Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Gruppeneinflüssen der Beobachter
im Assessment-Center. Hierbei wird näher auf den „Effekt des gemeinsamen Wissens“
und die „Theorie des Gruppendenkens“ eingegangen. Anhand eines exemplarischen
Beispiels werden Gefahren und Lösungsansätze aufgezeigt.
Zur leichteren Lesbarkeit wird auf die weibliche Form verzichtet, Begriffe beziehen sich
gleichermaßen auf Frauen und Männer.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Bedeutung der Güte von den Entscheidungen der Beobachterkonferenz im Assessment-Center
2. Assessment-Center und Beobachterkonferenz
2.1 Assessment-Center
2.2 Beobachterkonferenz
3. Zentrale Erkenntnisse über die Güte von Gruppenentscheidungen
3.1 Entscheidungen in Gruppen
3.2 Effekt des gemeinsamen Wissens
3.3 Theorie des Gruppendenkens
4. Gefahr von Fehlurteilen im Assessment-Center hinsichtlich der Gruppenentscheidungssituation
4.1 Ausgangssituation
4.2 Beispiel für den Effekt des gemeinsamen Wissens
4.3 Beispiel für die Theorie des Gruppendenkens
5. Handlungsempfehlung zur Durchführung der Beobachterkonferenz
5.1 Lösungsvorschlag für den Effekt des gemeinsamen Wissens
5.2 Lösungsvorschlag für die Theorie des Gruppendenkens
5.3 Beobachtertraining
6. Eigene Stellungnahme zur Machbarkeit der Durchführung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Einflüsse auf Entscheidungsprozesse innerhalb von Beobachterkonferenzen in Assessment-Centern, mit dem Ziel, potenzielle Fehlurteile durch Gruppenphänomene zu identifizieren und Lösungsstrategien für eine höhere Entscheidungsqualität aufzuzeigen.
- Analyse des "Effekts des gemeinsamen Wissens" bei Personalentscheidungen.
- Untersuchung der "Theorie des Gruppendenkens" und ihrer Auswirkungen auf die Objektivität.
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Optimierung von Beobachterkonferenzen.
- Bewertung der Machbarkeit von Interventionsmaßnahmen im betrieblichen Alltag.
- Veranschaulichung der theoretischen Risiken anhand eines praxisnahen Fallbeispiels.
Auszug aus dem Buch
4.2 Beispiel für den Effekt des gemeinsamen Wissens
Der Effekt des gemeinsamen Wissens wird an Kandidat Nr. 3 beispielhaft erklärt:
Kandidat 3 erscheint, wie für einen Bankkaufmann üblich, im Anzug mit Krawatte zum AC. Da er bereits vor einigen Jahren ein Betriebspraktikum in der hiesigen Bank absolviert und eine durchaus positive Beurteilung dafür bekommen hat, legt man große Hoffnung in ihn. Seine Kommunikationsfähigkeit und sein Verhandlungsgeschick fielen damals wie auch heute sehr positiv auf. Den Beobachtern fällt allerdings auch auf, dass er am ersten Tag abgekämpft, verschwitzt sowie überfordert wirkt und noch dazu zu spät kommt.
Dem Psychologen fiel der Bewerber sofort auf. „Das war der Mann, der heute Morgen auf dem Autobahnzubringer eine Reifenpanne hatte“, dachte er. Diese Information behält er für sich, weil alle anderen der Meinung sind, dass ordentliche, gepflegte Kleidung und Pünktlichkeit die Grundvorrausetzung für diesen Beruf seien. Da der Psychologe heute seinen ersten Einsatz bei dieser Bank hat, beugt er sich dem normativen Druck und spricht diese Gegebenheit nicht an. Er hat Angst, zum Außenseiter zu werden (Schachter 1951), wenn er sich nicht der Mehrheit beugt. Schließlich will er auch für künftige AC´s wieder gebucht werden.
Wäre die Beobachtung der Reifenpanne von dem Vorstandsmitglied Personal gemacht worden, wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass er sein Wissen geteilt hätte. Er ist durch seinen Status nicht mehr auf die Normen (Wittenbaum, 2000) und somit dem normativen Druck angewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Bedeutung der Güte von den Entscheidungen der Beobachterkonferenz im Assessment-Center: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische und betriebliche Relevanz korrekter Personalauswahlentscheidungen und führt das Assessment-Center als zentrales Instrument ein.
2. Assessment-Center und Beobachterkonferenz: Hier werden Definitionen des AC-Verfahrens dargelegt und die Rollen sowie die Zusammensetzung der Beobachterkonferenz definiert.
3. Zentrale Erkenntnisse über die Güte von Gruppenentscheidungen: Das Kapitel behandelt die theoretischen Hintergründe des "Effekts des gemeinsamen Wissens" sowie die "Theorie des Gruppendenkens" als potenzielle Fehlerquellen in Gruppenprozessen.
4. Gefahr von Fehlurteilen im Assessment-Center hinsichtlich der Gruppenentscheidungssituation: Anhand eines Fallbeispiels wird illustriert, wie die genannten psychologischen Phänomene in der Praxis zu einer fehlerhaften Personalauswahl führen können.
5. Handlungsempfehlung zur Durchführung der Beobachterkonferenz: Es werden konkrete Maßnahmen wie Beobachtertrainings, der Einsatz eines "Advocatus diaboli" und die Etablierung von Kommunikationsregeln zur Qualitätssteigerung vorgeschlagen.
6. Eigene Stellungnahme zur Machbarkeit der Durchführung: Die Autorin reflektiert die praktische Umsetzbarkeit der empfohlenen Strategien in einem realistischen Unternehmenskontext.
Schlüsselwörter
Assessment-Center, Beobachterkonferenz, Gruppenentscheidung, Fehlurteile, Effekt des gemeinsamen Wissens, Gruppendenken, Personalauswahl, Gruppenkohäsion, Validität, Beobachtertraining, Personalmanagement, Entscheidungsqualität, Normativer Druck, Advocatus diaboli, Eignungsdiagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht psychologische Fallstricke bei der Bewertung von Bewerbern in Assessment-Centern, speziell im Rahmen der abschließenden Beobachterkonferenz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dynamik von Gruppenentscheidungen, dem sogenannten "Effekt des gemeinsamen Wissens" sowie der "Theorie des Gruppendenkens".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Gruppenprozesse zu Fehlurteilen in der Personalauswahl führen können und wie Unternehmen diesen Risiken durch gezielte methodische Anpassungen begegnen können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse psychologischer Theorien zu Gruppenprozessen, die durch ein selbst gewähltes Praxisbeispiel (Fallstudie) veranschaulicht und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Gruppenphänomene, deren Anwendung auf ein Fallbeispiel in einer Bank sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Prozessoptimierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Assessment-Center, Gruppendenken, Personalauswahl, Entscheidungsqualität und Beobachtertraining.
Warum spielt der "normative Druck" im Assessment-Center eine solch große Rolle?
Der normative Druck führt dazu, dass Beobachter ihre abweichenden Informationen zurückhalten, um nicht als Außenseiter zu gelten oder ihre soziale Integration in der Gruppe zu gefährden.
Wie kann ein "Advocatus diaboli" die Qualität der Entscheidung verbessern?
Die gezielte Ernennung eines "Advocatus diaboli" erzwingt eine kritische Auseinandersetzung mit der Gruppenmeinung und nimmt den anderen Teilnehmern die Hemmschwelle, Gegenargumente oder abweichende Beobachtungen vorzubringen.
- Quote paper
- Maike Gerling (Author), 2014, Gefahr von Fehlurteilen im Assessment-Center durch die Beobachterkonferenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269178