Deutsche Filme, wie „Wolke 9“ oder „Die Spätzünder“ (2010) thematisieren, was privat und gesellschaftlich eher verniedlicht oder tabuisiert wird: Sexualität im Alter. Obwohl es keine Altersgrenze für befriedigend erlebte Sexualität und Zärtlichkeit gibt, wird Alterssexualität in der Öffentlichkeit ambivalent dargestellt: „Einerseits scheinen die mit dem Alter häufig assoziierten Merkmale wie Verlust der körperlichen Attraktivität, Zunahme an Erkrankungen und körperlichen Funktionseinschränkungen im Gegensatz zu Lust, Sinnlichkeit und Erotik zu stehen. Andererseits wird häufiger die Position vertreten, Sexualität werde mit dem Alter besser, häufiger, problemloser.“
Die Forschung interessiert sich eher für das Entstehen von Partnerschaften, Scheidungsprädikatoren und die Situation von Menschen im mittleren Erwachsenenalter. Auch Beratungsangebote richten sich häufig gezielt an jüngere Paare, Frauen oder Familien mit Kindern (z.B. Schwangerenberatung, Kinderwunschberatung, Erziehungsberatung). (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Begriffsdefinition Sexualität und Alterssexualität
2.2 Die drei Dimensionen der Sexualität
2.2.1 Die Fortpflanzungsdimension
2.2.2 Die Lustdimension
2.2.3 Die soziale Dimension
2.3 Bedeutung von Sexualität im Alter
2.4 Lebensformen im Alter und Sexualität
2.4.1 Herausforderung: Sexualität in Pflegeeinrichtungen
2.5 Störungen der sexuellen Funktion
2.5.1 4-Ebenen-Modell sexueller Funktionsstörungen
2.5.2 Ursachen der Funktionsstörungen bei Älteren
2.5.3 Körperliche Veränderungen und Sexualität bei Frauen
2.5.4 Beeinträchtigung sexueller Funktionen durch hormonelle Veränderungen
2.5.5 Vermindertes sexuelles Verlangen
2.5.6 Erregungs- und Orgasmusstörungen
2.5.7 Schmerzen beim sexuellen Verkehr (lat. Dyspareunie; Vulvodynie)
2.5.8 Inkontinenz
2.5.9 Nebenwirkungen von Medikamenten
2.5.10 Drogen
2.6 Theorie und Forschung der (weiblichen) Alterssexualität
2.6.1 Theoretische Konzepte
2.6.2 allgemeine Forschungslage zur (weiblichen) Alterssexualität
2.6.3 Konsequenzen
2.7 Empfehlungen für die Sexualberatung älter Frauen
2.7.1 Grundhaltung des Beraters/der Beraterin
2.7.2 Sexual- und Partnerschaftsberatung im Alter
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die oft tabuisierte weibliche Sexualität im Alter unter Berücksichtigung körperlicher, psychologischer und gesellschaftlicher Aspekte, mit dem Ziel, Grundlagen für eine kompetente sexualpädagogische Beratung älterer Frauen zu schaffen.
