Im Nachfolgenden wird ein für Alexanders' Leben nicht unwichtiger Gerichtsprozess analysiert. Der Schwerpunkt liegt darauf, Alexanders charakterliche Inkonsistenz aufzuzeigen: im Amyntas-Prozess zeigt er sich ungewohnt milde gestimmt. Der Prozess hat eine hohe emotionale Note, was zum größten Teil an der rhetorischen Begabung des Curtius liegt: in der Verteidigungsrede legt er die perfekte Rede dar, baut die Aspekte gut auf und argumentiert mit viel Überzeugungskraft und Pathos, das für die sentimentale Komponente zuständig ist. Um die Inhalte des Prozesses nachvollziehen zu können, müssen einige historische Fakten erwähnt werden. Nach Dareios‘ Tod und Bessos‘ Hinrichtung verschärften sich die Konflikte zwischen Alexander und den Offizieren: viele Soldaten waren enttäuscht darüber, dass weder das Kriegsziel noch das Kriegsende abzusehen waren. Während das Heer in Drangiana im Lager stand, wäre Alexander fast Opfer einer Verschwörung geworden, die jedoch kurz vor Ausbruch verraten worden war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anklage Alexanders
3. Verteidigungsrede
3.1 Refutatio – Kern der Verteidigungsrede
4. Die Polemon-Szene : Analyse des Sentimentalen bei Curtius
5. Urteil
6. 1. Hinrichtung des Parmenion
6. Fazit
7. Bilbliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den Gerichtsprozess gegen Amyntas in den Historiae Alexandri des Curtius Rufus. Ziel ist es, die rhetorische Gestaltung der Verteidigungsrede sowie Alexanders charakterliche Inkonsistenz im Kontext dieses emotional aufgeladenen Prozesses kritisch zu beleuchten.
- Die rhetorische Strategie der Verteidigungsrede des Amyntas
- Die sentimentale Inszenierung des Prozesses durch Curtius Rufus
- Alexanders charakterliche Ambivalenz zwischen Milde und Grausamkeit
- Die historische und dramaturgische Funktion der Polemon-Szene
- Der Kontrast zwischen Gnade und Willkür im Herrschaftsgebaren Alexanders
Auszug aus dem Buch
3.2 Mitwisserschaft an der Verschwörung
Nach diesem rhetorischen Ausbruch wendet Amyntas sich wieder dem Kernpunkt der Anklage zu, nämlich der Mitwisserschaft an der Verschwörung. Er leugnet keineswegs die Freundschaft zu Philotas, sondern betont sie sogar: „amicitiam, quae nobis cum Philota fuit, adeo non eo infitias, ut expetisse quoque nos magnosque ex ea fructus percepisse confitear“ (VII, 1, 26): zu beachten ist dabei die betonende Voranstellung von amicitiam, ebenso die chiastische Gegenüberstellung der Verben expetisse und percepisse, sowie die Annomination zwischen infitias und confitear. Amyntas umspielt das Gesagte mit rhetorischen Figuren und wird bald damit Zuspruch finden. Er schließt mit einer rhetorischen Frage an, ob es denn verwerflich sei, einen guten Freund des Königs verehrt zu haben.
Er wählt eine schärfere Tonlage, als er erklärt, dass der König kaum noch Unschuldige um sich haben wird, wenn er keinen Unterschied zwischen Freunden Philotas‘ und Mitwissern der Verschwörung macht: „Igitur, si hoc crimen est, paucos innocentes habes, immo, hercules, neminem“ (VII 1, 30). Es handelt sich dabei um eine Szene voll lebhafter Erregung, die mit dem erforderlichen Pathos vorgetragen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den historischen Kontext der Philotasaffäre ein und skizziert die charakterliche Inkonsistenz Alexanders im Amyntas-Prozess.
2. Anklage Alexanders: Dieses Kapitel behandelt die Anklagestrategie Alexanders, die durch indirekte Rede und das gezielte Ausnutzen von Verdachtsmomenten gekennzeichnet ist.
3. Verteidigungsrede: Hier wird der Beginn der Verteidigung analysiert, insbesondere das rhetorische Geschick des Amyntas, den König respektvoll zur Milde zu bewegen.
3.1 Refutatio – Kern der Verteidigungsrede: Das Kapitel untersucht, wie Amyntas die Vorwürfe durch rhetorische Figuren und die Betonung mildernder Umstände entkräftet.
4. Die Polemon-Szene : Analyse des Sentimentalen bei Curtius: Diese Analyse widmet sich dem dramatischen Umschwung im Prozess und der sentimentalen Wirkung der Auftritte des Polemon.
5. Urteil: Das Urteil des Königs wird als ein über das Richteramt hinausgehender, fast theatralischer Akt der Gnade interpretiert.
6. 1. Hinrichtung des Parmenion: Dieses Kapitel stellt der vorherigen Milde die grausame Hinrichtung des Parmenion gegenüber, was den Kontrast in Alexanders Handeln verdeutlicht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die literarische Arbeit des Curtius zusammen, der durch psychologische Sprache und gezielte Kontraste die Ambivalenz der Figur Alexander unterstreicht.
7. Bilbliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Curtius Rufus, Historiae Alexandri, Amyntas, Philotasaffäre, Alexander der Große, Rhetorik, Verteidigungsrede, Sentimentalität, Polemon-Szene, Pathos, Charakterliche Inkonsistenz, Gerichtsprozess, Antike, Historiographie, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Amyntas-Prozess im Werk des Curtius Rufus und untersucht, wie der Autor durch rhetorische Mittel und emotionale Inszenierungen Alexanders Handeln darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Rhetorik in antiken Gerichtsreden, die Darstellung von Herrschertugenden und -lastern bei Curtius sowie die psychologische Charakterisierung Alexanders.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Untersuchung geht der Frage nach, wie durch die rhetorische Gestaltung der Verteidigungsrede die charakterliche Inkonsistenz Alexanders im Kontrast zwischen Milde und Grausamkeit aufgezeigt wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der rhetorische Stilmittel, historische Kontexte und die dramaturgische Struktur der Szene im Text von Curtius Rufus untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Anklage, der Verteidigungsrede des Amyntas, der emotionalen Polemon-Szene, des anschließenden Urteils und des Kontrastes zur Hinrichtung des Parmenion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Sentimentalität in der antiken Darstellung, die rhetorische Figur der captatio benevolentiae sowie die politische Willkür Alexanders.
Warum wird die Polemon-Szene als "sentimentale Szene" bezeichnet?
Sie wird so bezeichnet, weil sie durch unrealistische, dramatische Elemente wie Weinen und Altruismus gezielt auf das Mitleid der Versammlung und des Lesers ausgerichtet ist, um eine emotionale Wirkung zu erzielen.
Welche Rolle spielt der Kontrast zur Hinrichtung des Parmenion?
Dieser Kontrast entlarvt die Willkür Alexanders: Während er Amyntas und Polemon aus einer Laune der Emotion heraus freispricht, lässt er kurz darauf seinen verdienten General Parmenion hinrichten, um seine eigene Macht zu sichern.
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- Daria Götte (Author), 2012, Verdacht des Hochverrats. Amyntas Verteidigungsrede, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/278639