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Soziale Arbeit und der Sozialstaat im Umbau

Perspektiven im transformativen Organizing

Title: Soziale Arbeit und der Sozialstaat im Umbau

Bachelor Thesis , 2013 , 54 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Tilo Dornbusch (Author)

Social Work

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Summary Excerpt Details

Seit der Bankenkrise 2007, die sich mittlerweile zu einer Staatsschulden- und Eurokrise entwickelt hat, hört man fast täglich von Hiobsbotschaften aus ganz Europa. Doch Deutschland scheint von der Krise kaum betroffen: „Es hat drei Gründe, weshalb Deutschland heute so gut dasteht. Da sind zum einen die Reformen der Agenda 2010. Dann hilft uns in der Globalisierung, dass wir in Deutschland eine starke Industrie und einen starken Mittelstand haben. Und die Sozialpartnerschaft, also das verantwortliche Miteinander von Arbeitgebern und Gewerkschaften, ist ein Wettbewerbsvorteil. Das zeigt sich gerade in Krisenzeiten.“ (Schröder nach Martens, 2012)
[...]
Auf den ersten Blick scheint dies zu stimmen, hat sich doch zum Beispiel die Zahl der Erwerbslosen seit Einführung der Hartz-Reformen 2005 stetig verringert: 2011 waren 2,9 Millionen Menschen erwerbslos, der niedrigste Stand seit 1992. (vgl. Destatis, 2012) Schon 1999 machte Schröder in Zusammenarbeit mit Tony Blair deutlich, dass er Deutschland an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anpassen wolle. (vgl. Blair, Schröder,1999)

Kritisiert dagegen wird stark, dass nicht erst seit der rot-grünen Regierung die soziale Polarisierung extrem steigt, sondern auch, dass der Sozialstaat im Vergleich zu 2006 ein Drittel schlechter wirkt1, so Matthias Birkwald (MdB, Die Linke): „Das ist die Folge der verheerenden rot-grünen Hartz-Reformen, von der die schwarz-gelbe Regierung, aber ebenso wenig SPD und Grüne partout nicht abweichen wollen." (Birkwald, 2008: S.1)
Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) konstatiert sinkende Reallöhne, eine wachsende Kluft zwischen armen und reichen Bevölkerungsschichten, eine schwindende Mittelschicht (vgl. DIW, 2008), und die Zeitung Financial Times Deutschland nennt Gerhard Schröder bereits 2005 den „Kanzler der Bosse“. (Fricke, 2005)
[...]
Doch wie dagegen vorgehen? Gerade wegen der vielen gesellschaftlichen Probleme sollte es doch möglich sein, dass sich Menschen zusammenschließen, um handlungsfähige Bürgerplattformen zu gründen. Hier könnte transformative organizing2 Abhilfe schaffen. Während Kritiker Reformen wie die Agenda 2010 als Versuch sehen, die Gesellschaft so zu ökonomisieren und zu individualisieren, dass der einzelne Mensch zum „nicht–sozialen Wesen“ (Castel, 2000: S.403) wird, könnte transformative organizing ein Mittel sein, um die Gemeinschaft zu stärken und somit die Basis schaffen, auf der eine Transformation der Gesellschaft möglich wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Umbau des Sozialstaats und die Wiederentdeckung des community organizing

