Die Gestalten aus der griechischen Mythologie dienten nicht nur in der Antike als Motive in der bildenden Kunst. Seit der Italienischen Renaissance waren die Darstellungen der Fabelwesen und vor allem der Götter aus den griechischen Sagen wieder weit verbreitet.
Während man die Fabelwesen meist noch gut voneinander unterscheiden kann, haben die Götter und Heroen meist menschliche Gestalt. Um sie zu identifizieren muss man auf die Artefakte und auf die tierischen oder fantastischen Begleiter achten, mit denen sie dargestellt werden. Einige Dinge gelten nämlich als typisch für bestimmte Gottheiten. Es sind ihre Attribute.
Die folgende Seminararbeit beschäftigt sich speziell mit der Darstellung des olympischen Gottes Dionysos, später Bacchus genannt, und seiner Attribute in der Skulptur der Italienischen Renaissance und des Barock.
Zunächst werden einige für das Verständnis der Kunstwerke wichtige Episoden aus der Mythologie wiedergegeben und die Attribute des Bacchus werden aufgeführt. Daraufhin werden je zwei Skulpturen aus der Italienischen Renaissance und aus dem Barock beschrieben und ikonographisch analysiert.
Das Ziel dieser Arbeit ist, die verwendeten Attribute in den ausgewählten Werken zu erfassen und zu deuten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bacchus
2.1 Mythos
2.2 Bedeutung und Attribute
3. Bacchus in der Skulptur der Italienischen Renaissance und des Barock
3.1 Michelangelo Buonarroti: Der Trunkene Bacchus
3.2 Jacopo Sansovino: Bacchus
3.3 Balthasar und Gaspard Marsy: Bacchus- oder Herbstbrunnen
3.4 Pietro Bernini: Bacchusgruppe
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ikonographische Darstellung des Gottes Bacchus (Dionysos) in der Skulptur der Italienischen Renaissance und des Barock, mit dem Ziel, die verwendeten Attribute in ausgewählten Werken zu identifizieren und zu deuten.
- Mythologische Grundlagen und Ursprünge des Bacchus-Kultes.
- Analyse typischer Attribute wie Weinlaub, Efeu, Fell und Begleittiere.
- Ikonographische Untersuchung des "Trunkenen Bacchus" von Michelangelo.
- Vergleich der Bacchus-Darstellung bei Jacopo Sansovino.
- Betrachtung von Bacchus als Allegorie des Herbstes am Beispiel des Brunnens von Marsy.
- Wirkungsgeschichte und Varianz der Bacchus-Figur in der bildenden Kunst.
Auszug aus dem Buch
3.1 Michelangelo Buonarroti: Der Trunkene Bacchus
Der Trunkene Bacchus von Michelangelo Buonarroti ist die erste aus Marmor gefertigte lebensgroße Statue eines antiken Gottes. Sie ist zwischen 1496 und 1497 entstanden. Die 203 Zentimeter hohe Skulptur ist heute im Museo Nazionale del Bargello zu sehen.
Die Statue stellt einen taumelnden jugendlichen Bacchus dar. Durch das Belasten des einen und das Anwinkeln des anderen Beins scheint ein Kontrapost zwar angedeutet, jedoch ist dieser durch den nach hinten abknickenden Oberkörper wieder zu Nichte gemacht. Es wirkt, als könne sich der Abgebildete nur schwer auf den Beinen halten. Als Erklärung für die schwankende Körperhaltung dient die Trinkschale in der erhobenen Rechten, die anscheinend Wein enthält. Auffällig sind die weiblichen Rundungen des Jünglings: Der rundliche Bauch, das Fehlen von ausgeprägten Muskelpartien an Brust und Armen und die weichen Gesichtszüge. Zudem wirkt er etwas dicklich. Den Kopf der Figur bedeckt eine Krone aus Weinlaub und Trauben. Weiterhin befinden sich in seiner linken Hand eine Weintraube und ein Fell. Ein kindlicher Satyr, der hinter der Hauptfigur auf einem Baumstumpf sitzt, nascht von der Traube. Zwischen seinen Bocksfüßen lugt der Kopf des Tierfelles hervor und lässt erkennen, dass es von einer Raubkatze stammt.
Wie der Titel schon sagt, ist der Gott Bacchus hier betrunken dargestellt. Deshalb auch die labile Körperhaltung, die bei antiken Götterstatuen keine Vorbilder kennt. Der Rauschzustand, in dem sich die Figur befindet, ist genauso wie die Krone aus Weinlaub ein Hinweis darauf, dass Bacchus unter anderem als Gott des Weines und des Übermaßes gilt. Auch der Satyr ist ein Symbol für Maßlosigkeit. Die Traube in der linken Hand des Gottes, von der der Satyr nascht, betont durch ihre unnatürliche Größe zusätzlich das Thema des Übermaßes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der griechischen Mythologie in der Renaissance ein und definiert das Ziel der Arbeit, Bacchus-Darstellungen und ihre Attribute ikonographisch zu analysieren.
2. Bacchus: Das Kapitel bietet einen kurzen Überblick über die mythologischen Hintergründe der Gottheit, ihre Vielschichtigkeit sowie ihre wichtigsten ikonographischen Eigenschaften und Attribute.
3. Bacchus in der Skulptur der Italienischen Renaissance und des Barock: Dieser Hauptteil analysiert detailliert vier spezifische Skulpturen, um die unterschiedliche Interpretation der Bacchus-Figur durch verschiedene Künstler und Epochen aufzuzeigen.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Bacchus als vielfältiges Motiv fungiert, dessen Bedeutung durch gezielte Attributwahl zwischen Rausch, Fruchtbarkeit und Allegorie variiert werden kann.
Schlüsselwörter
Bacchus, Dionysos, Skulptur, Renaissance, Barock, Ikonographie, Mythologie, Attribute, Weinlaub, Efeu, Satyr, Fruchtbarkeit, Allegorie, Rausch, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ikonographischen Bedeutung des Gottes Bacchus in der Bildhauerei während der Italienischen Renaissance und des Barock.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die mythologische Herkunft des Bacchus, die Identifizierung seiner spezifischen Attribute und deren künstlerische Umsetzung in verschiedenen Statuen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Hauptziel ist es, die verwendeten Attribute in ausgewählten Kunstwerken zu erfassen und ihre spezifische Deutung im jeweiligen zeitgenössischen Kontext zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt die ikonographische Analyse, um durch die Untersuchung von Attributen wie Weinlaub, Tieren oder der Körperhaltung die symbolische Aussage der Skulpturen zu entschlüsseln.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung und Analyse von vier Skulpturen von Michelangelo, Sansovino, den Brüdern Marsy und Pietro Bernini.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Neben dem Hauptthema Bacchus sind Begriffe wie Ikonographie, Attribute, Renaissance, Barock und Allegorie für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Warum unterscheidet sich die Darstellung bei Michelangelo so stark von der bei Sansovino?
Während Michelangelo den Gott als taumelnd und berauscht zeigt, interpretiert Sansovino Bacchus als eine erhabene, athletische Gestalt, was jeweils unterschiedliche Aspekte der mythologischen Überlieferung betont.
Welche Funktion hat der Ziegenbock in der verlorenen Bacchusgruppe von Pietro Bernini?
Der Ziegenbock dient hier nicht nur als Attribut, sondern fungiert als dynamischer Mittelpunkt der Szene und unterstreicht die symbolische Verbindung von Fruchtbarkeit und Zügellosigkeit.
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- Christin Bartz (Author), 2011, Bacchus in der Skulptur der Italienischen Renaissance und des Barock, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/276817