In den letzten Jahren hat sich ein neuer interdisziplinärer Forschungszweig entwickelt, der sowohl die Natur- als auch die Geisteswissenschaften umfasst. Die Human Animal Studies beschäftigen sich mit den Verhältnis zwischen Mensch und Tier. In der Soziologie wurden lange Zeit Tierstudien vernachlässigt, was an der anthropozentrischen Ausrichtung dieser Wissenschaft zu tun hat. In den letzten Jahren hat sich die Zahl an soziologischen Studien und Arbeiten zum Thema Mensch-Tier-Beziehungen allerdings stark vergrößert. Die Soziologin und Tierrechtlerin Birgit Mütherich hat mit ihrem Werk „Die Problematik der Mensch-Tier-Beziehung in der Soziologie“ soziologische Pionierarbeit geleistet zum Bereich der Tier-Studien. In dieser Arbeit soll zunächst die Mensch-Tier-Beziehung in einem historischen Lichte betrachtet werden. Anschließend sollen kurz theologische und philosophische Überlegungen zum ethischen Umgang mit Tieren dargestellt werden, um dann zu soziologischen und insbesondere körpersoziologischen Überlegungen überzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Mensch-Tier-Beziehung im historischen Kontext
2.1 Geschichtliche Entwicklung
2.1.1 Beginn der Menschheit
2.1.2 Beginn der Landwirtschaft
2.1.3 Zeitalter der Antike
2.1.4 Franz von Assisi und Thomas von Aquin - 13. Jahrhundert
2.1.5 Zeitalter der Renaissance
2.1.6 Aufklärung - 17. Und 18. Jahrhundert
2.1.7 Zeitalter der Industrialisierung
2.2 Die Mensch-Tier-Beziehung in der weiteren philosophischen Überlieferung
3. Die Mensch-Tier-Beziehung in der Soziologie
3.1 Birgit Mütherich: Tier-Begriff und Mensch-Tier-Dualismus
3.2 Max Weber und sein Zugang zum Tier
3.3 Körpersoziologie und ihr Zugang zum Tier
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Tier aus einer soziologischen Perspektive, wobei insbesondere die körpersoziologische Sichtweise beleuchtet wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die historische Entwicklung, die philosophische Einordnung sowie die gegenwärtige soziologische Vernachlässigung dieser Beziehungen, um aufzuzeigen, wie eine Erweiterung des soziologischen Spektrums auf die Mensch-Tier-Beziehung möglich ist.
- Historische Transformation des Mensch-Tier-Verhältnisses von der Jäger-Sammler-Gesellschaft bis zur Industrialisierung.
- Philosophische Begründungen und ethische Positionen im Umgang mit Tieren.
- Analyse des soziologischen Dualismus und der Bedeutung des Tierbegriffs.
- Rolle der Körpersoziologie bei der Überwindung anthropozentrischer Forschungsbarrieren.
- Diskussion über "Speziesismus" und die sprachliche Konstruktion des Tieres als "Anderes".
Auszug aus dem Buch
3.1 Birgit Mütherich: Tier‐Begriff und Mensch‐Tier‐Dualismus
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der Dualismus der Wertigkeit zwischen Mensch und Tier in der Tiefenstruktur unserer Kultur verankert ist (vgl. Mütherich S. 8). Der westlichen Welt ist ein Dualismus zwischen Mensch und Tier inhärent.
Bevor auf die religiöse, philosophische und historische Überlieferung der Mensch-Tier Beziehung eingegangen wird soll der Tier-Begriff und der Dualismus zwischen beiden erläutert werden. Die in der westlichen Tradition tief verwurzelte Ideologie der Trennung zwischen Menschen und anderen Tieren, welche von der Soziologin Mütherich und anderen „Speziesismus“ genannt wird (vgl. Mütherich, Speziesimus, soziale Hierarchien und Gewalt, S. 8), beginnt nicht erst im ausbeuterischen Umgang mit Tieren, sondern gehört zur verinnerlichten Tiefenstruktur unserer Zivilisation (vgl. ebd.) und wurde aufgrund ihrer Unbewusstheit bislang kaum hinterfragt. Zentral für diese Systematisierung ist der Tierbegriff. Biologisch sind Tiere klar definiert: Es handelt sich um eine Gruppe von Millionen Spezies, die sich durch gemeinsame Merkmale wie etwa Sinnesorgane und Erbkoordinationen auszeichnet (vgl. Mütherich, S. 9). Menschen gehören zur Gruppe der Säugetiere. In den Vorstellungsfeldern und Sprachsystemen der Menschen jedoch hat sich die Dichotomisierung zwischen „dem Menschen“ und „dem Tier“ durchgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den interdisziplinären Forschungszweig der Human Animal Studies und die bisherige soziologische Vernachlässigung des Themas aufgrund anthropozentrischer Ausrichtung.
2. Die Mensch-Tier-Beziehung im historischen Kontext: Detaillierte Darstellung des geschichtlichen Wandels der Mensch-Tier-Beziehung sowie philosophischer Ethikansätze von der Antike bis zur Industrialisierung.
3. Die Mensch-Tier-Beziehung in der Soziologie: Theoretische Untersuchung des Speziesismus, des Mensch-Tier-Dualismus und der spezifischen Beiträge von Max Weber sowie der Körpersoziologie zur Thematik.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Arbeit mit dem Plädoyer für eine soziologische Erweiterung des Forschungsfeldes zur ganzheitlichen Erfassung menschlicher Gesellschaften.
Schlüsselwörter
Mensch-Tier-Beziehung, Soziologie, Körpersoziologie, Human Animal Studies, Speziesismus, Dualismus, Ethik, Industrialisierung, Tierethik, anthropozentrisch, Kultursoziologie, Tierbegriff, Sozialwissenschaft, Identität, Natur-Kultur-Verhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen und soziologischen Wandel der Beziehung zwischen Mensch und Tier, wobei der Fokus auf der westlichen Tradition und der systemischen Abwertung von Tieren liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Domestikation, die philosophische Ethik des Tierumgangs, den soziologischen Begriff des Speziesismus und die Rolle der Körpersoziologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die bisherige Blindstelle der Soziologie in Bezug auf Tiere aufzudecken und den Wert einer körpersoziologischen Perspektive für dieses Themenfeld aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Aufarbeitung geisteswissenschaftlicher sowie soziologischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Mensch-Tier-Beziehung, eine philosophische Einordnung sowie eine soziologische Reflexion über den Dualismus und die Bedeutung des Körpers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen insbesondere Mensch-Tier-Beziehung, Speziesismus, Körpersoziologie und der anthropozentrische Dualismus.
Inwiefern beeinflusste Max Weber die soziologische Sicht auf das Tier?
Weber wird als Repräsentant einer Rationalisierung aufgezeigt, die zur Trennung von Mensch und Natur beitrug und das Tier aus dem Fokus der klassischen Soziologie verdrängte.
Welche Bedeutung kommt der Körpersoziologie zu?
Sie gilt als prädestiniert, die cartesianische Trennung von Geist und Körper zu überwinden, was eine neue, progressivere Sicht auf die Grenze zwischen Mensch und Tier ermöglicht.
Was bedeutet der Begriff "Karnismus" im Kontext der Arbeit?
Karnismus beschreibt das ethische Spezialkonstrukt, das den psychologischen Widerspruch erklärt, warum viele Menschen Tiere wertschätzen und gleichzeitig deren Konsum legitimieren.
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- Bachelor of Arts Jens Mayer (Author), 2014, Die Mensch-Tier-Beziehung in der Soziologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273158