An welchen Stellen spiegelt sich der gesellschaftliche Wandel in der Parteiengründung "Die Grünen" wider? An welcher Stelle zeigen sich Schnittmengen mit der Entwicklung neuer, alternativer Milieustrukturen und Wertemuster? Die soziologisch-historischen Arbeiten von Rucht, Reichhardt und Siegfried sowie Vester versuchen die Konstruktion des alternativen Milieus und der neuen sozialen Bewegungen zu definieren. Sie bilden die Grundlage des gesellschaftlichen Hintergrunds dieser Arbeit. Die politisch-historischen Arbeiten von Raschke und Kleinert hingegen stellen die Geschichte der Partei in den Mittelpunkt. Sie bilden die Basis für den parteigeschichtlichen Teil dieser Arbeit. Es soll zunächst geklärt werden, wie sich das alternative Milieu definiert und in welchem Zusammenhang es mit den neuen sozialen Bewegungen steht. Anschließend soll die Brücke zu der Parteiengründung "Die Grünen" geschlagen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der gesellschaftliche Hintergrund: alternative Milieus & neue soziale Bewegungen
2.2 Das Alternative Milieu als Konstrukt
2.2 Die neuen sozialen Bewegungen
2.2.1 Die Ökologiebewegung
3. Der parteigeschichtliche Hintergrund: Die Gründung der Partei „Die Grünen“
3.1 Die Gründungsphase der „Grünen“
3.2 Das Problem der Strukturbildung
3.2.1 Das Organisationsideal
3.2.1 Die ideologische Strukturbildung
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern sich der gesellschaftliche Wandel der 1970er und 1980er Jahre in der Gründungsphase der Partei „Die Grünen“ widerspiegelt und welche Rolle dabei alternative Milieustrukturen sowie neue soziale Bewegungen spielten.
- Gesellschaftlicher Wandel und Entstehung alternativer Milieus
- Die Rolle der neuen sozialen Bewegungen
- Der Einfluss der Ökologiebewegung auf die Parteigründung
- Strukturbildung und Organisationsideale der Grünen
- Interne Pluralität und ideologische Konfliktlinien
Auszug aus dem Buch
2.2 Das Alternative Milieu als Konstrukt
„Nach Meinung vieler Beobachter und Aktivisten hatte sich in den späten siebziger Jahren in Westdeutschland […] eine ‚alternative‘ oder ‚zweite Kultur‘ entwickelt. Diese definierte sich in der Abgrenzung zum gesellschaftlichen Status quo, umschrieben als ‚Fabrikgesellschaft‘ [und] ‚Technokratie‘ […].“
Rucht spricht in diesem Zitat drei entscheidende Faktoren an: den zeitlichen, den räumlichen und den ideologischen Kontext. Er beschreibt die Entwicklung eines alternativen Milieus in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, das in den späten 70er Jahren aufgrund einer enormen Ausstrahlung als zweite, alternative Kultur wahrgenommen wurde. Es handelt sich um eine neue Kultur, die unvereinbar mit den Werten und Normen der existierenden Kultur besteht und sich von dieser aktiv abgrenzt. Trotz dieser scheinbar eindeutigen Definition „der Abgrenzung zum gesellschaftlichen Status quo“ ist eine präzise Abgrenzung des alternativen Milieus schwierig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte der Grünen ein und verknüpft den gesellschaftlichen Protest der 1970er Jahre mit der Frage nach dem Einfluss neuer Milieustrukturen auf die Parteigründung.
2. Der gesellschaftliche Hintergrund: alternative Milieus & neue soziale Bewegungen: Das Kapitel definiert alternative Milieus als Konstrukt und analysiert deren Verhältnis zu den neuen sozialen Bewegungen sowie deren gesellschaftliche Bedeutung.
2.2 Das Alternative Milieu als Konstrukt: Hier wird der Begriff des alternativen Milieus soziologisch hergeleitet und seine Schwierigkeit in der präzisen Abgrenzung aufgrund von Pluralisierung und Individualisierung diskutiert.
