Das Buch spielt eine tragende Rolle in der Entwicklung der (westlichen) Zivilisation. Die Entwicklung der Schrift bot die Möglichkeit, Wissen über weite räumliche und zeitliche Distanzen zu transportieren. Über die Wahl von Papier als Trägermedium, dem gebundenen Kodex als Form und dem Buchdruck als Produktionsmethode erlangte das Buch seine heutige Gestalt. All dies hat nicht nur zu der Art und Weise beigetragen, wie wir heute denken und fühlen. Ohne diese Erfindungen wäre auch die technologische Entwicklung nicht möglich gewesen, die schließlich zum beinahe gänzlichen Verschwinden des Buches führen könnte: Die Informationstechnologie und in ihrem Herzen der digitale Code.
Je mehr sich durch das Digitale ermöglichte Formen des Schreibens und Lesens, Geschäftsmodelle, ja Lebensentwürfe durchsetzen, desto mehr gehen die Vertreter einer klassisch orientierten Buchkultur auf die Barrikaden. Doch woher stammt dieses Konfliktverhältnis? Und was soll das überhaupt sein, eine „Buchkultur“? Worin unterscheiden sich Buch und digitaler Text, und was bedeutet das für eine Gesellschaft, die sich auf dem Buch gründet und in der sich digitaler Text immer mehr durchsetzt?
Diese Arbeit analysiert die gegenwärtige Lage des Papierbuchs, des elektronischen Buches und seiner Ausgabegeräte, und stellt die Frage nach dem Lesen in diesen Medien. Weiterhin nimmt sie Einblick in die Debatte um Buch und Lesen angesichts des digitalen Wandels, insbesondere in Hinblick auf den Buchmarkt und seine Teilnehmer. Abschließend wird die Frage behandelt, ob es eine Deutungshoheit des Digitalen gibt und wie digitaler Text kulturell in das bestehende System integriert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Themeneingrenzung, Vorgehensweise und Fragestellung
1.2. Der Konflikt zwischen Buchdruck und Elektrizität in der Medientheorie Marshall McLuhans
1.3. Begriffsklärung: Buchkultur
2. Bücher und digitaler Text, Schreiben und Lesen
2.1. Text und seine Zustände
2.1.1. Das Papierbuch
2.1.2. Digitaler Text, Textnetzwerke und Hypertext
2.1.3. E-Books und ihr Bezug auf das Buch
2.2. Schreiben unter den Vorzeichen digitaler Technologie
2.3. Lesen
2.3.1. Lesen in unterschiedlichen Darstellungsmedien
2.3.2. Konzepte des Lesens
3. Die Debatte um Buch und Lesen angesichts digitalen Texts
3.1. Die Bedeutung des Lesens
3.2. Die Propheten des Hypertexts
3.3. Die Apologeten des Buches
3.3.1. Rückblick: Die Einführung des Buchdrucks
3.3.2. Buchkultur angesichts des digitalen Wandels
3.4. Die marktwirtschaftliche Buchkultur
3.4.1. Verlage und ihre sich wandelnde Rolle
3.4.2. Digitale Ökonomie: Der Online-Handel mit Büchern und digitalem Text
4. Fazit
4.1. Deutungshoheit des Digitalen?
4.2. Die kulturelle Integration digitalen Texts
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das konflikthafte Spannungsfeld zwischen der traditionellen Buchkultur und dem digitalen Wandel. Im Fokus steht die Frage, wie digitale Technologien das Schreiben und insbesondere das Lesen als zentrale Kulturtechnik verändern und welche Auswirkungen dies auf gesellschaftliche Institutionen, das Verständnis von Autorschaft sowie die ökonomischen Rahmenbedingungen der Buchbranche hat.
- Medientheoretische Fundierung des Konflikts zwischen Buchdruck und digitaler Technologie
- Analyse des Wandels von Lese- und Schreibpraktiken durch digitale Medien
- Untersuchung des "Deep Reading" im Kontrast zur digitalen Informationsverarbeitung
- Rolle von Verlagen und Online-Handel als Gatekeeper im digitalen Zeitalter
Auszug aus dem Buch
Das Buch als Objekt
Das Buch zeichnet sich – insbesondere in Abgrenzung zum digitalen Text – zuvor derst durch das materielle Vorhandensein aus. So besitzt es eine spezifische Haptik, die digitaler Text nicht besitzt. Die haptische Wahrnehmung aber bietet spezifische Orientierungsfunktionen im Text: Das Fahren des Fingers über die Zeile, das Markieren einer Stelle durch das Stecken eines Fingers zwischen die Seiten, intuitive Informationen darüber, wie viel eines Buches schon gelesen wurde und wie viel noch verbleibt (über die Dicke des Buchblockteils links bzw. rechts), ggf. Aufschluss darüber, ob es sich um eine Textseite (aus rauem Papier) oder eine eingebundene Bildtafel (aus glattem, beschichteten Papier) handelt und dergleichen mehr. Die Haptik eines digitalen Textes hingegen – sofern man überhaupt davon sprechen kann – ist die Haptik seines Ausgabemediums.
