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Der Beitrag des Ethikunterrichts zu einer autonomen Lebensführung

Title: Der Beitrag des Ethikunterrichts zu einer autonomen Lebensführung

Bachelor Thesis , 2012 , 41 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Felix Mayer (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob es gerechtfertigt ist, im Ethik-Unterricht die Autonomie von Schüler_innen zu befördern. Der Ethik-Unterricht ist in besonderer Weise geeignet, um die liberale Spannung zwischen Autonomie und Pluralismus zu zeigen. Hier geht es ganz zentral um
Fragen des guten Lebens und des Zusammenlebens in der pluralistischen Gesellschaft. Die Spannung zwischen Pluralismus und Autonomie wird dann
explizit, wenn Schüler_innen aus Elternhäusern, in denen Autonomie einen geringen Stellenwert hat, auf einen Ethik-Unterricht treffen, der explizit Autonomie befördert. Es besteht die Gefahr, dass sie sich in einem solchen Unterricht ausgeschlossen fühlen. Im Namen des Pluralismus könnte man
ein inklusiveres Kurrikulum fordern, dass nicht explizit Autonomie befördert. Andererseits würde den Schüler_innen, die in ihren Elternhäusern nichts von Autonomie erfahren, damit Kenntnisse über den möglichen Beitrag von Autonomie zu einem guten Leben und zu Partizipationsmöglichkeiten an der Gesellschaft vorenthalten. Im Namen der Autonomie könnte man ein Kurrikulum fordern, dass allen Schüler_innen (insbesondere denen aus Autonomieaversen Elternhäusern) den möglichen Wert der Autonomie vermittelt. Ist ein Autonomie-befördernder Ethik-Unterricht ausschließend oder integrierend? Diese Frage möchte ich in dieser Arbeit diskutieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

1.2. Vorgehensweise

2. Begriffsklärung

2.1. Negative und positive Freiheit

2.2. Autonomie und Pluralismus

3. Autonomie und Pluralismus im Ethik-Unterricht

4. Die Paradoxie der liberalen Erziehung

4.1. Liberalismus

4.2. Bürgerlicher Republikanismus

4.3. Kommunitarismus

5. Die philosophischen Ressourcen

5.1. Autonomie-Beförderung und Pluralismus – Unvereinbar?

5.2. Autonomie befördern!

5.2.1. Autonomie und das gute Leben

5.2.2. Autonomie und staatliches Interesse

5.2.3. Autonomie, gutes Leben und staatliches Interesse

5.3. Pluralismus verteidigen!

5.4. Pluralismus und Autonomie als Grundlagen liberaler Erziehung

6. Liberale Erziehung im Spannungsfeld von Autonomie und Pluralismus

7. Autonomie-Beförderung im Ethik-Unterricht

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Frage, ob es im Ethik-Unterricht gerechtfertigt ist, die Autonomie von Schüler_innen zu befördern, ohne dabei in einen unauflösbaren Konflikt mit dem Pluralismus liberaler Gesellschaften zu geraten.

  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen Autonomie und Pluralismus
  • Untersuchung der "Paradoxie der liberalen Erziehung" nach Nomi Maya Stolzenberg
  • Vergleich philosophischer Strömungen (Liberalismus, Bürgerlicher Republikanismus, Kommunitarismus)
  • Diskussion der Vereinbarkeit von staatlicher Autonomie-Beförderung und gesellschaftlichem Pluralismus
  • Entwurf einer unterrichtspraktischen Konzeption für den Ethik-Unterricht

Auszug aus dem Buch

1.1. Problemstellung

In dem US-amerikanischen Gerichtsprozess Mozert vs. Hawkins County Board of Education, der Geschichte gemacht hat, zitierte der Richter Boggs dieses Gedicht. Es ging im Prozess um die Frage, ob der Staat das Recht hat, Kinder und Jugendliche in der Schule mit konkurrierenden Wert-Systemen zu konfrontieren. Die Kläger waren sieben fundamentalistisch-religiös eingestellte Familien. Sie wollten verhindern, dass ihre Kinder an der Schule an einem Lese-Programm teilnehmen müssen, welches gesellschaftliche Vielfalt an Auffassungen über das gute Leben aufzeigte. Sie begründeten ihre Forderung damit, dass es eine Einschränkung ihrer Religionsfreiheit wäre, wenn ihre Kinder in der Schule Werten ausgesetzt wären, die ihren eigenen entgegenstehen. Die Klage wurde abgewiesen (Stolzenberg 1993: 588).

