Dieser Beitrag widmet sich dem Begriff des „Fremden“ im ersten Petrusbrief. Dieses Begriff ist nicht nur ein Begriff des ersten Petrusbriefes, sondern auch im Gespräch im Kontext der Diskussion um die Zunahme der gegenwärtigen weltweiten Migrationsströme. In der Akkulturationsforschung wird und wurde der Begriff der „Entfremdung“ im Kontext von Migration diskutiert. Aber im folgenden wird es nicht um eine sozialwissenschaftliche Analyse gehen. Obwohl das spannend wäre, würde dies den Rahmen sprengen. Das Interesse an diesem Themenbereich entspringt vielmehr einem praktisch-theologischen Anliegen, aus dem heraus es darum geht, das wahrgenommene Phänomen der gegenwärtigen Migrationsströme ins Gespräch mit den sozialwissenschaftlichen und theologischen Disziplinen zu bringen. Der vorliegende Beitrag beschränkt sich dabei auf den Beitrag, welchen der Begriff des „Fremden“ im ersten Petrusbrief zu der beschrieben Diskussion leisten kann. Es soll hier darum gehen, die Frage zu klären was Fremdsein im ersten Petrusbrief bedeutet. Geht es im hier um ein metaphorisches Verständnis des Fremden oder werden im Brief ganz konkret wahrnehmbare Fremde angesprochen?
Zunächst werden in diesem Beitrag die dieser Arbeit zugrunde gelegten Textstellen eingeführt und dann relevante Begriffe zur Frage nach dem Fremdsein im ersten Petrusbrief erläutert. Besonders Reinhard Feldmeier versucht, in seiner oft zitierten Habilitationsschrift den Assoziationshintergrund der Termini παρεπίδημος, und πάροικος zu klären. Im Bezug auf den kontextuellen Hintergrund versucht er, die paganen, alttestamentlichen, früh-jüdischen und neutestamentlichen Metaphern von Fremdsein zu klären. Mit Blick auf die oben gestellte Frage nach dem metaphorischen oder wörtlichen Verständnis des Fremdseins im ersten Petrusbrief werden einige Vertreter dieser beiden Positionen erläutert. Zur Sprache kommen an dieser Stelle die Arbeiten von Torrey Seland, der sich der Frage nach dem „Fremden“ im ersten Petrusbrief aus der Perspektive des Philo von Alexandria nähert, Joachim Molthagen, Paul J. Achtemeier, Ingo Broer und John H. Elliott der ein eher wörtliches Verständnis des Fremdseins im ersten Petrusbrief vertritt und für den oben beschriebenen Gesamthorizont von Migration von besonderem Interesse ist insofern er eine explizit soziologische Perspektive einbringt. Am Ende dieses Beitrages wird zusammenfassend geschlossen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Relevante Textstellen und Begriffe
2.1. Relevante Textstellen
2.2. Relevante Begriffe
2.3. Fazit
3. Metaphern des Fremdseins
3.1. Fremdsein in paganer Tradition
3.2. Fremdsein in alttestamentlicher Tradition
3.3. Fremdsein im Frühjudentum
3.4. Fremdsein im Neuen Testament
3.5. Fazit
4. Das Fremde oder die Fremden
4.1. Das Fremde im ersten Petrusbrief
4.2. Die Fremden im ersten Petrusbrief
4.2. Fazit
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung des Fremdseins im ersten Petrusbrief, um durch eine praktisch-theologische Analyse ein tieferes Verständnis für das biblische Fremdheitsmotiv zu gewinnen und dieses in den Kontext heutiger Migrationsdiskurse zu stellen.
- Analyse zentraler Begriffe wie παρεπίδημος und πάροικος
- Untersuchung von Fremdheitsmetaphern in paganer, jüdischer und christlicher Tradition
- Diskussion der Forschungsfrage: Handelt es sich um ein metaphorisches Verständnis oder konkrete soziologische Fremdheitserfahrungen?
