Europa befindet sich im Umbruch. Seit jeher wandelt sich die Gestalt der europäischen Staatengemeinschaft und ihrer Institutionen. Immer neue
Herausforderungen erproben die Belastungsgrenzen der einzelnen Nationalstaaten und der gemeinschaftlichen Politik der Europäischen Union.
Zahllose Krisen folgten in den Jahrzehnten des Bestehens der europäischen Idee aufeinander und erforderten gemeinsame Lösungsstrategien und
Handlungsansätze und wurden zum Motor für eine Entwicklung, die eine Konvergenz der europäischen Gesellschaften, Ökonomien und Politiken in Gang
setzte.
Nur durch gemeinschaftliche Lösungen ließen sich die Hürden und Probleme überwinden, eine Übertragung nationaler Souveränität auf übergeordnete,
europäische Institutionen war somit oftmals logische Konsequenz. Unzählbar viele verschiedene Wertvorstellungen, Politikstile und nationale Eigenheiten mussten überwunden und zu einer einzigen europäischen Politik verschmolzen werden, um Wohlstand und Fortschritt für die Bürger Europas zu sichern. Die wirtschaftliche Einheit, der Abbau der Binnengrenzen, die Öffnung der Arbeitsmärkte für Europäer schafften historische Chancen, aber brachten auch bis dato unbekannte Konflikte mit sich.
Aus der internen Öffnung Europas entsprang der Zwang, die neu entstandenen Außengrenzen politisch, juristisch und räumlich zu sichern und zu verfestigen, um ungewollte Wanderungen in die und innerhalb der Europäischen Union zu unterbinden. Eine Aufgabe, welche nur gemeinschaftlich zu lösen ist und welche einen Konvergenzprozess initiierte, der in ganz Europa seine Spuren hinterließ und auch in der Zukunft hinterlassen wird.
Ziel dieser Seminararbeit ist es, diesen europäischen Konvergenzprozess zu untersuchen und im Detail zu analysieren. Herausgestellt werden soll, von
welcher Ausgangssituation aus sich die europäische Migrationspolitik in den heutigen Zustand entwickelte und inwieweit diese Entwicklung dazu beigetragen hat, die migrationsbedingten Konflikte in Europa auf menschenwürdige Art und Weise zu lösen. Der Fokus der Arbeit liegt dabei auf einem Vergleich zwischen nord- und südeuropäischen Staaten und ihren jeweiligen Systemen im Umgang mit ungewollter Migration und wie sich diese im Zuge der Vergemeinschaftung der Migrationspolitik in Europa veränderten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Einführung in den Konvergenzbegriff
III. Die europäische Migrationspolitik im Wandel der Zeit
IV. Konvergenz und Divergenz in der Migrationspolitik - Ein Nord-Süd-Vergleich
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den europäischen Konvergenzprozess im Bereich der Migrationspolitik, um zu analysieren, wie sich die Politik zwischen den europäischen Staaten entwickelt hat und inwieweit diese Ansätze zur Bewältigung migrationsbedingter Konflikte beitragen können.
- Grundlagen des Konvergenzbegriffs in der Politikwissenschaft
- Historische Phasen der europäischen Migrationspolitik
- Nord-Süd-Vergleich der nationalen Migrationssysteme
- Herausforderungen der Grenzsicherung und Außengrenzpolitik
- Sozio-ökonomische Auswirkungen der Migrationssteuerung
Auszug aus dem Buch
II. Einführung in den Konvergenzbegriff
Der Begriff der Konvergenz besitzt eine wichtige Rolle in der Beschreibung der hoch entwickelten Industriegesellschaften der Gegenwart, welche sich zunehmend ökonomisch, sozial und kulturell aneinander annähern und im Laufe der Zeit immer zahlreichere Gemeinsamkeiten aufweisen. Wichtig hervorzuheben ist dabei jedoch, dass zwar eine Angleichung statt findet, diese jedoch auf keinen Fall in einer vollständigen Indifferenz der verschiedenen Gesellschaften resultieren wird. (vgl. Benett 1991: 219)
Generell lässt nach sich nach Benett eine konvergente Entwicklung durch vier verschiedene Prozesse erklären, welche einzeln oder im Zusammenspiel eine Angleichung ursprünglich verschiedener Gesellschaften voran treiben. Der erste dieser vier Prozesse ist die sogenannte „emulation“ (Benett 1991: 220), welche die Adaption bereits andernorts erfolgreich durchgeführter Lösungsansätze für Probleme vor Ort beschreibt. Aus den Erfahrungen anderer Länder und ihrer Akteure werden Lehren für die eigene Zukunftsstrategie gezogen, um vergleichbare Probleme erfolgreich zu beheben. (vgl. ebd.: 220ff)
Den zweiten Prozess stellt das sogenannte „elite networking“ (ebd.: 224) dar, welches sich dadurch auszeichnet, dass eine transnationale Elite mit einem konsensualen Interesse Einfluss auf die politischen Akteure in ihren jeweiligen Herkunftsländern nimmt, um somit grenzübergreifend ihr gemeinsames Ziel umzusetzen. International agierende Lobbyverbände der Industrie wären ein mögliches Beispiel für ein derartiges elite networking. (vgl. ebd.: 224f)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert den europäischen Transformationsprozess und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Entwicklung und Analyse der europäischen Migrationspolitik.
