Endlos lange Wartezeiten, unkoordinierte Abläufe, eilige Arztgespräche und eine sehr schlechte telefonische Erreichbarkeit – diese Defizite in der Praxisorganisation sind die häufigsten Kritikpunkte, wenn man Patienten nach ihrer Zufriedenheit mit ihrer Arztpraxis befragt. Die Konsequenzen dieser nicht beseitigten Organisationsdefizite sind Ärger, Stress und sinkende Motivation bei allen Beteiligten, bei den Ärzten ebenso, wie bei ihren Mitarbeitern. Die medizinische Ausbildung beinhaltet bis heute kaum betriebswirtschaftliche Aspekte. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Notwendigkeit betriebswirtschaftlichen Handelns und Denkens bisher noch nicht den Weg in die Köpfe der Praxisbetreiber gefunden hat und die meisten Praxisbetreiber viel mehr Arzt, als Unternehmer sind. Ziel dieser Handlungshilfe ist es, den Praxisinhabern sowohl die Notwendigkeit, als auch die Chancen und Möglichkeiten, die in einer Organisationsveränderung liegen, nahe zu bringen und zu zeigen, dass sie sich in jeder Hinsicht ‚rechnet‘. Eine optimal funktionierende Arztpraxis bietet die beste Grundlage für eine bestmögliche medizinische Versorgung, bei der jeder Patient die für ihn notwendige Behandlung erhält.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG
2. GESETZLICHE GRUNDLAGEN
3. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
3.1. Prozesse
3.2. Prozessorganisation
3.3. Prozessmanagement
4. GRÜNDE FÜR DIE ZUNEHMENDE BEDEUTUNG OPTIMIERTER PROZESSE IN ARZTPRAXEN
4.1. Wirtschaftliche Ziele von Arztpraxen
4.2. Soziale Ziele von Arztpraxen
4.3. Besondere Bedingungen für Arztpraxen
4.4. Kostenstruktur von Arztpraxen
4.5. Demografische Entwicklung
4.6. Sonstige Gründe
5. PRIMÄRE HANDLUNGSFELDER DER PROZESSORGANISATION IN DER BEISPIELPRAXIS
5.1. Terminmanagement
5.1.1. Der Terminsprachserver
5.1.2. Die Funktion des Terminsprachservers
5.2. Die Praxis-EDV
5.3. Räumliche Organisation einer Arztpraxis
5.4. Personalmanagement
5.4.1. Personalbeschaffung
5.4.2. Personalführung
5.4.3. Personalentwicklung
5.5. Zeitmanagement
6. DIE EINFÜHRUNG EINES QUALITÄTSMANAGEMENTSYSTEMS (QMS)
6.1. Bedeutung und Nutzen
6.2. Rechtliche Grundlagen und Forderungen zur Qualitätssicherung
6.3. Qualitätsziele
6.4. Phasen zur Einführung eines QMS
6.5. Kennzahlen
7. QUALITÄT UND ENTWICKLUNG IN PRAXEN (QEP)
7.1. Vorteile eines QEP QM-Systems
7.2. Die QEP-Zertifizierung
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Praxisinhabern die Notwendigkeit sowie die Chancen einer strukturierten Prozessorganisation aufzuzeigen, um die Effizienz zu steigern und langfristig einen wirtschaftlichen sowie patientenorientierten Praxiserfolg zu sichern. Die Arbeit untersucht, wie durch Prozessmanagement, Digitalisierung und Qualitätsmanagementsysteme organisatorische Defizite behoben werden können.
- Grundlagen der Prozessorganisation und des Prozessmanagements in Arztpraxen
- Wirtschaftliche und soziale Treiber für Prozessoptimierungen
- Handlungsfelder: Terminmanagement, Praxis-EDV, räumliche Organisation und Personalmanagement
- Einführung und Nutzen von Qualitätsmanagementsystemen (QMS)
- Exkurs: Zertifizierungsprozess nach QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen)
Auszug aus dem Buch
5.4. Die Praxis-EDV
Die teuerste und knappste Ressource in einer Arztpraxis ist die eigene Arbeitszeit und Arbeitskraft des Arztes. Praxis-EDV kann dabei unterstützen die Produktivität zu steigern.
In der Beispielpraxis sind die Potenziale der EDV bislang noch unbekannt. Es werden Patientenakten hin und her getragen, da es keine digitalen Patientenakten gibt. Besonders zeitaufwendig sind Fremdbefunde, bei denen es sich hauptsächlich um Facharztbriefe und Röntgenbefunde handelt, treffen in der Praxis meist per Post, aber auch per Mail oder Telefax ein. Brief aus dem Briefkastenholen, öffnen, auffalten, erkennen, auf den Posteingang stapeln, passende Karteikarte heraussuchen und danach den Befund einsortieren – alle diese Schritte sind notwendig und kosten sehr viel Zeit. Weitere Zeitfresser in diesem Zusammenhang ist das Suchen nach Laborbefunden die Beförderung von Bescheinigungen aus den Behandlungszimmern an den Empfang. Es ist den beiden Ärzten bisher nicht klar, wie viel Zeit sie und ihr Praxisteam nutzlos aufwenden, denn in dieser Zeit können keine Patienten betreut und somit Einkommen generiert werden.
