Wissen ist die größte Waffe des Menschen. Denn wer Wissen hat, hat Macht. Wer Macht hat, der entscheidet. Und wer entscheidet, der hat gewonnen.
Doch was ist Wissen? Wie erhält man Wissen, durch Bildung, durch Anlernen bestimmter Ereignisse, durch Reflexion und dem Lesen von Büchern, dem Weiterbilden von Büchern?
Die postmodernen Philosophen Deleuze und Guattari behaupten, dass Wissen, wenn es denn welches gibt, ständige Verknüpfung ist. Das Buch dient dabei der Inspiration einer neuen Entscheidung, um neue Verbindungen und Verknüpfungen zu wagen. Es dient aber nicht dazu, um durch Reflexion und Interpretation eines Buches, Wissen zu erhalten. Wissen ist eben keine Reflexion, sondern eine Verkettung, ein Rhizom. Das klassische Buch ist nun ein Abbild einer verkehrten Vorstellung der Welt.
Nun erläutern sie im Rhizom, was das eigentliche Wissen ist, welche Rolle das Buch dabei spielt und was in der Welt verändert werden muss, um Fortschritt und Wissen zu erlangen. Ausgehend kritisieren Deleuze und Guattari das klassische Baummodell des Wissens, verpackt in einer Aufzählung zweier Buchtypen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Wurzelbuch
3. Was ist ein Rhizom?
4. Die Prinzipien des Rhizoms
5. Das Rhizom als Karte
6. Fazit und Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff des Rhizoms bei Deleuze und Guattari kritisch und setzt ihn in Bezug zum klassischen „Baummodell“ des Wissens, um Möglichkeiten für Fortschritt und eine neue Erkenntnistheorie jenseits hierarchischer Strukturen aufzuzeigen.
- Kritik am klassischen Baummodell des Wissens
- Die Theorie des Rhizoms als Alternative zur Hierarchie
- Prinzipien der Konnexion, Heterogenität und Vielheit
- Die Rolle der Kartographie vs. Kopie in der Wissensgenerierung
- Verbindung postmoderner Philosophie mit ethischen Fragestellungen
Auszug aus dem Buch
Was ist ein Rhizom?
Obwohl Deleuze und Guattari explizit keine biologische Metaphorik herstellen wollen, tun sie es doch. Sie vergleichen das Rhizom mit dem Wurzelbaum des Wissens. In der Botanik ist ein Rhizom ein Wurzelgeflecht ohne Hauptwurzel. Dort gibt es keinen Ursprung aus dem alles Leben fließt. Die Pflanze ist in ihrem ständigen Wachsen und Verästeln immer wieder ihr eigener Ursprung.
Es ist eine reich verzweigte, unterirdische Struktur spezieller Pflanzen, wie zum Beispiel das Myzel von Pilzen, die sich aus Wurzeln und Sprossen und nicht aus einer Wurzel zusammensetzt. In diesem System können beliebig viele Wurzeln sterben und verdorren, ohne, dass die Pflanze zerstört wird. Es ist ständige Verknüpfung und ständige Fortpflanzung. Mithilfe von Prinzipien des Rhizoms wollen die Autoren den Leser von diesem System als Retter des Staatsapparats Philosophie mit ihrem klassischen Baummodell überzeugen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die zentrale Fragestellung nach der Definition von Wissen und führt in die Kritik von Deleuze und Guattari am klassischen, auf Reflexion basierenden Wissensmodell ein.
2. Das Wurzelbuch: Dieses Kapitel analysiert das "Wurzelbuch" als Modell des klassischen Wissens, welches durch Hierarchie und Dichotomie den Fortschritt und die Entwicklung neuen Wissens behindert.
3. Was ist ein Rhizom?: Es wird das Rhizom als Alternative zum Wurzelbaum eingeführt, welches durch das Fehlen eines zentralen Ursprungs und durch stetige Verknüpfung gekennzeichnet ist.
4. Die Prinzipien des Rhizoms: Das Kapitel erläutert die zentralen Prinzipien wie Konnexion, Heterogenität und das Prinzip der Vielheit, die eine nicht-hierarchische Wissensstruktur definieren.
5. Das Rhizom als Karte: Hier wird das Rhizom als „Karte“ der „Kopie“ gegenübergestellt, um zu verdeutlichen, dass wahres Wissen keine Reproduktion, sondern eine sich ständig entwickelnde Verknüpfung ist.
6. Fazit und Reflexion: Die Autorin reflektiert die postmoderne Theorie der Verknüpfung und überträgt diese auf eigene Entscheidungsprozesse, um einen Abschluss ohne dogmatische Einheit zu finden.
Schlüsselwörter
Rhizom, Deleuze, Guattari, Wissensmodell, Baummodell, Konnexion, Vielheit, Heterogenität, Kartographie, Postmoderne, Anti-Genealogie, Philosophie, Vernetzung, Erkenntnistheorie, Pluralität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der postmodernen Philosophie von Deleuze und Guattari, speziell mit ihrem Konzept des "Rhizoms", und untersucht, wie dieses Konzept traditionelle Vorstellungen von Wissen und Philosophie infrage stellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik an hierarchischen Wissenssystemen (Baummodell), die Bedeutung von Verknüpfung und Vielheit sowie die Abgrenzung von starren Kopien hin zu einem dynamischen, kartographischen Denken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Begriff des Rhizoms als "Retter" vor einem als erstarrt empfundenen "Staatsapparat Philosophie" zu interpretieren und aufzuzeigen, wie ein Denken in Vielheiten statt in Einheiten möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Essay-Form, die textanalytisch vorgeht, Begriffe dekonstruiert und diese in einen größeren gesellschaftlichen und erkenntnistheoretischen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des Baummodells (Wurzelbuch vs. büschelige Wurzel) und setzt diese den Prinzipien des Rhizoms (Konnexion, Heterogenität, Vielheit) entgegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Rhizom, Vielheit, Konnexion, Baummodell, Anti-Genealogie, Kartographie und der postmoderne Anspruch auf ein Denken jenseits von Dualismen.
Wie unterscheidet sich eine "Karte" von einer "Kopie" im Kontext der Autoren?
Die Kopie imitiert das Modell und ist reproduzierbar, was zu einer "Verbarrikadierung" des Denkens führt. Eine Karte hingegen ist modifizierbar, hat viele Eingänge und entwickelt sich, was sie zu einem Ausdruck von Vielheit macht.
Welchen Bezug stellt die Autorin zum Buddhismus her?
Die Autorin erkennt Ähnlichkeiten zwischen der rhizomatischen Theorie der ständigen Verknüpfung und dem buddhistischen Verständnis von Karma, bei dem jede Entscheidung eine Veränderung und eine verknüpfte Handlung darstellt.
- Quote paper
- Anna Wimmer (Author), 2014, Das Baummodell des Wissens. Der Begriff des Rhizoms bei Deleuze und Guattari, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280443