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Das Phänomen der Mehrfach- und Intensivtäter vor dem Hintergrund jugendstrafrechtlicher Reformbewegungen

Title: Das Phänomen der Mehrfach- und Intensivtäter vor dem Hintergrund jugendstrafrechtlicher Reformbewegungen

Diploma Thesis , 2006 , 99 Pages , Grade: 2,4

Autor:in: Dipl. Soz. Päd/ Gesundheits- und Krankenpfleger/ Fachkrankenpfleger Psychiatrie Matthias Thielen (Author)

Social Work

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Summary Excerpt Details

Die Entwicklung der Jugendkriminalität steht seit einigen Jahren verstärkt im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Auftrieb hat die öffentliche Diskussion in den letzten Jahren durch Berichte über Wiederholungstäter wie den bekannten Münchener „Mehmet“, sowie in jüngster Zeit aufgrund Meldungen über die zunehmende Brutalität und den Sittenverfall an Berliner Schulen, erfahren. Aufgrund solcher Vorfälle wird auch die öffentliche Diskussion um die Effizienz und Angemessenheit des Jugendstrafrechts neu entfacht. In der Öffentlichkeit herrscht Unverständnis über die „Vergnügungen, in deren Genuss die Verbrecher kommen“ , wenn sie trotz mehrerer Straftaten auch noch mit (erlebnis-) pädagogischen Maßnahmen belohnt werden. Forderungen nach einer Verschärfung des Strafrechts werden laut.

Die vorliegende Arbeit thematisiert das Phänomen der so genannten Mehrfach- und Intensivtäter als besondere Erscheinungsform innerhalb der Jugendkriminalität. Diese Problematik wird in den Kontext jugendstrafrechtlicher Reformbewegungen gestellt.

Zunächst gibt der erste Teil der Arbeit einen Überblick über das Jugendstrafrecht und die einzelnen Reformen, aus denen das für die heutige Jugendstrafrechtspraxis grundlegende Jugendgerichtsgesetz hervorging. Exemplarisch werden als Ergebnisse der Reformen die Diversion und der Täter- Opfer- Ausgleich thematisiert.

Im zweiten Teil wird die Gruppe der Mehrfach- und Intensivtäter in relevanten Aspekten umschrieben, um ein ganzheitliches Bild dieses Tätertypus zu entwerfen. Da-bei werden die Probleme, die sich im Umgang mit dieser Gruppe für die Jugendkriminalrechtspflege ergeben, dargestellt.

Anschließend werden verschiedene Kriminalitätstheorien vorgestellt, mit denen das Zustandekommen von Kriminalität erklärt werden kann und die somit Aufschluss über die Ursachen fortgesetzter strafrechtlicher Auffälligkeit geben.

Im vierten Teil der Arbeit werden die gegenwärtigen Forderungen nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts in ihrer zentralen Zielsetzung und Begründung wiedergegeben. Nachfolgend wird die Entwicklung der Jugendkriminalität einer kritischen Betrachtung unterzogen. Dabei wird vor allem auf die Rolle der Medien innerhalb der öffentlichen Diskussion eingegangen. Auch die Bedeutung, die dem „Typus Mehrfach- und Intensivtäter“ für die fachliche und öffentliche Debatte um einen Anstieg der Jugendkriminalität zukommt, soll vor Augen geführt werden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Jugendstrafrecht

