Cicero kämpfte für den Erhalt der römischen Republik. Er machte es sich nicht leicht, er zog sich nicht zurück. Er scheute sich nicht, wenn nötig Bündnisse mit üblen Gestalten einzugehen. Er mußte sich nicht selten beugen (um später weitermachen zu können), war sich dessen schmerzlich bewußt und hat sich oft monatelang mit Zweifeln gequält. In seinen philosophischen Schriften führt er diesen Kampf konsequent weiter.
In seinen Übersichten erhaltener Werke antiker Autoren erzählt Hans Belde die Werke nach und zitiert dabei die wichtigsten Stellen. Mehr noch: er versucht, durch Zusammenstellung von Zitaten nachzuerzählen. Wenn die Texte zusammenrücken, ergeben sich oft überraschende Beziehungen.
Inhaltsverzeichnis
Die „Rhetorik an Herennius“
Die Auffindung des Stoffes (1 6 – 3 15)
Statuslehre (1 18 – 2 26)
Beweisführung (2 27-50)
Anordnung des Stoffes, Vortrag, Sicheinprägen (3 16-40)
Gestaltung (4. Buch)
Cicero
Der Aufstieg (106 – 64)
Über die Auffindung des Stoffes
Für P. Quinctius
Für Sextus Roscius aus Ameria
Für den Schauspieler Q. Roscius, Für M. Tullius
Gegen Q. Caecilius, Erste und Zweite Rede gegen Verres
Hintergründe und Ablauf des Prozesses (Erste Rede)
Verres (Zweite Rede)
Verres in Sizilien (2.-5. Buch)
Für M. Fonteius, Für A. Caecina
An Atticus 1 1-9, Über den Oberbefehl des Cn. Pompeius
Für A. Cluentius Habitus
Quintus Tullius Cicero: Commentariolum Petitionis
Das Konsulat (63)
Erste bis Dritte Rede über das Siedlergesetz, Für Rabirius
Erste und Zweite Rede gegen Catilina
Für L. Murena
Catos Stoizismus und Ciceros Humanismus
Dritte und Vierte Rede gegen Catilina
Ad familiares 5 1-7, Für P. Sulla, Für den Dichter Archias
Unter Clodius‘ Bandenherrschaft (62 – 52)
An Atticus 1 12 – 3, An Quintus 1, Für L. Flaccus
Danksagungen an Senat und Volk, Über das eigene Haus
Für P. Sestius, Befragung des Zeugen P. Vatinius, Für M. Caelius
Über das Gutachten der Opferschauer
Über die konsularischen Provinzen, An Atticus 4 6, Ad familiares 1
Ad familiares 5 13, An Quintus 2 9 - 3, Ad familiares 7 5-18
Für L. Cornelius Balbus, Gegen L. Piso
Der Epikureer Piso
Für Cn. Plancius, Für M. Scaurus, Für Rabirius Postumus
Über den Redner, Einteilungen der Redekunst
Über das Gemeinwesen
Über die Gesetze
Für Annius Milo
Prokonsul von Kilikien (51 – 50) – Bürgerkrieg (49 – September 47)
An Atticus 5 – 6, Ad familiares [div.]
An Atticus 7 – 11
Unter Caesar (September 47 – März 44)
Brutus
Stoische Paradoxien
Der Redner, Über die beste Art von Rednern
Ad familiares 4 und 6, Für M. Marcellus, Für Q. Ligarius
An Atticus 12 12 – 13
Hortensius, Catulus, Lucullus
Lucullus’ Vortrag der Thesen des Antiochos
Ciceros Verteidigung der Akademiker
Akademische Abhandlungen, Timaeus
Über das höchste Gut und das größte Übel
Gespräche in Tusculum, Cato der Ältere über das Alter
Über das Wesen der Götter
Für König Deiotarus, An Atticus 13 57
Nach Caesars Tod (März 44 – Dezember 43)
An Atticus 14 – 15
Über die Wahrsagung, Über das Schicksal, Laelius
Topik
An Atticus 16, Erste und Zweite Rede gegen M. Antonius
Vom pflichtgemäßen Handeln
Gegen M. Antonius (Philippische Reden), An Brutus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert und analysiert das Leben, das politische Wirken und das philosophische Schrifttum von Marcus Tullius Cicero im Kontext der untergehenden Römischen Republik. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie Cicero als Staatsmann, Rhetor und Philosoph versuchte, die Republik zu bewahren, und wie er sein eigenes Scheitern sowie die politische Krise Roms durch die Auseinandersetzung mit griechischer Philosophie und eigener rhetorischer Praxis zu reflektieren und zu verarbeiten suchte.
- Historische und politische Analyse von Ciceros Konsulat und seiner Rolle in der Bürgerkriegsära.
- Detaillierte Untersuchung von Ciceros Reden, ihrer Entstehungsgeschichte und deren Bedeutung für die Rhetorik.
