Bei genauerer Betrachtung sind es nur „Zahlen auf einem Computerbildschirm, einige abgewetzte Metallstücke in der Hosentasche oder eine Handvoll verknicktes Papier“ . Jeder Mensch entscheidet subjektiv für sich selbst, wie wichtig ihm dieses augenscheinlich unspektakuläre Zahlungsmittel heutzutage ist. Bei zwei Tatsachen sind sich jedoch alle Menschen objektiv einig: Zum einen macht Geld allein auch nicht vollends glücklich, was schon der theoretische Physiker Albert Einstein erörterte und bestätigte:
"Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt."
Das demonstriert uns beispielsweise auch König Midas, der sich der antiken Sage nach von den Göttern die Fähigkeit gewünscht habe, alles in Gold verwandeln zu können, was er nur berühre und er aus diesem Grund zu verhungern und verdursten drohte. Die Moral dieser Sage bestätigt abermals Einstein mit den Worten:
"Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch."
Zum anderen greift Geld unweigerlich in die Wesenseigenschaften und Charakteristika eines Menschen ein, es lässt nur die Wenigsten unberührt und bringt, je nach finanziellem Status, tief greifende Veränderungen mit sich. Geld ist also weitaus mehr als nur Zahlungs- und Tauschmittel. Es bestimmt unser gesellschaftliches Miteinander und hat dadurch auch die Funktion des Kommunikationsmittels inne. Es verändert automatisch den Gesellschaftsstatus und das Ansehen. In dieser Hausarbeit werde ich die Bedeutung des Geldes für die Glückseeligkeit an einem Referenzroman der Popliteratur der 1990er Jahre demonstrieren. Hierfür wähle ich "Faserland" von Christian Kracht. Augenscheinlich spielt Geld in diesem Roman eine untergeordnete Rolle. Bei genauerer Betrachtung jedoch kommt ihm eine wesentlich wichtigere Rolle zu Teil und ist maßgebend für die Aktivitäten und Denkweisen des Protagonisten. Um dies näher zu erörtern, gehe ich zunächst kurz auf die eingangs angeschnittenen, psychologischen Bedeutungen des Geldes und damit auf Georg Simmels Hauptwerk "Philosophie des Geldes" ein. Anschließend werde ich Christian Kracht und sein Werk "Faserland" näher durchleuchten, um dann die Funktion des Geldes auf die Handlung zu projizieren und um meine Ergebnisse schließlich zusammen zu fassen.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Hauptteil - Die psychologische Bedeutung des Geldes
1 Georg Simmel und seine „Philosophie des Geldes“
2 Die psychologische Bedeutung in der heutigen Zeit
3 Die Demonstration am Beispiel von Christian Krachts „Faserland“
a) Der Autor und sein Werk
b) Die Funktion des Geldes und der materiellen Güter in „Faserland“
c) Die Auswirkungen des Geldes auf den Protagonisten
III Abschließendes Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychologischen Auswirkungen von materiellem Reichtum auf das individuelle Wohlbefinden und die gesellschaftliche Wahrnehmung, wobei der Roman „Faserland“ von Christian Kracht als zentrales Fallbeispiel dient, um die Diskrepanz zwischen materiellem Überfluss und emotionaler Sinnsuche aufzuzeigen.
- Die Philosophie des Geldes nach Georg Simmel
- Psychologische Faktoren des Glücks und Wohlbefindens
- Einfluss von Konsum und Markenfixierung auf die Psyche
- Die Darstellung des Protagonisten als Sinnbild einer materiell reichen, aber emotional armen Generation
Auszug aus dem Buch
Die Funktion des Geldes und der materiellen Güter in „Faserland“
Wenn wir auf die Taten, Gedanken und Verhaltensweisen des Protagonisten blicken, wird deutlich, dass er zu Zeit seiner Reise keiner beruflichen Beschäftigung nachgeht. Im gesamten Roman wird keine Geldquelle in Form eines Sponsors oder Berufes benannt, das Geld scheint ihm einfach zu gehören. Das elitäre und teure Internatsgymnasium Schloss Salem hat er zwar besucht, wurde dort jedoch rausgeschmissen, nachdem er an diesem Rollo kennengelernt hat. Aus materieller Sicht betrachtet lebt er in gehobenen, finanziellen Verhältnissen. Trotz des Fehlens jeglicher Angaben über Beruf und Ausbildung durchquert der Protagonist Deutschland äußerst kostspielig via Flugzeug, Pkw, Taxi und Bahn, besitzt überdies einen Triumph-Sportwagen, den er auf Sylt zurücklässt, um mit dem Abendzug nach Hamburg zu reisen.