II. Einführung in den Konvergenzbegriff: Dieses Kapitel definiert den theoretischen Rahmen der Konvergenz anhand von vier spezifischen Prozessen wie Emulation und Harmonisation.
III. Die europäische Migrationspolitik im Wandel der Zeit: Hier wird die historische Entwicklung der EU-Migrationspolitik in drei Phasen dargestellt, von der nationalstaatlichen Souveränität bis zur gemeinschaftlichen Regelung.
IV. Konvergenz und Divergenz in der Migrationspolitik - Ein Nord-Süd-Vergleich: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ansätze und Herausforderungen der süd- und nordeuropäischen Staaten im Umgang mit Migrationsbewegungen.
V. Fazit: Das Fazit bündelt die Ergebnisse und diskutiert zukünftige Perspektiven für eine europäische Migrationspolitik, die auch humanistischen Werten gerecht werden soll.
Schlüsselwörter
Konvergenz, Divergenz, Migrationspolitik, Europäische Union, Nord-Süd-Vergleich, Außengrenzen, Asylpolitik, Grenzschutz, Dublin-II-Verordnung, Emulation, Harmonisation, Transformation, Integration, Schutzsysteme, Schengen-Raum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Seminararbeit analysiert den Konvergenzprozess der europäischen Migrationspolitik unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Ansätze zwischen Nord- und Südeuropa.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Zentrale Themen sind der Konvergenzbegriff in der Politikwissenschaft, die historische Entwicklung des EU-Grenzregimes sowie die Auswirkungen der Migrationspolitik auf die betroffenen Mitgliedsstaaten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie die europäische Migrationspolitik in ihren heutigen Zustand gelangte und inwieweit die getroffenen Maßnahmen migrationsbedingte Konflikte auf eine menschliche Weise lösen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse von Theorien zur politischen Konvergenz, kombiniert mit einer vergleichenden Betrachtung nationaler Migrationssysteme innerhalb der EU.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Konvergenzbegriffs, die historische Herleitung der EU-Migrationspolitik und den detaillierten Vergleich der Systeme in Deutschland, Spanien, Italien und Griechenland.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Konvergenz, Divergenz, Grenzsicherung, Dublin-II-Verordnung, Harmonisation und Emulation.
Inwiefern beeinflusst die Dublin-II-Verordnung die Situation in Südeuropa?
Die Verordnung bürdet Staaten an den Außengrenzen eine überproportionale Last auf, da sie für die Erstaufnahme der Migranten verantwortlich sind, was zu erheblichen sozialen und infrastrukturellen Herausforderungen führt.
Welche Rolle spielen physische Barrieren in der europäischen Migrationspolitik?
Physische Barrieren, wie der Zaun in Ceuta oder der Graben in Griechenland, dienen als Mittel der Abschottung, um den Zustrom von Migranten zu steuern, führen jedoch oft lediglich zu einer räumlichen Verschiebung der Fluchtrouten.
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- M.Sc. Thomas Hengsbach (Author), 2011, Konvergenz und Divergenz in der europäischen Migrationspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269323