„Die Zivilisation ist an einem Wendepunkt ihrer Energieversorgung […] angelangt“ (SCHEER 2004, S. 1), schreibt Herrmann Scheer (...) zu Klimawandel und erneuerbaren Energien. Fakt ist, dass angesichts des gestiegenen Energieverbrauchs konventionelle fossile Energiereserven bald aufgebraucht sein werden, Erdöl und Erdgas womöglich noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Es müssen also Alternativen gefunden werden, bevor sich die absteigende Kurve der fossilen Energiereserven und die steigende Kurve des Energiebedarfs kreuzen (vgl. ebd., S. 1).
Der Suche nach alternativen Energieträgern steht zudem das Kyoto-Protokoll gegenüber, das „eine Reduktion der klimaverändernden Treibhausgase um mindestens 60 Prozent im Jahr 2050“ (SCHEER, S. 3) vorschreibt. Die neuen Energieträger müssen also nicht nur ausreichend Energie liefern, sondern auch noch möglichst wenig (...) CO2 sowie weitere Treibhausgase produzieren.
Im Vordergrund steht auch die Nachhaltigkeit erneuerbarer Energien. Dies bedeutet nach den sog. drei Säulen der Nachhaltigkeit (oder auch Nachhaltigkeitsdreieck), dass ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt werden müssen (vgl. LEXIKON DER NACHHALTIGKEIT 2014, web.).
Die folgende Arbeit beschäftigt sich daher mit Nachhaltigkeitsproblemen, aber insbesondere mit den geoökologischen Problemen, der Biomassenutzung in Südamerika, am Beispiel des Anbaus und der Weiterverarbeitung von Zuckerrohr in Brasilien.
Hierbei wird zunächst der Begriff Biomasse definiert und ihre energetische Nutzung beschrieben. Es folgt eine Erläuterung der allgemeinen geoökologischen Probleme, die durch die Biomasse entstehen.
Anschließend wird am Fallbeispiel Brasilien auf die Probleme der Nutzung der Zuckerrohrpflanze als Energieträger eingegangen.
Dabei soll zunächst auf den Energiebedarf Brasiliens sowie die Eigenschaften von Zuckerrohr (...) eingegangen werden.
Daraus kann anschließend gefolgert werden, welche Voraussetzungen Brasilien für den Anbau dieser Pflanze bietet, hierbei wird einerseits näher auf das staatliche Proálcool-Programm der 1970er und 80er Jahre eingegangen und andererseits die heutige Bedeutung des Zuckerrohranbaus bzw. der Ethanolproduktion beleuchtet.
Welche geoökologischen Probleme aus der Nutzung von Biomasse aus Zuckerrohr entstanden sind bzw. noch entstehen, beschreibt das darauf folgende Kapitel.
Ein abschließendes Fazit soll die Rolle des Zuckerrohranbaus zur energetischen Nutzung sowie dessen Nachhaltigkeit bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biomasse
2.1 Definition
2.2 Energetische Nutzung der Biomasse
2.3 Geoökologische Probleme der Biomassenutzung – allgemein
2.4 Zuckerrohr als Energieträger
3 Fallbeispiel Brasilien
3.1 Energiebedarf Brasiliens
3.2 Zuckerrohranbau in Brasilien
3.2.1 Naturräumliche Grundlagen
3.2.2 Entstehung des Proálcool-Programms
3.2.3 Grünes Gold - Zuckerrohr als Wirtschaftsfaktor in der heutigen Zeit
3.3 Geoökologische Probleme des Zuckerrohranbaus und der Nutzung von Bioethanol
3.3.1 Flächenkonkurrenz Regenwald und Biomasseerzeugung
3.3.2 Flächenkonkurrenz Nahrungsmittelanbau und Biomasseerzeugung
3.3.3 Wassermangel
3.3.4 Anbau von Monokulturen
3.3.5 Mechanisierung
3.3.6 Kontamination
3.3.7 Freisetzung von CO2 aus Kohlenstoffsenken
3.3.8 Verdrängung der Minifundien
3.3.9 Verdrängung der indigenen Bevölkerung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die geoökologischen und sozialen Auswirkungen der großflächigen Biomassenutzung, speziell des Zuckerrohranbaus zur Bioethanolproduktion in Brasilien, um die Nachhaltigkeit dieses Energieträgers im Kontext der globalen Energiewende kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Biomasse und deren energetische Nutzung
- Analyse des Energiebedarfs und der Bedeutung von Zuckerrohr in Brasilien
- Geoökologische Folgen wie Flächenkonkurrenz, Wassermangel und Biodiversitätsverlust
- Soziale Dimensionen, insbesondere die Verdrängung von Kleinbauern und indigener Bevölkerung
- Bewertung der Nachhaltigkeit und Zukunftspotenziale der Bioethanolwirtschaft
Auszug aus dem Buch
3.3 Geoökologische Probleme des Zuckerrohranbaus und der Nutzung von Bioethanol
Über viele Jahrzehnte erfolgte in Brasilien ein äußerst verschwenderischer Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Die späte Industrialisierung des Landes begründete den Raubbau an der Natur erst als „Preis des Rückstands“, dann als „Preis des Fortschritts“ (FERNANDES 2010, S. 46). Außerdem waren die technologischen Standards der späten Industrialisierung veraltet in Bezug auf den Umweltschutz, so fehlten u.a. die technischen Elemente des Recycling und der Wiederaufbereitung. Das starke Wirtschaftswachstum ab den 1940er Jahren führte zu einer der stärksten und schnellsten Umweltzerstörungen der Geschichte des Industrialismus (vgl. FERNANDES 2010, S. 46).
