Wie werden Investitionsentscheidungen von Unternehmen getroffen? In der Theorie ist
dies eine einfach zu beantwortende Frage, da alle Projekte mit positivem Nettobarwert
realisiert werden sollten, um den Unternehmenswert zu maximieren. Dagegen ist es eine
wesentliche Aufgabe der (theoretischen) Corporate Finance, zu untersuchen, ob es bei
gegebenem Investitionsprogramm eine optimale Struktur der Passivseite der Bilanz gibt,
und falls ja, wie diese aussieht.
In der Realität müssen diese beiden Seiten jedoch nicht zwangsläufig voneinander unabhängig sein, und so berücksichtigt und untersucht die empirische Forschung auch Zusammenhänge zwischen beiden Seiten und hinterfragt die in der grundlegenden Theorie
postulierte Unabhängigkeit. In dieser Arbeit soll speziell der Frage nachgegangen werden,
ob Investitionsentscheidungen abhängig vom Cashflow des Unternehmens sind.
Im Gegensatz zu einem Modell von perfekten und kompletten Kapitalmärkten (Modigliani,
Miller, 1958), in dem gezeigt werden kann, dass der Finanzstatus eines Unternehmens
irrelevant für dessen Investitionsentscheidungen sein sollte, muss dies in der
Realität nicht der Fall sein. Wenn Unternehmen keinen oder nur eingeschränkten Zugang
zum Kapitalmarkt haben, oder aus anderen Gründen externe (Re-)Finanzierung kostenintensiver
als interne ist, so würde dies darauf hindeuten, dass Unternehmen mit einem
hohen Cashflow auch in der Lage sind, mehr Investitionen zu tätigen, und Unternehmen
mit geringem Cahsflow dazu gezwungen sein können, Investitionsprojekte trotz eigentlich
positivem Nettobarwert nicht zu realisieren. [...]
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Hintergrund
A Theorie
B Empirie
III Untersuchungsaufbau
A Daten, Variablen und Regressionmodell
B Adjustierung und Klassifikation
IV Ergebnisdikussion
A Resultate
B Analyse
C Interpretation
V Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Cashflow und den Investitionsentscheidungen deutscher Unternehmen im Zeitraum von 1990 bis 2011. Dabei wird insbesondere analysiert, ob eine sogenannte Cashflow-Sensitivität existiert und ob diese in Abhängigkeit vom Grad der finanziellen Einschränkung – gemessen am Alter der Unternehmen – variiert.
- Analyse der Cashflow-Sensitivität bei deutschen Industrieunternehmen
- Einfluss finanzieller Einschränkungen auf das Investitionsverhalten
- Empirische Überprüfung der Pecking Order Theorie
- Vergleich von Investitionsmustern nach Altersgruppen (jung, mittel, alt)
- Einsatz eines statischen Regressionsmodells unter Berücksichtigung von Markt-zu-Buchwert-Verhältnissen
Auszug aus dem Buch
C Interpretation
Im Gesamtsample zeigt sich ein leicht negativer (linearer) Zusammenhang zwischen der Cashflowrate und der Investitionsrate, d.h. dass ein höherer Cashflow (im Verhältnis zum Anlagevermögen) etwas weniger Investition (im Verhältnis zum Anlagevermögen) bedeutet. Der berechnete Wert ist jedoch zum einen sehr klein, und zum anderen nicht statistisch signifikant, sodass dieser zunächst formalen Interpretation kein hohes Gewicht beigemessen werden kann. Es ist also im Gesmtsample kein klarer Zusammenhang zwischen Cashflow und Investition nachzuweisen. Dies deutet daraufhin, dass die untersuchten Unternehmen im Gesamten guten Zugang zum Kapitalmarkt besitzen und Investitionsprojekte unabhängig von ihren aktuellen internen Mitteln durchführen. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu den Ergebnissen der meisten anderen Studien (so auch Cleary), was zeigt, dass die Ergebnisse trotz analogen Vorgehens nicht allgemein generalisierbar sind. Dies könnte darin begründet liegen, dass statt des US-amerikanischen Marktes der deutsche betrachtet wurde, und hier das unterschiedliche System (bankbasiert vs. marktbasiert) Einfluss auf die prinzipielle Finanzierungsfrage der Unternehmen hat.
