„Kobiety nie przeszkadzajcie nam, my walczymy o Polskę!“
Ein Banner mit eben dieser Aufschrift hing an der Mauer der Danziger Lenin-Werft im August 1980 zur Zeit des großen Streiks der Werftarbeiter. Ungeachtet dessen spielte neben dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Solidarność, Lech Wałęsa, die Kranführerin Anna Walentynowicz eine wesentliche Rolle. Handelt es sich also bei diesem Plakat um die Meinung eines Einzelnen oder manifestiert sich dahinter doch eine tiefer gehende, allgemeine Auffassung der Rolle der Frau in Polen? In der vorliegenden Hausarbeit, die ich im Rahmen des Seminars „Aspekte der Geschlechtergeschichte Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert“ anfertige, möchte ich auf diese Frage speziell im Themenbereich „Frau und Solidarność“ genauer eingehen. Im Zusammenhang damit analysiere ich die Darstellung der Titelheldin des Films „Strajk – Die Heldin von Danzig“ des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorf. In dem Biopic rekonstruiert er das Leben der bereits erwähnten Anna Walentynowicz (im Film: Agnieszka Walczak), ihren Werdegang als Arbeiterin in der Werft und Mitglied der Gewerkschaft „Solidarität“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. Teil
1.1 Historie der Geschlechtertheorien
1.2 Gendertheorien
1.3 Rolle der Frau in Polen
1.3.1 Wirtschaftlich-soziale Rolle
1.3.2 Matka Polka
1.3.3 Sanftes Patriarchat
1.4 Gender in Polen heute
2. Teil
2.1 Zusammenfassung Film
2.2 Streik und Solidarność
2.3 Wesentliche Charaktere
2.4 Vergleich der Darstellung der Protagonistin
2.4.1 Wirtschaftlich-soziale Rolle Agnieszkas
2.4.2 Agnieszka – Matka Polka?
2.4.3 Die Rolle des sanften Patriarchats
2.4.4 Gendertheorien im Film
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Rolle der Frau im Film "Strajk – Die Heldin von Danzig" des Regisseurs Volker Schlöndorff. Ziel ist es, anhand der Protagonistin Agnieszka Walczak zu analysieren, inwiefern traditionelle polnische Frauenbilder wie die "Matka Polka" oder das "sanfte Patriarchat" im filmischen Kontext aufgegriffen, modifiziert oder dekonstruiert werden.
- Historische und theoretische Grundlagen der Geschlechtertheorien
- Entwicklung und Bedeutung von Frauenrollen in Polen (Matka Polka, sanftes Patriarchat)
- Analyse der Geschlechterdynamiken innerhalb der Solidarność-Bewegung
- Biographische Rekonstruktion von Anna Walentynowicz im Film
- Vergleich zwischen historischem Kontext und filmischer Darstellung
Auszug aus dem Buch
1.1 Historie der Geschlechtertheorien
Die heutigen Geschlechtertheorien formierten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Ursprung dieser liegt in der Transformation früherer religiöser und moralistischer Diskurse aus der Zeit vor dem modernen Imperialismus. Von den Kulturen der Antike rund um das Mittelmeer übernahm das mittelalterliche Christentum eine starke Abneigung gegen Frauen, die teilweise in regelrechten Frauenhass gipfelte. Diese Tradition der Misogynie findet sich in zahlreichen Schriften Intellektueller dieser Zeit. Zu erwähnen sei jedoch eine die Frauen verteidigende Gegentradition. Beispielhaft hierfür Christine de Pizans „Das Buch von der Stadt der Frauen“ aus dem Jahre 1405, in dem sie sämtliche gängigen Schmähungen widerlegte und die Utopie einer Gesellschaft konstruierte, in der Frauen in gleicher Weise respektiert werden.
Zu Zeiten der Reformation und der französischen Revolution wurde die moralische Verteidigung der Frauen fortgesetzt. Gemäß dem Historiker Thomas Laqueur existierte in der europäischen Kultur vor dem 18. Jahrhundert kein natürliches Modell männlicher und weiblicher Körper als natürliche Gegensätze. Das Weibliche galt eher als unvollkommene Version des Männlichen. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts verdrängte die Naturwissenschaft mehr und mehr die Religion als Bereich des intellektuellen Lebens und setzte sich intensiv mit dem Problem der verschiedenen Geschlechter auseinander. Als einer der bekanntesten wäre hier britische Naturforsche Charles Darwin zu nennen. Obgleich sich die Wissenschaft mit dem Thema beschäftigte, hatte die geschlechtliche Arbeitsteilung und symbolische Trennung von Frauen und Männern ihren Höhepunkt erreicht. Dem entgegen stand die Position des britischen Philosophen John Stuart Mill, der in seinem Essay „Die Hörigkeit der Frau“ im Jahre 1869 für eine Gleichheit plädierte und den Unterscheid zwischen Mann und Frau nicht in der moralischen Überlegenheit der Männer, sondern dem physischen Vorteil sah.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Motivation, die Rolle der Frau in der Solidarność-Bewegung anhand des Films "Strajk" zu analysieren.
1. Teil: Dieser Teil bietet einen theoretischen Überblick über die historische Entwicklung von Geschlechtertheorien sowie spezifische polnische Rollenbilder wie die "Matka Polka".
2. Teil: Hier erfolgt die konkrete Filmanalyse von "Strajk – Die Heldin von Danzig" mit Fokus auf die Hauptfigur Agnieszka Walczak im Vergleich zu den zuvor erarbeiteten theoretischen Modellen.
3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Rolle der Agnieszka als Synthese aus historischen Erwartungen und individuellem Widerstand zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Geschlechtergeschichte, Gender, Polen, Solidarność, Film, Matka Polka, sanftes Patriarchat, Frauenrolle, Volker Schlöndorff, Anna Walentynowicz, Feminismus, Arbeiterbewegung, Sozialismus, Identität, Rollenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen und filmischen Darstellung von Frauen in Polen unter besonderer Berücksichtigung des Biopics "Strajk – Die Heldin von Danzig".
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Gendertheorien, spezifisch polnische Frauenbilder und deren Transformation im politischen Kontext der Solidarność-Ära.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Filmfigur Agnieszka Walczak (basierend auf Anna Walentynowicz) auf ihre Übereinstimmung mit polnischen Idealbildern wie der "Matka Polka" zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung, gefolgt von einer analytischen Filmuntersuchung, bei der filmische Szenen mit soziologischen Theorien verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Geschlechterforschung und eine detaillierte Analyse der Darstellung der Protagonistin innerhalb des historischen Rahmens der 1970er und 80er Jahre.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Schlüsselbegriffe sind Geschlechtergeschichte, Solidarność, Matka Polka, sanftes Patriarchat und die kritische Filmbiographie.
Inwieweit spielt die Figur der Agnieszka mit der Tradition der "Matka Polka"?
Agnieszka verkörpert einerseits die aufopferungsvolle Mutter, bricht aber durch ihre Erwerbstätigkeit und ihren politischen Widerstand aktiv mit den traditionellen Erwartungen, die ihr vom kommunistischen Staat auferlegt wurden.
Wie steht die Autorin zur These des "sanften Patriarchats" im Film?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das "sanfte Patriarchat" trotz der Widerstandskämpfe und der historischen Umbrüche im Film als patriarchale Machtstruktur weiter präsent bleibt.
- Arbeit zitieren
- Hannes Blank (Autor:in), 2014, Die Rolle der Frau im Film "Strajk - die Heldin von Danzig", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/277692