In der 750-jährigen Stadtgeschichte Berlins hat es eine Vielzahl an Migrationen gegeben und diese sind nicht spurlos an der Stadt vorbeigegangen. In der Arbeit soll besonders auf die Frage eingegangen werden, inwiefern die verschiedenen historisch
zugezogenen Sprachvarietäten die Berliner Stadtsprache geformt und beeinflusst haben. Dazu wird erst einmal unter dem linguistischen Aspekt erklärt, was heute unter der Berliner Stadtsprache zu verstehen ist. Diesbezüglich werden die
wesentlichen Charakteristika des Berlinischen aufgeführt und erläutert. Eine Stadtsprache zeigt sich auch in dem Sprachbild einer Stadt, weshalb im Folgenden auch kurz die Einflüsse auf die Namen (Straßennamen, Bezirksbezeichnungen etc.) Berlins aufgeführt werden. Dies geschieht bereits im Zuge der Aufzählungen der verschiedenen Sprachvarietäten, welche sich durch die Binnenimmigration und dem ebenfalls durch Migration bedingten Fremdspracheneinfluss ergaben. Um die genauen Auswirkungen jener beschreiben zu können, muss hier jedoch der historische
Kontext mit eingebunden werden, weshalb zu jeder aufgeführten Variation auch kurz auf die Sprachgeschichte eingegangen wird, die in chronologischer Reihenfolge, beginnend mit dem 13. Jahrhundert und endend mit dem 19. Jahrhundert, dargestellt ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stadtsprache Berlins
2.1 Wesentliche Charakteristika des Berlinischen
2.1.1 Phonologie
2.1.1.1. Vokale
2.1.1.2. Konsonanten
2.2 Weitere grammatikalische Besonderheiten
2.2.1 Zusammenfall von Akkusativ und Dativ
2.2.2 Erzähltempus
3. Einflüsse
3.1 Slawisch
3.2 Niederdeutsch
3.2.1 Das Niederdeutsche zu Beginn der Sprachgeschichte Berlins
3.2.2 Hochdeutsch vs. Niederdeutsch
3.3 Französisch
3.3.1. Französisch die Sprache des Hofes
3.3.2 Französische Emigranten in Berlin
3.3.3 Zunehmende Vermischung des Französischen mit der Berliner Sprache
3.4 Jiddisch
3.4.1 Was ist Jiddisch
3.4.2 Der Eintritt ins Berlinische
3.4.3 Beispiele für Jiddismen im Berliner Jargon
3.4.4 Exkurs: Antisemitismus
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Berliner Stadtsprache unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses verschiedener zugezogener Sprachvarietäten zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern diese historischen Migrationsprozesse die Berliner Stadtsprache in ihrer Lautung, Grammatik und ihrem Wortschatz maßgeblich geformt und geprägt haben.
- Linguistische Definition und Charakterisierung des Berlinischen
- Slawische Einflüsse auf Ortsnamen und Sprachgeschichte
- Niederdeutsche Grundlagen der Berliner Sprachgeschichte
- Französischer Einfluss durch Hofkultur und Emigration
- Jiddische Sprachelemente im Berliner Jargon
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Französisch die Sprache des Hofes
Bedingt durch die politische und wirtschaftliche Vormachtsstellung Frankreichs im 17. Jahrhundert war Französisch die Sprache der Adligen sowie der Gebildeten am deutschen Hof und dies sollte noch 200 Jahre weiter bestehen. Sogar Friedrich der Große sagte: „ Je ne suis pas fort en allemand“. 28
So wurden Paläste zu Palais und aus Berliner Gasthöfen wurden Hôtels.
Da lediglich den Adligen eine akademische Ausbildung zugedacht wurde, war Französisch dementsprechend auch die Sprache der Gebildeteten, was sich unter anderem auch an der Namensänderung unter Friedrich von der „Königlichen Societät der Wissenschaften“ in „Académie Royale des Scienes et Belles Lettres“ zeigt. Ihre Mitarbeiter und veröffentlichen Arbeiten bedienten sich ausschließlich der französischen Sprache. 29
Auch Bezeichnungen wie Chaussee, Domäne, Perücke oder Etikette stammen aus jener Zeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das methodische Vorgehen zur Untersuchung der historischen Spracheinflüsse auf Berlin unter Einbezug des historischen Kontexts der Migration.
2. Stadtsprache Berlins: Dieses Kapitel definiert das Berlinische als heterogene Umgangssprache und benennt zentrale Charakteristika in Phonologie und Grammatik.
3. Einflüsse: Dieser Abschnitt analysiert die sukzessiven Auswirkungen von slawischen, niederdeutschen, französischen und jiddischen Elementen auf das Berliner Sprachgefüge.
4. Zusammenfassung: Das Fazit resümiert, dass die heutige Berliner Stadtsprache ein Resultat aus der Verschmelzung dieser vielfältigen, historisch gewachsenen Einflüsse ist.
Schlüsselwörter
Berliner Stadtsprache, Berlinisch, Sprachwandel, Migration, Niederdeutsch, Slawisch, Französisch, Jiddisch, Sprachgeschichte, Phonologie, Grammatik, Soziolekt, Lehnwörter, Sprachkontakt, Urbanität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung der Berliner Stadtsprache und untersucht, wie verschiedene Sprachvarietäten von Zuwanderergruppen diese über die Jahrhunderte beeinflusst haben.
Welche Sprachgruppen stehen thematisch im Fokus?
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf slawische, niederdeutsche, französische und jiddische Einflüsse auf die Berliner Sprache.
Was ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Formen und Ausprägungen des Berlinischen (Lautung, Wortschatz, Grammatik) auf ihre historischen Ursprünge durch Migration zurückzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt eine chronologische, historisch-linguistische Analyse, die durch die Auswertung von Namensmaterial, historischen Dokumenten und linguistischer Fachliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die phonologischen und grammatikalischen Merkmale des Berlinischen definiert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der fremdsprachlichen Einflüsse in chronologischer Reihenfolge.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Migration, Sprachkontakt, Stadtsprache, historischer Sprachwandel sowie die spezifischen Lehnworteinflüsse aus dem Französischen und Jiddischen.
Welche Rolle spielten die Hugenotten für die Berliner Stadtsprache?
Die Hugenotten brachten durch ihre privilegierte Stellung und ihre wirtschaftliche Integration französische Begriffe in die Sprache ein, die insbesondere Bereiche wie Mode, Küche und Luxus prägten.
Wie erklärt die Arbeit das Phänomen der Jiddismen im Berliner Jargon?
Die Jiddismen werden als Resultat eines langjährigen, intensiven Sprachkontakts zwischen jüdischen Zuwanderern und der einheimischen Bevölkerung im Berufs- und Alltagsleben beschrieben.
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- Anonym (Author), 2014, Sprachliche Varietäten der Stadt Berlin und deren Einflüsse auf die Stadtsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275387