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Bürgerhaushalte in Deutschland. Welche Rolle spielen Geld, Verwaltung und Beteiligung?

Titel: Bürgerhaushalte in Deutschland. Welche Rolle spielen Geld, Verwaltung und Beteiligung?

Magisterarbeit , 2014 , 67 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Patrick Buck (Autor:in)

Organisation und Verwaltung - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Bürgerhaushalte haben sich im Bereich der Finanzierungsplanung einer Kommune mit Hilfe von partizipativen Instrumenten in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten einen Namen gemacht. Die Idee stammt aus Brasilien, doch sie findet sich heute in zahlreichen Variationen weltweit wieder. Allegretti bezeichnet sie unter dem Titelthema „Für Mutige – 18 Dinge, die die Welt verändern“ als „eine der erfolgreichsten demokratischen Erneuerungen der letzten 25 Jahre“ sowie als „Erfolgsgeschichte über alle fünf Kontinente hinweg“. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Lobeshymnen, vor allem aus den Reihen der daran Beteiligten, welche die Möglichkeit sehen, informierte und engagierte Bürger an politischen Prozessen und Entscheidungen zu beteiligen.
Entscheidend an Beteiligung ist natürlich, ob sie Ergebnisse nach sich zieht. Ansonsten ist der Prozess der Mitwirkung obsolet. Auch der Bürgerhaushalt, der Vorschläge für den Finanzplan der Kommunen sammelt, bringt Ergebnisse mit sich – aus Sicht der Bürger mal gute, mal schlechte. Wie viele der Ideen aus den Reihen der städtischen Anwohner tatsächlich umgesetzt werden, ist höchst verschieden. Letztendlich ist dies eine Entscheidung des Rates, denn die gewählten Repräsentanten behalten weiterhin die Hoheit über das Budget. Zu klären ist, von welchen Faktoren es abhängt, ob die Bürgervorschläge tatsächlich politische Zustimmung erhalten. Im Rahmen dieser Arbeit sollen Ansätze gefunden werden, welche Einflussfaktoren in Deutschland dafür in Frage kommen. Untersucht wird hierbei der Einfluss
a) der Finanzsituation einer Kommune,
b) der Anzahl der Teilnehmer an einem Bürgerhaushalt sowie
c) der Vorgaben der Verwaltung.
Im Blick sind dabei die Verfahren in den Kommunen Köln, Oldenburg, Potsdam, Münster und Trier.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Betrachtungen

2.1 Entwicklung der Bürgerbeteiligung

2.2 Theoretische Einordnung

2.3 Geschichte des Bürgerhaushalts

2.3 Was ist ein Bürgerhaushalt

2.3.1 Typologie des Bürgerhaushalts

2.3.2 Methodologische Definition des Bürgerhaushalts

2.3.3 Der deutsche Weg

2.3.4 Ziele von Bürgerhaushalten

2.3.5 Kritik am Bürgerhaushalt

3. Welche Faktoren beeinflussen den Bürgerhaushalt?

3.1 Fragestellung

3.2 Entwicklung der Hypothesen

3.2.1 Hypothese 1: Einflussfaktor Kommunalfinanzen

3.2.2 Hypothese 2: Einflussfaktor Beteiligung

3.2.3 Hypothese 3: Einflussfaktor dominante Verwaltung

3.3 Auswahl der Bürgerhaushalte

3.4 Beschreibung der Bürgerhaushaltsverfahren

3.5 Datengewinnung

3.6 Datenauswertung

3.6.1 Überprüfung von Hypothese 1

3.6.2 Überprüfung von Hypothese 2

3.6.3 Überprüfung von Hypothese 3

3.7. Zusammenfassung der Ergebnisse

4. Schlussbetrachtung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, welche Faktoren die politische Entscheidung (Zustimmung, Ablehnung oder Prüfung) von Stadt- und Gemeindeparlamenten bezüglich der von Bürgern eingereichten Vorschläge innerhalb von Bürgerhaushaltsverfahren in Deutschland beeinflussen.

  • Analyse des Einflusses der kommunalen Finanzlage auf die Zustimmungsraten.
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Teilnehmerzahl und dem Erfolg der Bürgerbeteiligung.
  • Evaluation der Rolle der Verwaltung als dominante Instanz bei der Haushaltsentscheidung.
  • Empirische Überprüfung dieser Hypothesen anhand ausgewählter deutscher Kommunen (Köln, Trier, Oldenburg, Potsdam, Münster).

