Die Prognose zukünftiger Wechselkursentwicklungen ist bei vielen wirtschaftlichen Entscheidungen von großer Bedeutung. Gerade die jüngste Aufwertungsphase des Euro ge-genüber dem US-Dollar zeigt sehr deutlich auf, welche negative Einflüsse unerwartete Wechselkursentwicklungen auf Unternehmen und Investoren haben können.
Aufgrund der hohen Bedeutung von Wechselkursveränderungen für international agierende Unternehmen wird oft ein aktives Währungsmanagement betrieben. Aufgabe dieses Währungsmanagements ist vor allem, Risiken, die aus Wechselkursveränderungen resultieren, zu managen, d.h. Risiko und Ertrag zu optimieren. Grundlage des Wechselkursmanagements ist dabei auch immer eine Prognose der zukünftigen Wechselkursentwicklung. Eine richtige Einschätzung des zukünftigen Wechselkurses ist allerdings für Unternehmen und Anleger nur schwer umzusetzen. Primär ist dieser Umstand auf das Fehlen eines allgemein gültigen Wechselkursmodells zurückzuführen, welches zu befriedigenden Prognoseergebnissen führt.
Nichtsdestotrotz ist für ein aktives Währungsmanagement unumgänglich, sich ein Bild über die zu erwartende Wechselkursentwicklungen der entsprechenden Währung zu machen. Oft behelfen sich Unternehmen und Anleger, aufgrund der hohen Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung von Wechselkursen, mit Wechselkursprognosen von professionellen Devisenmarktbeobachtern. Für die Erstellung solcher Prognosen stehen Experten und Expertinnen verschiedene Methoden zur Verfügung. Im Rahmen dieser Arbeit sollen diese Methoden nä-her beleuchtet und der Bezug zu ihrer Nutzung in der Praxis hergestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Abgrenzung der Thematik
1.4 Methodik
2 Theoretische Grundlagen der Wechselkursprognosen
2.1 Überblick
2.2 Fama French - Effizienzmarkthypothese
2.3 Formen von Wechselkursprognosen
2.3.1 Marktbasierte Wechselkursprognose
2.3.2 Fundamentale Wechselkursprognose
2.3.3 Technische Wechselkursprognose
2.3.4 Gemischte Wechselkursprognose
2.4 Qualität von Wechselkursprognosen (nach Bofinger)
2.5 Zusammenfassung
3 Aktueller Forschungsstand in der Prognose von Wechselkursen
3.1 Überblick
3.2 Neuronale Netze
3.3 Support Vector Machines
3.4 Zusammenfassung
4 Empirie
4.1 Überblick
4.2 Regressionsanalyse
4.2.1 Der Prognoseprozess und die Datengenerierung einer Regressionsanalyse
4.2.2 Regressionsanalyse und Prognose (Forecast)
4.2.3 Fazit
4.3 Interview
4.3.1 Rahmen
4.3.2 Erstellung von Prognosen in der (Banken)Praxis
4.3.3 Anwendung von Wechselkursprognosen in der Praxis
4.4 Schlussbetrachtung
5 Conclusio
5.1 Resümee
5.2 Beantwortung der Forschungsfrage
5.3 Limitation & Diskussion der Ergebnisse
5.4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit verschiedener Methoden zur Prognose von Wechselkursen für Unternehmen und Investoren. Dabei wird erforscht, welche Prognosemodelle existieren, wie diese in der Praxis angewendet werden und mit welchen Herausforderungen und Limitationen – insbesondere bei der Vorhersage durch fundamentale Variablen – Marktteilnehmer konfrontiert sind.
- Analyse theoretischer Ansätze zur Wechselkursprognose (marktbasierte, fundamentale, technische und gemischte Modelle).
- Evaluierung des aktuellen Forschungsstands, einschließlich neuronaler Netze und Support Vector Machines.
- Durchführung einer eigenen empirischen Regressionsanalyse zur Überprüfung der Praxistauglichkeit fundamentaler Daten.
- Einblicke in die Bankenpraxis durch Experteninterviews bezüglich der Erstellung und Limitierung von Währungsprognosen.
- Diskussion der Grenzen von Prognosemodellen und Bedeutung des Risikomanagements für Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Marktbasierte Wechselkursprognose
Der grundlegende Gedanke der marktbasierten Wechselkursprognose ist, dass sich zukünftige Wechselkurse durch den Kassakurs (Spot Rate) oder Terminkurs (Forward Rate) errechnen lassen. Die Vorgehensweise bei dieser Vorhersageform kann folgendermaßen beschrieben werden: Verwendet man den heutigen Kassakurs um den zukünftigen Kassakurs zu prognostizieren, unterstellt man, dass sich die beiden Wechselkurs nicht verändern und somit bereits übereinstimmen. Davon kann ausgegangen werden, weil Markterwartungen die heutige Spot Rate bereits beeinflussen und sie deshalb bereits mit dem zukünftigen Wert übereinstimmt.
