In der Bundesrepublik Deutschland sind die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen verfassungsgemäß garantiert – seit 1980 speziell auch am Arbeitsplatz, wobei eine geringere Vergütung bei gleichwertiger Arbeit verboten worden ist.
Art. 3 Abs. 2 GG: „Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Doch trotz rechtlicher Gleichstellung trifft die Gesellschaft immer wieder auf Situationen, in denen keine Gleichstellung ersichtlich ist. Eine Folie , entnommen aus der Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung, zeigt „Auszubildende in den dreißig am stärksten besetzten Ausbildungsberufen nach Rangfolge und Ausbildungsbereich in Deutschland 1999“. Der Beruf des/der Kraftfahrzeugmechanikers/in steht hier auf Rangfolge eins. Nimmt man zum Vergleich eine Folie, welche die Auszubildenden in die Geschlechter differenziert, zeigt es sich, dass dieser Beruf sehr wohl bei den Männern an oberster Stelle steht, bei den Frauen hingegen aber unter den ersten dreißig nicht zu finden ist.
Nachfolgend möchte ich eine kurze Zusammenfassung eines aktuellen Fazits über Geschlechtergleichheit in Deutschland geben, welches die derzeitige Situation aufzeigt.
In Deutschland kann bislang nicht von Geschlechtergleichheit gesprochen werden, obwohl Tendenzen zu sehen sind, die einer allmählichen Angleichung entgegen gehen.
Zum einen sind Veränderungen in Richtung mehr Egalität zwischen den Geschlechtern zu beobachten, da Frauen im mittleren und jüngeren Alter ihren Blick intensiver auf ihre berufliche Qualifikation und Berufstätigkeit legen und parallel dazu Männer ein zunehmendes Verständnis für ihre soziale Rolle als Väter entwickeln.
Andererseits belegen Fakten nach wie vor die Schlechterstellung von Frauen in Bereichen der Erwerbsbeteiligung, des -einkommens, der -muster und –verläufe. Trotz der Qualifikationsgewinne sind Frauen in Führungspositionen seltener vertreten, haben ein größeres Arbeitslosigkeits- und Verarmungsrisiko und erbringen noch immer den größten Teil der Haus- und Familienarbeit. Neben den Geschlechterungleichheiten kommt es zu neuen sozialen Ungleichheiten unter Frauen, da hoch qualifizierte und beruflich orientierte Frauen zunehmend auf Kinder verzichten und es scheint, dass nur Männer beides haben können: Kinder sowie Karriere.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Das Habituskonzept
3.1 Der soziale Sinn
3.1.1 Der soziale Raum oder auch das soziale Feld
3.1.2 Der Kapitalbegriff
3.1.3 Bourdieu führt die Ansätze des Feldes und Kapitals zusammen
3.2 Ein System dauerhafter Dispositionen
3.3 Dualismus von „Freiheit“ und „Determinismus“
4. Das Konzept des Habitus im Kontext feministischer Fragestellungen
4.1 Kritik und Anschluss an Bourdieus Erklärungsansatz des Modells des Habitus von Beate Krais
5. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Habituskonzept von Pierre Bourdieu hinsichtlich seiner Anwendbarkeit auf feministische Fragestellungen, um die Persistenz von Geschlechterungleichheiten und Herrschaftsstrukturen in der modernen Gesellschaft theoretisch zu durchdringen.
- Grundlagen des Habituskonzepts nach Pierre Bourdieu
- Wechselwirkungen zwischen sozialem Raum, Kapital und Habitus
- Symbolische Gewalt und die Konstruktion von Geschlechterrollen
- Feministische Kritik und Erweiterung der Bourdieuschen Theorie
- Die Reproduktion von Herrschaftsverhältnissen im Alltag
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Der soziale Raum oder auch das soziale Feld
Ergänzend zu den kognitiven Charakteristiken des Habitus, ist der soziale Raum bzw. das soziale Feld objektiv erfassbar. Der soziale Raum ist ein abstraktes Konstrukt. Er bietet einen Überblick und ist der Standpunkt, von dem aus die Akteure - in ihrem Alltagsverhalten - ihren Blick auf die soziale Welt richten. Der soziale Raum zeigt die objektiv erfassbaren Lebensbedingungen und die darin enthaltenen Wertvorstellungen eines jeden Individuums auf. Diese erfährt jeder Mensch für sich selbst in seinem Lebensraum. Seit Beginn der Wahrnehmung ist das Individuum in seinem persönlichen sozialen Raum und erfährt diesen als seine Lebenswelt. Er enthält prägende Elemente im Heranwachsen eines Jeden und übt einen konditionierenden Effekt aus. Der Konditionierungs-Effekt beginnt im Bauch der Mutter.