2.1. Besonderheiten des Jugendstrafrechts

2.2. Die Rechtsfolgen des Jugendgerichtsgesetzes

3. Die Reformen des Jugendstrafrechts

3.1. Das Jugendgerichtsgesetz von 1923

3.2. Das Jugendgerichtsgesetz von 1953

3.3. Das 1. Jugendgerichtsgesetz- Änderungsgesetz von 1990

3.3.1. Die Diversion

3.3.2. Der Täter- Opfer- Ausgleich

3.4. Zusammenfassung

4. Das Phänomen der Mehrfach- & Intensivtäter

4.1. Definition der Tätergruppe

4.2. Zahlen und Fakten zum „Mehrfachtäter- Phänomen“

4.3. Die Qualität der Delikte der Mehrfachtätergruppe

4.4. Das Problem der Prognostizierbarkeit krimineller Karrieren

4.5. Psycho- Soziale- Merkmale aus der Retrospektive

4.6. Zusammenfassung

5. Exkurs Sanktionsforschung

5.1. Sinn und Zweck von Strafe

5.2. Erkenntnisse der Sanktionsforschung

5.3. Systembedingte Mängel

6. Theorien zur Kontinuität und Diskontinuität krimineller Karrieren

6.1. Klassische Theorien

6.1.1. Die Theorie der differentiellen Assoziationen

6.1.2. Die Theorie der delinquenten Subkultur

6.1.3. Die Drucktheorie

6.1.4. Die Theorie des Labeling- Approach

6.1.5. Die Kontrolltheorie

6.1.6. Die Abschreckungstheorie

6.2. Zusammenfassung

6.3. Entwicklungsdynamische Kriminalitätstheorien

6.3.1. Die Beschämungstheorie

6.3.2. Die Allgemeine Drucktheorie

6.4. Die altersabhängige Kontrolltheorie von Sampson & Laub

6.4.1. Soziales Kapital

6.4.2. Verlust von sozialem Kapital und Kontinuität von Delinquenz

6.4.3. Wendepunkte und Zugewinn sozialen Kapitals

6.5. Die Allgemeine Kriminalitätstheorie von Gottfredson & Hirschi

6.5.1. Der Begriff der Selbstkontrolle nach Gottfredson & Hirschi

6.5.2. Die Entstehung von Selbstkontrolle

6.6. Folgerungen aus den Theorien

7. Gegenwärtige Reformbewegungen

7.1. Verschärfung des Jugendstrafrechts

7.2. Gründe für die Verschärfung

7.3. Entwicklung der Jugendkriminalität

7.3.1. Zusammenfassung

8. Die mediale Berichterstattung

9. Der Terminus des Mehrfach- & Intensivtäters

10. Der Reformvorschlag der DVJJ

11. Die Reformdiskussion aus sozialpädagogischer Sicht

12. Das Phänomen der Mehrfach- & Intensivtäter aus sozialpädagogischer Sicht

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert das Phänomen der Mehrfach- und Intensivtäter im Kontext aktueller jugendstrafrechtlicher Reformbewegungen. Ziel ist es, ein ganzheitliches Bild dieser Tätergruppe zu entwerfen, die Probleme im Umgang mit ihnen für die Jugendkriminalrechtspflege darzustellen und die Wirksamkeit aktueller sowie geforderter Sanktionen aus kriminologischer und sozialpädagogischer Sicht kritisch zu hinterfragen.

  • Rechtliche Grundlagen und Entwicklung des Jugendstrafrechts sowie das Jugendgerichtsgesetz.
  • Theoretische Erklärungsansätze für die Kontinuität und Diskontinuität krimineller Karrieren.
  • Kritische Analyse der medialen Berichterstattung und deren Einfluss auf die Kriminalpolitik.
  • Gegenüberstellung von Reformforderungen zur Verschärfung des Strafrechts und sozialpädagogischen Ansätzen der DVJJ.
  • Problematisierung der Prognostizierbarkeit krimineller Laufbahnen.

Auszug aus dem Buch

3.3.1. Die Diversion

Der Erkenntnis über die Episodenhaftigkeit von jugendlichen Normverstößen wird im Jugendstrafrecht vor allem mit der Möglichkeit zur Diversion begegnet. Im Folgenden werden die grundlegenden Fakten zur Diversion skizziert. Diversion bedeutet Um- bzw. Ableitung. Gemeint ist die informelle Verfahrenserledigung vor Beginn des formellen Sanktionsverfahrens, die tatverdächtige Person wird gewissermaßen aus dem Kriminaljustizsystem „abgeleitet“.

Hierdurch sollen die negativen Auswirkungen, wie Stigmatisierung des Täters und Kriminalisierung der „normalen“/ episodenhaften und ubiquitären Jugendkriminalität, eines förmlichen Strafverfahrens vermieden bzw. begrenzt werden. Bei leichten bzw. Bagatellstraftaten Jugendlicher wird lediglich die Notwendigkeit einer gewissen Normverdeutlichung gesehen. Es ist anzunehmen, dass bereits die Erfahrung des „Erwischtwerdens“, einer Vorladung und die Durchführung eines polizeilichen Verhörs ausreichend abschreckende Wirkung auf den Jugendlichen ausüben.

Im Gegensatz zu den USA ist die Diversion in Deutschland eine „Domäne der Staatsanwaltschaft“, die Entscheidung bezüglich der Diversion im Einzelfall wird durch die Staatsanwaltschaft (nicht durch die Polizei), unter Berücksichtigung der Stellungnahme der JGH, getroffen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema Jugendkriminalität und die Relevanz der Mehrfach- und Intensivtäter-Problematik im Kontext jugendstrafrechtlicher Reformen.

2. Das Jugendstrafrecht: Darstellung der jugendspezifischen Besonderheiten und des Rechtsfolgensystems im Jugendgerichtsgesetz.

3. Die Reformen des Jugendstrafrechts: Überblick über die historische Entwicklung des JGG und die Einführung ambulanter Maßnahmen wie Diversion und Täter-Opfer-Ausgleich.

4. Das Phänomen der Mehrfach- & Intensivtäter: Definition der Tätergruppe, quantitative Daten und die Herausforderungen bei der Prognose krimineller Karrieren.

5. Exkurs Sanktionsforschung: Kritische Auseinandersetzung mit Sinn, Zweck und tatsächlicher Wirksamkeit von Strafen, insbesondere bei stationären Sanktionen.

6. Theorien zur Kontinuität und Diskontinuität krimineller Karrieren: Vorstellung klassischer, entwicklungsdynamischer und integrierender Kriminalitätstheorien zur Erklärung abweichenden Verhaltens.

7. Gegenwärtige Reformbewegungen: Analyse aktueller Bestrebungen zur Verschärfung des Jugendstrafrechts und der zugrunde liegenden Argumentation.