2.2 Die neuen sozialen Bewegungen: Dieses Kapitel erläutert die Abgrenzung zur sozialen Bewegung und untersucht das Netzwerk an Individuen und Gruppen, das kollektiven Wandel anstrebte.
2.2.1 Die Ökologiebewegung: Die Ökologiebewegung wird als maßgeblicher Motor der Parteigründung identifiziert, die durch einen systemischen Wandel in der Naturbeziehung geprägt war.
3. Der parteigeschichtliche Hintergrund: Die Gründung der Partei „Die Grünen“: Die Analyse der heterogenen Gründungsphase zeigt das Zusammenwirken bürgerlich-ökologischer und links-alternativer Strömungen.
3.1 Die Gründungsphase der „Grünen“: Dieses Kapitel skizziert den Transfer von Bürgerinitiativen in die parlamentarische Politik und die Rolle der verschiedenen Listen.
3.2 Das Problem der Strukturbildung: Es wird die Herausforderung thematisiert, die basisdemokratischen Ideale der sozialen Bewegungen in eine institutionalisierte Parteistruktur zu überführen.
3.2.1 Das Organisationsideal: Die Umsetzung von Basisdemokratie, Rotationsprinzip und das Selbstverständnis als „Bewegungspartei“ werden kritisch beleuchtet.
3.2.1 Die ideologische Strukturbildung: Das Kapitel behandelt die internen Konflikte und die Entstehung eines dreidimensionalen politischen Koordinatensystems innerhalb der Partei.
4. Resümee: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, wie die Institutionalisierung der Grünen die ursprünglichen Ideale der alternativen Milieus transformierte.
Schlüsselwörter
Die Grünen, Alternative Milieus, neue soziale Bewegungen, Ökologiebewegung, Parteigründung, gesellschaftlicher Wandel, Basisdemokratie, politische Struktur, Wertewandel, alternative Kultur, Institutionalisierung, Politische Partizipation, soziale Bewegungen, Bundesrepublik Deutschland, Politische Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung der Partei „Die Grünen“ im Kontext der gesellschaftlichen Umbrüche und sozialen Milieus der 1970er und 1980er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition alternativer Milieus, das Wirken der neuen sozialen Bewegungen, insbesondere der Ökologiebewegung, sowie die parteigeschichtliche Entwicklung und Strukturbildung der Grünen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, an welchen Stellen sich der gesellschaftliche Wandel in der Gründung der Partei „Die Grünen“ widerspiegelt und wie Schnittmengen zu alternativen Milieustrukturen aussehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen historisch-soziologischen Ansatz, indem sie theoretische Definitionen (z.B. von Rucht, Vester) mit der parteigeschichtlichen Analyse und Quellenarbeit verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung alternativer Milieus, die Rolle der Ökologiebewegung als „Motor“ der Gründung und die internen strukturellen sowie ideologischen Herausforderungen bei der Institutionalisierung der Partei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie „alternative Milieus“, „neue soziale Bewegungen“, „Parteigründung“, „Basisdemokratie“ und „gesellschaftlicher Wandel“.
Warum war die Ökologiebewegung so wichtig für die Gründung?
Die Ökologiebewegung wird als „Motor“ beschrieben, da sie durch ihre zunehmende Institutionalisierung und ihren gesamtgesellschaftlichen Zulauf den entscheidenden Impuls für den Übergang von Bürgerinitiativen zur parlamentarischen Partei lieferte.
Was passierte mit den Idealen der Bewegung nach der Gründung?
Durch die Transformation zur parlamentarischen Partei und Institution, so die Schlussfolgerung, zerfielen die Ideale der alternativen Bewegungsmilieus teilweise und wurden in die gesamtgesellschaftliche Norm integriert.
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- Malte Dassau (Author), 2010, Die Grünen. Eine Partei des alternativen Milieus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279880