In den letzten Jahrzehnten hat in der (deutschen) Gesellschaft ein beachtender/bedeutender Wandel der Lebensformen stattgefunden. Familien- und Rollenbilder haben sich geändert, Frauen haben sich emanzipiert. Die Eheschließungszahlen sowie Ehescheidungszahlen seit 1960 bis heute zeigen deutliche Veränderungen hinsichtlich der Heiratsneigungen. Eine sehr wichtige Rolle spielt bei diesen strukturellen Veränderungen der Gesellschaft die Individualisierung. Ist diese also auch als ein Auslöser des rasanten Wandels an Lebensentwürfen und Lebensformen der letzten Jahrzehnte? Und bedeutet dies auch, dass gewisse Werte und Normen an Bedeutung verloren und sich somit traditionelle Muster und Strukturen sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen und individuellen Sicherheiten aufgelöst haben? Haben sich dementsprechend auch die Beweggründe zur Entscheidung für die Ehe durch die Individualisierung in der Bundesrepublik Deutschland verändert?
In den folgenden Kapiteln wird exakt dieser Fragestellung nachgegangen. Dazu gilt es, zunächst erst einmal zu definieren, was im Allgemeinen unter dem Ehebegriff und dem der Individualisierung zu verstehen ist. Anschließend daran wird spezifischer auf das Thema der Individualisierung im Bezug zur Ehe eingegangen. So wird zunächst herausgestellt, was unter der Individualisierungsthese des Soziologen Ulrich Beck zu verstehen ist, um dann die aus der Individualisierung resultierenden Folgen für die Ehe genauer zu erläutern. Daran anknüpfend, gibt es einen kurzen Einblick in die historische Entwicklung der Ehe sowie Erläuterungen ausgewählter Statistiken unter Anderem zu Eheschließungs- und Ehescheidungszahlen im Zeitraum von 1960 bis 2010. Zudem werden auch die Gründe genauer beleuchtet, warum man heutzutage überhaupt noch eine Ehe eingeht, welche es im Vergleich dazu in früheren Zeiten gegeben hat, um dann anschließend ein Resümee, auf Basis der bis hierher gewonnenen Hintergrundinformationen, darüber bilden zu können, ob ein Wandel der Motivation zu heiraten durch die Individualisierung in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen
1.1 Definition des Ehebegriffs
1.2 Definition von Individualisierung
2. Individualisierung und Ehe
2.1 Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
2.2 Folgen der Individualisierung für die Ehe
3. Die Ehe als Institution
3.1 Temporärer Wandel der Institution Ehe
3.2 Beweggründe für oder gegen die Ehe (früher-heute Vergleich)
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Ehe und der damit verbundenen Motive in der Bundesrepublik Deutschland unter dem Einfluss gesellschaftlicher Individualisierungsprozesse. Dabei wird analysiert, inwieweit veränderte Lebensentwürfe und die Zunahme individueller Entscheidungsspielräume die Stabilität und Bedeutung der Ehe als Institution beeinflusst haben.
- Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
- Historische Entwicklung der Ehe und Scheidungsraten
- Veränderung von Heiratsmotiven (Früher-Heute-Vergleich)
- Strukturwandel von Familien- und Rollenbildern
- Sozioökonomische Faktoren der Eheschließung
Auszug aus dem Buch
2.1 Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
Die Erklärungen für den Wandel der Lebensformen und damit auch dem, einer ehelichen Partnerschaft, sind von einer Vielzahl an Theorien und Thesen geprägt. Ein Vertreter der Individualisierungsthese ist der Soziologe Ulrich Beck, „dessen Publikation „Risikogesellschaft“ (1986) seit Mitte der 1980er Jahre für eine weite Rezeption der Individualisierungsthese in der Soziologie geführt hat.“ In dieser nennt er drei Dimensionen der Individualisierung: Die Freisetzungs-, Entzauberungs- und Kontrolldimension.
