Bekannte deutsche Verlage haben angekündigt, ihre Kinderbuch-Klassiker zu überarbeiten. Formulierungen, die als rassistisch empfunden werden, sollen durch neutrale Begriffe ersetzt werden.
So will der Thienemann Verlag die veröffentlichten Bücher von Michael Ende und Otfried Preußler überarbeiten. Veraltete und politisch nicht mehr korrekte Begrifflichkeiten sollen ersetzt werden.
Auch das seit Jahrzehnten wohl beliebteste Kinderbuch Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren überarbeitete die Oetinger Verlagsgruppe abermals.
Der Stein des Anstoßes sind Wörter wie „Neger“ und „Zigeuner“ sowohl bei Lindgren als auch bei etlichen anderen Kinderbüchern.
Somit wurden schon im Jahre 2009 eben diese Wörter aus Lindgrens Werk gestrichen. Die Folge, aus Pippis Vater dem „Negerkönig“ wurde der „Südseekönig“. Soweit so gut, doch nun werden einzelne Stimmen laut, die alten, nicht überarbeiteten Exemplare aus Bibliotheken auszusortieren.
Ist dieses Vorgehen ein längst notwendiger Schritt oder liegt hier Fälschung oder Zensur vor? Wird durch die politische Korrektheit die Vergangenheit umgeschrieben oder gar verschwiegen?
Diese Hausarbeit soll einen Einblick in die aktuelle Debatte über die Modernisierung der Kinderbücher geben.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Das geistige Eigentum
2.1.) Das Urheberrecht
3.) Modernisierung der Kinderbücher
3.1.) Die Bedeutung des Begriffs „Neger“ in der deutschen Sprache
3.2.) Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf
3.3.) Otfried Preußler: Die kleine Hexe
4.) Die Beziehung zwischen Autor und Werk
5.) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die aktuelle Debatte um die sprachliche Modernisierung von Kinderbuch-Klassikern. Ziel ist es zu klären, ob die Anpassung diskriminierender Begriffe eine notwendige Aktualisierung darstellt oder einen unzulässigen Eingriff in das geistige Eigentum der Autoren bedeutet.
- Rechtliche Grundlagen des Urheberrechts und des geistigen Eigentums
- Analyse diskriminierender Begriffe in der deutschen Sprache
- Fallstudien: „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren und „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler
- Die emotionale und professionelle Bindung zwischen Autor und Werk
- Diskurs um Zensur, Meinungsfreiheit und pädagogische Verantwortung
Auszug aus dem Buch
3.2.) Astrid Lindgren: Pippi Langsrumpf
„Annika: Wohnst du hier denn ganz allein? Pippi: Aber nein, Herr Nilson, das Pferd wohnen doch auch hier. - Ja aber ich meine: Hast du keine Mutter, keinen Vater?-Nein, gar nicht. Meine Mutter ist schon lange tot. Mein Vater ist ein Negerkönig. Eines Tages kommt er und holt mich. Dann werde ich Negerprinzessin. Heihopp, was wird das für ein Leben.“ (Lindgren 2007: 11).
Diese Szene zu Beginn des Buches beinhaltet gleich zweimal den umstrittenen Begriff „Neger“. Als jedoch das Buch im Jahr 1945 in Schweden erschien, war ein Bewusstsein über die beleidigenden Bedeutung des Begriffs noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen.
Pippi Langstrumpf sollte der größte schwedische Kinderbucherfolg aller Zeiten werden. Das Buch ist in mehr als fünfzig Sprachen übersetzt wurden (cf. Srömstedt 2001: 230). Doch der Weg dahin war mühsam. Schon damals war das Buch der Auslöser einer großen Debatte. Im Mai 1944 schickte Lindgren das Manuskript an einen schwedischen Verlag. Anbei legte sie einen Brief, der deutlich machte, dass sich die Autorin über die Provokation ihrer Geschichte bewusst war (cf. Srömstedt 2001:231). Sie schließt ihren Brief mit den Worten ab: „Sicherheitshalber sollte ich vielleicht darauf hinweisen, dass meine eigenen unglaublich wohlerzogenen, engelsgleichen Kinder keinerlei Schaden durch Pippis Verhalten genommen haben. Sie haben sofort verstanden, dass Pippi ein Einzelfall ist, der normalen Kindern kein Vorbild sein kann.“ (zit. Lindgren nach Srömstedt 2001: 232).
