Beim ersten Lesen der Turmbaugeschichte vermittelt diese den Eindruck der Zusammengehörigkeit aller Menschen. Verdeutlicht wird dies durch die eine Sprache, die alle sprechen und, dass sie zusammen eine Stadt mit einem Turm erbauen wollen. Der erwähnte Turm soll bis zum Himmel reichen. Hier kann der Eindruck entstehen, dass sie damit die Nähe zu Gott herstellen wollen, der im Himmel wohnt. Sie wollen sich einen Namen machen vor Gott und den anderen Menschen. Ein weiteres Ziel ist das Zusammenleben aller Menschen in dieser Stadt. Allerdings tritt dieses Vorhaben nicht ein, da Gott sie ab Vers 7 über die ganze Welt zerstreut und ihre Sprache verwirrt.
Der Bau der Stadt wird somit abgebrochen und bleibt unvollendet, hier wird die Macht Gottes verdeutlicht.
Wir fragen uns jetzt was uns der Text mitteilen möchte, erzählt er von dem Turmbau, der Verteilung der Menschen über die ganze Erde oder die Verwirrung der Sprache oder doch von der Macht Gottes über die Menschen?
Diese Fragen sollen im Verlauf dieser Exegese erarbeitet und weites- gehend beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Ersteindruck
2. Übersetzungsvergleich
3. Untersuchung zur Textgestaltung
3.1 Literarischer Zusammenhang
3.2 Sprachliche Analyse
4. Untersuchung zu geprägten Sprachformen und geprägten Inhalten ihres Textes
4.1 Form- und Gattungskritik
4.2 Die Traditionskritik
4.3 Der religionsgeschichtliche Vergleich
5. Untersuchung zur Entstehungsgeschichte des Textes
5.1 Literarkritik
5.2 Überlieferungskritik
5.3 Redaktions- und Kompositionskritik
6. Der historische Ort
6.1 Datierung
6.2 Sitz im Leben
7. Gesamtinterpretation
8. Bedeutung für die heutige Gegenwart
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit widmet sich einer exegestischen Untersuchung der Turmbauerzählung (Gen 11,1-9). Das primäre Ziel ist es, den Text durch eine strukturierte Analyse – vom ersten Leseeindruck über den sprachlichen Aufbau und die Entstehungsgeschichte bis hin zur heutigen Bedeutung – zu erschließen und die zugrundeliegenden Motive der Sprachverwirrung und Zerstreuung der Menschen in einen theologischen und religionsgeschichtlichen Kontext einzuordnen.
- Literarische Einbettung und sprachliche Analyse von Genesis 11,1-9.
- Untersuchung der Gattung als ätiologische Sage.
- Religionsgeschichtlicher Vergleich der Motive (Sprachverwirrung, Turmbau).
- Analyse der Entstehungs- und Redaktionsgeschichte des Textes.
- Interpretation des Gottesbildes und Reflexion über die heutige Relevanz des Textes.
Auszug aus dem Buch
3.2 Sprachliche Analyse
Die Turmbauerzählung stellt das Ende der Urgeschichte dar und geht der Geschichtserzählung voran.
Somit ist die Turmbauerzählung als Übergangstext zu verstehen, dieser verbindet Urgeschichte und Geschichtserzählung. Da in Gen 10 bereits die Verteilung der Menschen auf die ganze Welt angesprochen wird und auch die Teilung nach Sprache, ist es verwunderlich, dass dies in Gen 11,1-9 wieder aufgegriffen wird. Während in Gen 10 die Verteilung nach Geschlechterfolge erklärt wird, ergänzt Gen 11,1-9 dies und erläutert dieses Motiv unter dem Aspekt des Göttlichen. Hier wird die Verteilung der Menschen über die ganze Erde, sowie die unterschiedlichen Sprachen der Menschen durch das Handeln Gottes erklärt.
Zunächst möchte ich mich mit dem sprachlichen Aufbau von Gen 11,1-9 befassen. Bei genauerem betrachten des Textes wird deutlich, dass in Vers 1-4 nur die Menschen handeln und in Vers 5-8 (9) Gott handelt, wobei Vers 9 nur als Ergänzung der Namensgebung des Ortes Babel dient. Hier geht man von einer Zweiteilung des Textes aus. Betrachtet man nun beide Teile nebeneinander, lässt sich erkennen, dass die Verse aus dem zweiten Teil Umkehrungen zu den Versen im ersten Teil bilden. Somit sind die Verse 7-9 Umkehrungen zu den Versen 1-3, während die Verse 4 und 5 parallel zueinander stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ersteindruck: Die Turmbaugeschichte wird als Erzählung über das Streben nach Zusammengehörigkeit und die darauffolgende göttliche Intervention durch Sprachverwirrung und Zerstreuung eingeführt.