8. Die mediale Berichterstattung: Untersuchung der Rolle der Medien bei der Bildung öffentlicher Meinung zur Kriminalitätsentwicklung und deren Einfluss auf die Kriminalpolitik.

9. Der Terminus des Mehrfach- & Intensivtäters: Analyse der symbolischen Wirkung des Begriffs in Debatten und seine Bedeutung für den Legitimationsdruck der Jugendkriminalrechtspflege.

10. Der Reformvorschlag der DVJJ: Darstellung der fachlichen Gegenentwürfe zu repressiven Verschärfungsforderungen mit Fokus auf soziale Integration.

11. Die Reformdiskussion aus sozialpädagogischer Sicht: Kritische Würdigung der Reformbemühungen und Plädoyer für eine stärkere Umsetzung sozialpädagogischer Ansätze.

12. Das Phänomen der Mehrfach- & Intensivtäter aus sozialpädagogischer Sicht: Zusammenfassende Betrachtung der Problematik und Forderung nach präventiven, sozialpädagogischen Interventionen.

Schlüsselwörter

Jugendstrafrecht, Jugendkriminalität, Mehrfachtäter, Intensivtäter, Diversion, Sanktionsforschung, Kriminalitätstheorien, Prävention, Resozialisierung, Täter-Opfer-Ausgleich, Jugendgerichtsgesetz, Jugendvollzug, Delinquenz, soziale Kontrolle, kriminelle Karriere

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Umgang mit Jugendkriminalität, mit einem besonderen Fokus auf die spezifische Problematik der sogenannten Mehrfach- und Intensivtäter innerhalb des jugendstrafrechtlichen Systems.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Jugendstrafrechts, die Analyse kriminologischer Theorien zu kriminellen Laufbahnen, der Einfluss der Medien auf die Wahrnehmung von Kriminalität sowie eine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Reformforderungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, das Phänomen der Mehrfach- und Intensivtäter zu durchdringen, die Effektivität bestehender und geforderter Sanktionen zu prüfen und Argumente für eine sozialpädagogisch orientierte Kriminalpolitik zu liefern.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse, der Auswertung polizeilicher Kriminalstatistiken (PKS) sowie der kritischen Diskussion aktueller Gesetzesentwürfe und reformpolitischer Ansätze (DVJJ) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die rechtlichen Grundlagen, die Analyse kriminologischer Theorien, die Darstellung des Mehrfach-Intensivtäter-Phänomens, einen Exkurs zur Sanktionsforschung sowie die Diskussion aktueller politischer Reformbewegungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Jugendstrafrecht, Mehrfach- und Intensivtäter, Diversion, Resozialisierung, Kriminalitätstheorien und Prävention.

Wie bewertet der Autor die mediale Berichterstattung über Jugendkriminalität?

Der Autor konstatiert, dass die Medien durch Dramatisierung und Emotionalisierung ein verzerrtes Bild der Kriminalitätswirklichkeit zeichnen, was den öffentlichen Ruf nach härteren Strafen („populistische Kriminalpolitik“) befeuert.

Welche Kritik äußert die Arbeit am aktuellen Jugendstrafvollzug?

Die Arbeit kritisiert, dass der Vollzug oft als bloße „Verwahrung“ fungiert und die resozialisierenden Ansprüche des JGG aufgrund von Personalmangel und fehlenden pädagogischen Konzepten in der Praxis häufig nicht erfüllt werden.

Was schlägt die Reformkommission der DVJJ als Alternative zur Verschärfung vor?

Die DVJJ plädiert für einen stärkeren Ausbau ambulanter Maßnahmen, die Beibehaltung und Stärkung des Erziehungsgedankens sowie die Ablehnung repressiver Maßnahmen wie des Warnschussarrests.

Warum wird der Begriff „Mehrfach- und Intensivtäter“ problematisiert?

Der Begriff gilt als wissenschaftlich vage, wird jedoch oft als symbolisches Instrument genutzt, um repressivere Maßnahmen zu legitimieren und die Jugendkriminalrechtspflege unter Legitimationsdruck zu setzen.

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Details

Title
Das Phänomen der Mehrfach- und Intensivtäter vor dem Hintergrund jugendstrafrechtlicher Reformbewegungen
College
Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe  (Berufsakademie Heidenheim)
Grade
2,4
Author
Dipl. Soz. Päd/ Gesundheits- und Krankenpfleger/ Fachkrankenpfleger Psychiatrie Matthias Thielen (Author)
Publication Year
2006
Pages
99
Catalog Number
V283329
ISBN (eBook)
9783656824947
ISBN (Book)
9783656828532
Language
German
Tags
Jugendstrafrecht Kriminalitätstheorien Kriminalität Intensivtäter Mehrfachtäter Reform des Jugendstrafrechts Theorien abweichenden Verhaltens Delinquenz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Soz. Päd/ Gesundheits- und Krankenpfleger/ Fachkrankenpfleger Psychiatrie Matthias Thielen (Author), 2006, Das Phänomen der Mehrfach- und Intensivtäter vor dem Hintergrund jugendstrafrechtlicher Reformbewegungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/283329
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