- Definition und Dimensionen der Alterssexualität
- Körperliche Veränderungen und sexuelle Funktionsstörungen
- Einfluss von Lebensformen, Pflegeeinrichtungen und Medikamenten
- Theoretische Konzepte und aktuelle Forschungslage
- Empfehlungen für die professionelle Sexualberatung
Auszug aus dem Buch
2.5.3 Körperliche Veränderungen und Sexualität bei Frauen
Vielfältige biologische Veränderungen kennzeichnen den Prozess des Alterns. Der Körper verändert sich endo- und exogen, was Auswirkungen auf das Körperbild hat, z.B. durch den Verlust der Spannkraft und Leistungsfähigkeit (pro familie 2004, S. 19). Gefühle der Unsicherheit, des Schams und sogar des Ekels können sich dem eigenen Körper gegenüber und in Partnerschaften und Beziehungen Älterer einstellen, wenn die eigene Physis nicht mehr dem Vorbild des gesellschaftliches Anspruchs der „Kultur ewiger Jugend“ entspricht (vgl. pro familia 2004, S. 10). In Partnerschaften kann das Ablehnen des eigenen Körpers dazu führen, dass eine Angst vor Abweisung entsteht, so dass das Zulassen von Berührungen oder von Nacktheit vermieden wird (vgl. pro familia 2004, S. 10). Die körperlichen Veränderungen in Form von grauen Haaren und Falten laden zu einer neuen Auseinandersetzung mit der eigenen Bewertung von Attraktivität ein, denn oft sind gerade Frauen Opfer von Klischees und traditionellen Rollenbildern (vgl. pro familia 2004, S. 10). Attraktivität ist jedoch weniger ein Zustand, als vielmehr im Fluss und daher nicht unbedingt an Äußerlichkeiten gebunden, sondern sie besteht auch aus der Anziehungskraft der Persönlichkeit (Charakter, aktive Persönlichkeitsbildung). Nicht nur das natürliche Altern verändert den Körper, auch medizinische Maßnahmen, wie z.B. Narbenbildung in Folge operativer Eingriffe, z.B. Mamaamputation können Schamgefühle nach sich ziehen, die auch den Rückzug von sozialen Kontakten bis hin zur Vereinsamung zur Folge haben können (Schrader/Bolz 2013, S. 158). So gleicht die Annahme der körperlichen Veränderungen einem Trauerprozess, der Zeit in Anspruch nimmt (vgl. Schrader/Bolz 2013, S. 158):
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Tabuisierung von Sexualität im Alter und begründet die Notwendigkeit einer stärkeren wissenschaftlichen und beraterischen Auseinandersetzung mit diesem Thema.
2. Hauptteil: Der Hauptteil definiert Alterssexualität, analysiert deren Dimensionen sowie die Auswirkungen körperlicher und lebensweltlicher Veränderungen auf die Sexualität älterer Frauen und bietet einen Überblick über Forschung und Beratungsempfehlungen.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Diskrepanz zwischen sexuellem Interesse und Aktivität im Alter und fordert ein gesellschaftliches Umdenken sowie eine bessere Unterstützung durch professionelle Beratung.
Schlüsselwörter
Alterssexualität, Weibliche Sexualität, Sexualberatung, Körperbild, Demographischer Wandel, Lebensqualität, Sexualtherapie, Funktionsstörungen, Psychosoziale Aspekte, Partnerschaft, Alter, Sexualität im Alter, Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die vielfältigen Aspekte der weiblichen Sexualität im Alter, einschließlich der physischen, psychischen und sozialen Einflussfaktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst Begriffsdefinitionen, den Einfluss des Alterns auf den Körper, spezifische sexuelle Funktionsstörungen, theoretische Modelle und Beratungsempfehlungen für ältere Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf den Beratungsbedarf älterer Menschen aufmerksam zu machen und Grundlagen für eine professionelle sexualpädagogische Beratungspraxis zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Seminararbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Forschungsergebnisse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert Definitionen, Dimensionen der Sexualität, Auswirkungen von Medikamenten, Krankheiten, Pflegeumgebungen und stellt Forschungsergebnisse zu Zufriedenheit und Aktivität dar.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Alterssexualität, weibliche Sexualität, Sexualberatung, Körperbild, Demographischer Wandel und psychologische sowie körperliche Veränderungen.
Welche Rolle spielen Pflegeeinrichtungen bei der Sexualität im Alter?
Pflegeeinrichtungen erschweren das Ausleben sexueller Bedürfnisse oft durch fehlende Privatsphäre, strikte Tagesstrukturen und gesellschaftliche Stigmatisierung des sexuellen Begehrens Älterer.
Warum gibt es laut Autorin eine "Interest-Activity-Gap"?
Die Autorin beschreibt damit die Diskrepanz zwischen dem oft erhaltenen sexuellen Interesse und der abnehmenden tatsächlichen sexuellen Aktivität im Alter, welche durch biologische und soziale Faktoren beeinflusst wird.
- Arbeit zitieren
- Daniela Bachmann (Autor:in), 2014, Weibliche Sexualität im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280581