Diese Arbeit beschäftigt sich mit folgender Frage: Ist Case Management eine Möglichkeit der Betreuung und Förderung von hörgeschädigten Kindern und deren Eltern? Kann Case Management die Familien unterstützen, um im neuen Familienalltag zurecht zu kommen?
Die Diagnose „Schwerhörigkeit“ des eigenen Kindes ist für viele Eltern ein schwerer Schicksalsschlag. Die meisten Eltern sind geschockt. Sie stehen vor massiven Problemen und durchleben eine Bewährungsprobe.
Etwa 1 – 2 von 1000 normal geborenen Babys haben bei der Geburt eine Hörminderung oder erlangen diese in der Neugeborenenphase. Unbehandelte Hörstörungen haben schwerwiegende Konsequenzen für die Entwicklung des Kindes. Schwerhörigkeit ist keine isolierte Behinderung - neben der eingeschränkten sprachlichen Fähigkeit bei unbehandelter Schwerhörigkeit, kann auch die Entwicklung in anderen Ebenen z. B. in der kognitiven, der emotionalen und der psychosozialen eingeschränkt sein. Durch beschränkte Kommunikationsfähigkeit und die dadurch veränderte Sprechweise werden diese Kinder zu Außenseitern. Die intellektuellen Grundfähigkeiten können nicht vollständig ausgeschöpft werden, viele sind auch in anderen Bereichen entwicklungsverzögert. Dadurch können sie unter Minderwertigkeitsgefühlen und mangelnden Selbstbewusstsein leiden und bleiben anhaltend von der Hilfsbereitschaft Dritter abhängig. Ihre Zukunft ist durch verringerte Bildungs- und Berufswahlmöglichkeiten und damit mit geringerem Einkommen verbunden. So kann aus einer Hörbehinderung eine lebenslange Beeinträchtigung des Kindes werden. Angeborene Hörstörungen sind für das Individuum und für die Gesellschaft ernst zu nehmende Erkrankungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hören – die Grundlage lautsprachlicher Entwicklung
2.1 Ursachen von Hörverlust bei Kindern
2.2 Möglichkeiten der Therapie der Hörstörung
2.2.1 Schallleitungsschwerhörigkeit
2.2.2 Schallempfindungsschwerhörigkeit
3 Der Case Management Prozess
3.1 Begriffsklärung
3.2 Ablauf des Case Management Prozesses
3.2.1 Klärungsphase
3.2.2 Assessment
3.2.3 Hilfeplanung
3.2.4 Linking/ Durchführung
3.2.5 Monitoring/ Kontrolle
3.2.6 Evaluation
4 Case Management als individuelles Beratung- und Unterstützungskonzept am Beispiel der Frühförder- und Beratungsstelle für hörgeschädigte Kinder in Dresden
4.1 Hilfebedarf der betroffenen Familien
4.2 Gesetzliche Grundlagen und Finanzierung
4.3 Case Management als Konzept für eine familienzentrierte und begleitende Hilfe
5 Zusammenfassung/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Case Management als strukturiertes Beratungs- und Unterstützungskonzept dazu beitragen kann, Familien mit hörgeschädigten Kindern bei der Bewältigung ihres Alltags und der optimalen Förderung des Kindes zu begleiten.
- Bedeutung des Hörvermögens für die lautsprachliche Entwicklung bei Kindern.
- Theoretische Grundlagen und Phasen des Case Management Prozesses.
- Analyse des Hilfebedarfs hörgeschädigter Kinder und deren Familien.
- Gesetzliche Rahmenbedingungen und Finanzierung von Frühfördermaßnahmen in Deutschland.
- Praktische Anwendung von Case Management am Beispiel der Frühförder- und Beratungsstelle für hörgeschädigte Kinder in Dresden.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Die Diagnose „Schwerhörigkeit“ des eigenen Kindes ist für viele Eltern ein schwerer Schicksalsschlag. Die meisten Eltern sind geschockt. Sie stehen vor massiven Problemen und durchleben eine Bewährungsprobe.
