Die vorliegende Arbeit widmet sich den Umständen, unter denen die Frauen im
Sparta der archaischen und klassischen Zeit lebten. Dabei ist besonders von
Interesse, worin die Besonderheiten bezüglich ihrer Sozialisierung und ihres
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status im Vergleich zu anderen griechischen
Poleis lagen; hierfür sollen Vergleiche mit der Polis Athen gezogen werden.
Außerdem wird darauf eingegangen, wie nichtspartanische Zeitgenossen diesen
Sonderstatus der Spartiatin bewerteten. Es müssen gleich an dieser Stelle einige
Einschränkungen vorgenommen werden, die teilweise dem Umfang dieser Arbeit
und teilweise der Quellenlage geschuldet sind. Der Begriff "Frau" ist im Kontext der antiken Gesellschaftsstruktur nicht eindeutig, da selbstverständlich zu den weiblichen
Bewohnern einer griechischen Polis neben den Vollbürgerinnen auch Metökinnen
und Sklavinnen, bzw. im Falle Spartas, Helotinnen gehörten. Die Lebensumstände,
Einflussmöglichkeiten und den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status all
dieser verschiedenen Bevölkerungsgruppen hier darzustellen, würde jedoch den
gesetzten Rahmen sprengen. Daher sei darauf hingewiesen, dass im Fokus dieser
Untersuchung die weiblichen Vollbürger stehen. Es liegt auf der Hand, dass die
Geschicke der Frauen nicht isoliert dargestellt werden können. So wird in dieser
Arbeit zwar darauf verzichtet, beispielsweise die Erziehung der männlichen
Spartiaten im Detail darzustellen, jedoch ist es vor allem im Kontext der
Eheschließung, des Ehelebens und auch der für Sparta spezifischen Form der
Arbeitsteilung unumgänglich, auch die Ehemänner mit einzubeziehen. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Frau in Sparta
Gesellschaftliche Normen und Voraussetzungen
Die Erziehung der Mädchen
Ehestiftung, Eheleben und Sexualität – die spartanische Ehefrau
Die Frau in Sparta aus der Sicht Athen - Ein „Weiberregiment“?
Die Spartiatin als Wirtschafterin
Die Verhältnisse in Athen
Der Gegensatz Athen – Sparta
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Lebensumstände, Sozialisierung sowie den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status von Frauen im Sparta der archaischen und klassischen Zeit. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Vergleich mit der Polis Athen und der Bewertung dieses Sonderstatus durch zeitgenössische, zumeist männliche, nichtspartanische Kritiker.
- Gesellschaftliche Normen und die Erziehung von Mädchen in Sparta
- Strukturen von Ehe, Sexualität und die Rolle der Frau als Wirtschafterin
- Die kritische Wahrnehmung des spartanischen "Weiberregiments" durch Athener
- Gegenüberstellung der Partizipationsmöglichkeiten von Frauen in Athen und Sparta
- Quellenkritische Analyse antiker Autoren wie Xenophon, Aristoteles und Plutarch
Auszug aus dem Buch
Die Spartiatin als Wirtschafterin
Aufgrund der ständigen räumlichen Trennung von ihren Männern, die die meiste Zeit ihres Lebens in ihrer Kriegergemeinschaft verbrachten, mussten die Spartiatinnen viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereiche abdecken, die in anderen Poleis klare Männerdomänen waren. Der Oikos musste zwangsläufig ganz und gar der Entscheidungsgewalt der Frau unterliegen, da der Hausherr nur sehr selten zugegen war. So trugen die Spartiatinnen die Verantwortung darüber, dass die auf ihren Landlosen von Heloten erwirtschafteten Güter aus allen Teilen Lakoniens nach Sparta transportiert wurden, an ihrem endgültigen Bestimmungsort ankamen, verarbeitet und schließlich dem eigenen Haushalt oder den Syssitien, den obligatorischen Speisegemeinschaften der Männer, zugeführt wurden. Selbst wenn der Mann nach Beendigung seines 30. Lebensjahres endlich mit seiner Frau zusammenleben durfte, wurde dieses gemeinsame Leben doch immer wieder durch Kriegseinsätze unterbrochen. So erscheint es als eine logische Konsequenz, dass in einer Gesellschaft, in der Generationen von Frauen Arbeiten verrichteten, Entscheidungen trafen und Verantwortung übernahmen, die in anderen Gesellschaften den Männern anheimfielen, eben diese Frauen auf ihre Polis einen starken Einfluss ausübten und ein ebenso starkes Selbstbewusstsein entwickelten. Nimmt man hier noch den Fakt hinzu, dass sich aufgrund der günstigen Erbgesetzgebung immer mehr Eigentum in den Händen von Frauen ansammelte, so sind die Ursachen für die starke Position der spartanischen Frauen in ihrer Gesellschaft offenbar. Sarah Pomeroy stellt in Bezug auf diesen kausalen Zusammenhang die These auf, dass in Gesellschaften, in denen die Männer häufig abwesend sind, die Frauen generell eine gesellschaftlich wie wirtschaftlich höhere Position genießen als dort, wo dies nicht der Fall ist. Diese These wird dadurch gestützt, dass es Parallelen zwischen den Verhältnissen in Sparta und denen anderer Poleis gab.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Rolle der Frau in Sparta unter Berücksichtigung der quellenkritischen Herausforderungen und der zentralen Forschungsfrage.
