Auf der einen Seite verlieren täglich Arbeitnehmer ihre Stellung durch Kündigung oder Entlassung. Auf der anderen Seite werden aber auch Arbeitnehmer eingestellt, die zuvor arbeitslos gewesen waren. Dabei stellt die Arbeitslosigkeit nicht nur unmittelbar und nachhaltig einzelne Menschen vor große Probleme, sondern auch ganze marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaften. Da die meisten Menschen ihren Lebensunterhalt aus Arbeitseinkommen bestreiten und darin auch persönliche Erfüllung finden können, vermindert sich durch den Verlust des Arbeitsplatzes ihr Lebensstandard. Während für die Menschen psychische wie auch materielle Probleme die Folge sind, sieht sich die Gesellschaft mit dem Problem der Finanzierung der Arbeitslosigkeit konfrontiert. Dadurch wird dieses Thema immer wieder Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. (Baßeler, et al., 2010 S. 811; Mankiw, 1996 S. 151, 153; Mankiw, et al., 2012 S. 731)
Gemäß einer groben Schätzung von Wolfgang Franz kostet „ein Arbeitsloser die Gesellschaft im Jahr im Durchschnitt circa 15.000 Euro“. Bei mehreren Millionen Arbeitslosen bedeutet das eine enorme Belastung für den Staatshaushalt. Dadurch vergrößert es das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung erheblich. So stellt die Arbeitslosigkeit „das eklatanteste Koordinationsproblem gegenwärtiger Wirtschaftssysteme überhaupt dar“. (Baßeler, et al., 2010 S. 811 f.)
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen zu untersuchen.
Die Vorgehensweise in dieser Arbeit ist rein monomethodisch und gründet ausschließlich auf einer Literaturrecherche.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem
3 Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Systemen
3.1 Traditionelle Einteilung der Arbeitslosigkeit
3.2 Analyserahmen zur Erklärung dauerhaft fortbestehender Arbeitslosigkeit
3.2.1 Ein Modell mit gleichgewichtiger Arbeitslosigkeit
3.2.2 Sozial- und Steuerpolitik als mögliche Ursache eines Anstiegs der gleichgewichtigen Arbeitslosigkeit
3.2.3 „Mismatch“ als mögliche Ursache eines Anstiegs der gleichgewichtigen Arbeitslosigkeit
3.2.4 „Hysterese“ als mögliche Ursache eines Anstiegs der gleichgewichtigen Arbeitslosigkeit
3.3 Unzureichendes Nachfragewachstum als mögliche Ursache wachsender Arbeitslosigkeit
4 Zusammenfassung und Ausblick
4.1 Zusammenfassung
4.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Ursachen von Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlich organisierten Systemen. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche theoretische Ansätze – von der traditionellen Klassifizierung bis hin zu Modellen gleichgewichtiger Arbeitslosigkeit und Hysterese-Effekten – zur Erklärung dauerhaft fortbestehender Unterbeschäftigung beitragen.
- Traditionelle Formen der Arbeitslosigkeit (friktionell, strukturell, saisonal, konjunkturell)
- Einfluss von Sozial- und Steuerpolitik auf das Gleichgewicht am Arbeitsmarkt
- Die Rolle der „Mismatch“-Problematik bei regionalen und qualifikatorischen Diskrepanzen
- Wirkungsmechanismen von Lohnbildung und gewerkschaftlicher Verhandlungsmacht
- Zusammenhang zwischen Nachfragewachstum, technischem Fortschritt und Beschäftigung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Ein Modell mit gleichgewichtiger Arbeitslosigkeit
In Marktwirtschaften ist ein Verteilungskampf zwischen Gewinneinkommensempfängern und abhängig Beschäftigten möglich. Dieser wird über Löhne und Preise ausgetragen und kann leicht zu einer Lohn-Preis-Spirale eskalieren, sofern die Zentralbank dies durch die Geldversorgung zulässt. (Baßeler, et al., 2010 S. 821)
Arbeitslosigkeit kann dann entstehen, wenn die Zentralbank bei der Geldversorgung restriktiv vorgeht. So ist eine sinkende Arbeitsnachfrage der Unternehmen, durch Erhöhungen der Geldlöhne zu steigenden Reallöhnen, die Folge, weil „die Güterpreise nicht proportional zu den Geldlöhnen steigen können“. (Baßeler, et al., 2010 S. 821)
Gemäß Baßeler, et al. (2010 S. 821) verwenden Ökonomen für ein Unterbeschäftigungsgleichgewicht, bei dem ein Reallohnniveau, und damit ein Niveau der Beschäftigung, den Arbeitsmarkt zwar nicht räumt, „sich aber trotzdem unter den gegebenen Rahmenbedingungen im Zeitablauf nicht ändert“, unterschiedliche Bezeichnungen. Ihm zufolge sind die Begriffe quasi gleichgewichtige Arbeitslosenquote (Quasi Equilibrium Rate of Unemployment, QERU) und inflationsstabile Arbeitslosenquote (Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment, NAIRU) am weitesten verbreitet.