Die Freisetzungsdimension: Unter der Freisetzungsdimension versteht man die Tatsache, dass dem Menschen dank der Individualisierung wesentlich mehr Handlungsspielräume zur Verfügung stehen und er zwischen verschiedenen Optionen wählen kann. Daher sind im Gesamten auch die Wahlmöglichkeiten jedes Individuums gestiegen, was diesem in seiner Entscheidungsfindung ein größeres Freiheitsmoment als bisher ermöglicht. Diese neu gewonnene Freiheit spiegelt sich einerseits darin wider, dass sich die Anzahl der Abhängigkeiten für jeden Einzelnen verringert, dementsprechend die individuelle Unabhängigkeit gesellschaftlicher Normen zugenommen hat und sich dies ebenfalls in den nicht mehr so stark ausgeprägten Zwängen des Einhaltens von Vorgaben der Gesellschaft abzeichnen lässt.
Die Entzauberungsdimension: Die gewonnene Freiheit und Abnahme von Verbindlichkeiten bringt jedoch nicht nur positive Konsequenzen mit sich. Mehr Freiheit bedeutet im Gegenzug auch immer zugleich einen Verlust an Sicherheiten sowie einer Veränderung sozialer Normen. Das Individuum ist seit der Individualisierung in der Organisation seiner selbst in hohem Maße auf sich alleine gestellt. Es muss, unter unverbindlichen Lebensmuster und -konstruktionen lebend, Entscheidungen unter Unsicherheiten treffen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel der Lebensformen und führt in die Fragestellung ein, wie sich die Individualisierung auf die Beweggründe zur Eheschließung ausgewirkt hat.
1. Definitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe definiert, wobei sowohl die juristische und allgemeine Definition der Ehe als auch das soziologische Konzept der Individualisierung erläutert werden.
2. Individualisierung und Ehe: Hier wird die Individualisierungsthese von Ulrich Beck detailliert dargestellt und die daraus resultierenden Folgen für eheliche Partnerschaften analysiert.
3. Die Ehe als Institution: Dieses Kapitel betrachtet statistische Trends zu Eheschließungen und Scheidungen sowie einen Vergleich historischer und heutiger Beweggründe für die Ehe.
4. Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass sich zwar die Rahmenbedingungen geändert haben, die Liebe als primäres Motiv für eine Ehe jedoch fortbesteht.
Schlüsselwörter
Individualisierung, Ehe, Ulrich Beck, Risikogesellschaft, Scheidungsrecht, Freisetzungsdimension, Lebensformen, Heiratsneigung, Sozialer Wandel, Familienbilder, Selbstbestimmung, Rollenbilder, Eheschließung, Normalbiographie, Partnerschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Ehe und der Heiratsmotive in Deutschland unter dem Einfluss der fortschreitenden gesellschaftlichen Individualisierung seit den 1960er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die soziologische Individualisierungsthese nach Ulrich Beck, die statistische Entwicklung der Eheschließungs- und Scheidungszahlen sowie die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen an die Ehe.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, zu klären, ob sich die Beweggründe für eine Eheschließung im Zuge der Individualisierung tatsächlich grundlegend gewandelt haben oder ob die Ehe trotz neuer Lebensformen ihren Stellenwert behalten hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse soziologischer Konzepte sowie eine deskriptive Auswertung statistischer Daten zur Entwicklung des Heiratsverhaltens in Deutschland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen zu Ehe und Individualisierung gelegt, gefolgt von einer statistischen Analyse der Stabilität der Institution Ehe und einem Vergleich von historischen und modernen Motivlagen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die zentralen Begriffe sind Individualisierung, gesellschaftlicher Wandel, Ehe, Selbstbestimmung und Freisetzungsdimension.
Welche Rolle spielt das Scheidungsrecht in der Argumentation der Arbeit?
Das Scheidungsrecht wird als ein wesentlicher Faktor angeführt, der durch Liberalisierung und die Einführung des Zerrüttungsprinzips die Stabilität der Ehe beeinflusst und Scheidungen entstigmatisiert hat.
Wie hat sich das Heiratsalter der Frauen verändert?
Die Analyse der Daten zeigt, dass das durchschnittliche Heiratsalter lediger Frauen in Deutschland seit 1991 kontinuierlich gestiegen ist, was primär auf eine längere Ausbildungszeit und höhere berufliche Qualifikationsanforderungen zurückzuführen ist.
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- Angelina Dieser (Author), 2014, Die Ehe in Zeiten der Individualisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/274771