Auszug aus dem Buch

2.3 Geschichte des Bürgerhaushalts

In den 1980er Jahren war die Größe der Bevölkerung im brasilianischen Porto Alegre aufgrund der Landflucht extrem angestiegen, wie in anderen Metropolen des Landes auch. Die wachsende Zahl von Elendsvierteln am Stadtrand führte in der Folge zu großen sozialen Ungleichheiten und Spannungen. Die Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT), die ihre Wurzeln in der Gewerkschaftsbewegung und der christlichen Basisbewegung hat, konnte mit einem Linksbündnis 1988 die Bürgermeisterwahl gewinnen. Sie sah sich allerdings einer von der politischen Opposition dominierten Gemeindeversammlung konfrontiert, was Arbeit enorm erschwerte. Um dennoch Reformen anstoßen zu können, entwickelte die Regierung neue Partizipationsstrukturen, welche die Bürger an den Haushaltsentscheidungen beteiligen sollten. Dabei gab es keine Vermischung von Staat und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die gebildeten Gremien agierten eigenständig und unabhängig in einer gleichberechtigten Kooperation aus Zivilgesellschaft und Verwaltung. Was folgte, war ein jahrelanger Lernprozess, in dem Arbeiterpartei, lokale Initiativen und andere Basisgruppen Kompromisse aus ihren Ideen eines Bürgerhaushalts erarbeiteten. Erst 1992, zu Beginn der zweiten Regierungsperiode des Linksbündnisses sowie nach staatlichen Reformen in Richtung größerer kommunaler Finanzautonomie und weiteren Verwaltungsreformen, war das Konzept gefestigt. Der Bürgerhaushalt entstand insgesamt aus einer Kombination von Top-down- und Bottom-up-Prozessen: Sowohl der Sieg der PT, die ihre eigene Graswurzel-Arbeit aufs Regierungshandeln übertrug, als auch die Forderung der Zivilgesellschaft nach mehr Teilhabe förderten die Entwicklung. Diese war langsam, aber nachhaltig, so dass auch nach Ablösung der PT durch die Opposition der Bürgerhaushalt weiter bestand hatte (Sintomer et al. 2007: S. 116).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Bürgerbeteiligung ein, beleuchtet das Aufkommen der Bürgerhaushalte und legt das Ziel der vorliegenden Forschungsarbeit fest.

2. Theoretische Betrachtungen: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Entwicklung der Bürgerbeteiligung, die theoretische Verortung des Bürgerhaushalts sowie dessen Geschichte und spezifische Ausprägung in Deutschland.

3. Welche Faktoren beeinflussen den Bürgerhaushalt?: In diesem Kernkapitel werden die Hypothesen zur kommunalen Finanzlage, zur Beteiligungsrate und zum Einfluss der Verwaltung formuliert, operationalisiert und anhand konkreter Daten aus fünf deutschen Städten überprüft.

4. Schlussbetrachtung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung reflektiert und zukünftige Entwicklungsperspektiven für die Bürgerbeteiligung in Deutschland diskutiert.

Schlüsselwörter

Bürgerhaushalt, Bürgerbeteiligung, Partizipation, Kommunalfinanzen, Verwaltung, Politik, Entscheidungsfindung, Haushaltsplanung, Porto Alegre, Demokratie, kommunale Ebene, Bürgervorschläge, Haushaltskonsolidierung, Responsivität, politische Beteiligung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Einflussfaktoren, die darüber entscheiden, ob kommunale Parlamente den im Rahmen von Bürgerhaushalten eingereichten Vorschlägen der Bevölkerung politisch zustimmen oder diese ablehnen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die demokratische Bürgerbeteiligung, kommunale Finanzstrukturen, die Rolle der kommunalen Verwaltung sowie die Entscheidungsprozesse in Stadt- und Gemeindeparlamenten.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Frage lautet: Welche Faktoren beeinflussen die Reaktion (Zustimmung, Ablehnung, Prüfung) des Gemeinde- oder Stadtrats auf die Vorschläge der Bürger in einem Bürgerhaushaltsverfahren?

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Es wird eine deskriptive Auswertung von Daten aus Rechenschaftsberichten und Internetportalen ausgewählter Kommunen durchgeführt, um drei spezifische Hypothesen zu überprüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung und Überprüfung von Hypothesen hinsichtlich des Einflusses der Haushaltslage, der Beteiligungsintensität und der dominierenden Rolle der Verwaltung auf das Ergebnis von Bürgerhaushaltsentscheidungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bürgerhaushalt, Partizipation, Kommunalfinanzen, Verwaltung und politische Entscheidungsprozesse beschreiben.

Welche Rolle spielt die Finanzlage einer Kommune für den Erfolg von Bürgerideen?

Die Untersuchung prüft, ob finanzschwache Kommunen weniger Vorschläge umsetzen als finanzstarke, wobei die Daten darauf hindeuten, dass der Schuldenstand keinen unmittelbaren Effekt auf die Zustimmungsquote hat.

Welchen Einfluss hat die Verwaltung auf die endgültige Entscheidung der Politik?

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Politik bei der Bewertung der Bürgervorschläge meist den Empfehlungen der Fachabteilungen der Verwaltung folgt, was auf eine starke Dominanz der Administrative hindeutet.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Bürgerhaushalte in Deutschland. Welche Rolle spielen Geld, Verwaltung und Beteiligung?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Sozialwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Patrick Buck (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
67
Katalognummer
V275610
ISBN (eBook)
9783656689966
ISBN (Buch)
9783656690009
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bürgerhaushalt Bürgerhaushalte Partizipation Finanzpolitik Participatory Budgeting Bürgerbeteiligung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patrick Buck (Autor:in), 2014, Bürgerhaushalte in Deutschland. Welche Rolle spielen Geld, Verwaltung und Beteiligung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275610
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Leseprobe aus  67  Seiten
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