Die Frau in Sparta: Untersuchung der gesellschaftlichen Normen, der staatlich gelenkten Erziehung der Mädchen sowie der spezifischen spartanischen Ehepraxis und Familienpolitik.
Die Frau in Sparta aus der Sicht Athen - Ein „Weiberregiment“?: Analyse der wirtschaftlichen Verantwortung der Spartiatinnen im Vergleich zu den restriktiveren Verhältnissen in Athen und Erörterung der vehementen Kritik antiker Autoren an diesen Zuständen.
Schluss: Zusammenfassende Betrachtung, die festhält, dass trotz der Partizipationsmöglichkeiten der Frauen der männliche Führungsanspruch in Sparta unangetastet blieb und zeitgenössische Kritik oft politisch motiviert war.
Schlüsselwörter
Sparta, Athen, Gynaikokratia, Weiberregiment, Oikos, Heloten, Xenophon, Aristoteles, Plutarch, Frauenrolle, antike Gesellschaft, Erziehung, Partizipation, Ehe, Arbeitsteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen Rolle der Frau im antiken Sparta und analysiert, wie sich diese von der Rolle der Frau in anderen griechischen Poleis, insbesondere in Athen, unterschied.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Stellung, der Erziehung, der wirtschaftlichen Verwaltung des Oikos durch die Frau sowie der zeitgenössischen Kritik an der angeblichen Macht der Frauen in Sparta.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Umstände zu beleuchten, die zur Sonderrolle der Spartiatin führten, und zu ergründen, warum diese Form der gesellschaftlichen Partizipation bei Zeitgenossen wie Aristoteles auf scharfe Ablehnung stieß.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse antiker literarischer Texte, da spartanische Eigenzeugnisse fehlen, sowie auf den wissenschaftlichen Vergleich mit anderen antiken Gesellschaftsstrukturen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung spartanischer Lebensformen (Erziehung, Ehe) und eine vergleichende Analyse der Situation in Athen, um die Vehemenz der historischen Kritik an Sparta zu erklären.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gynaikokratia, Oikos, Heloten, Partizipation und die unterschiedlichen Geschlechterrollen im antiken Griechenland definiert.
Warum kritisierte Aristoteles das spartanische System so scharf?
Er sah in der vermeintlichen Freiheit und dem Einfluss der Frauen auf wirtschaftliche und politische Belange eine Gefahr für die Sittenstrenge und die Stabilität des Staates, da er ein patriarchales System als naturgegeben betrachtete.
Welche Rolle spielten die Ehefrauen in der Wirtschaft Spartas?
Da die Männer aufgrund militärischer Pflichten oft abwesend waren, oblag den Frauen die Verwaltung des Oikos, die Überwachung der Helotenarbeit und die Sicherung der materiellen Grundlage für die staatlichen Speisegemeinschaften.
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- Benjamin Priebst (Author), 2010, Die Rolle der Frau in Sparta im Licht der zeitgenössischen Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/270083