Menschen werden von Geburt an vom Einfluss des Umfeldes gebildet. Dadurch werden die Wertvorstellungen und das Verhalten maßgeblich geprägt.
Der Akteur hat im sozialen Raum eine gewisse Position und nimmt dem sozialen Raum gegenüber Standpunkte ein, die durch seine Position bestimmt werden. Seine soziale Lage wird durch die inneren Eigenschaften bestimmt.
Demnach werden im sozialen Raum permanent „Wettkämpfe“ 10 ausgetragen. Wie diese Wettkämpfe ausgehen, hängt von den Strategien und den Einsätzen der Spieler ab – so ist die soziale Praxis innerhalb der verschiedenen Felder durch die Verfügungsgewalt bedingt über spezifische Ressourcen, die Bourdieu als „Kapital“ bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen rechtlicher Gleichstellung und der tatsächlichen Ungleichheit in der Lebens- und Berufswelt von Frauen und Männern.
3. Das Habituskonzept: Dieses Kapitel erläutert Bourdieus zentrales Konzept als System dauerhafter Dispositionen, das soziales Handeln strukturiert und durch Kapitalformen sowie den sozialen Raum beeinflusst wird.
4. Das Konzept des Habitus im Kontext feministischer Fragestellungen: Es wird untersucht, wie die Habitustheorie genutzt werden kann, um geschlechtsspezifische Herrschaftssysteme und die Reproduktion von Unterdrückungsmechanismen analytisch aufzuschließen.
5. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Kapitel reflektiert die theoretischen Erkenntnisse und stellt fest, dass während das Habituskonzept die Dominanz des Mannes erklärbar macht, die praktische Veränderung dieser tiefsitzenden Strukturen als große gesellschaftliche Herausforderung bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Habitus, Bourdieu, Geschlechterforschung, Soziale Ungleichheit, Soziales Feld, Kapitalbegriff, Symbolische Gewalt, Herrschaftssysteme, Feministische Theorie, Sozialisation, Dispositionen, Praxisformen, Geschlechtshabitus, Soziale Konstruktion, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das soziologische Konzept des Habitus von Pierre Bourdieu und wendet dieses auf die Geschlechterforschung an, um die Ursachen für persistente Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die soziologische Habitustheorie, Machtverhältnisse, symbolische Ordnungen, ökonomisches/kulturelles Kapital sowie die feministische Kritik an diesen Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu erklären, warum trotz rechtlicher Gleichstellung ungleiche Herrschaftsverhältnisse fortbestehen und wie die soziale Konstruktion des Geschlechts durch den Habitus reproduziert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die Bourdieus Konzepte mit dem feministischen Forschungsansatz von Beate Krais verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Habitus, die Analyse des sozialen Raums und des Kapitals sowie die spezifische Anwendung dieser Konzepte auf die Analyse von Geschlechterverhältnissen durch feministische Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Habitus, Herrschaftssysteme, symbolische Gewalt und Geschlechterkonstruktion geprägt.
Was versteht Bourdieu unter dem „Hysteresis-Effekt“ des Habitus?
Der Effekt beschreibt, dass der Habitus nicht einfach abgelegt werden kann, wenn sich die äußeren Bedingungen ändern, da die alten Einstellungen zur Welt tief verankert bleiben.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Beate Krais von dem Bourdieus?
Krais erweitert Bourdieus Ansatz, indem sie explizit die Bedeutung des Geschlechterverhältnisses für die Sozialstruktur hervorhebt und fordert, die symbolische Ordnung kritisch auf ihre geschlechtsspezifischen Machtmechanismen zu untersuchen.
Wie ist die Schlussfolgerung der Autorin zur Veränderbarkeit der Verhältnisse?
Die Autorin äußert Skepsis hinsichtlich einer kurzfristigen Veränderung der tiefsitzenden Herrschaftsverhältnisse, da diese oft unbewusst im Habitus jedes Individuums reproduziert werden.
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- M.A. Jessica Schumacher (Author), 2002, Klasse, Milieu und Geschlecht: Das Konzept des Habitus im Kontext feministischer Fragestellungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279934