In meiner Arbeit „Liebeslyrik im Wandel der Zeit. Betrachtung zweier Gedichte von Francesco Petrarca und Ulla Hahn im Bezug auf deren Auffassung von Liebe“ beschäftigt mich der Gedanke, wie oder ob sich das Liebesverständnis im Laufe der Jahrhunderte in der Liebeslyrik verändert hat und welche Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten in den Werken zu finden sind. Wie damals und heute über Liebe nachgedacht wurde und welche Fragen oder Antworten die Lyriker fanden, interessieren in dieser Hausarbeit.
Genauer beleuchten werde ich das am Beispiel des im 14. Jahrhundert geschriebene Werkes 132 aus der Gedichtsammlung „ Canzoniere“ von Francesco Petrarca und des 1981 veröffentlichten Gedichtes „ Mit Haut und Haar“ von Ulla Hahn. Ich habe diese Werke ausgewählt, weil sie exemplarisch gesehen ihre Entstehungszeit eindrucksvoll repräsentieren und die Zeitspanne, in der sie geschrieben wurden, acht Jahrhunderte umfasst und somit ein interessantes Untersuchungsfeld darstellen.
Da sowohl der geschichtliche, als auch der biographische Hintergrund der Autoren von Bedeutung für die Auseinandersetzung mit den Werken ist, gehe ich zunächst in den Punkten 2.1 und 3.1 kurz auf den Petrarkismus, sowie auf einige wichtige Lebensabschnitte Ulla Hahns ein.
Im weiteren Verlauf der Hausarbeit werden die Gedichte und deren Übersetzung vorgestellt und bezüglich Form und Inhalt analysiert. In einem nächsten Schritt wird nach der jeweiligen Auffassung von Liebe der Autoren in den Werken gesucht. Diese ausfindig gemachten Einstellungen der Dichter zur Liebe werden abschließend miteinander in Beziehung gesetzt, wobei in einer Zusammenfassung die wichtigsten Erkenntnisse dieser Hausarbeit gesammelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Francesco Petrarca
2.1. Petrarkismus
2.2. Gedicht 132 Canzoniere
2.3. Gedichtanalyse
2.4. Auffassung von Liebe im Gedicht
3. Ulla Hahn
3.1. Lyrikerin der deutschen Gegenwartsliteratur
3.2. Gedicht „ Mit Haut und Haar“
3.3. Gedichtanalyse
3.4. Auffassung von Liebe im Gedicht
4. Zusammenfassung der beiden Werke im Hinblick auf das Liebesverständnis der Autoren
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Liebesverständnis in der Lyrik anhand zweier repräsentativer Werke unterschiedlicher Epochen, um Veränderungen oder Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Liebe, Leid und Selbstverlust zu identifizieren.
- Vergleichende Analyse von Francesco Petrarca und Ulla Hahn
- Untersuchung des Petrarkismus als historisches Liebeskonzept
- Analyse der Metaphorik und Bildsprache in Bezug auf Liebesleid
- Untersuchung der psychologischen Auswirkungen von Liebe auf das lyrische Ich
- Frage nach der Unfassbarkeit und Widersprüchlichkeit der Liebe
Auszug aus dem Buch
2.3. Gedichtanalyse
Das Gedicht 132 von Francesco Petrarca ist vielfach übersetzt und variiert worden und ist in einer italienischen Sonettform (Petrarca Sonett) geschrieben und weist das Reimschema abba abba (umarmender Reim) und die Variante cde dce auf. Die 14 Verse sind unterteilt in 4 Strophen und enthalten ein Aufgesang mit 2 Quartetten und ein Abgesang mit 2 Terzetten. Die Versform entspricht einem Alexandriner mit einem dreizehnsilbigen, sechshebigen, jambischen Versmaß mit Zäsur nach der dritten Hebung und weiblicher Kadenz. In der ersten und zweiten Strophe zeichnen sich alle Verse bis auf einen durch eine Frage aus. In der dritten und vierten Strophe dagegen bilden jeweils zwei Verse einen Aussagesatz, wobei in beiden Strophen ein Vers auch alleine einen Aussagesatz bildet.
