Kriegerische Handlungen umgeben uns überall auf der Welt, doch kommt nach Krieg immer Frieden?
Frieden und Sicherheit in der Westsahara sind für das Volk der Saharauis seit mehr als dreißig Jahren Wunschvorstellungen. Die Rede ist von der letzten Kolonie Afrikas. Das Gebiet der Westsahara befindet sich im Nordwesten des afrikanischen Kontinents und umfasst eine Fläche von ca. 266.000km² mit nur einer natürlichen Grenze: die 1063km lange Atlantikküste im Westen.
Die saharauische Heimat ist ein Gebiet voller Interessengegensätze: erst hatte die Bevölkerung mit der spanischen Kolonialmacht zu kämpfen, dann musste sie sich gegen die Annexionsabsichten mehrerer Nachbarländer wie Marokko und Mauretanien wehren. Vor dem 1991 ausgehandelten Waffenstillstand kam es zu militärischen Auseinandersetzungen, die dazu führten, dass das Volk der Saharauis flüchten musste. Seit 1975 leben die meisten von ihnen in vier Flüchtlingslagern auf algerischem Staatsgebiet. Diese Lager tragen die Namen der wichtigsten Städte der Westsahara, die ihnen geraubt wurden und sind fast ausschließlich von internationaler Hilfe abhängig. Mit den neuen Generationen von Saharauis wird die Situation sowohl in den Flüchtlingslagern als auch im gesamten besetzten Gebiet immer instabiler, dies wirkt sich sowohl negativ auf den wirtschaftlichen als auch politischen und gesellschaftlichen Bereich aus. Sie wollen um ihre Unabhängigkeit kämpfen, zur Not auch mit Gewalt, doch würde dies wohl kaum die andauernden Rivalitäten lösen können.
Der dargestellte Konflikt ist äußerst komplex und kann als ein Dekolonisationskonflikt oder auch als Sezessionskonflikt bezeichnet werden. Er ist einer der international umstrittensten Selbstbestimmungsrechtsfälle eines Volkes überhaupt. Während es für uns als Europäer quasi selbstverständlich ist, sein eigenes Land Heimat nennen zu dürfen und das Recht zu haben nach eigenen Vorstellungen zu leben, kämpfen tausende von Saharauis tagtäglich um ihr Überleben. Der scheinbar stagnierende Zustand, der seit der Annektierung durch Marokko vorherrscht, kann weder als Krieg noch als Frieden bezeichnet werden. Doch während alle Streitpartner verbittert um ihre politische und wirtschaftliche Teilhabe am Land der Saharauis kämpfen, ist die Zivilbevölkerung sowohl in den besetzten Gebieten als auch in der algerischen Wüste um Unabhängigkeit und Frieden bemüht. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzer historischer Abriss des Konfliktes seit der spanischen Besetzung
3. Die Westsahara ein unlösbarer Konflikt?
3.1 Diskurs: Intractable Conflict
3.2 Spoiler in Intractable Conflicts
3.2.1 Algerien
3.2.2 Frankreich und die EU
3.2.3 USA
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist die Analyse der Ursachen für die scheinbare Unlösbarkeit des Westsaharakonflikts. Dabei wird untersucht, inwiefern der Konflikt als "Intractable Conflict" (unlösbarer Konflikt) klassifiziert werden kann und welche Faktoren – insbesondere die Rolle von Drittparteien als "Spoiler" – zu dieser festgefahrenen Situation beitragen, welche sowohl die regionale Stabilität als auch den Weltfrieden gefährden könnte.
- Analyse der Historie des Westsaharakonflikts seit der spanischen Kolonialherrschaft.
- Theoretische Einordnung des Konflikts mittels des Konzepts "Intractable Conflicts".
- Untersuchung der Rollen und Interessen internationaler Akteure wie Algerien, Frankreich, der EU und der USA.
- Evaluation des Einflusses von "Spoilern" auf den Friedensprozess und die MINURSO-Mission.
- Überprüfung der Hypothesen zu Referendumsforderungen, Konfliktdauer und dem Einfluss von Störenfrieden.
Auszug aus dem Buch
3.1 Diskurs: Intractable Conflict
„[…] intractable conflicts are conflicts that have persisted over time and refused to yield to efforts- through either direct negotiations by the parties or mediation with third-party assistance- to arrive at a political settlement.[…] Some intractable conflicts remain unsolved despite repeated attempts.”
Nach dieser Definition kann man sagen, dass es sich im Fall der Westsahara um einen unlösbaren Konflikt handelt. Seit dem unterzeichneten Waffenstillstand von 1991 sind über zwanzig Jahre vergangen. Weder wurde dieser immer eingehalten, noch hat es ein Referendum gegeben, welches von der UN gefordert wurde und darüber entscheiden sollte, ob die Bevölkerung der Westsahara die Unabhängigkeit möchte oder zu Marokko eingegliedert werden will. Großer Widerstand ging zum Beginn der Friedensmission besonders von den marokkanischen Behörden und der marokkanischen Armee aus, die immer wieder versuchten die MINURSO zu behindern. Teilweise ging dies so weit, dass Ausrüstungen für die Mission in Marokko wochenlang festgehalten wurde und es der Bevölkerung verboten war, mit Mitarbeitern der MINURSO zu kommunizieren. Das MINURSO Hauptquartier wurde von Polizisten zeitweise umstellt und auch einige UN-Mitarbeiter wurden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Westsaharakonflikt als komplexe, langjährige Auseinandersetzung dar und definiert das Ziel der Arbeit, die Ursachen für die scheinbare Unlösbarkeit unter Anwendung des theoretischen Konzepts "Intractable Conflict" zu ergründen.