- Betrachtung von Identitätsbildung in einer nichtchristlichen Umwelt
Auszug aus dem Buch
3. Metaphern des Fremdseins
Fremdsein als Metapher findet sich in paganer, jüdischer und christlicher Tradition. Feldmeier ist der Ansicht, dass der erste Petrusbrief sich dabei insbesondere auf biblische und jüdische Traditionen von Fremdheitsmetaphern zurück bezieht. Das Einzigartige am ersten Petrusbrief sieht er gerade im Rückgriff auf solche, allerdings relative schmale, Traditionen, die genutzt werden, um Fremdsein als Schlüsselbegriff christlicher Identität in einem negativ gesinntem Umfeld zu bilden.
3.1. Fremdsein in paganer Tradition
In der paganen Literatur findet sich die Metapher vom Fremdsein als als Aufenthalt in der Fremde aufgrund seiner Begrenztheit, Flüchtigkeit und Vergänglichkeit. Feldmeier weist darauf hin, dass diese Metapher in der paganen Literatur allerdings nur gelegentlich auftaucht und auch nicht einheitlich gebraucht wird. Es gebe bei Empedokles z. B. die Vorstellung von der Zugehörigkeit der Seele zu einer besseren Welt, allerdings spiele die Metapher des Fremdseins in der paganen Literatur insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Eine direkte Abhängigkeit des ersten Petrusbriefes von paganen Vorstellungen der Fremdlingsexistenz hält Feldmeier eher für unwahrscheinlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema Fremdsein im ersten Petrusbrief ein und erläutert die praktisch-theologische Relevanz im Kontext aktueller Migrationsströme.
2. Relevante Textstellen und Begriffe: Es werden die zentralen biblischen Textpassagen und griechischen Fachbegriffe analysiert, die das Fremdsein in der christlichen Identität definieren.
3. Metaphern des Fremdseins: Dieses Kapitel vergleicht die Verwendung der Fremdheitsmetapher in paganen, alttestamentlichen, frühjüdischen und neutestamentlichen Traditionen.
4. Das Fremde oder die Fremden: Die Untersuchung wendet sich der Frage zu, ob die Briefaussagen metaphorisch zu verstehen sind oder konkrete soziologische Gruppen adressieren.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass eine metaphorische Interpretation überwiegt, und zeigt auf, wie der Brief für moderne Diskurse über Migration und Konvivenz anschlussfähig bleibt.
Schlüsselwörter
Erster Petrusbrief, Fremdsein, Fremdheitsmetapher, Migration, Identität, παρεπίδημος, πάροικος, Diaspora, Akkulturation, Exil, Theologie, Soziologie, Christsein, Frühjudentum, Konvivenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept des Fremdseins im ersten Petrusbrief und untersucht dessen theologische sowie soziologische Bedeutung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die biblische Exegese von Fremdheitsbegriffen, der Vergleich mit anderen Traditionen sowie die Identitätskonstitution christlicher Gemeinden in einem feindseligen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der erste Petrusbrief Fremdsein als rein metaphorisches Glaubenskonzept oder als Beschreibung einer realen sozialen Exklusion verwendet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine praktisch-theologische Perspektive unter Einbeziehung exegetischer Analysen und historischer Kommentarliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Quelltexte, die historische Herleitung der Metaphorik und die kritische Diskussion verschiedener wissenschaftlicher Positionen zur Lesart des Briefes.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den griechischen Originalbegriffen wie παρεπίδημος und πάροικος sind Migration, Diaspora und Identitätsbildung zentrale Schlagworte.
Wie bewertet der Autor die Position von John H. Elliott?
Der Autor erkennt Elliotts Ansatz an, der betont, dass hinter der metaphorischen Sprache eine konkrete soziale Realität (z. B. enteignete Kleingrundbesitzer) stehen könnte, warnt aber vor einer Überinterpretation.
Welche Verbindung wird zur modernen Migrationsforschung gezogen?
Der Autor sieht im ersten Petrusbrief einen Anknüpfungspunkt für heutige Theologien der Anerkennung und des Konvivenzkonzeptes, die einen Dialog zwischen Theologie und Sozialwissenschaften ermöglichen.
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- M. A. Frank Sauer (Author), 2014, Das Fremde oder die Fremden: 1 Petr, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269627