Jeder Unterrichtsgegenstand muss sich mit Relevanz für den Lerner legitimieren lassen. So mögen Einwände gegen die Beschäftigung mit literarischen Texten im Fremdsprachenunterricht u. a. darauf abzielen, dass die funktionale Dimension der Sprache im Sinne der Kommunikationskompetenz als übergeordnete Zielstellung beim Erlernen einer Fremdsprache für den Lerner relevanter sei als die ästhetische Spezifik literarischer Texte. Doch haben wir es mit Blick auf DaZ-Schüler mit einer besonderen Lernerschaft zu tun, deren Spracherwerbsprozess sich in vielerlei Hinsicht von dem der Fremdsprachenlerner unterscheidet. Da DaZ-Lerner i.d.R. eine deutsche Schul- und Arbeitslaufbahn durchlaufen, gehen die Anforderung an ihren Zweitspracherwerb über die des Fremdspracherwerbs hinaus, indem idealiter das Sprachniveau eines Muttersprachlers erreicht werden soll. Auch sind sie Teilnehmer des „normalen“ Deutschunterrichts und können sich den Anforderungen des Rahmenlehrplans nicht entziehen. Genau aus diesem Grund greift der Anspruch an eine (minimal) funktionale Sprachkompetenz, die ein (Sprach-)Handeln in alltäglichen Situationen ermöglicht, im Falle von DaZ-Lernern zu kurz. Sie verfügen in Form ihres „Ethnolekts“ bzw. ihrer „Interlanguage“ bereits über ein funktionales Sprachrepertoire des Deutschen, das sich „auf die bedeutungstragenden Elemente der Sprache konzentriert, Wörter aus der Herkunftssprache einbezieht und Funktionswörter […] weglässt.“ Allerdings zeigt sich, dass diese im alltäglichen mündlichen Sprachgebrauch durchaus funktionalen Kompetenzen keinesfalls für die schriftsprachlichen Anforderungen, die fachübergreifend und auch über die Schullaufbahn hinaus wirken, ausreichend sind.
Die Arbeit mit literarischen Texten kann hier ansetzen, da diese gerade durch ihre poetische Abgrenzung zur Funktionalität der Alltagssprache Raum und Anlass bieten, sich einer vertieften Beschäftigung mit den gefundenen sprachlichen Mitteln sowie der Reflexion über Sprache zu widmen. Literatur – als ästhetische Verarbeitung einer Sicht auf die Welt – bietet die Chance, das Sprachbewusstsein der Schüler zu entwickeln und zu fördern, da andere Aspekte als die funktionale Dimension der Sprache in den Vordergrund der Spracharbeit rücken.
Inhaltsverzeichnis
1. Warum Literatur?
2. Didaktische Konsequenzen
3. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und den Einsatz literarischer Texte im Deutschunterricht mit Fokus auf mehrsprachige Lerngruppen und DaZ-Schüler, um aufzuzeigen, wie Literatur jenseits funktionaler Sprachvermittlung als Medium für vertiefte Sprachreflexion und interkulturelles Lernen dienen kann.
- Relevanz literarischer Texte für DaZ-Lerner
- Abgrenzung von funktionaler Sprachkompetenz zur ästhetischen Sprachreflexion
- Affektive und emotionale Potenziale des Literaturunterrichts
- Integration von Literatur in eine integrative Sprachdidaktik
- Herausforderungen und sprachsensible Unterrichtsplanung
Auszug aus dem Buch
1. Warum Literatur?
Jeder Unterrichtsgegenstand muss sich mit Relevanz für den Lerner legitimieren lassen. So mögen Einwände gegen die Beschäftigung mit literarischen Texten im Fremdsprachenunterricht u. a. darauf abzielen, dass die funktionale Dimension der Sprache im Sinne der Kommunikationskompetenz als übergeordnete Zielstellung beim Erlernen einer Fremdsprache für den Lerner relevanter sei als die ästhetische Spezifik literarischer Texte.
Doch haben wir es mit Blick auf DaZ-Schüler mit einer besonderen Lernerschaft zu tun, deren Spracherwerbsprozess sich in vielerlei Hinsicht von dem der Fremdsprachenlerner unterscheidet. Da DaZ-Lerner i.d.R. eine deutsche Schul- und Arbeitslaufbahn durchlaufen, gehen die Anforderung an ihren Zweitspracherwerb über die des Fremdspracherwerbs hinaus, indem idealiter das Sprachniveau eines Muttersprachlers erreicht werden soll. Auch sind sie Teilnehmer des „normalen“ Deutschunterrichts und können sich den Anforderungen des Rahmenlehrplans nicht entziehen. Genau aus diesem Grund greift der Anspruch an eine (minimal) funktionale Sprachkompetenz, die ein (Sprach-)Handeln in alltäglichen Situationen ermöglicht, im Falle von DaZ-Lernern zu kurz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Warum Literatur?: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit von Literatur im DaZ-Unterricht, indem es die Grenzen einer rein funktionalen Sprachvermittlung aufzeigt und Literatur als Instrument zur Sprachreflexion und Identitätsbildung hervorhebt.
2. Didaktische Konsequenzen: Das Kapitel thematisiert die Notwendigkeit einer integrativen Sprachdidaktik, die literarische Texte sprachsensibel in den Unterricht einbindet, um Sprachbarrieren zu überwinden und sprachliche Gewinne zu erzielen.
3. Literatur: In diesem Abschnitt wird das verwendete Literaturverzeichnis zur wissenschaftlichen Fundierung der Argumentation aufgeführt.
Schlüsselwörter
Deutsch als Zweitsprache, DaZ-Unterricht, Literaturdidaktik, literarische Texte, Mehrsprachigkeit, Sprachbewusstsein, Sprachförderung, Zweitspracherwerb, interkulturelles Lernen, integrative Sprachdidaktik, Sprachreflexion, Sprachproduktion, Bildungsstandards, Lernersprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Legitimation und der methodischen Gestaltung des Literaturunterrichts in Klassen mit einem hohen Anteil an DaZ-Lernern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Relevanz von Literatur, dem Spracherwerbsprozess bei Deutsch als Zweitsprache und der Überwindung rein funktionaler Sprachdidaktik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Einsatz von Literatur als ästhetischem Lerngegenstand zur Sprachförderung und Persönlichkeitsentwicklung von DaZ-Schülern beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachdidaktische Analyse und die Auswertung theoretischer Konzepte der Literatur- und Fremdsprachendidaktik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird erörtert, warum literarische Texte über die Alltagskommunikation hinausgehen und welche didaktischen Strategien für eine sprachsensible Planung notwendig sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind DaZ-Unterricht, ästhetische Sprachreflexion, integrative Sprachdidaktik und interkulturelles Lernen.
Warum greift ein rein funktionaler Sprachunterricht bei DaZ-Schülern zu kurz?
Laut der Autorin deckt eine rein funktionale Sprachkompetenz nur den täglichen Sprachbedarf ab, reicht jedoch für die komplexeren schriftsprachlichen Anforderungen einer gesamten Schullaufbahn nicht aus.
Welche Rolle spielt die "ästhetische Verarbeitung" im Unterricht?
Die ästhetische Auseinandersetzung bietet Raum, die Sprache selbst zu reflektieren und fördert die Entwicklung des Sprachbewusstseins, da der Fokus nicht nur auf dem Nutzen der Sprache, sondern auf ihrer Form liegt.
- Arbeit zitieren
- Thérèse Remus (Autor:in), 2013, Literarische Texte in mehrsprachigen Lerngruppen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275635