Das zweite Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) wurde als Folge der Arbeitsmarktreformen im Januar 2005 geschaffen und hatte die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zur Folge.
Ziel und Aufgabe des SGB II ist die Grundsicherung für Arbeitssuchende und ist beim Großteil der Bevölkerung vor allem unter dem Begriff „Hartz IV“ bekannt. Die Arbeitsmarktreform sollte arbeitsfähige Personen dazu anhalten wieder eine Arbeit aufzunehmen, wobei der Zumutbarkeitsbegriff sehr weit gefasst wurde. Bei Zuwiderhandlung drohen nun Sanktionen, wie z.B. Streichung von Sozialleistungen.
Besonders von der Reform betroffen waren die bisherigen Bezieher der Arbeitslosenhilfe, deren Leistungsbezüge nun beinahe auf den Stand der damaligen Sozialhilfe sanken. (vgl. Schmidt, 2012: 93) Somit kann auch von einem rekommodifizierenden Effekt als Teil der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik gesprochen werden, also von einer Vermarktung menschlicher Arbeitskraft. (vgl. Schmid, 2010: 141) Schon im Vorfeld der Reform wurde das neue Gesetz heftig umstritten und ist bis heute kontroversen Diskussionen ausgesetzt. (vgl. Hartmann 2013: 7ff.)
In meiner Hausarbeit werde ich näher auf das Leben im SGB II – Bezug eingehen, indem ich relevante rechtliche Grundlagen erläutere, die politische Entwicklung aufzeige und zur Veranschaulichung konkrete Beispiele dar stelle.
Zum besseren Verständnis beginne ich mit einer Begriffsdefinition.
Im weiteren Verlauf meiner Arbeit vergleiche ich den Sozialstaat Deutschland mit zwei weiteren wohlfahrtsstaatlichen Ländern der EU im Hinblick auf die Sicherungssysteme für Arbeitssuchende.
Zusätzlich besteht meine Hausarbeit aus einem inhaltlichen Transfer zur Einführungsveranstaltung der Politikwissenschaften von Prof. Dr. Albers aus dem Wintersemester 2013 / 2014, wodurch der europäische Vergleich gut ergänzt wird.
Abschließend ziehe aus allen Teilbereichen ein zusammenfassendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Begriffsdefinitionen
4. Rechtliche Grundlagen
5. Politische Entwicklung
6. Leben im SGB II - Bezug
7. Europäischer Vergleich
8. Inhaltlicher Transfer
9. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht das Leben von Menschen im Bezug von Leistungen nach dem SGB II („Hartz IV“) in Deutschland und stellt dieses in einen europäischen Vergleich mit Irland und Schweden, um die unterschiedlichen Grundsicherungssysteme der jeweiligen Wohlfahrtsstaaten zu beleuchten.
- Grundlagen und politische Entstehung des SGB II in Deutschland
- Konkrete Auswirkungen des SGB II-Bezugs auf den Lebensalltag Betroffener
- Typisierung der Wohlfahrtsstaaten nach Esping-Andersen
- Vergleichende Analyse der Grundsicherungssysteme in Deutschland, Schweden und Irland
- Einordnung der Ergebnisse in den Kontext politikwissenschaftlicher Theorie
Auszug aus dem Buch
2.6 Claudia Eichler (29) aus M.
Claudia Eichler (29) ist gelernte Bäckereifachverkäuferin und wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in einem Hochhaus in M. Während Tochter Mia (4) bereits in den Kindergarten geht, ist Sohn Manuel (1) noch zu Hause. Der Vater Thomas findet seit eineinhalb Jahren keine Arbeit. Claudia Eichler befindet sich noch in unbezahlter Elternzeit.
Das Einkommen der Familie beläuft sich auf 650 Euro aus dem SGB II plus 344 Euro Kindergeld. Davon muss sie monatlich 260 Euro Stromkosten zahlen, die hauptsächlich für die alte Nachtspeicherheizung anfallen.
