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DRG als neue Währung im Rettungsdienst. Konzeption, Chancen, Risiken

Titel: DRG als neue Währung im Rettungsdienst. Konzeption, Chancen, Risiken

Masterarbeit , 2013 , 111 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Sebastian Herbinger (Autor:in)

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der bodengebundene Rettungsdienst in Deutschland, aber auch weltweit unterliegt seit einigen Jahren einem Wandel von der reinen Transportaufgabe hin zur medizinischen Versorgung und Behandlung von Notfallpatienten am Einsatzort. Galt es früher den Patienten so schnell wie möglich in eine geeignete Zielklinik zu transportieren, rückt heute die medizinische Versorgung immer mehr in den Mittelpunkt und nimmt einen entscheidenden Anteil im Einsatzgeschehen ein. Mit der Einführung des Notfallsanitäters / der Notfallsanitäterin zu Beginn des Jahres 2014 haben die Entscheidungsträger konsequenterweise auf diesen Aufgabenwandel in der präklinischen Notfallversorgung reagiert. Bisher erhalten die Rettungsdienstorganisationen lediglich eine Vergütung für den Transport, jedoch nicht für die medizinische Versorgung, Behandlung und Betreuung von Notfallpatienten.
Aus gesundheitspolitischer Betrachtung werden hierdurch falsche Anreize für die Rettungsdienstorganisationen gesetzt. Eine denkbare und potenzielle Abhilfe könnte die Einführung der sogenannten Rettungsdienst Diagnosis Related Group, kurz R-DRG sein. Die bereits in der stationären Versorgung etablierten German DRG bilden die ideale Grundlage für die R-DRG. So wird auch bei den R-DRG der individuelle ökonomische Aufwand am Patienten berücksichtigt. Ein großer Vorteil dieser Finanzierungsform ist, dass sie die Grundkosten und somit die Wirtschaftlichkeit des Rettungsdienstes sicherstellt. Zusätzlich werden durch Belohnungs- bzw. Bestrafungssysteme neue Anreize für alle Beteiligten geschaffen. So erhalten Rettungsdienstorganisationen eine Bonuszahlung, wenn sie bzw. als Ausbildungsbetrieb agieren oder die gesetzlich definierte Hilfsfrist einhalten.
Trotz der starken landesrechtlichen Prägung des Rettungsdienstes könnte mit Hilfe der R-DRG eine bundesweite Finanzierung sichergestellt werden. Branchenspezifische Benchmarks, eine hohe Versorgungsqualität in der notfallmedizinischen Versorgung sowie neue Anreize zur effektiven Standortbestimmung von Rettungswachen gehören somit in die Zukunft des deutschen Rettungswesens.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung

1.2 Aufbau der Arbeit

2. Geschichte des Rettungsdienstes

2.1 Rettungsdienst heute

2.2 Finanzierungsstruktur im Rettungsdienst

2.2.1 Externe Finanzierung

2.2.2 Tariffinanzierung

2.2.3 Interne Finanzierung

2.2.4 Finanzierungsbeiträge Dritter

2.3 Kostenstruktur im Rettungsdienst

2.4 Kritische Betrachtung der Rettungsdienst- und Finanzstruktur

3. Pay for Performance

3.1 Begriffsdefinition

3.1.1 Kopfpauschale

3.1.2 Fallpauschale

3.1.3 Einzelleistungsvergütung

3.1.4 Erfolgsorientierte Vergütung

4. Konzeption der Rettungsdienst Diagnosis Related Group

4.1 Rettungsdienst Diagnosis Related Group

4.2 Patientenklassifikation

4.2.1 Glasgow Coma Scale

4.2.2 Vitalparameter

4.2.2.1 Atemfrequenz

4.2.2.2 Sauerstoffsättigung

4.2.2.3 Herzfrequenz

4.2.2.4 Blutdruck

4.2.2.5 EKG-Befund

4.2.2.6 Schmerzen

4.2.2.7 Körperkerntemperatur

4.2.2.8 Blutzucker

4.2.2.9 Körpergewicht

4.2.3 Interpretation der Patientenklassifikation

4.3 Haupt- und Nebendiagnosen nach ICD-10

4.4 Leistungserfassung mit OPS-Maßnahmenkatalog Rettungsdienst

4.5 Datenschutz und Hilfsfrist

4.5.1 Patientendatenschutz

4.5.1 Hilfsfrist

5. Kostenermittlung der Rettungsdienst DRG

5.1 Rettungsleitstellen

5.1.1 Rettungsfahrzeuge

5.1.2 Rettungsdienstpersonal

5.2 Buchführungssysteme

5.2.1 Inventur und Inventar

5.2.2 Bilanz

5.3 Doppelte Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung

5.3.1 Aufbau der Kosten- und Leistungsrechnung

5.3.2 Kostenartenrechnung

5.3.3 Kostenartenrechnung im Rettungsdienst

5.3.3.1 Personalkosten

5.3.3.2 Kosten für Dienstleistungen Dritter

5.3.3.3 Materialkosten

5.3.3.4 Kapitalkosten

5.4 Kostenverteilung im Rettungsdienst

5.5 Abrechnungsverfahren mit den Rettungsdienst-DRG

6. Diskussion der Chancen und Risiken

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Arbeit ist es, eine neue Finanzierungsstruktur für das deutsche Rettungswesen unter Verwendung des Diagnosis Related Group (DRG)-Systems zu konzipieren, um dem aktuellen Aufgabenwandel hin zur medizinischen Notfallversorgung gerecht zu werden, Fehlsteuerungen zu korrigieren und die Wirtschaftlichkeit sowie Qualität im Rettungsdienst zu erhöhen.

  • Konzeption der Rettungsdienst Diagnosis Related Group (R-DRG).
  • Analyse der Kostenstruktur und Ermittlung von Grundkosten im Rettungsdienst.
  • Etablierung eines leistungs- und qualitätsorientierten Vergütungssystems (Pay for Performance).
  • Diskussion der Chancen, Risiken und der praktischen Implementierbarkeit für Hilfsorganisationen und Kostenträger.

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Glasgow Coma Scale

Die Bewertung des Patientenzustands nach der GCS erfolgt in drei Stufen. Zunächst gibt es die Kategorie „Augen öffnen“, ihr folgen die „beste verbale Reaktion“ sowie die „beste motorische Reaktion“. Die Bewertung geschieht anhand eines Punktesystems. Diese Beurteilung geschieht zum ersten Mal direkt beim Eintreffen des Rettungsdienstpersonals und des Notarztes und wird im Einsatzprotokoll dokumentiert.

Tabelle 1 zeigt die Punktevergabe sowie die Kategorien zur Bestimmung der Bewusstseinslage nach der GCS. Minimal können 3 und maximal 15 Punkte erreicht werden. Bei einem GCS-Wert zwischen 12 und 14 wird von einem leichten Schädel-Hirn-Trauma, bei 8 bis 11 von einem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma und bei einem Wert ≤ 7 wird von einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ausgegangen. Je niedriger der GCS-Wert somit ist, desto schlechter ist die Bewusstseinslage des (Notfall-)Patienten. Ab einem Punktewert von 7 wird von einem Koma gesprochen.

Die Bewusstlosigkeit gilt im Rettungsdienst als absolute Notarztindikation. Werden nach der GCS 15 Punkte erreicht, erhält er für diesen Bereich einen Gesamtwert von 4 Punkten. Bekommt der Patient aufgrund seines Zustands einen Wert zwischen 12 und 14 bzw. 8 und 11, so geht diese Bewertung mit 3 bzw. 2 Punkten einher. Alle darunter liegenden Werte werden mit einem Punkt berücksichtigt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beschreibt den Wandel des Rettungsdienstes von der reinen Transportaufgabe hin zur medizinischen Versorgung und führt in die Thematik der R-DRG als Lösungsansatz ein.

2. Geschichte des Rettungsdienstes: Zeichnet die historische Entwicklung des Rettungswesens bis hin zum heutigen Rendezvous-System und analysiert die aktuelle Finanzierungsstruktur.

3. Pay for Performance: Erläutert das Konzept der leistungsorientierten Vergütung und deren Anwendungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen.

4. Konzeption der Rettungsdienst Diagnosis Related Group: Detaillierte Vorstellung der R-DRG-Konzeption, Patientenklassifikation, Diagnosekodierung und Leistungserfassung.

5. Kostenermittlung der Rettungsdienst DRG: Analysiert die Ermittlung der Grundkosten im Rettungsdienst unter Einbeziehung von Buchführungssystemen und Kosten-Leistungs-Rechnung.