2. Kurzer historischer Abriss des Konfliktes seit der spanischen Besetzung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese des Konflikts nach, beginnend mit der spanischen Kolonialzeit über die Annexionsbestrebungen der Nachbarstaaten bis hin zur Formierung der Frente Polisario und dem Beginn der militärischen Auseinandersetzungen.
3. Die Westsahara ein unlösbarer Konflikt?: Hier wird der Westsaharakonflikt auf Basis des theoretischen Konzepts des "Intractable Conflict" analysiert, wobei die chronische Dauer, das Scheitern von Friedensbemühungen und die destruktiven Interaktionen der Konfliktparteien beleuchtet werden.
3.1 Diskurs: Intractable Conflict: Dieser Abschnitt definiert den Begriff "Intractable Conflict" und wendet dessen Charakteristika – wie die Unvereinbarkeit der Ziele und die psychologische Verfestigung – konkret auf die Situation in der Westsahara an.
3.2 Spoiler in Intractable Conflicts: Hier wird die Rolle von Drittparteien eingeführt, die als sogenannte "Spoiler" den Friedensprozess durch ihre eigenen Interessen unterlaufen, verhindern oder aktiv sabotieren.
3.2.1 Algerien: Das Kapitel beleuchtet die Rolle Algeriens, das als Verbündeter der Polisario agiert und dabei eigene ökonomische und strategische Interessen verfolgt, was es zu einem "gierigen Spoiler" macht.
3.2.2 Frankreich und die EU: Dieser Abschnitt untersucht die parteiische Haltung Frankreichs und der EU gegenüber Marokko, welche primär durch wirtschaftliche Interessen und geopolitische Sicherheitsaspekte motiviert ist.
3.2.3 USA: Das Kapitel analysiert das Verhalten der USA, die trotz offizieller Neutralität Marokko militärisch unterstützen und durch ihre einseitige Präferenz für Autonomielösungen den Friedensprozess verlangsamen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Einstufung als "Intractable Conflict" und betont, dass ohne einen gravierenden politischen Schock oder eine Änderung des internationalen Willens keine friedliche Lösung in absehbarer Zeit zu erwarten ist.
Schlüsselwörter
Westsahara, Intractable Conflict, Konfliktforschung, Frente Polisario, Marokko, MINURSO, Spoiler, Friedensprozess, Selbstbestimmungsrecht, Dekolonisierung, Nullsummenkonflikt, Geopolitik, Sicherheitsrat, Flüchtlingslager, internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den seit Jahrzehnten anhaltenden Konflikt um die Westsahara und untersucht, warum bisherige Schlichtungsversuche der Vereinten Nationen gescheitert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Erfassung von "unlösbaren Konflikten" (Intractable Conflicts), die Rolle von Drittparteien und die strategischen Interessen der beteiligten Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für die Unlösbarkeit des Konflikts wissenschaftlich zu identifizieren und zu belegen, warum der Westsaharakonflikt als "Intractable Conflict" bezeichnet werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine theoretische Analyse auf Basis aktueller politikwissenschaftlicher Literatur zu "Intractable Conflicts" und "Spoiler"-Problematiken, angewandt auf den Westsaharakonflikt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine theoretische Einordnung, die Untersuchung von Drittparteien (Spoiler-Theorie) und eine Bewertung der Friedensmissionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Westsahara, Intractable Conflict, Spoiler-Problematik, Selbstbestimmungsrecht und internationale Friedenssicherung.
Warum wird Algerien in der Arbeit als "Spoiler" bezeichnet?
Algerien wird aufgrund seiner militärischen und politischen Unterstützung der Frente Polisario sowie seiner eigenen geostrategischen Interessen im Maghreb als "gieriger Spoiler" eingeordnet, der den Friedensprozess maßgeblich mit beeinflusst.
Welche Rolle spielen Frankreich und die USA bei der Blockade einer Lösung?
Frankreich und die USA unterstützen Marokko aufgrund wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Interessen. Durch ihre Veto-Macht oder einseitige Positionierung im Sicherheitsrat behindern sie eine Ausweitung des MINURSO-Mandats auf die Wahrung der Menschenrechte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor/die Autorin hinsichtlich der Rolle der Vereinten Nationen?
Das Fazit zeigt auf, dass die Vereinten Nationen durch das Scheitern ihrer Friedensmissionen und die mangelnde Durchsetzungskraft an Glaubwürdigkeit verloren haben und bisher keine Transformation der Grundstruktur des Konflikts erreichen konnten.
- Arbeit zitieren
- Friederike Selle (Autor:in), 2013, Die andauernden Rivalitäten um die Westsahara. Ein (un)lösbarer Konflikt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275353