2.1 Die Krise des Sozialstaats und die Entwicklung zur Leistungsgesellschaft

2.1.1 Ökonomisierung der Sozialpolitik

2.1.2 Individualisierung der Lebensrisiken

2.1.3 Hartz IV – Fördern und Fordern

2.2 Community organizing

2.2.1 Gewerkschaftliches organizing

2.2.2 Soziale Arbeit und community organizing

2.3 Wandel der Sozialen Arbeit

3 Eine Analyse des Umbaus des Sozialstaats

3.1 Die Regulationstheorie als Instrument der Analyse

3.1.1 Akkumulationsregime

3.1.2 Regulationsweise

3.1.3 Kapitalistische Formation

3.2 Die neue Hegemonie: Mehr Markt und Wettbewerb

3.3 Soziale Arbeit im Kontext der Regulation

3.3.1 Bedingungen für Soziale Arbeit

3.3.2 Soziale Arbeit im Wettbewerbsstaat

4 Transformative organizing als Reaktion auf den Umbau des Sozialstaats

4.1 Transformative organizing

4.1.1 Gesellschaftliche Transformation

4.1.2 Abgrenzung zum community organizing

4.2 Beispiele aus der Praxis

4.3 Soziale Arbeit und transformative organizing

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen des deutschen Sozialstaats, insbesondere durch die Hartz-Reformen, und analysiert die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit, sich durch transformative Organizing-Methoden gegen soziale Polarisierung und unternehmerische Logik zu behaupten.

  • Analyse des Umbaus des deutschen Sozialstaats
  • Einfluss der Regulationstheorie auf das Verständnis sozialer Transformation
  • Gegenüberstellung von Community Organizing und Transformative Organizing
  • Bedeutung für die Soziale Arbeit im Kontext von Wettbewerb und Effizienz
  • Praxisbeispiele zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Gegenmacht

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Ökonomisierung der Sozialpolitik

Die Hartz-Reformen wirken sich stark auf die Lohnabhängigen aus: aufgrund starken Drucks durch die Jobcenter werden Arbeitslose angehalten, auch schlecht bezahlte Stellen anzunehmen. Durch den zeitgleichen Ausbaus des Niedriglohnsektors, vor allem der sogenannten „1–Euro–Jobs“, zwingt man sie unter Androhung von Leistungskürzungen und schärferen Zumutbarkeitsklauseln, fast jede Arbeitsstelle anzunehmen und somit den Preis für ihre Arbeitskraft zu unterbieten. Wegen des so entstehenden Gefolges von Niedriglöhnern, entsteht ebenfalls Lohndruck für die Beschäftigten. (vgl. Butterwegge, 2011: S. 180)

Einer Untersuchung durch das Statistische Bundesamt zufolge, waren 2010 7,9 Millionen Menschen atypisch beschäftigt. Atypische Beschäftigung bezeichnet vier Arten der Anstellung: Teilzeitbeschäftigung bis zu 20 Wochenstunden, befristete Beschäftigung, Zeitarbeit sowie Mini-Jobs. (vgl. Destatis, 2012 A sowie 2012 C) Da Lohnarbeit das bestimmende Kriterium darstellt, um an unserer Gesellschaft teilzuhaben, beziehungsweise die Art der Lohnarbeit definiert welche soziale Stellung man einnimmt, ist durch die massenhafte atypische Beschäftigung ein zentraler integrativer Faktor in Gefahr. (vgl. Castel, 2000: S. 283-335)

Gemeinhin lässt sich aber sagen, dass sich die Auffassungen über den Sozialstaat schon vor den Reformen verändert hatten. Sprach man bis 1999 noch vom „sorgenden Sozialstaat“ (Rothgang; Preuss 2008: S. 32), ist diese Bezeichnung dem „investitiven Sozialstaat“ (Rothgang; Preuss 2008: S. 32) gewichen, einem Sozialstaat, dessen Ausgaben sich lohnen müssen. Dadurch gewinnt der Anspruch der Effizienz, ein Kernbereich der Ökonomie, an Bedeutung, und Sozialpolitik wird an ihrer ökonomischen Gewinn-/Verlustrechnung gemessen. Die Gesundheitsökonomen Heinz Rothgang und Maike Preuss sprechen sogar gänzlich von einer „Ökonomisierung der Sozialpolitik“ (Rothgang; Preuss 2008: S.32)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik am Sozialstaat infolge der Hartz-Reformen und stellt die Forschungsfrage nach den Möglichkeiten des Transformative Organizing.

