Was ist Buddhismus? Ist es eine Wissenschaft? Ist es eine Religion? Eine Philosophie oder
ein Praktisches Meditationssystem? Die Frage nach dem Buddhismus ist nicht einfach zu
beantwortet denn im Kern ist der Buddhismus all dies und noch viel mehr:
„Der Buddhismus beansprucht, ein umfassendes praktisches System für den
Reifungsprozess des Menschen anzubieten. Er […] will mittels innerer Erfahrung und
rationaler Argumente das Leben des einzelnen wie die gesamte Gesellschaft, das
Bewusstseinstraining und die Politik positiv beeinflussen“
Der Buddhismus ist zunächst eine Glaubensgemeinschaft, die weltweit über 230 bis 500 Mio.
Anhänger zählt und somit nach Christentum, Islam und Hinduismus die viertgrößte Religion
der Welt ist. Der Buddhismus ist überwiegend in Süd-, Südost- und Ostasien verbreitet, ein
Viertel von ihnen lebt in China, genauer in der Region Tibet, die ursprünglich ein eigenes
Land darstellte und heute zu China gehört.
Wir werden uns im Folgenden mit dem Buddhismus, seiner Geschichte und seiner Lehre
befassen und dabei zunächst einleitend die Bedeutung der Schriften, anschließend die
Geschichte des Buddha, den Buddha als geistiges Prinzip sowie den Buddha zwischen
Menschlichem Wesen und dem geistigen Prinzip betrachten und schließlich in die Lehre
einsteigen. Aus der Lehre beschäftigen wir uns mit dem Fundament der buddhistischen
Tradition, nämlich den Vier Edlen Wahrheiten und dem Edlen Achtfachen Pfad der
Erkenntnis. Von dieser Grundlage aus gelangen wir zum Nirvana und stellen die Bedeutung
für den Buddhismus heraus. Vor der Schlussbetrachtung erfolgt ein vergleichender Exkurs
des Nirvana mit Jesu Verkündigung des Reiches Gottes.
Bevor wir uns konkret mit der Bedeutung des Nirvana im Buddhismus befassen, bedarf es
einer genauen Definition einiger elementarer Begriffe sowie einem einheitlichen Verständnis
vom Buddhismus, seiner Lehre und seiner Geschichte.
Der Buddhismus umfasst eine Vielzahl von unterschiedlichen Schulen, welche sich in ihrer
Art und Weise zu lehren teilweise stark unterscheiden. Wie sich das Christentum unter
anderem in den Protestantismus, den Katholizismus oder orthodoxe Strömungen untergliedert
und der Islam unter anderem sowohl Schiitische, Sunitische oder auch Charidschitische
Strömungen umfasst, so hat auch der Buddhismus unterschiedliche Strömungen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Buddha und die Entstehung der buddhistischen Lehrtradition
2.1. Buddha als menschliches Wesen
2.2. Buddha als geistiges Prinzip
2.3. Buddha zwischen Menschlichen Wesen und dem geistigen Prinzip
3. Die Vier edlen Wahrheiten und der edle achtfache Pfad
4. Das Nirwana
5. Das buddhistische Nirvana und Jesu Verkündigung des Reiches Gottes
6. Schlussbetrachtung
7. Literatur / Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Nirvana im buddhistischen Glauben, indem sie diese in den Kontext der buddhistischen Lehre einbettet und eine vergleichende Perspektive zur christlichen Heilslehre einnimmt.
- Analyse des Buddha als menschliche Figur, geistiges Prinzip und deren Verbindung.
- Darstellung des Fundaments der buddhistischen Lehre durch die Vier Edlen Wahrheiten und den Edlen Achtfachen Pfad.
- Definition und Einordnung des Nirvana als Zielzustand der buddhistischen Praxis.
- Vergleichende Betrachtung des Nirvana und des christlichen Reiches Gottes.
- Diskussion des wachsenden Interesses am Buddhismus in der westlichen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
4. Das Nirwana
Nun wollen wir uns der Bedeutung des Nirwana im Buddhismus langsam annähern. Wir haben die Grundlagen für das Verständnis geschaffen. Wir haben uns mit Buddha, seinem Leben, ihm als geistigem Prinzip sowie mit den Vier Edlen Wahrheiten und dem Edlen Achtfachen Pfad, also dem Fundament der buddhistischen Lehrtradition befasst. So knüpfen wir nun an Abschnitt 3. an und befassen uns mit dem, was den Vier Edlen Weisheiten und dem Edlen Achtfachen Pfad folgt: Dem Nirwana.