Heute erscheint Brasilien durch einen Anteil von 42,2% erneuerbarer Energien (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 15) als ein Land mit hohem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein. Nichtsdestotrotz bringt auch die Biomasse als erneuerbare Energie zahlreiche geoökologische Probleme mit sich, wie die folgenden Punkte zeigen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der globalen Energieversorgung und die Rolle von Biomasse als alternative Energiequelle ein, mit Fokus auf die spezifische Untersuchung des Zuckerrohranbaus in Brasilien.
2 Biomasse: Das Kapitel definiert den Begriff Biomasse als biogenen Energieträger und erläutert sowohl die Methoden der energetischen Umwandlung als auch die grundlegenden geoökologischen Herausforderungen bei der Nutzung von Energiepflanzen.
3 Fallbeispiel Brasilien: Dieser Hauptteil analysiert den Energiebedarf Brasiliens sowie die historische Entwicklung und heutige wirtschaftliche Bedeutung des Zuckerrohranbaus, wobei detailliert die verschiedenen geoökologischen und sozialen Problemfelder beleuchtet werden.
4 Fazit: Das Fazit bewertet die Rolle des Zuckerrohr-Ethanols als bedeutenden Wirtschaftsfaktor und nachhaltige Energiequelle, betont jedoch die notwendige Verbesserung der sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit sowie den Schutz ökologischer Ressourcen.
Schlüsselwörter
Biomasse, Zuckerrohr, Brasilien, Bioethanol, Geoökologie, Nachhaltigkeit, Flächenkonkurrenz, Monokulturen, Klimaschutz, Biodiversität, Proálcool-Programm, indigene Bevölkerung, Minifundien, Energiebilanz, erneuerbare Energien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökologischen und sozialen Probleme, die mit der großflächigen Produktion von Bioethanol aus Zuckerrohr in Brasilien verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die energetische Nutzung von Biomasse, die spezifische Agrarstruktur Brasiliens, die Auswirkungen auf den Naturhaushalt sowie soziale Konflikte bei der Flächennutzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr als nachhaltige Alternative zu fossilen Energieträgern unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte gelten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse aktueller Studien und Berichte zur Energiebilanz Brasiliens, ergänzt durch die Untersuchung agrarwissenschaftlicher und geografischer Fachquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einführung in die Biomasseproblematik und eine detaillierte Fallstudie zu Brasilien, inklusive historischer Hintergründe (Proálcool-Programm) und ökologischer Problemstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Biomasse, Zuckerrohr, Bioethanol, Brasilien, Nachhaltigkeit, Flächenkonkurrenz sowie die Auswirkungen auf indigene Völker und die Biodiversität.
Wie wirkt sich der Zuckerrohranbau auf die Regenwälder aus?
Obwohl Zuckerrohr den Regenwald oft nur indirekt verdrängt, indem es Weideflächen für Rinder in Richtung Amazonas verdrängt, trägt es signifikant zur Abholzung und zur negativen CO2-Bilanz durch Landnutzungsänderungen bei.
Was bedeutet der "Ethanolboom" für die indigene Bevölkerung?
Der Anbau führt zur Verdrängung der indigenen Bevölkerung von ihrem angestammten Land, oft begleitet durch Gewalt, was deren kulturelle und wirtschaftliche Existenzgrundlage schwer gefährdet.
- Arbeit zitieren
- Melanie Scheid (Autor:in), 2014, Geoökologische Probleme der Biomassenutzung in Südamerika am Beispiel von Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/276084