Der Begriff Sozialraumorientierung ist sehr stark verbreitet. Der Grund dafür liegt am Paradigmenwechsel den letzten Jahren. Früher stand die Einzelfallorientierung im Vordergrund, doch heute untersucht man die Ressourcen und Bedingungen von ganzen Räumen. Im Zentrum steht nicht mehr der Einzelne sondern vielmehr das gesamte Lebensumfeld. Der Ansatz der Sozialorientierung soll nicht den Menschen ändern, sondern weitere Ressourcen für eine bessere Lebensweise ermöglichen. Das Konzept wurde in einer Migrantenorganisation (MKF) angewendet und die Umsetzung dieses Konzepts wird anhand dieser vorliegenden Arbeit erläutert.
Menschen mit Migrationshintergrund, die vor allem aus sozialen Brennpunkten kommen, sollen durch kompetente Unterstützung von Sozial Arbeitern und durch Selbstinitiative sich ins Berufsleben integrieren.
Der Bezirk Lünen weist im Kreis Unna die größte Arbeitslosenquote mit etwa 12,3% auf. Einer der Gründe basiert auf die fehlende Unterstützung der Jugendlichen im Prozess der Arbeitsfindung. Viele der Arbeitslosen stammen aus sozialen Brennpunkten, die aus ihrer näheren Umgebung keine Hilfe und Unterstützung erfahren, da die Familien oft aufgrund von Migrationshintergrund nicht die nötigen Kompetenzen vorweisen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Historischer Hintergrund
1.2 Definition „Sozialraum“
2. Die fünf Prinzipien des Fachkonzepts Sozialraumorientierung
2.1 Orientierung an Interessen und am Willen
2.2 Unterstützung von Eigeninitiative und Selbsthilfe
2.3 Konzentration auf die Ressourcen der Menschen und des Sozialraums
2.4 Zielgruppen- und bereichsübergreifender Ansatz
2.5 Kooperation und Koordination
3. Vorstellung des Multikulturelles Forum e.V. Lünen
4.1 Die Umsetzung des Fachkonzeptes der SRO am Beispiel der Multikulturelle Forum Lünen
4.2 Situationsbeschreibung
4.3 Die Umsetzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung des Fachkonzepts der Sozialraumorientierung (SRO) in der Praxis einer Migrationsorganisation. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche durch die Prinzipien der SRO in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt werden können, wobei der Fokus auf der Aktivierung eigener Ressourcen liegt.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen der Sozialraumorientierung
- Die fünf Kernprinzipien des SRO-Fachkonzepts
- Praktische Umsetzung der Sozialraumorientierung am Beispiel des Multikulturellen Forums Lünen
- Methoden der Kompetenzfeststellung und Aktivierung bei arbeitslosen Jugendlichen
- Bedeutung von Kooperation und Koordination in der sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
2.3 Konzentration auf die Ressourcen der Menschen und des Sozialraums
Bei dem dritten Prinzip der „Konzentration auf die Ressourcen“ wird zwischen zwei Sichtweisen unterschieden. Zum einen spricht man von der Konzentration auf die Ressourcen der Menschen, ihrer sozialen Bezüge und zum anderen auf die des Sozialraums. Nach Hinte sind Ressourcen des Menschen „Fähigkeiten, Kompetenzen und Stärken“, die er aber noch einmal in persönliche, soziale, materielle und infrastrukturelle Ressourcen unterteilt. Unter den persönlichen Ressourcen ordnet er die körperlichen, geistigen und emotionalen Fähigkeiten ein. Soziale Ressourcen sind wiederum Beziehungen in der engeren Familie, im weiteren Familienkreis, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft und zu anderen Personen. Bei den Materiellen Ressourcen geht es um die finanziellen Situationen, Besitz und Eigentum oder auch Fortbewegungsmittel. Letztlich versteht man unter den infrastrukturellen Ressourcen Verkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitmöglichkeiten, Schule und Ausbildung wie Arbeitsplätze. Im Gegensatz zur sozialen Arbeit, die lediglich mit den Schwächen der Menschen zu tun hat, ist es bei sozialraumorientierter Arbeit wichtig sich auf die Stärken der Menschen zu fixieren. Die Stärken oder Potentiale der Menschen können sich laut Hinte in den vermeintlichen Defiziten abbilden. Es ist nicht einfach zu beurteilen, was genau eine Stärke oder eine Schwäche ist. Ein Jugendlicher, der häufig in Geschäften stiehlt, hätte aufgrund seiner Erfahrungen gute Fähigkeiten als Kaufhaus-Detektiv zu arbeiten. Demzufolge ist eine Beurteilung der Schwächen und Stärken davon abhängig, von welcher Seite man die Person betrachtet. Das obige Bespiel zeigt uns hier, dass auch Schwächen als Stärken wahrgenommen werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Sozialraumorientierung (SRO) aus der Gemeinwesenarbeit und deren Entwicklung hin zu einem fachlichen Konzept zur Aktivierung von Menschen in ihrem Lebensumfeld.