Im Gedicht stößt man auf zwei Schlüsselwörter, die wiederholt auftreten und dadurch hervorgehoben werden. Zum einen das Wort „ wenn“, welches im Gedicht als Fragewort verwendet wird und jeweils sieben Fragen zur Liebe stellt, die unbeantwortet bleiben und das Rätsel der Liebe unlösbar seem lassen. Das zweite Schlüsselwort ist „Ich“ und lässt sich insgesamt neunmal im gesamten Gedicht ausmachen. Diese beiden Schlüsselworte lassen einen sofort den Leitgedanken des Sonetts erkennen. Ein lyrisches Ich und seine Fragen an die Liebe.
Das Gedicht ist so aufgebaut, dass im ersten Quartett gefragt wird, was Liebe ist oder ob es Liebe ist. Liebe wird als ambivalent dargestellt, welche einerseits zu bösem Verlangen führt, andererseits aber auch höchstes Glück beschert (Vgl. Vers 3 und 4). Das zweite Quartett beschäftigt sich mit den Gefühlen des lyrischen Ichs, wenn es liebt. Ob es freiwillig und gerne oder unfreiwillig und ungern liebt. In den beiden Terzetten beschreibt der Dichter die Unentschlossenheit und Widersprüchlichkeit des lyrischen Ichs und gibt den Versuch auf Liebe definieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, die Liebeskonzepte in zwei Gedichten über eine Zeitspanne von acht Jahrhunderten zu vergleichen.
2. Francesco Petrarca: Dieses Kapitel widmet sich dem Petrarkismus und analysiert detailliert das Gedicht 132 hinsichtlich seiner Form, Metaphorik und zentralen Motive.
3. Ulla Hahn: Hier wird die Lyrikerin Ulla Hahn vorgestellt und ihr Gedicht „Mit Haut und Haar“ im Hinblick auf Selbstaufgabe und Liebeskonflikte untersucht.
4. Zusammenfassung der beiden Werke im Hinblick auf das Liebesverständnis der Autoren: Der letzte Teil vergleicht beide Autoren und kommt zu dem Schluss, dass das Mysterium der Liebe als unlogisch und unkontrollierbar in beiden Epochen identisch wahrgenommen wird.
Schlüsselwörter
Liebeslyrik, Francesco Petrarca, Ulla Hahn, Petrarkismus, Canzoniere, Mit Haut und Haar, Liebesverständnis, Sonett, Liebesleid, Identitätsverlust, Selbstaufgabe, Ambivalenz, Literaturwissenschaft, Lyrik-Analyse, Sprachanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Liebesverständnis in der Liebeslyrik und vergleicht dabei zwei Gedichte aus dem 14. Jahrhundert und der Gegenwart.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind der Petrarkismus, die Darstellung von Liebesleid, die Rolle des lyrischen Ichs und die Unfassbarkeit der Liebe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob und wie sich das Verständnis von Liebe in der Lyrik über Jahrhunderte hinweg verändert hat oder ob es konstante Motive gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse der Gedichte vorgenommen, wobei Form, Inhalt und biographische Hintergründe der Autoren einbezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert jeweils das Gedicht von Petrarca und das von Ulla Hahn, inklusive einer Untersuchung ihrer jeweiligen Liebeskonzeptionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Liebeslyrik, Petrarkismus, Selbstaufgabe, Liebesleid und die Analyse der Widersprüchlichkeit der Liebe.
Warum wurde das 14. Jahrhundert und das Jahr 1981 gegenübergestellt?
Diese Zeitspanne von acht Jahrhunderten wurde gewählt, um die zeitlose Natur der Liebesproblematik eindrucksvoll und exemplarisch zu verdeutlichen.
Gibt es eine zentrale Schlussfolgerung in Bezug auf das Liebesverständnis?
Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass sich das Grundverständnis der Liebe kaum verändert hat; sie bleibt ein unergründliches Mysterium, das sich logischem Denken entzieht.
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- Sarah Benzing (Author), 2014, Liebeslyrik im Wandel der Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279843