Bei der Erstemission von Aktien, werden auf allen Aktienmärkten, systematische, über-durchschnittliche hohe Gewinne am ersten Handelstag beobachtet. Dieses bei Initial Public Offerings auftretende Phänomen wird als Underpricing beschrieben und trifft international auf großes wissenschaftliches Interesse. In den 70er Jahren wurde Underpricing zum ersten Mal von Stoll und Curley (1970), Logue (1973), Reilly (1973) und Ibbotson (1975) diskutiert. Durch eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen ist die Existenz des Underpricing belegt und gilt als anerkannt. So zeigen Loughran und Ritter (2004), dass bei 6.391 IPOs in den USA zwischen 1980 und 2003 ein durchschnittlicher Gewinn von 18,7% am Ende des ersten Handelstages erzielt wurde. In einer weiteren Studie präsentie-ren Banerjee et al. (2011) ein durchschnittliches Underpricing von 29,11% in 36 Ländern zwischen 2000 und 2006. Ein Overpricing wurde in keinem der 36 untersuchten Länder festgestellt. Ritter und Welch (2002) behaupten sogar, dass es weltweit keine bekannte Ausnahme zu diesem Phänomen gibt. Underpricing scheint also ein international auftreten-des, von der Wissenschaft anerkanntes und nachgewiesenes Phänomen zu sein. Nun stellt sich jedoch die Frage worin die Ursachen des Underpricings liegen? Wieso können Anleger einen überdurchschnittlich hohen Gewinn am ersten Handelstag erwarten?
Die einschlägige Literatur bietet vielfältige Erklärungsansätze, die mit unterschiedlichen Modellen versuchen, das Underpricing-Phänomen von IPOs zu erklären. Ziel dieser Arbeit ist es, die Talanx AG auf Underpricing zu untersuchen und im Zuge dessen eine kleine Auswahl von Modellen und Ansätzen darzustellen und diese zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Gang der Untersuchung
2. Stand der Forschung
2.1. Begriffsabgrenzung
2.1.1. IPO
2.1.2. Underpricing
2.2. Determinanten des Underpricings bei der Talanx AG
2.2.1. Erklärungsansätze basierend auf Informationsasymmetrien
2.2.1.1. Informationsasymmetrien zwischen Underwriter und Investor
2.2.1.2. Informationsasymmetrien zwischen Investoren
2.2.2. Ad-Hoc Modelle
2.2.2.1. Die Prospekthaftungshypothese
2.2.2.2. Underpricing als Form der Entlohnung
3. Empirische Untersuchung am Beispiel der Talanx AG
3.1. Datenbasis
3.2. Ergebnisse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das Phänomen des "Underpricing" bei Initial Public Offerings (IPOs) und analysiert dessen Ursachen und Erklärungsmodelle am konkreten Praxisbeispiel des Börsengangs der Talanx AG.
- Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen zu IPO und Underpricing
- Analyse von Informationsasymmetrien als Ursache für Underpricing
- Untersuchung von Ad-Hoc Modellen, wie der Prospekthaftungshypothese und der Entlohnungshypothese
- Empirische Fallstudie des Talanx-Börsengangs
- Diskussion möglicher Beweggründe für die Preisstrategie beim IPO der Talanx AG
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1. Informationsasymmetrien zwischen Underwriter und Investor
Die Bookbuilding-Theorie von Benveniste und Spindt (1989) begründet Underpricing durch Informationsasymmetrie zwischen dem Underwriter und den Investoren. Sie begründen ihren Ansatz damit, dass alle informierten Investoren zusammen eine bessere Vorstellung als der Underwriter haben, wie der Kurs einer Aktie am ersten Tag vom Markt bewertet wird. Der Underwriter strebt danach den Gewinn des IPO zu maximieren und versucht daher den Emissionspreis mit Hilfe der Informationen der Investoren zu bestimmen. Damit die Investoren Informationen preisgeben, muss der Underwriter eine Entschädigung zahlen wodurch Underpricing entsteht. „IPO offer prices must be set low to provide profit to compensate investors for revealing positive information.“
Benveniste und Spindt gliedern in ihrem Ansatz den Markt, auf welchem eine IPO erfolgt, in einen Primär- und Sekundärmarkt. Es werden die Annahmen getätigt, dass ein einzelner Emittent betrachtet wird, der seine künftigen Cashflows mit Hilfe des Underwriters in gleichgroße Teile an mehrere risikoneutrale Investoren veräußern möchte. Die Investoren sind weiterhin bereit eine gewisse Anzahl an Aktien zu einem niedrigeren als ihrem Reservationspreis zu erwerben. Die Gruppe der Investoren umfasst lediglich die regelmäßigen Investoren, da nur diese im Bookbuilding-Prozess durch den Underwriter Berücksichtigung finden. Jeder Investor verfügt über eine positive oder negative Information bezüglich des erwarteten Barwertes. Der erwartete Preis einer Aktie, die schon alle Informationen des Underwriters enthält, setzt sich zusammen aus der Anzahl der Investoren, welche über eine positive Information verfügen und dem marginalen Wert, den eine solche Information hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Underpricing-Phänomen bei IPOs sowie Definition der Forschungsfrage und des Gangs der Untersuchung.
2. Stand der Forschung: Darstellung theoretischer Grundlagen zu IPOs, Underpricing und zentraler Erklärungsmodelle basierend auf Informationsasymmetrien und Ad-Hoc-Ansätzen.
3. Empirische Untersuchung am Beispiel der Talanx AG: Anwendung der zuvor diskutierten Theorien auf den konkreten Fall des Börsengangs der Talanx AG zur Erläuterung des beobachteten Underpricings.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ansätze und Reflexion über die Beweggründe der Talanx AG bei ihrem Börsengang.
Schlüsselwörter
Initial Public Offering, IPO, Underpricing, Emissionskurs, Börsengang, Talanx AG, Informationsasymmetrie, Bookbuilding-Theorie, Winner’s Curse, Prospekthaftung, Entlohnungshypothese, Kapitalmarkt, Underwriter, Emissionskonsortium, Börse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das systematische Phänomen des Underpricings bei Börsengängen (IPOs), bei dem Aktien am ersten Handelstag oft deutlich über dem Emissionspreis notieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf finanztheoretische Modelle, insbesondere Informationsasymmetrien zwischen Marktteilnehmern sowie Ad-Hoc-Modelle zur Erklärung von Preisabschlägen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Underpricing-Phänomen durch verschiedene wissenschaftliche Modelle zu erklären und diese Theorien auf das Praxisbeispiel des Börsengangs der Talanx AG anzuwenden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Finanzmodelle in Kombination mit einer empirischen Fallstudie (Desk Research) des Talanx-Börsengangs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion von Informationsasymmetrien und Ad-Hoc-Modellen sowie die praktische Untersuchung der Datenbasis und Ergebnisse des Talanx-IPOs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind IPO, Underpricing, Informationsasymmetrie, Bookbuilding, Winner's Curse und Prospekthaftung.
Wie erklärt die Arbeit das Underpricing bei der Talanx AG?
Die Arbeit führt verschiedene Erklärungsversuche an, darunter das Management-Ziel eines erfolgreichen Börsenauftakts, den Ausgleich von Informationsasymmetrien bei Investoren und die Minderung von Haftungsrisiken.
Kann eine einzelne Theorie das Phänomen vollständig erklären?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass keine einzelne Theorie alle Aspekte abdeckt, da die Absichten hinter IPOs vielfältig sind und sich die Erklärungsansätze teilweise ergänzen.
- Quote paper
- Lars de Buhr (Author), 2013, Underpricing bei Initial Public Offering, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/270015