„Es ist, als ob sich ein schwarzer Abgrund vor einem auftut, und man fällt hinein.“ (Frit sche et al., 2006, S. 56). Dieses Zitat beschreibt treffend die Situation nach der Diagno sestellung. Es drückt die Hilflosigkeit, den Kummer bei den Eltern aus. Wer kann sagen, was das alles bedeutet? Für das Kind und für die Eltern? Das Leben scheint aus den An geln gehoben.
Nichts ist mehr normal. Manche betroffenen Menschen fühlen sich völlig hilflos und aus geliefert, wissen gar nicht mehr, was sie tun sollen. Vielleicht verfallen sie sogar in eine depressive Lähmung (Fritsche et al., 2006 S. 56).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die psychische Belastung von Eltern nach der Diagnose einer Hörschädigung und stellt die zentrale Frage, ob Case Management eine effektive Unterstützungsmöglichkeit darstellt.
2 Hören – die Grundlage lautsprachlicher Entwicklung: Dieses Kapitel erläutert die Folgen unbehandelter Hörstörungen sowie die medizinischen Hintergründe von Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit.
3 Der Case Management Prozess: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Case Managements, die Funktionen des Case Managers sowie die einzelnen Prozessphasen von der Klärung bis zur Evaluation dargestellt.
4 Case Management als individuelles Beratung- und Unterstützungskonzept am Beispiel der Frühförder- und Beratungsstelle für hörgeschädigte Kinder in Dresden: Das Kapitel verknüpft die Theorie des Case Managements mit der Praxis der Frühförderung, beschreibt den Hilfebedarf und die rechtlichen Rahmenbedingungen.
5 Zusammenfassung/Fazit: Das Fazit betont die Notwendigkeit ganzheitlicher Förderung und unterstreicht die Eignung des Case Management Prozesses für die Begleitung hörgeschädigter Kinder und deren Familien.
Schlüsselwörter
Case Management, Hörschädigung, Frühförderung, Elternberatung, Cochlea-Implantat, Hörgerät, Sozialgesetzbuch, Familienzentrierte Hilfe, Diagnostik, Frühförderstelle, Hörbahnreifung, Prozessbegleitung, Inklusion, Prävention, Hilfebedarf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die Anwendung des Case Managements als Unterstützungskonzept für Familien mit hörgeschädigten Kindern, um diese in ihrer speziellen Lebenssituation zu beraten und zu begleiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die kindliche Hörschädigung, die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Frühförderung sowie die methodische Umsetzung des Case Management Prozesses in diesem sozialen Arbeitsfeld.
Welche Forschungsfrage wird verfolgt?
Die zentrale Frage lautet: Ist Case Management eine Möglichkeit der Betreuung und Förderung von hörgeschädigten Kindern und deren Eltern und kann es die Familien unterstützen, um im neuen Familienalltag zurechtzukommen?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, die durch eine Praxisdarstellung der Frühförder- und Beratungsstelle für hörgeschädigte Kinder in Dresden ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die medizinischen Grundlagen der Hörstörung, die Definition und Prozessphasen des Case Managements sowie die praktische Anwendung dieser Prinzipien im Kontext der Frühförderung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Case Management, Frühförderung, Hörschädigung, Elternberatung und Familienzentrierte Hilfe.
Welche Rolle spielt die „Frühförder- und Beratungsstelle für hörgeschädigte Kinder in Dresden“?
Sie dient als konkretes Fallbeispiel, an dem die Anwendung des Case Managements in der Praxis aufgezeigt und analysiert wird.
Welchen Stellenwert hat die Einbeziehung der Eltern?
Die Arbeit unterstreicht, dass die Einbeziehung der Eltern grundlegend ist, da diese nach der Diagnose häufig unvorbereitet vor massiven Belastungen stehen und eine professionelle Prozessbegleitung benötigen.
- Quote paper
- Yvonne Rülker (Author), 2013, Case Management als Möglichkeit der Betreuung, Förderung und Unterstützung von hörgeschädigten Kindern und deren Eltern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/270422