2. Übersetzungsvergleich: Es wird festgestellt, dass die gängigen Übersetzungen (Einheitsübersetzung, Zürcher Bibel, Luther) inhaltlich weitgehend identisch sind, wobei die Luther-Übersetzung vereinzelt abweichende Akzente setzt.
3. Untersuchung zur Textgestaltung: Dieses Kapitel beleuchtet den literarischen Kontext des Textes innerhalb der Urgeschichte und analysiert den sprachlichen Aufbau, insbesondere die Zweiteilung des Handelns zwischen Menschen und Gott.
4. Untersuchung zu geprägten Sprachformen und geprägten Inhalten ihres Textes: Der Text wird als ätiologische Sage klassifiziert und im Vergleich zu anderen religionsgeschichtlichen Motiven sowie innerhalb eines Schuld-Strafe-Vergebungs-Schemas analysiert.
5. Untersuchung zur Entstehungsgeschichte des Textes: Hier werden Theorien zur literarischen Entstehung und Redaktion diskutiert, wobei ein längerer Prozess der mündlichen Überlieferung und schichtweisen Verschriftlichung angenommen wird.
6. Der historische Ort: Dieses Kapitel versucht, den Text zeitlich zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert v. Chr. einzuordnen und den ursprünglichen "Sitz im Leben" in der mündlichen Tradition zu bestimmen.
7. Gesamtinterpretation: Der Text wird als Ätiologie verstanden, die einen gegenwärtigen Zustand erklärt; dabei wird die Intervention Gottes nicht als reine Strafe, sondern als erzieherische Grenzziehung interpretiert.
8. Bedeutung für die heutige Gegenwart: Die Erzählung wird auf moderne Lebensumstände übertragen, wobei das menschliche Streben nach "mehr" kritisch hinterfragt und die Bedeutung von Gemeinschaft und Besinnung auf eigene Grenzen hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Turmbau zu Babel, Genesis, Exegese, Sprachverwirrung, Urgeschichte, Ätiologie, Sage, Gottesbild, Schuld, Strafe, Zerstreuung, Religionsgeschichte, Textkritik, Literarkritik, Schinar
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9) und untersucht deren literarische, historische und theologische Dimensionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die literarische Gestaltung, die Gattungsbestimmung als Sage, die redaktionsgeschichtliche Entstehung und die Einordnung der Motive in den religionsgeschichtlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, die Turmbauerzählung als ätiologische Sage zu erschließen und zu klären, wie der Text die menschliche Verteilung und die Sprachenvielfalt unter dem Aspekt des göttlichen Handelns deutet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit folgt dem klassischen exegetischen Aufbau: Übersetzungsvergleich, form- und gattungskritische Untersuchung, literarkritische Analyse sowie eine Gesamtinterpretation des Textes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung zur Textgestaltung, die Analyse der Sprachformen, die Entstehungsgeschichte, eine religionsgeschichtliche Einordnung sowie die systematische Gesamtinterpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind: Turmbau zu Babel, Genesis, Sprachverwirrung, Urgeschichte, Ätiologie, Sage, Schuld, Strafe und Religionsgeschichte.
Wie deutet der Autor das "Herabsteigen" Gottes in der Erzählung?
Das Herabsteigen wird als Gegenbewegung interpretiert: Während die Menschen versuchen, Gottgleich aufzusteigen, verdeutlicht das Herabsteigen Gottes die noch bestehende Distanz und seine erzieherische Intervention, um die Menschen in ihre Grenzen zu verweisen.
Wird die Sprachverwirrung in dieser Arbeit ausschließlich als Strafe gewertet?
Nein, der Autor plädiert dafür, die Maßnahme Gottes nicht nur als Strafe, sondern als notwendige Erziehungsmaßnahme zu sehen, die die Menschen vor Selbstüberschätzung bewahren und die Grenze zwischen Gott und Mensch wahren soll.
Welche Relevanz misst der Autor der Erzählung für die heutige Zeit bei?
Der Autor sieht in der Erzählung ein warnendes Beispiel für Größenwahn und unbegrenztes Streben nach Macht. Er betont die Notwendigkeit, trotz individueller Ziele die Gemeinschaft und das gegenseitige Verstehen nicht aus den Augen zu verlieren.
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- Maren Klingelhöfer (Author), 2009, EXEGESE Gen 11, 1-9, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/271898