Richter Boggs drückte seine „Traurigkeit“ über den Ausgang des Prozesses mit dem oben zitierten Gedicht aus, wenngleich er dem Ergebnis zustimmte. Seiner Meinung nach ist der Richterspruch der „circle that shut me (die Schüler_innen, F.M.) out“.“ Traurig machte ihn, dass die Schule nicht ein inklusiveres Kurrikulum auflegte, „a circle that drew him in“. Wie Nomi das „Stolzenberg, die sich mit dem Prozess eingehend beschäftigt hat, und die in dieser Arbeit noch eine wichtige Rolle spielen wird, bemerkt, kann das Gedicht aber auch genau entgegengesetzt gelesen werden. Das Lese-Programm, auf das alle Schüler_innen verpflichtet werden, kann auch als „circle that drew him in“, das Fernbleiben der Kinder vom entsprechenden Unterricht als „circle that shut me out“, nämlich von der Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft, interpretiert werden (ebd.: 584f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problemstellung und die methodische Vorgehensweise anhand der Paradoxie liberaler Erziehung.

2. Begriffsklärung: Definition zentraler Begriffe wie negative und positive Freiheit, Autonomie und Pluralismus im Kontext der philosophischen Debatte.

3. Autonomie und Pluralismus im Ethik-Unterricht: Untersuchung der Eignung des Ethik-Unterrichts zur Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Autonomie und Pluralismus.

4. Die Paradoxie der liberalen Erziehung: Diskussion der Ansätze von Liberalismus, Bürgerlichem Republikanismus und Kommunitarismus hinsichtlich ihrer Unfähigkeit, die Paradoxie der liberalen Erziehung aufzulösen.

5. Die philosophischen Ressourcen: Untersuchung verschiedener philosophischer Positionen zur Frage, wie eine Autonomie-Beförderung mit dem Pluralismus-Ideal vereinbar gemacht werden kann.

6. Liberale Erziehung im Spannungsfeld von Autonomie und Pluralismus: Rückbesuch auf die Ausgangsthese, wonach ein Konflikt zwischen den beiden Werten unvermeidbar scheint.

7. Autonomie-Beförderung im Ethik-Unterricht: Entwicklung eines praktischen Vorschlags zur Umsetzung einer begrenzten Autonomie-Beförderung im Unterricht.

8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Schlussfolgerungen zur Inklusivität liberaler Erziehung.

Schlüsselwörter

Autonomie, Pluralismus, liberale Erziehung, Ethik-Unterricht, Stolzenberg, negative Freiheit, positive Freiheit, gutes Leben, staatliche Neutralität, Indoktrination, deliberative Demokratie, Wertevermittlung, politische Bildung, Toleranz, Menschenwürde

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Spannung zwischen dem Ziel der Autonomie-Förderung in der staatlichen Erziehung und dem liberalen Anspruch auf gesellschaftlichen Pluralismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Philosophie der Freiheit (positive vs. negative Freiheit), Theorien liberaler Erziehung und die Rolle der Schule in einer pluralistischen Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu klären, ob der Staat bzw. der Ethik-Unterricht die Autonomie von Heranwachsenden befördern kann, ohne dabei die Weltanschauungen von Eltern zu verletzen, die Autonomie als Ziel ablehnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer philosophischen Analyse. Sie greift die "Paradoxie der liberalen Erziehung" nach Nomi Maya Stolzenberg auf und prüft verschiedene theoretische Gegenpositionen auf ihre Konsistenz und Anwendbarkeit.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, warum Ansätze wie Liberalismus, Republikanismus und Kommunitarismus an der Paradoxie scheitern, und diskutiert daraufhin Ansätze von Autoren wie Nussbaum und Galston, um eine Brücke zwischen Autonomie-Beförderung und Pluralismus zu schlagen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Autonomie, Pluralismus, liberale Erziehung, Ethik-Unterricht, Freiheit und das "gute Leben".

Wie definiert die Arbeit das Verhältnis von Freiheit und Autonomie?

Sie stützt sich primär auf Isaiah Berlins Unterscheidung von negativer und positiver Freiheit und diskutiert Autonomie im Kontext der Fähigkeit zur Selbstbestimmung bezüglich der eigenen Lebensentwürfe.

Warum ist das Gedicht von Edwin Markham so zentral für die Arbeit?

Es dient als Metapher für den Ausschluss und die Inklusion. Es verdeutlicht das Dilemma, dass sowohl die Förderung von Autonomie als auch der Verzicht darauf bestimmte Schüler_innen von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließen oder in ihren Identitäten gefährden kann.

Welchen Lösungsvorschlag bietet der Autor für den Ethik-Unterricht?

Der Autor schlägt vor, Autonomie nicht als dogmatisches Ziel, sondern als Angebot zur kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebensentwürfen zu begreifen, das auch respektvoll gegenüber nicht-autonomen Einstellungen bleibt.

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Details

Title
Der Beitrag des Ethikunterrichts zu einer autonomen Lebensführung
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Grade
1,7
Author
Felix Mayer (Author)
Publication Year
2012
Pages
41
Catalog Number
V272869
ISBN (Book)
9783656653196
ISBN (eBook)
9783656653226
Language
German
Tags
autonomie ziel ethik-unterrichts liberale erziehung spannungsfeld pluralismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Mayer (Author), 2012, Der Beitrag des Ethikunterrichts zu einer autonomen Lebensführung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272869
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