1.2 Definition „Sozialraum“: Hier wird der Sozialraum als relationale Ordnung von Menschen und Gütern definiert, die individuell wahrgenommen und gestaltet wird.
2. Die fünf Prinzipien des Fachkonzepts Sozialraumorientierung: Dieses Kapitel stellt die fünf zentralen Säulen des Konzepts vor, die das sozialarbeiterische Handeln fachlich leiten sollen.
2.1 Orientierung an Interessen und am Willen: Das Kapitel verdeutlicht die Notwendigkeit, den Willen und die Interessen der Klienten als Basis für professionelle Arbeit zu nutzen, um echte Motivation zu erzeugen.
2.2 Unterstützung von Eigeninitiative und Selbsthilfe: Hier wird erklärt, wie Sozialarbeiter Klienten befähigen, ihre eigenen Potenziale zu aktivieren, anstatt stellvertretend zu handeln.
2.3 Konzentration auf die Ressourcen der Menschen und des Sozialraums: Fokus auf die Identifikation und Nutzung sowohl persönlicher als auch räumlicher Stärken der Klienten.
2.4 Zielgruppen- und bereichsübergreifender Ansatz: Das Kapitel betont die Notwendigkeit, über starre Zielgruppendefinitionen hinauszugehen und den gesamten Sozialraum einzubeziehen.
2.5 Kooperation und Koordination: Erörterung der Wichtigkeit vertraglich geplanter Zusammenarbeit mit anderen Institutionen zur wirksamen Verbesserung der Lebensumstände.
3. Vorstellung des Multikulturelles Forum e.V. Lünen: Porträt der Migrationsorganisation, die als praktischer Anwendungsort für das SRO-Konzept dient.
4.1 Die Umsetzung des Fachkonzeptes der SRO am Beispiel der Multikulturelle Forum Lünen: Einführung in die praktische Projektarbeit des Verfassers während seines Praktikums.
4.2 Situationsbeschreibung: Detaillierte Darstellung der Zielgruppe (arbeitslose Jugendliche mit Migrationshintergrund) und eines spezifischen Fallbeispiels.
4.3 Die Umsetzung: Reflexion über die methodische Anwendung der SRO-Prinzipien, insbesondere am Beispiel der Klientin A.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Erfolgs der SRO-Prinzipien bei der Aktivierung der Zielgruppe im Kontext des Multikulturellen Forums.
Schlüsselwörter
Sozialraumorientierung, SRO, Gemeinwesenarbeit, Soziale Arbeit, Multikulturelles Forum, Ressourcenorientierung, Eigeninitiative, Selbsthilfe, Aktivierung, Jugendliche, Integration, Arbeitslosigkeit, Kompetenzfeststellung, Fallbeispiel, Sozialraum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Fachkonzept der Sozialraumorientierung und deren Anwendung in der Praxis der sozialen Arbeit mit Jugendlichen bei einer Migrationsorganisation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Prinzipien der Sozialraumorientierung, die Ressourcenaktivierung, die Förderung von Eigeninitiative sowie die praktische Projektarbeit mit Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Wirksamkeit der SRO-Prinzipien aufzuzeigen, um Jugendliche mit Migrationshintergrund bei der Suche nach Ausbildungs- oder Arbeitsplätzen zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Grundlagenarbeit mit einer praxisbezogenen Reflexion eines Projektpraktikums, inklusive einer Fallstudie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die fünf Prinzipien des SRO-Fachkonzepts und beschreibt deren konkrete Anwendung und Modifikation während eines Praktikums beim Multikulturellen Forum in Lünen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sozialraumorientierung, Ressourcen, Aktivierung, Selbsthilfe, Integration und Soziale Arbeit.
Wie wurde das Fachkonzept auf die Arbeit mit der Klientin A angewendet?
Die Klientin wurde durch ein Kompetenzfeststellungsverfahren und ein Kooperationsspiel dabei unterstützt, eigene Stärken zu erkennen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und eine berufliche Perspektive im Einzelhandel zu entwickeln.
Warum spielt das "Kooperationsspiel" eine wichtige Rolle im Projekt?
Es diente dazu, das Selbstvertrauen der Jugendlichen zu stärken, den Zusammenhalt in der Gruppe zu fördern und den Fokus von individuellen Defiziten hin zu einem Wir-Gefühl zu verschieben.
Welche Rolle spielt die Kooperation mit dem Jobcenter?
Das Jobcenter fungiert als wichtiger Partner, der den Erstkontakt zu den arbeitslosen Jugendlichen ermöglicht, während das Multikulturelle Forum die pädagogische Begleitung übernimmt.
- Quote paper
- Betül Koc (Author), 2014, Fachkonzept der Sozialraumorientierung: Multikulturelles Forum Lünen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/268934