Desweiteren liegt im Gesamtsample ein statistisch signifikanter, positiver Zusammenhang zwischen dem Markt-zu-Buchwert-Verhältnis und der Investitionsrate vor. Dies bedeutet, dass ein höheres Verhältnis von Martkwert zu Buchwert eines Unternehmens zu höheren Investitionsraten führt. Dieses Ergebnis ist plausibel vor dem Hintergrund, dass ein hoher Wert für MBR auf ein (stark) wachstumsorientiertes Unternehmen hinweist, was logischerweise hohen Investitionsaufwand zur Folge hat. Dies deckt sich mit den Ergebnissen von Cleary und den vorherigen Studien.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach der Abhängigkeit von Investitionsentscheidungen vom Cashflow und die Relevanz der Cashflow-Sensitivität in der modernen Finanzwissenschaft dar.
II Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, insbesondere die Pecking Order Theory, sowie den Stand der empirischen Forschung zu Investitionsentscheidungen und Finanzierungszwängen.
III Untersuchungsaufbau: Hier werden die Datengrundlage der 688 deutschen Unternehmen, die verwendeten Variablen und das statische Regressionsmodell sowie die Klassifizierung der Unternehmen nach Alter definiert.
IV Ergebnisdikussion: Dieses Kapitel präsentiert die statistischen Resultate der Panelregressionen, analysiert die Auswirkungen von Ausreißern und diskutiert die ökonomische Interpretation der Koeffizienten.
V Fazit: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen, die zeigen, dass auf dem deutschen Markt kein allgemeiner signifikanter Zusammenhang zwischen Cashflow und Investitionen nachweisbar ist, außer in der Gruppe der alten Unternehmen.
Schlüsselwörter
Cashflow-Sensitivität, Investitionsverhalten, Pecking Order Theorie, deutsche Unternehmen, Kapitalmarktzugang, Regressionsanalyse, Markt-zu-Buchwert-Verhältnis, finanzielle Einschränkungen, Unternehmensalter, Anlagevermögen, Panelregression, Finanzierung, Investitionsrate, Empirische Forschung, Unternehmensfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit Investitionsentscheidungen deutscher Industrieunternehmen von deren verfügbarem Cashflow beeinflusst werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Cashflow-Sensitivität, der Zugang zum Kapitalmarkt sowie die Gültigkeit der Pecking Order Theorie auf dem deutschen Markt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es festzustellen, ob ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Cashflow und Investitionsrate besteht und ob dieser je nach finanzieller Einschränkung der Unternehmen variiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine statistische Panelregression eingesetzt, um Daten von 688 deutschen Unternehmen über den Zeitraum von 1990 bis 2011 zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung, die Definition der Variablen, die methodische Einteilung in Altersgruppen sowie die detaillierte Auswertung der Regressionsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Cashflow-Sensitivität, Investitionsrate, Unternehmensalter als Proxy für Finanzierungszwänge und das Markt-zu-Buchwert-Verhältnis.
Warum wurde das Alter der Unternehmen als Kriterium gewählt?
Das Alter dient als Proxy für den Lebenszyklus eines Unternehmens, um Rückschlüsse auf den Zugang zum Kapitalmarkt und die finanzielle Gesundheit zu ziehen.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit von internationalen Studien wie der von Cleary?
Im Gegensatz zu Studien, die den US-amerikanischen Markt betrachten, fokussiert sich diese Arbeit explizit auf den deutschen, bankbasierten Finanzmarkt.
- Arbeit zitieren
- Christopher Zaage (Autor:in), 2012, Empirical Corporate Finance. Cash-Flow-Sensitivitäten deutscher Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279445