Der Ausschluss von demokratischen Wahlen, die Aufstellung von sogenannter „Ausländerkriminalität“ oder die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bildungswesen sind offensichtliche Diskriminierungen, die durch Staat und Institutionen festgelegt und gleichzeitig legitimiert sind. Jedoch sind die Formen von institutionellem Rassismus weitaus vielschichtiger und tiefer in der Verfassung und Staat verankert und verwurzelt, als man glaubt. In dieser vorliegenden Arbeit soll daher versucht werden, eine definitorische Einordnung des Begriffs zu erörtern und anhand aller damit zusammenhängenden Aspekten, die Schwierigkeiten bei der theoretischen Ungenauigkeit im gesellschaftlichen Wirkungszusammenhang aufzuzeigen. Weiter werden Stationen von gesetzlich legitimierter und behördlich organisierter Ungleichbehandlung von Menschen vorgestellt und genauer beleuchtet. Im Anschluss daran sollen gesellschaftliche und politische Gegenstrategien vorgestellt und kurz erläutert werden. Da sich Rassismus als ein System von Diskursen und Praxen darstellt, welches die historisch entwickelte und aktuelle Machtverhältnisse legitimiert und reproduziert, ist es gleichzeitig ein Ausdruck für ein gesellschaftliches Verhältnis. Im Kontext von Multikulturalismus und der immer weiter vorangetriebenen Gleichstellung der Frau wurde das Konzept bzw. die intensive Auseinandersetzung mit der institutionellen Diskriminierung und der damit verbundenen Ungleichheit in den achtziger Jahren politisiert und vermehrt öffentlich gemacht. (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Institutioneller Rassismus
2.1 Ursprung
2.2 Definition
2.3 Theoretische Ungenauigkeit im gesellschaftlichen Wirkungszusammenhang Der Begriff des institutionellen Rassismus ist umstritten. Wie auch der Begriff vom
3. Stationen von gesetzlich legitimierter und behördlich organisierter Ungleichbehandlung von Menschen
3.1 Institutioneller Rassismus in Schule und Bildungswesen
3.2 Institutioneller Rassismus der Polizei
3.3 Racial Profiling in Deutschland
3.4 Ökonomische Diskriminierung
3.5 Institutioneller Rassismus im Gesundheits- und Versorgungssystem Camara Phyllis Jones beschreibt die Folgen und Wirkweisen von Institutionellem
3.6 Institutioneller Rassismus durch Medien
4 Gesellschaftliche Forderungen und Gegenstrategien zum Abbau von institutionellem Rassismus
5. Resumée
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Begriff des institutionellen Rassismus definitorisch einzuordnen, dessen theoretische Komplexität zu beleuchten und verschiedene Erscheinungsformen sowie staatlich legitimierte Ungleichbehandlungen zu analysieren, um daraus gesellschaftliche und politische Gegenstrategien abzuleiten.
- Konzeptionelle Herleitung und theoretische Einordnung des Begriffs "institutioneller Rassismus".
- Analyse von Diskriminierungsformen in staatlichen Institutionen (Schule, Polizei, Gesundheitswesen).
- Untersuchung der Rolle der Medien bei der Reproduktion rassistischer Stereotype.
- Diskussion von Rechtsschutzmechanismen und notwendigen gesellschaftspolitischen Reformen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Racial Profiling in Deutschland
„Racial Profiling bezeichnet die Erstellung eines Verdächtigenprofils, bei dem rassialisierte Merkmale wie Hautfarbe, Haarfarbe oder religiöse Symbole (in der Regel in Zusammenwirkung mit Faktoren wie Gender, Klasse, Alter) maßgeblich handlungsleitend für polizeiliche Maßnahmen wie Kontrollen, Durchsuchungen, Ermittlungen und/oder Überwachung werden“ (Friedrich S., 2012, S.1).