Überdies trägt er entweder eine grüne, teure Barbourjacke, die ihn gegen die Kälte schützt, überwiegend Herrenhemden seines bevorzugten, amerikanischen Herrenausstatters Brooks Brothers oder ein Jackett von Davies & Sons. Auch die Auswahl seiner Speisen und Getränke deutet stark auf eine Herkunft aus privilegierten Verhältnissen: So bestellt er sich „inzwischen die zweite Portion Scampis mit Knoblauchsauce, obwohl mir nach der ersten schon schlecht war“, trinkt mit Karin teuren, französischen Champagner der Marke Roederer, Drinks wie Single Malt oder einen Brandy Alexander und nicht irgendein herkömmliches Bier, sondern eines der Marke Jever. Wenn es um Abendveranstaltungen geht, zieht es ihn ausschließlich in lokale Szenediskotheken wie das Traxx Hamburg oder das P1 München. Er reist von einer Party zur nächsten, von einem Exzess zum darauf folgenden, ein teurer Spaß, über den sich der Protagonist in finanzieller Sicht gesehen augenscheinlich nicht kümmert bzw. nicht kümmern braucht.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die vielschichtige Bedeutung des Geldes als Wertmaßstab und Kommunikationsmittel und leitet die Untersuchung zum Glücksempfinden im Kontext der Popliteratur der 90er Jahre ein.
II Hauptteil - Die psychologische Bedeutung des Geldes: Dieser Teil analysiert die soziologischen Thesen Georg Simmels, betrachtet aktuelle psychologische Glücksforschung zum Thema Einkommen und überträgt diese Erkenntnisse auf das Verhalten des Protagonisten in „Faserland“.
1 Georg Simmel und seine „Philosophie des Geldes“: Dieses Kapitel erläutert Simmels Verständnis von Geld als Symbol der modernen Kultur und als Mittel zur Objektivierung zwischenmenschlicher Beziehungen.
2 Die psychologische Bedeutung in der heutigen Zeit: Hier werden aktuelle wissenschaftliche Studien diskutiert, die belegen, dass Geld nur bis zu einem gewissen Punkt glücklich macht und soziale Vergleiche eine zentrale Rolle spielen.
3 Die Demonstration am Beispiel von Christian Krachts „Faserland“: Dieser Abschnitt dient der praktischen Anwendung der zuvor erläuterten Theorien auf den Roman von Christian Kracht.
a) Der Autor und sein Werk: Vorstellung des Romans als Kultbuch der 90er Jahre, welches die Lebenswelt und den Modernisierungsschub einer neuen Generation abbildet.
b) Die Funktion des Geldes und der materiellen Güter in „Faserland“: Analyse des materiellen Lebensstils des Protagonisten und dessen Fixierung auf Markenartikel als Identitätsmerkmal.
c) Die Auswirkungen des Geldes auf den Protagonisten: Untersuchung, wie die emotionale Leere und die soziale Isolation des Protagonisten untrennbar mit seinem privilegierten, aber sinnlosen Lebenswandel verbunden sind.
III Abschließendes Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass materieller Reichtum keine Garantie für Glück darstellt und der Protagonist in seiner emotionalen Armut scheitert.
Schlüsselwörter
Geld, Glück, Konsum, Georg Simmel, Faserland, Christian Kracht, Wohlbefinden, Markenfixierung, Soziale Isolation, Psychologie, Materielle Güter, Popliteratur, Reichtum, Entfremdung, Lebenszufriedenheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychologische Bedeutung von Geld im Hinblick auf das individuelle Glück und Wohlbefinden, illustriert anhand theoretischer Ansätze und literarischer Beispiele.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Soziologie des Geldes, psychologische Glücksforschung und die literarische Auseinandersetzung mit Dekadenz und Isolation in der Popliteratur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu demonstrieren, wie sich materieller Reichtum auf die Lebensführung und das emotionale Befinden auswirkt und warum dies nicht automatisch zu Glück führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturanalyse (Georg Simmel), Auswertung empirischer Glücksstudien und eine textnahe Analyse des Romans „Faserland“ angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden erst die theoretischen Grundlagen (Simmel, Glücksforschung) erarbeitet und anschließend auf den Roman „Faserland“ übertragen, um die Auswirkungen auf den Protagonisten zu untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Geld, Glück, Konsum, Markenfixierung, soziale Isolation und das Werk „Faserland“.
Warum spielt das „In-Marken-Denken“ für den Protagonisten eine so große Rolle?
Für den Protagonisten dienen Marken als Identitätsmerkmal, mit denen er sich von der Außenwelt abgrenzt und durch die er soziale Zugehörigkeit oder Überlegenheit definiert.
Was symbolisiert die letzte Szene im Roman für den Protagonisten?
Die Bootsfahrt zum anderen Ufer steht sinnbildlich für die Isolation und die emotionale Leere des Protagonisten, die ihn letztlich ausweglos erscheinen lässt.
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- Marcel Rapp (Author), 2013, Das Geld in der Popliteratur am Beispiel von Christian Krachts "Faserland", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279406