„Als wir Hartz IV bekamen, mussten wir umziehen. Freiwillig würde ich nie mehr in eine Wohnung mit Nachtspeicherheizung ziehen: Die Stromkosten sind einfach zu hoch.“ Dazu kommt, dass schnell 150 Euro für Windeln, Tücher und Milch weg seien. „Wenn Geld kommt, gehen wir immer zuerst für den Kleinen einkaufen. Wir müssen irgendwie hinkommen. Wir rechnen viel und man gewöhnt sich dran“, erzählt Claudia Eichler.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Hier wird der historische Kontext der Arbeitsmarktreformen von 2005 und die Zielsetzung der Hausarbeit dargelegt.
3. Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel erläutert zentrale Begriffe wie SGB II, ALG II, Hartz IV und das Konzept des Sozialstaates.
4. Rechtliche Grundlagen: Die Voraussetzungen für den Leistungsbezug sowie rechtliche Definitionen von Erwerbsfähigkeit, Hilfebedürftigkeit und Zumutbarkeit werden hier beschrieben.
5. Politische Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der sozialen Sicherung in Deutschland von der Bismarckschen Ära bis zur Arbeitsmarktreform 2004 nach.
6. Leben im SGB II - Bezug: Anhand von Regelsätzen und einem Fallbeispiel wird der konkrete Alltag von Menschen im Leistungsbezug veranschaulicht.
7. Europäischer Vergleich: Die Grundsicherungssysteme von Irland, Deutschland und Schweden werden mittels der Typologie von Esping-Andersen gegenübergestellt.
8. Inhaltlicher Transfer: Die Arbeit verknüpft die Erkenntnisse mit politikwissenschaftlichen Seminarthemen zur Wohlfahrtsstaatlichkeit und Dekommodifizierung.
9. Fazit: Das Kapitel reflektiert die Schwierigkeiten eines Systemvergleichs und fasst die gewonnenen Einsichten zusammen.
Schlüsselwörter
SGB II, Hartz IV, Grundsicherung, Sozialstaat, Arbeitslosengeld II, Wohlfahrtsstaat, Wohlfahrtsmodell, Dekommodifizierung, Subsidiaritätsprinzip, Armut, soziale Sicherung, Leistungsbezug, Arbeitsmarktpolitik, Systemvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das deutsche Grundsicherungssystem (SGB II) und vergleicht es mit den Systemen in Schweden und Irland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Schwerpunkte sind die rechtlichen Rahmenbedingungen von Hartz IV, die politische Historie der sozialen Sicherung sowie die tatsächliche Lebenssituation von Betroffenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen des SGB II aufzuzeigen und durch einen europäischen Vergleich ein Verständnis für unterschiedliche Ansätze wohlfahrtsstaatlicher Sicherung zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie die theoretische Einordnung mittels der Typologie von Esping-Andersen, ergänzt durch Fallbeispiele.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt neben den rechtlichen und politischen Grundlagen vor allem die konkrete Lebensrealität der Leistungsempfänger und den Vergleich mit anderen europäischen Ländern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SGB II, Wohlfahrtsstaat, Hartz IV, Subsidiarität und Dekommodifizierung.
Welche Rolle spielt das "Bismarck-Modell" in der Arbeit?
Es dient als Referenzpunkt für das deutsche konservative Wohlfahrtsmodell, das auf Sozialversicherungsbeiträgen basiert und stark am Beschäftigungsstatus orientiert ist.
Wie unterscheidet sich das schwedische System im Kern?
Schweden verfolgt einen sozialdemokratischen Ansatz mit einem universalistischen Prinzip, bei dem der Staat eine umfassendere Verantwortung übernimmt, allerdings mit hohen Steuerlasten verbunden.
- Quote paper
- Ines Leuker (Author), 2014, Leben im SGB II-Bezug. Ein Blick auf die unterschiedlichen Grundsicherungssysteme in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275596