Innerhalb eines knappen Jahrzehnts hat die Europäische Union es geschafft, sich von einem labilen Gebilde mit Hoheitsansprüchen und Kriegen zwischen den Nachbarländern zu einem friedlichen, föderalen Konstrukt zu entwickeln. Die Grenzen der Europäischen Union am Beginn des 21. Jahrhunderts erscheinen nach innen immer transparenter, während sich Europa nach außen immer mehr abschottet. Europa steht heute im Innern als auch an den Außengrenzen vor Herausforderungen: Auch wenn die Grenzen zwischen den europäischen Staaten einfacher zu überqueren sind und sehr viele gemeinschaftliche regionale als auch transnationale Projekte umgesetzt werden, geht aus den Fallbeispielen hervor, dass die Vergangenheit der Entgrenzung Schranken setzt. Diese Schranken finden sich, wenn nicht unbedingt auf Regierungsebene, so jedenfalls doch in den Köpfen der Bevölkerung. Deshalb gilt es hier, nicht nur den Fokus auf wirtschaftliche Projekte zu legen, sondern vor allem einen kulturellen Erfahrungsaustausch stärker zu fördern, um die Geschichte aufzuarbeiten. Gleichzeitig stellt sich für die EU die Herausforderung, dass sie ihre Wertevorstellungen von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten, die sie nach außen vertritt, auch tatsächlich beweist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Staat dank Grenzen?
3. Das Konstrukt EU
4. Verbindende und trennende Grenzen
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld der Europäischen Union am Beginn des 21. Jahrhunderts zwischen der internen Entgrenzung durch Integration und der externen Abgrenzung durch neue Sicherheitsregime. Dabei wird analysiert, wie moderne Grenzkonzepte die Souveränität, Identitätsbildung und die europäische Asylpolitik beeinflussen.
- Historische und theoretische Grundlagen des Territorialstaates
- Die Entwicklung des europäischen Integrationsprozesses
- Prozesse der internen Entgrenzung und ihre Grenzen
- Die Rolle der Außengrenzen bei der Konstruktion kollektiver Identität
- Herausforderungen der EU-Migrations- und Asylpolitik
Auszug aus dem Buch
Verbindende und trennende Grenzen
Die Europäische Union steht am Beginn des 21. Jahrhunderts zwischen Entgrenzung und Abgrenzung. Entgrenzung wird hier als Abbau von Grenzen und verstanden, während Abgrenzung ein Verstärken der Grenzen meint. Innerhalb der Grenzen Europas findet eine Entgrenzung statt, so eine vorherrschende These. Die Entgrenzung zwischen den EU-Ländern wurde erstmals 1992 mit dem grenzfreien Binnenmarkt eingeleitet. Darauf folgte mit Schengen die Abschaffung von Grenzkontrollen (Schengen I, II und III). Die dritte Stufe auf dem Weg zu einer Entgrenzung bildete die Gründung einer gemeinsamen Währungsunion (1999/2000), auch Eurozone genannt. Allerdings ist diese Entgrenzung nicht alle EU-Staaten und -Grenzen umfassend. Stattdessen gibt es mehrere Varianten einer Teilnahme am Großprojekt EU. So führten Länder wie Großbritannien und Dänemark den Euro bisher nicht ein und nicht alle EU-Länder unterzeichneten das Schengener Übereinkommen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Konzept der Grenze innerhalb der modernen politischen Theorie und der Internationalen Beziehungen und leitet die historische Entwicklung des Territorialstaates her.
Staat dank Grenzen?: Der Abschnitt beleuchtet das wechselseitige Verhältnis zwischen Territorium, nationaler Identität und staatlicher Souveränität seit dem Westfälischen Frieden.
Das Konstrukt EU: Hier wird der historische Integrationsprozess von der EGKS bis zur offiziellen Gründung der Europäischen Union 1992 skizziert.
Verbindende und trennende Grenzen: Dieses Kapitel analysiert die Dynamik zwischen der internen Entgrenzung (Binnenmarkt, Schengen) und der externen Abgrenzung der Union sowie die identitätsstiftende Funktion von Grenzen.
Schlussbetrachtung: Das Fazit zieht eine Bilanz der europäischen Entwicklung und identifiziert die Asyl- und Migrationspolitik als zentralen Reformbedarf für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Territorialstaat, Souveränität, Entgrenzung, Abgrenzung, Integrationsprozess, Außengrenzen, Identitätsbildung, Migration, Asylpolitik, Grenzregime, FRONTEX, Territorialität, Politische Theorie, Internationale Beziehungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis der Europäischen Union zu ihren Binnen- und Außengrenzen am Anfang des 21. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind der Prozess der europäischen Integration, die sicherheitspolitische Abschottung nach außen und die identitätsstiftende Wirkung von Grenzziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die EU einerseits Barrieren abbaut, um einen Wirtschaftsraum zu schaffen, und andererseits neue Hürden errichtet, die oft im Widerspruch zu ihren eigenen Werten stehen.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Arbeit nutzt politikwissenschaftliche Theorien, insbesondere Ansätze von J.G. Ruggie zur Territorialität, um die postmoderne Struktur der EU zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Grenzbildung, die Praxis der Binnenentgrenzung und die problematischen Auswirkungen der Außengrenzensicherung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Entgrenzung, Abgrenzung, Souveränität, Identität und Asylpolitik charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen "Wir" und "die Anderen"?
Der Autor zeigt auf, dass die EU durch die Sicherung ihrer Außengrenzen ein "Wir-Gefühl" konstruiert, indem sie sich von einem definierten "Anderen" abgrenzt.
Wie bewertet der Text die Rolle von FRONTEX?
FRONTEX wird kritisch als ein Instrument beschrieben, das realpolitisch eine "Festung Europa" schafft und die selektive Öffnung der Grenzen nach ökonomischen Kriterien betont.
- Arbeit zitieren
- F. El. (Autor:in), 2014, Die Grenzen der Europäischen Union am Beginn des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/281904