Um dieses Modell zu veranschaulichen, soll ein Beispiel das Verständnis erleichtern. Wenn der Markt eine Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar erwartet, werden Spekulanten bereits heute Euro mit Dollar kaufen und dementsprechend den Preis nach oben verändern. Man kann von einer self-fullfilling prophecy sprechen, weil der aktuelle Europreis bereits die Erwartung einer solchen Aufwertung des Euro beinhaltet.
Eine Verwendung des Terminkurses zur Vorhersage ist ebenfalls möglich und soll beispielhaft im Folgenden beschrieben werden: Sagt man mit der Forward Rate die zukünftige Spot Rate voraus, handelt man unter der Annahme, dass die Differenz zwischen Forward Rate und Spot Rate die Veränderung zwischen der zukünftigen und heutigen Spot Rate widerspiegelt. Diese Veränderung kann entweder positiv oder negativ sein. Ein Beispiel soll das Verständnis erleichtern: Wenn Investoren und Spekulanten davon ausgehen, dass der zukünftige Kassakurs bei z.B.: EUR/USD 1,35 liegt und der Terminkurs bei EUR/USD 1,30, werden sie EUR zum Forward-Kurs von 1,30 kaufen und dann zur Spot Rate von 1,35 wieder verkaufen. Wenn diese Strategie von vielen Personen angewandt wird, wird sich die Forward Rate anpassen und steigen. Dadurch wird es zu einem Sinken von Spekulationen kommen, da keine Arbitragemöglichkeit mehr gegeben ist. Im Endeffekt passt sich die Forward Rate an die Markterwartungen an und gibt die Erwartung der zukünftigen Spot Rate wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz der Wechselkursprognose für Unternehmen und definiert die Forschungsfragen sowie die methodische Vorgehensweise.
2 Theoretische Grundlagen der Wechselkursprognosen: Bietet einen Überblick über gängige Prognoseformen, die Effizienzmarkthypothese und die theoretischen Modelle zur Vorhersage.
3 Aktueller Forschungsstand in der Prognose von Wechselkursen: Analysiert neuartige Ansätze wie künstliche neuronale Netze und Support Vector Machines als moderne Prognosetools.
4 Empirie: Dokumentiert eine eigene Regressionsanalyse auf Basis fundamentaler Daten sowie die Ergebnisse eines Experteninterviews mit einer Großbank zur Anwendung in der Praxis.
5 Conclusio: Führt die Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und gibt Handlungsempfehlungen für das Risikomanagement.
Schlüsselwörter
Wechselkursprognose, Devisenmarkt, Währungsmanagement, Fundamentalanalyse, Chartanalyse, Regressionsanalyse, Finanzkrisen, Markterwartungen, Euro, US-Dollar, neuronale Netze, Support Vector Machines, Risikomanagement, Volatilität, Prognosegüte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Methoden, theoretischen Grundlagen und praktischen Herausforderungen der Prognose von Wechselkursen, insbesondere zwischen Euro und US-Dollar.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind fundamentale, technische und marktbasierte Prognosemodelle, der aktuelle Forschungsstand, die Durchführung einer empirischen Regressionsanalyse sowie Einblicke in die Praxis des Währungsmanagements bei Banken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Fragen, welche Formen der Wechselkursprognose für Unternehmen und Investoren nutzbar sind und welche praktischen Probleme bei deren Anwendung typischerweise auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine umfassende Literaturrecherche zur theoretischen Fundierung sowie eine empirische Untersuchung mittels Regressionsanalyse und ein qualitatives Interview mit Experten einer Großbank.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, den aktuellen Forschungsstand zu KI-gestützten Methoden (neuronale Netze, SVM) und einen empirischen Teil mit eigener Regressionsrechnung und Praxisanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wechselkursprognose, Währungsmanagement, Fundamentalanalyse, Regressionsanalyse und Markterwartungen charakterisiert.
Warum schneiden professionelle Marktprognosen laut der zitierten Bofinger-Studie oft schlecht ab?
Bofinger identifiziert eine "gegenwartsorientierte Verlaufsanpassung" und ein Abweichen von der Hypothese rationaler Erwartungen als Hauptursachen, weshalb viele professionelle Prognosen kaum besser als der Random-Walk abschneiden.
Welche Rolle spielt das "Bauchgefühl" in der Praxis der Devisenspekulation?
Analysten und Spekulanten greifen bei kurzfristigen, hochvolatilen Märkten oft auf emotional begründetes Bauchgefühl zurück, da sich solches Verhalten nur schwer in klassische mathematische Modelle integrieren lässt.
Wie beeinflusst die Regressionsanalyse die Prognosequalität in der Praxis?
Die Analyse zeigt, dass zwar hohe Signifikanzen erreicht werden können, die Modellstabilität jedoch leidet, sobald externe Faktoren wie Finanzkrisen oder politische Umbrüche eintreten, die in historischen Daten nicht abgebildet sind.
- Quote paper
- Patrick Renner (Author), 2014, Die Prognose von Wechselkursen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/276773