Dabei lassen sich Produktivität und Effizienz der Arbeitsabläufe ziemlich rasch und erheblich verbessern, wenn durchgängig auf digitale Prozesse gesetzt wird. Die so gewonnene Zeit kommt den Patienten zugute.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG: Die Einleitung beleuchtet die häufigsten Defizite in der Praxisorganisation, wie lange Wartezeiten und unkoordinierte Abläufe, und deren negative wirtschaftliche sowie persönliche Auswirkungen.
2. GESETZLICHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen und Pflichten, denen Vertragsärzte in ihrer Funktion als Arbeitgeber und Praxisbetreiber unterliegen.
3. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN: Hier werden zentrale Fachbegriffe wie Prozesse, Prozessorganisation und Prozessmanagement definiert und für den Kontext der Arztpraxis abgegrenzt.
4. GRÜNDE FÜR DIE ZUNEHMENDE BEDEUTUNG OPTIMIERTER PROZESSE IN ARZTPRAXEN: Es wird analysiert, warum wirtschaftlicher Druck, demografischer Wandel und veränderte Patientenansprüche eine professionelle Organisation unumgänglich machen.
5. PRIMÄRE HANDLUNGSFELDER DER PROZESSORGANISATION IN DER BEISPIELPRAXIS: Detaillierte Untersuchung der wichtigsten Stellschrauben in der Praxis, darunter Terminmanagement, EDV-Einsatz, räumliche Organisation sowie strategisches Personalmanagement.
6. DIE EINFÜHRUNG EINES QUALITÄTSMANAGEMENTSYSTEMS (QMS): Dieses Kapitel erläutert den Nutzen eines QMS, rechtliche Anforderungen und die methodischen Phasen zur systematischen Einführung in einer Praxis.
7. QUALITÄT UND ENTWICKLUNG IN PRAXEN (QEP): Eine spezifische Betrachtung des QEP-Konzepts, das als modulares System für die Qualitätssicherung und Zertifizierung in ärztlichen Praxen dient.
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Den Abschluss bildet eine Reflektion über das "Zwei-Welten-Phänomen" und die Bedeutung multidisziplinärer Kenntnisse für den modernen, unternehmerisch denkenden Arzt.
Schlüsselwörter
Prozessmanagement, Arztpraxis, Praxisorganisation, Qualitätsmanagement, QEP-Zertifizierung, Praxis-EDV, Terminmanagement, Personalentwicklung, Patientenorientierung, Betriebswirtschaft, Prozessoptimierung, Arbeitsabläufe, Praxisinhaber, Patientenzufriedenheit, Effizienzsteigerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und den Strategien zur Optimierung von Abläufen in Arztpraxen, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen und die Patientenversorgung zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Prozessmanagement, der Digitalisierung mittels EDV, dem Personalmanagement sowie der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen (QMS).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Praxisinhabern aufzuzeigen, wie sie durch organisatorische Veränderungen ihre Praxis effizienter führen und ihre Rolle als "Manager" ihrer Praxis stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse einer konkreten Beispielpraxis, um theoretische Konzepte der Betriebswirtschaft und des Qualitätsmanagements auf die Praxisbedingungen niedergelassener Ärzte zu übertragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich konkreten Handlungsfeldern wie Terminvergabe, Einsatz von Terminsprachservern, Optimierung der Praxis-EDV sowie verschiedenen Phasen des Personalmanagements und der QEP-Zertifizierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Prozessmanagement, Praxisorganisation, Qualitätsmanagement, Effizienzsteigerung und Patientenorientierung charakterisieren.
Was versteht die Autorin unter dem „Zwei-Welten-Phänomen“?
Damit ist die Diskrepanz gemeint, dass Ärzte in ihrem Behandlungszimmer häufig nichts von den Problemen an der Anmeldung oder im Wartezimmer mitbekommen und daher glauben, in der Praxis sei alles in Ordnung.
Warum ist ein Terminsprachserver eine sinnvolle Investition für Arztpraxen?
Ein solcher Server verbessert die Erreichbarkeit rund um die Uhr, entlastet das Personal von Routineanrufen und reduziert nachweislich die Kosten pro Telefonat erheblich.
Welche Bedeutung hat die QEP-Zertifizierung für eine Praxis?
QEP bietet einen strukturierten Rahmen zur Qualitätssicherung und dient als Marketinginstrument, um Patienten und Krankenkassen ein hohes, geprüftes Qualitätsniveau zu signalisieren.
Warum wird Personal in einer Arztpraxis als teuerste Investition betrachtet?
Da das Praxisteam einen wesentlichen Teil zur Leistungsfähigkeit beiträgt und Ärzte den Großteil ihrer Arbeitszeit mit dem Team verbringen, ist ein professionelles Personalmanagement zur Sicherung des Praxiserfolgs unverzichtbar.
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- MBA Katja Lehmann-Teichmann (Author), 2014, Prozessorganisation und Prozessoptimierung in der Arztpraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280472