Die spezifische Gestik, mit der ein Buch bedient wird, muss erlernt werden. Sie unterscheidet sich von den Gesten, mit denen digitaler Text (über verschiedene Darstellungsmedien) gelesen wird. Darüber hinaus fördern bzw. fordern Bücher bestimmte Körperhaltungen beim Lesen (zum Beispiel im Gegensatz zur antiken Schriftrolle, aber auch zum Desktop-PC, Laptop oder Tablet-PC).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Konfliktverhältnisses zwischen Buchkultur und dem Einfluss digitaler Medientechnologien ein und umreißt die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Bücher und digitaler Text, Schreiben und Lesen: Dieses Kapitel untersucht die medienästhetischen Unterschiede zwischen dem klassischen Papierbuch und digitalen Textformen sowie deren Auswirkungen auf die menschlichen Kulturtechniken des Lesens und Schreibens.
3. Die Debatte um Buch und Lesen angesichts digitalen Texts: Das Kapitel beleuchtet verschiedene Positionen in der Debatte um den Wandel der Buchkultur und analysiert dabei sowohl theoretische als auch wirtschaftliche Aspekte, insbesondere die Rolle der Verlage und des Online-Handels.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur kulturellen Integration digitalen Texts zusammen und diskutiert die Bedeutung der Bewahrung der Buchkultur in einer sich wandelnden Medienlandschaft.
Schlüsselwörter
Buchkultur, Digitaler Text, Medientheorie, Marshall McLuhan, Lesen, Schreiben, Hypertext, E-Book, Buchhandel, Verlage, Digitaler Wandel, Deep Reading, Aufmerksamkeit, Online-Handel, Medienwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert das Spannungsverhältnis zwischen der traditionellen Buchkultur und dem Einfluss digitaler Technologien auf Text, Schreiben und Lesen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die medientheoretische Einordnung, der Vergleich von Buch und digitalem Text, die Veränderungen im Lese- und Schreibprozess sowie die ökonomischen Transformationen der Verlagsbranche.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich das Verhältnis von Buchkultur und digitalem Text darstellt und welche Auswirkungen diese Transformation auf eine Gesellschaft hat, die sich auf das Buch gründet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer kulturtheoretischen und hermeneutischen Auseinandersetzung, gestützt durch medientheoretische Analysen (insb. McLuhan, Gieseke) und Ergebnisse der empirischen Leseforschung.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Textzuständen, eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Debatte um Buch und Lesen sowie eine Analyse der wirtschaftlichen Strukturveränderungen durch den Online-Handel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Buchkultur, digitaler Text, Hypertext, Medientheorie, Buchhandel und der Wandel der Lesekompetenz (Deep Reading).
Wie unterscheidet sich die Haptik eines Buches von der eines digitalen Endgeräts?
Das Buch bietet durch sein physisches Vorhandensein Orientierungsfunktionen (z.B. Blättern, physisches Begreifen der Seitenzahl), während die Haptik beim digitalen Text auf die des jeweiligen Ausgabegeräts beschränkt ist.
Was bedeutet der Begriff "Deep Reading" in diesem Kontext?
Deep Reading beschreibt einen komplexen Prozess, der intellektuelle Durchdringung, Abstraktion und die Fähigkeit zur aktiven Sinnkonstitution umfasst, was laut Autor eng an die Struktur des gedruckten Buches gebunden ist.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Online-Plattformen wie Amazon?
Der Autor sieht in ihnen einerseits effiziente Orientierungsmechanismen durch Algorithmen, warnt jedoch vor einer "Unifizierung des Geschmacks" und der wirtschaftlichen Verdrängung der traditionellen, kritischen Instanzen der Buchbranche.
- Arbeit zitieren
- Lukas Weidenbach (Autor:in), 2013, Buchkultur und digitaler Text. Zum Wandel der Buchkultur im digitalen Zeitalter, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/281471