen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven oder Theorien werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf soziologische Ansätze wie die Theorie der Etablierten-Außenseiter-Figuration nach Elias/Scotson, systemtheoretische Überlegungen von Niklas Luhmann und Analysen von Etienne Balibar zum institutionellen Rassismus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Migration, die Analyse soziokultureller Spannungsfelder, die Untersuchung institutioneller Diskriminierung sowie die theoretische Aufarbeitung der Kommunikationsprozesse im Migrationskontext.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Migration, Assimilation, institutionelle Diskriminierung, Kommunikation, ethnische Segregation und soziale Mobilität.
Welche Rolle spielt die Sprache im Integrationsprozess laut dieser Arbeit?
Die Arbeit betont, dass Sprachkompetenz als eine der stabilsten Voraussetzungen für die soziale Integration gilt, da sie den Zugang zu interethnischen Kontakten und weiterführenden gesellschaftlichen Positionen ermöglicht.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Medien bei der Integration?
Der Autor äußert Skepsis gegenüber der Wirksamkeit massenmedialer Aufklärungskampagnen, da diese oft binnenethnischer Kommunikation nicht entgegenwirken können und Gefahr laufen, bestehende ethnische Schichtungen eher zu verstärken.
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- BA Brigitte Winklbauer (Author), 2010, Zur Problematik der Integration von MigrantInnen und die Wirkung von Kommunikation im Prozess der Assimilation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/283544