Für die Entstehung einer solchen gleichgewichtigen Arbeitslosenquote und für das dauerhafte Versagen des Lohnmechanismus sind besondere institutionelle Rahmenbedingungen von zentraler Bedeutung. Insbesondere in Westeuropa sind kollektive Tarifabschlüsse zwischen mit Marktmacht versehenden Interessengruppen (z. B. Arbeitsgeberverbände und Gewerkschaften) die maßgebende Kraft für die Festlegung der Löhne in der Realität. Aus den spezifischen Interessenslagen dieser Gruppen kann dann das Zustandekommen zu hoher (Real-)Löhne abgeleitet werden. (Baßeler, et al., 2010 S. 821)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die ökonomische und gesellschaftliche Relevanz von Arbeitslosigkeit und definiert das Ziel sowie die monomethodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem: Dieses Kapitel beschreibt die grundlegende Funktionsweise einer Marktwirtschaft, in der Ressourcen durch dezentrale Entscheidungen von Haushalten und Unternehmen koordiniert werden.
3 Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Systemen: Das Hauptkapitel systematisiert verschiedene Formen der Arbeitslosigkeit und analysiert detailliert die Ursachen für persistente Unterbeschäftigung durch Lohnmechanismen, politisches Handeln, Mismatch und Nachfrageschwächen.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die identifizierten Ursachen zusammen und diskutiert zukünftige Entwicklungen hinsichtlich Demografie und Bildungsanforderungen.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Marktwirtschaft, NAIRU, QERU, Lohnbildung, Arbeitsmarkt, Gewerkschaften, Mismatch, Hysterese, Sozialpolitik, Steuerpolitik, Beschäftigung, Güternachfrage, Reallohn, Arbeitsnachfrage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Ursachen und Erklärungsansätzen von Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Einteilung von Arbeitslosigkeit, die Mechanismen von Unterbeschäftigungsgleichgewichten, den Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung von Nachfragewachstum.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die systematische Untersuchung der Ursachen, die zu einer dauerhaften oder steigenden Arbeitslosigkeit in modernen Marktwirtschaften führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist rein monomethodisch aufgebaut und stützt sich ausschließlich auf eine fundierte Literaturrecherche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine traditionelle Einteilung der Arbeitslosigkeit, die Analyse von gleichgewichtiger Arbeitslosigkeit (inkl. Lohn- und Steuerpolitik sowie Mismatch und Hysterese) und die Betrachtung unzureichenden Nachfragewachstums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen NAIRU, Lohnsetzungskurve, Mismatch, Hysterese und die Insider-Outsider-Theorie.
Was besagt die Insider-Outsider-Theorie im Kontext der Hysterese?
Sie erklärt Hysterese-Effekte damit, dass beschäftigte Insider durch ihre Verhandlungsmacht Löhne durchsetzen, die für die arbeitslosen Outsider den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erschweren.
Warum spielt technischer Fortschritt laut der Arbeit eine Rolle?
Technischer Fortschritt kann als „Arbeitsplatzvernichter“ wirken, wenn das Wachstum der Arbeitsproduktivität die Nachfrage nach Arbeit im Verhältnis zum Produktionsoutput verringert.
- Quote paper
- Gerrit Hamann (Author), 2014, Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/281977