Das Klarissenkloster in Nürnberg stellt einen Sonderfall in der Geschichte der Klöster dar. Denn die Frauengemeinschaft, die an der Gründung des Klarissenkonvents beteiligt war, gehörte erst einer anderen Ordensgemeinschaft an, dem Orden der Magdalenen. Da die Entwicklungen des Magdalenenkonvents in Nürnberg eine Grundlage zum Verständnis der Geschichte des St. Klara Konventes sind, soll die Historie der Magdalenen von Nürnberg im ersten Teil der Arbeit erläutert zu werden, um sie dann in Zusammenhang mit der Gründungsphase des Klarissenklosters zu stellen. Nach Darlegung der Gründungsphase sollen dann die sozialen Strukturen des Konventes erläutert werden, die dann in Verbindung zur sozialen- und politischen Struktur der Stadt Nürnberg gebracht werden sollen.
Bei der Recherche zu der vorliegenden Arbeit sollte versucht werden, den aktuellen Forschungsstand zu reflektieren und kritisch zu bewerten. Insbesondere wurde dabei mit der Monographie von Johannes Kist gearbeitet, die im Jahre 1929 erschienen ist. Daneben wird mit den originalen Quellentexten gearbeitet, die größtenteils aus dem Urkundenbuch der Stadt Nürnberg stammen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gründungsphase
2.1 Magdalenenkloster
2.2 Inkorporation in den Klarissenorden
3 Konsolidierungsphase
4 Die Binnenstruktur des Konvents
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des St. Klara Klosters in Nürnberg, mit einem besonderen Fokus auf den Übergang vom Magdalenenorden zum Klarissenorden. Dabei wird analysiert, wie sich der Konvent durch soziale, politische und religiöse Einflüsse wandelte und in welcher Beziehung er zu den bürgerlichen Familien Nürnbergs stand.
- Die Gründungsgeschichte und die vorangegangene Rolle des Magdalenenklosters.
- Die Inkorporation in den Klarissenorden nach den Vorgaben des Konzils von Lyon.
- Die wirtschaftliche Stabilität und die soziale Zusammensetzung des Konvents.
- Strukturelle Veränderungen und Reformbewegungen im 14. und 15. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
Inkorporation in den Klarissenorden
Zu dem Anschluss des Magdalenen Konvents an den Klarissenorden existieren drei wichtige Urkunden:
(1) Genehmigung des Anschlusses der Reuerinnen an den Klarissenorden, 6. Juli 1278 (päpstliche Bulle): „Papst Nikolaus der 3. beauftragt den Bischof von Bamberg das Kloster der Reuerinnen in Nürnberg dem Klarissenorden zu inkorporieren, da der Konvent selbst darum gebeten habe und König Rudolf von Habsburg und dessen Gemahlin Anna diese Bitte unterstützt hätten.“
(2) Mandat des Bischofs Berthold von Leiningen von Bamberg, 13.Oktober 1278: „Bischof Berthold von Bamberg beauftragt den Domdekan Emicho von Leiningen, Fr. Albert, den Kustos der Minoriten in Bayern, und Fr. Andreas, Lektor in Bamberg, an seiner Stelle die von Papst Nikolaus dem 3. angeordnete Inkorporation vorzunehmen.“
(3) Inkorporation des Nürnberger Reuerinnenklosters in den Klarissenorden, 29. Januar 1279: „Bischof Berthold von Bamberg beurkundet den geschehen Anschluss des Nürnberger Reuerinnenkonventes an den Klarissenorden.“
Die Inkorporation lässt sich in vier Phasen einteilen. Die erste ist der Bittgesuch, den die Magdalenen „unter ihrer Priorin Kunigunde Vörchtel durch die Vermittlung des Königs Rudolf von Habsburg“ an Papst Nikolaus den 3. stellten, in dem sie darum baten nach ihren alten Regeln weiter leben zu dürfen. Dieser jedoch, auf die Umsetzung des 2. Konzils von Lyon bedacht beauftragte den Bischof von Bamberg den Magdalenenkonvent an den Klarissenorden an zu schließen und leitet damit die zweite Phase der Inkorporation ein. Die Formulierung „da der Konvent selbst darum gebeten hat“ ist in Hinblick auf den gestellten Bittgesuch an den Papst kritisch zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, die Beziehungen zwischen verschiedenen Ordenszweigen und den gesellschaftlichen Gruppen Nürnbergs zu untersuchen und den Forschungsstand kritisch zu würdigen.
2 Gründungsphase: Dieses Kapitel behandelt die frühe Geschichte des Magdalenenkonvents und dessen Transformation durch die Inkorporation in den Klarissenorden.
3 Konsolidierungsphase: Hier wird der wirtschaftliche Ausbau des Klosters durch Privilegien und die Festigung seiner Stellung innerhalb der Stadt Nürnberg beschrieben.
4 Die Binnenstruktur des Konvents: Der Fokus liegt auf der Ämtervergabe, der sozialen Zusammensetzung der Schwesternschaft und den internen Spannungen zwischen normativem Regelwerk und Lebenswirklichkeit.
Schlüsselwörter
St. Klara Kloster, Nürnberg, Magdalenenorden, Klarissenorden, Reuerinnen, Inkorporation, Konzils von Lyon, Franziskaner, Patrizier, Äbtissin, Urbanregel, Observanzbewegung, Sozialstruktur, Wirtschaftsgeschichte, Urkunden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte des St. Klara Klosters in Nürnberg von seiner Gründung als Magdalenenkonvent bis zu seiner Etablierung als bedeutendes Klarissenkloster.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Ordenswechsel, die wirtschaftliche Konsolidierung, die soziale Herkunft der Nonnen und die Interaktion des Klosters mit dem Nürnberger Rat und adligen Stifterfamilien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Analyse der historischen Entwicklung des Klosters unter Berücksichtigung der komplexen Beziehungen zwischen religiösen Strukturen und bürgerlichen Machtverhältnissen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenbasierte historische Analyse durchgeführt, die primär auf dem Urkundenbuch der Stadt Nürnberg und der Monographie von Johannes Kist basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Gründung, der Inkorporation, der wirtschaftlichen Konsolidierung und der Untersuchung der internen Konventsstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Klarissen, Magdalenen, Reuerinnen, Nürnberg, Inkorporation, soziale Schichtung und klösterliche Binnenstruktur.
Warum war das St. Klara Kloster in Nürnberg laut der Arbeit ein Sonderfall?
Es stellte einen Sonderfall dar, da die ursprüngliche Frauengemeinschaft erst einem anderen Orden (Magdalenen) angehörte, bevor sie in den Klarissenorden inkorporiert wurde.
Welche Rolle spielte der Nürnberger Rat für das Kloster?
Der Rat der Stadt Nürnberg übte erheblichen Einfluss aus, beispielsweise durch die Mitbestimmung bei der Aufnahme von Nonnen und die Durchsetzung von Reformen wie der Observanz.
Wie wirkte sich die Observanzbewegung auf das Kloster aus?
Die Reformbewegung der Observanz, die 1452 Einzug hielt, führte zu einer Bekämpfung der internen Missstände und ließ das Kloster zu neuer Blüte und Vorbildfunktion gelangen.
- Quote paper
- Friedrich Mühlstein (Author), 2014, Das St. Klara Kloster in Nürnberg. Die Geschichte und Struktur des Konvents, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280190