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle Kontroverse um die sprachliche Überarbeitung bekannter Kinderbuchklassiker ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Rechtmäßigkeit solcher Eingriffe.
2.) Das geistige Eigentum: Es werden die theoretischen Grundlagen zum geistigen Eigentum und dessen Verankerung im Urheberrecht erläutert.
2.1.) Das Urheberrecht: Dieser Abschnitt untersucht spezifische rechtliche Vorschriften zur Bearbeitung und Umgestaltung von Werken sowie die Rolle der Erben nach dem Tod des Autors.
3.) Modernisierung der Kinderbücher: Es wird die allgemeine Debatte um politisch korrekte Literatur und die gesellschaftlichen Hintergründe für den Wunsch nach Modernisierung diskutiert.
3.1.) Die Bedeutung des Begriffs „Neger“ in der deutschen Sprache: Eine linguistische und gesellschaftskritische Analyse der Herkunft und der diskriminierenden Wirkung des Begriffs „Neger“.
3.2.) Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf: Die Fallstudie beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Werks und die Kontroverse um die Überarbeitung von Passagen in Pippi Langstrumpf.
3.3.) Otfried Preußler: Die kleine Hexe: Untersuchung der spezifischen Modernisierungsmaßnahmen am Werk Otfried Preußlers und die Rolle des Verlags bei diesen Anpassungen.
4.) Die Beziehung zwischen Autor und Werk: Erörterung der besonderen psychologischen und biografischen Verbindung, die Autoren zu ihren geschaffenen Werken aufbauen.
5.) Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit, dass jeder Fall individuell betrachtet werden sollte, wobei der Erhalt der Originale und ein reflektierter Umgang mit Sprache im Vordergrund stehen sollten.
Schlüsselwörter
Geistiges Eigentum, Urheberrecht, Kinderbuch, Modernisierung, Rassismus, Pippi Langstrumpf, Die kleine Hexe, Politische Korrektheit, Zensur, Astrid Lindgren, Otfried Preußler, Sprachgebrauch, Diskriminierung, Literaturkritik, Urheberschutzgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die aktuelle mediale Debatte über die sprachliche Modernisierung von Kinderbuchklassikern, insbesondere im Hinblick auf als diskriminierend empfundene Begriffe.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Neben der rechtlichen Perspektive auf das Urheberrecht stehen die soziolinguistische Bedeutung rassistischer Begrifflichkeiten sowie die Autorenschaft im Zentrum der Untersuchung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll geklärt werden, ob das Umschreiben von Klassikern eine notwendige Anpassung an moderne Werte darstellt oder einen unzulässigen Eingriff in das geistige Eigentum des Urhebers bedeutet.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse des Urheberrechts in Verbindung mit einer diskursanalytischen Betrachtung der sprachlichen Debatte und Fallstudien zu spezifischen Autoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das geistige Eigentum, eine linguistische Analyse des Begriffs „Neger“ und zwei detaillierte Fallanalysen zu Astrid Lindgren und Otfried Preußler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Urheberrecht, Modernisierung, Rassismus, geistiges Eigentum, politisch korrekte Sprache und der Schutz des literarischen Werks.
Wie unterscheidet sich der Umgang mit den Werken von Lindgren und Preußler?
Während bei Astrid Lindgren die Erben und der Verlag nach langem Zögern Anpassungen vornahmen, wurden die Änderungen bei Otfried Preußler zu Lebzeiten des Autors in enger Absprache mit ihm initiiert.
Welche Rolle spielt das Urheberpersönlichkeitsrecht bei dieser Debatte?
Es dient als rechtlicher Maßstab, um zu bewerten, ob eine inhaltliche Veränderung eine Entstellung des Werks darstellt, die das Ansehen oder die Interessen des Autors gefährden könnte.
- Quote paper
- Marie Walter (Author), 2013, Modernisierung von Kinderbüchern. Die aktuelle Debatte über das geistige Eigentum der Autoren, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280824