2 Der Umbau des Sozialstaats und die Wiederentdeckung des community organizing: Dieses Kapitel erörtert die Krise des Sozialstaats, die Ökonomisierung der Sozialpolitik und die Potenziale des Community Organizing für die Soziale Arbeit.

3 Eine Analyse des Umbaus des Sozialstaats: Mithilfe der Regulationstheorie werden die kapitalistischen Transformationsprozesse zum Wettbewerbsstaat analysiert und die Auswirkungen auf die Soziale Arbeit aufgezeigt.

4 Transformative organizing als Reaktion auf den Umbau des Sozialstaats: Dieses Kapitel führt das Transformative Organizing als radikaleren Ansatz ein, grenzt es vom Community Organizing ab und diskutiert Praxisbeispiele.

5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Potenzial von Transformative Organizing als Instrument für die Soziale Arbeit und gesellschaftliche Transformation.

Schlüsselwörter

Sozialstaat, Hartz-Reformen, Soziale Arbeit, Community Organizing, Transformative Organizing, Regulationstheorie, Wettbewerbsstaat, Ökonomisierung, Aktivierung, Lohnarbeit, Prekarität, Bürgerorganisation, Gesellschaftliche Transformation, Machtverhältnisse, Soziale Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Veränderungen des deutschen Sozialstaats im Zuge neoliberaler Reformen und erforscht, wie Ansätze des Transformative Organizing dazu beitragen können, die Soziale Arbeit zu stärken und gesellschaftlichen Wandel zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kritik an den Hartz-Reformen, die theoretische Analyse kapitalistischer Regulationsweisen sowie die praxisorientierte Erörterung von Organizing-Strategien zur Stärkung der Zivilgesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Auswirkungen der "Bauarbeiten" am Sozialstaat kritisch zu beleuchten und aufzuzeigen, ob und wie Transformative Organizing als Werkzeug genutzt werden kann, um die Handlungsfähigkeit von Betroffenen und Sozialarbeitern zu erhöhen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Regulationstheorie nach Michel Aglietta, Bob Jessop und Joachim Hirsch als Analyseinstrument, um den Übergang vom fordistischen zum postfordistischen bzw. Wettbewerbsstaat zu begreifen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der sozialpolitischen Veränderungen, eine theoretische Durchdringung der kapitalistischen Formation sowie eine Untersuchung von Organizing-Ansätzen als Gegenstrategie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialstaat, Ökonomisierung, Transformative Organizing, Regulationstheorie und soziale Gerechtigkeit.

Wie unterscheidet sich Transformative Organizing von Community Organizing laut dem Text?

Während Community Organizing oft auf lokale, pragmatische Verbesserungen innerhalb des Systems zielt, strebt Transformative Organizing eine radikale gesellschaftliche Transformation und das Aufbrechen kapitalistischer Machtstrukturen als übergeordneten Zweck an.

Was bedeutet der Begriff "Wettbewerbsstaat" in der Analyse?

Der Wettbewerbsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er Klassenkompromisse aufkündigt, um national Kapitalverwertungsbedingungen zu optimieren und im globalen Standortwettbewerb zu bestehen, was zu Lasten sozialer Standards geht.

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Details

Title
Soziale Arbeit und der Sozialstaat im Umbau
Subtitle
Perspektiven im transformativen Organizing
College
University of Applied Sciences Ludwigshafen  (Fachbereich 4 - Gesundheit und Soziales)
Course
Sozialpolitik/Soziologie
Grade
1,3
Author
Tilo Dornbusch (Author)
Publication Year
2013
Pages
54
Catalog Number
V282135
ISBN (eBook)
9783656769750
ISBN (Book)
9783656769811
Language
German
Tags
Soziale Arbeit Sozialstaat transformatives organizing
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tilo Dornbusch (Author), 2013, Soziale Arbeit und der Sozialstaat im Umbau, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/282135
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