- Darstellung der philosophischen Werke Ciceros als Antwort auf die politische Instabilität und persönliche Lebenskrisen.
- Kritische Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Spannungen zwischen Optimaten, Popularen und militärischen Führungspersönlichkeiten wie Caesar und Pompeius.
- Die Entwicklung von Ciceros Staatsideal und seine Verteidigung durch rhetorische und philosophische Kompromisse.
Auszug aus dem Buch
Die rhetorische Ausbildung in der späten Republik
Im Jahre 92 erließen die Zensoren Cn. Domitius Ahenobarbus und L. Licinius Crassus folgendes Edikt: „Es wurde uns gemeldet, daß es Leute gäbe, die eine neue Wissenschaft eingeführt hätten, zu denen die Jugend in die Schule ginge; sie hätten sich die Namen >Lateinische Rhetoren< beigelegt. Die jungen Leute säßen dort tagelang müßig herum. Unsere Vorfahren legten fest, was ihre Kinder zu lernen und in welche Schulen sie zu gehen hätten. Diese Neuerungen (…) gefallen uns weder, noch erscheinen sie uns richtig.“ (Sueton, Rhetoriker 25) Das Verbot hatte nur eine geringe Wirkung. Sueton zitiert aus einen ansonsten nicht überlieferten Brief Ciceros: „Ich erinnere mich, daß in meinen Jugendjahren ein gewisser Plotius [M. Plotius Gallus] auf lateinisch zu unterrichten begann. Als er großen Zulauf hatte, weil jeder eifrig Studierende von ihm unterrichtet werden wollte, war ich traurig, daß man mir dies nicht erlaubte. Ich wurde nämlich davon durch den Einfluß sehr gelehrter Männer zurückgehalten, die glaubten, griechische Übersetzungen eigneten sich besser zur Ausbildung der geistigen Fähigkeiten.“ (26.) Vermutlich ist Plotius der „doctor“ des Autors der Rhetorik an Herennius.
Mit den Kämpfen um die Reformversuche der Gracchen begann ab 133 ein einziger hundertjähriger Bürgerkrieg. Nach Marius’ Heeresreform mußte jeder Feldherr seinen Soldaten Land versprechen. Wenn er an der Spitze seiner siegreichen Truppen zurückkehrte, stand er unausweichlich im Gegensatz zur Senatspartei. Die politische Richtung, die weiterhin „popular“ genannt wurde, vertrat nicht immer das Volk, sondern oft die Kapitalbesitzer, die sich auf Kosten des Staates bereichern wollten und über die Mittel zur Bestechung der Wähler verfügten.
Zusammenfassung der Kapitel
Die „Rhetorik an Herennius“: Dieses Kapitel erläutert die Grundsätze der antiken Rhetorik, wie sie in diesem einflussreichen Werk niedergelegt sind, und stellt sie in den historischen Kontext der späten Römischen Republik.
Cicero: Dieser umfangreiche Teil folgt Ciceros Lebensweg chronologisch, von seinem Aufstieg als Anwalt bis zu seinem politischen Ende unter Caesar, wobei jede seiner bedeutenden Reden und Schriften im Entstehungskontext analysiert wird.
Schlüsselwörter
Cicero, Römische Republik, Rhetorik, Philosophie, Konsulat, Optimaten, Popularen, Caesar, Pompeius, Redekunst, Stoa, Akademie, Staatsmann, Bürgerkrieg, Philologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse des Lebens und Werkes von Marcus Tullius Cicero, eingebettet in die politische Geschichte der Römischen Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Rhetorik, die politische Entwicklung Roms zwischen 106 und 43 v.u.Z. sowie Ciceros philosophische und politische Schriften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Ciceros Handeln als Staatsmann und seine literarischen Reflexionen in Bezug auf den drohenden und tatsächlichen Untergang der Republik zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-philologische Methode, indem er Ciceros Reden und Schriften direkt analysiert und mit zeitgenössischen Quellen und historischen Ereignissen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist eine chronologische Aufarbeitung von Ciceros Karriere, seiner Anwaltsprozesse, seiner politischen Ämter und seiner umfangreichen philosophischen Auseinandersetzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Cicero, Republik, Rhetorik, Politik, Philosophie, Caesar, Bürgerkrieg, Staatsmann.
Warum ist die „Rhetorik an Herennius“ für das Verständnis Ciceros wichtig?
Sie gilt als das rhetorische Lehrbuch schlechthin, das die Grundlagen bildete, auf denen Cicero aufbaute, um seine eigene Redekunst und sein politisches Profil zu entwickeln.
Wie bewertet der Autor Ciceros Rolle in der römischen Geschichte?
Der Autor sieht Cicero als einen genialen, aber in der politischen Realität gegen die Machtkämpfe von Militärdiktatoren wie Caesar unterlegenen Denker, der versuchte, republikanische Ideale intellektuell zu bewahren.
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- Hans Belde (Author), 2014, Übersichten erhaltener Werke antiker Autoren - Band 8: Cicero, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272150