6. Diskussion der Chancen und Risiken: Kritische Reflexion der Auswirkungen einer R-DRG-Implementierung auf Qualität, Finanzierung und Struktur des Rettungswesens.

7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der R-DRG als Mittel zur strategischen Positionierung des deutschen Rettungsdienstes in Zeiten zunehmenden Ressourcendrucks.

Schlüsselwörter

Rettungsdienst, R-DRG, Diagnosis Related Group, Notfallmedizin, Finanzierungsstruktur, Pay for Performance, Kostenermittlung, Patientenklassifikation, OPS-Maßnahmenkatalog, Versorgungsqualität, Notfallsanitäter, Gesundheitsökonomie, Leistungsorientierte Vergütung, Rettungskette, Hilfsfrist.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption einer neuen Finanzierungsstruktur für den deutschen Rettungsdienst auf Basis der Diagnosis Related Group (DRG), um den steigenden Anforderungen an die medizinische Notfallversorgung gerecht zu werden.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die zentralen Themen umfassen die Historie und heutige Struktur des Rettungswesens, die Theorie des Pay for Performance, die praktische Konzeption der Rettungsdienst-DRG sowie eine detaillierte betriebswirtschaftliche Kostenermittlung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, eine transparente, leistungsgerechte Vergütungsform zu entwickeln, die das Rettungswesen demographieorientiert positioniert und neue ökonomische Anreize für Kostenträger und Rettungsdienstorganisationen schafft.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird ein systematischer, betriebswirtschaftlicher Ansatz verfolgt, der auf Literaturanalysen zur Finanzierungsstruktur basiert und eine eigene Modellkonzeption (Kostenermittlung und Leistungsabbildung via OPS-Katalog) für den Rettungsdienst entwickelt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Pay for Performance) sowie die methodische Konzeption des R-DRG-Systems, inklusive Patientenklassifikation (z.B. GCS), Diagnosekodierung (ICD-10) und der betriebswirtschaftlichen Kalkulation der Einsatzkosten.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rettungsdienst-DRG, Versorgungsqualität, Leistungsabrechnung, Kostenartenrechnung und Notfallrettung definiert.

Warum reicht das bisherige Vergütungssystem im Rettungsdienst nicht aus?

Bisher wird primär der Transport vergütet, nicht die medizinische Behandlung am Notfallort. Dies führt zu Fehlanreizen und einer Unterfinanzierung der medizinischen Kompetenzentwicklung.

Wie trägt die Einführung der R-DRG zur Qualitätssicherung bei?

Durch die fallbezogene Kodierung und den systematischen Vergleich der Behandlungsergebnisse vor und nach der Versorgung wird die Behandlungsqualität messbar und transparent für alle Beteiligten.

Welche Rolle spielt die Hilfsfrist im R-DRG-Modell?

Die Hilfsfrist dient als Qualitätskennzahl; ihre Einhaltung kann im R-DRG-Modell über Belohnungs- oder Bestrafungssysteme finanziell gesteuert werden, was neue Anreize für eine effiziente Standortplanung schafft.

Wie sollen die Kosten bei einer Reanimation mit dem neuen System abgerechnet werden?

Die Kosten werden über ein R-DRG-Verfahren abgebildet, das sowohl die personal- und fahrzeugspezifischen Grundkosten als auch die durchgeführten medizinischen Maßnahmen (OPS-kodiert) und flexible Faktoren wie die Kilometerleistung einbezieht.

Ende der Leseprobe aus 111 Seiten  - nach oben

Details

Titel
DRG als neue Währung im Rettungsdienst. Konzeption, Chancen, Risiken
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,0
Autor
Sebastian Herbinger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
111
Katalognummer
V270969
ISBN (Buch)
9783656618126
ISBN (eBook)
9783656618140
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rettungsdienst demographischer Wandel leistungsorientierte Vergütung Behandlungsintensität DRG Rettungsdienst DRG bodengebundener Rettungsdienst Ökonomische Anreizsysteme Bonuszahlung Strafzahlung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Herbinger (Autor:in), 2013, DRG als neue Währung im Rettungsdienst. Konzeption, Chancen, Risiken, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/270969
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Leseprobe aus  111  Seiten
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