Dabei ist der Begriff eingebunden in Konzepte zu rassistischer Unterdrückung, wobei Gesetzesgrundlagen die Praxis des „Racial Profiling“ legalisieren. Im „Kampf gegen den Terror“ in Folge der terroranschläge vom 11. Septembers 2001 zeugte die angewandte Rasterfahndung deutlich von der Verwendung der Praxis des Racial Profiling. Anvisiert wurden männliche Akademiker technisch-naturwissenschaftlicher Studiengänge im Alter zwischen 18 und 41 Jahren mit vermutlich islamischer Religionszugehörigkeit, die aus bestimmten „islamischen“ Staaten immigriert und bislang nicht kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten sind. Anhand dieses „Täterprofils“ wird sichtbar, dass hier eine Abwesenheit von konkretem strafrechtsrelevantem Verhalten der verdächtigten Personen vorliegt. Sehr interessant ist, dass es offiziell in der Bundesrepublik Deutschland kein „Racial Profiling“ gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, verdeutlicht die Relevanz des institutionellen Rassismus in Deutschland und skizziert die methodische sowie inhaltliche Zielsetzung der Arbeit.
2. Institutioneller Rassismus: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Definition, erörtert den historischen Ursprung des Begriffs und analysiert die theoretischen Schwierigkeiten bei der Erfassung dieses Phänomens.
3. Stationen von gesetzlich legitimierter und behördlich organisierter Ungleichbehandlung von Menschen: Hier werden konkrete Bereiche wie das Bildungswesen, die Polizei, der Arbeitsmarkt, das Gesundheitswesen und die Medien als Orte institutioneller Diskriminierung untersucht.
4 Gesellschaftliche Forderungen und Gegenstrategien zum Abbau von institutionellem Rassismus: Dieses Kapitel widmet sich politischen Forderungen, dem Rechtsschutz durch das AGG sowie konkreten Strategien zur Sensibilisierung und strukturellen Veränderung.
5. Resumée: Das abschließende Resumée fasst die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit institutionellen Machtstrukturen zusammen und betont die Dringlichkeit gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.
Schlüsselwörter
Institutioneller Rassismus, Diskriminierung, Racial Profiling, Bildungswesen, Polizeigewalt, Menschenrechte, Gesellschaftliche Gegenstrategien, Machtverhältnisse, Migrationshintergrund, Asylpolitik, Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, Mediale Repräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des institutionellen Rassismus in Deutschland, seine gesetzlichen Verankerungen und die daraus resultierenden Ausgrenzungsmechanismen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Bildungssystem, der polizeilichen Praxis, ökonomischer Diskriminierung, dem Gesundheitswesen und der medialen Berichterstattung sowie deren Einfluss auf die Diskriminierung von Minderheiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Begriff institutioneller Rassismus definitorisch zu schärfen, dessen Wirkmacht in staatlichen Institutionen aufzuzeigen und Strategien für einen effektiven Diskriminierungsschutz zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise und stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von Berichten, Studien und rechtlichen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische "Stationen" von behördlich organisierter Ungleichbehandlung, beginnend bei der Schule über polizeiliche Rasterfahndung bis hin zum Arbeits- und Gesundheitssektor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind institutioneller Rassismus, strukturelle Diskriminierung, Racial Profiling, Migrationshintergrund, sowie politische Gegenstrategien und Menschenrechte.
Warum spielt der Macpherson-Report eine wichtige Rolle für die Begriffsdefinition?
Der Macpherson-Report markiert den Moment, in dem der institutionelle Rassismus in England offiziell als "kollektives Versagen" einer Organisation anerkannt wurde, was maßgeblich zur wissenschaftlichen und politischen Debatte beitrug.
Wie bewertet die Autorin die Wirksamkeit des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG)?
Das AGG wird kritisch beurteilt; zwar bietet es Rechtsansprüche, bleibt jedoch hinter EU-Richtlinien zurück, weist zu viele Ausnahmen auf und bietet unzureichende Schutzmechanismen gegenüber behördlicher Diskriminierung, insbesondere durch die Polizei.
- Quote paper
- Mandy Franke (Author), 2014, Institutioneller Rassismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/282811