„[Das] Nirwana ist ein Zustand der Freiheit von Begehren, Hass und Verblendung. Er kann nur in völliger Absichtslosigkeit erreicht werden. Auch das Begehren des Nirwana ist noch Gier und verhindert die Freiheit.“
Was also ist das Nirwana? Der Begriff bedeutet in Pali so viel wie „ausgelöscht“ und ist der Zustand derer, die in ihrem Leben Erleuchtung erlangt haben und darin nach dem Tod anstelle einer weiteren irdischen Existenz verbleiben, also nicht wieder geboren werden. Frei von Begehren, Hass und Verblendung ließe sich das Nirwana also als „Inbegriff höchster Wünschbarkeit, als eine Art ‚Seligkeit‘ in einer ‚unsterblichen Sphäre‘, wo alles […] sein definitives Ende gefunden hätte“ beschreiben. Doch wie lässt sich das Nirwana für den Laien greifbarer machen? Werfen wir dafür einen Blick auf die Worte Buddhas. Der deutsche evangelische Theologe Gustav Mensching hält zunächst fest, dass die Beschreibung des Nirwanas in Buddhas Worten der negativen Theologie folgt, deren Ausdrucksform durch die „Negation der endlichen Vielheit“ die einzige Möglichkeit ist, mit menschlicher Sprache ist das Unendlich-Übervergängliche zu beschreiben. So umschreibt Buddha das Nirwana:
„Es ist, ihr Mönche, jenes Reich, wo nicht Erde noch Wasser ist, nicht Feuer noch Luft, nicht unendliches Raumgebiet, noch unendliches Bewusstseinsgebiet, nicht das Gebiet der Nirgend-Etwasheit, noch das Gebiet der Wahrnehmung und auch nicht Nicht-Wahrnehmung, nicht diese Welt noch eine andere Welt, nicht beide, Sonne und Mond. Das, ihr Mönche, nenne ich weder Kommen noch Gehen, noch Stehen, noch Vergehen, noch Entstehen. Ohne Stützpunkt, ohne Anfang, ohne Grundlage ist das; ebendies ist das Ende des Leidens.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Definition des Buddhismus als Glaubensgemeinschaft und Einführung in die thematischen Schwerpunkte sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Der Buddha und die Entstehung der buddhistischen Lehrtradition: Betrachtung des Buddha unter drei Aspekten: als historische Person, als geistiges Prinzip und als Synthese aus beidem.
3. Die Vier edlen Wahrheiten und der edle achtfache Pfad: Erläuterung des inhaltlichen Fundaments der buddhistischen Lehre zur Überwindung des Leidens.
4. Das Nirwana: Untersuchung der Bedeutung des Nirvana als Zielzustand und dessen Interpretation in der buddhistischen Lehre.
5. Das buddhistische Nirvana und Jesu Verkündigung des Reiches Gottes: Vergleichender Exkurs zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden des Heilsbegriffs in Buddhismus und Christentum.
6. Schlussbetrachtung: Reflexion über den Zulauf zum Buddhismus im Westen und Einordnung des Praxisbezugs im Alltag.
7. Literatur / Quellen: Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur und Quellenangaben.
Schlüsselwörter
Buddhismus, Nirvana, Buddha, Vier Edle Wahrheiten, Edler Achtfacher Pfad, Samsara, Reich Gottes, Heil, Erleuchtung, Lehre, Religionsvergleich, Eigenverantwortung, Askese, Mittlerer Weg, Dharma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Bedeutung des Nirvana im buddhistischen Glauben und bettet dieses Ziel in den Gesamtzusammenhang der buddhistischen Lehrtradition ein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Person des Buddha, das Fundament der Lehre (Vier Edle Wahrheiten, Achtfacher Pfad) und der Begriff des Nirvana.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Klärung der Rolle des Nirvana im Buddhismus sowie der Vergleich mit dem christlichen Heilsbegriff des Reiches Gottes.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse sowie eine vergleichende religionswissenschaftliche Perspektive, um zentrale Konzepte des Buddhismus und Christentums gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen und philosophischen Grundlagen des Buddhismus erarbeitet, der Begriff Nirvana definiert und eine vergleichende Analyse zur christlichen Lehre durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Nirvana, Buddhismus, Vier Edle Wahrheiten, Erleuchtung, Heil und Religionsvergleich.
Wie lässt sich der Buddha aus Sicht der buddhistischen Lehre betrachten?
Der Buddha kann als historisches menschliches Wesen, als zeitloses geistiges Prinzip oder als eine Verbindung aus beidem betrachtet werden.
Warum ist das Nirvana für den modernen westlichen Buddhisten oft nicht das primäre Ziel?
Viele westliche Buddhisten suchen primär nach praktischen Wegen zu innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit im Hier und Jetzt, statt das Nirvana als absoluten Endzustand anzustreben.
Inwiefern unterscheiden sich das Nirvana und das Reich Gottes?
Während das Nirvana als ontologisches Symbol für ein „Ausgelöschtsein“ steht, wird das Reich Gottes oft als soziales und personalistisches Symbol für eine von Gott beherrschte Welt verstanden.
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- Anonym (Author), 2013, Die Bedeutung des Nirvana im buddhistischen Glauben, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273564