Menschen haben unterschiedliche Beweggründe etwas zu lernen und Leistung zu erbringen. Zum Beispiel sind nicht alle Schüler den schulischen Anforderungen gleichermaßen gewachsen. Diejenigen, die die Ansprüche erfüllen und denen es leicht fällt dem Unterricht zu folgen, erleben den Leistungsdruck anders als Lernschwache. Auf ihnen lastet ein hoher psychischer Druck, der großen Einfluss auf die schulische Motivation hat. Diese ist äußerst relevant für den Lernerfolg und den eigenen Kompetenzzuwachs.
Zur Erklärung motivierten Verhaltens gibt es verschiedene Ansätze. Im Unterschied zu anderen Ansätzen, fasst der kognitiv-handlungstheoretische Ansatz den Menschen als planendes, auf die Zukunft gerichtetes und entscheidendes Wesen auf, das sich Ziele setzt und diese zu erreichen versucht. Da ihm mehr oder weniger Handlungsspielräume zur Verfügung stehen, muss er Entscheidungen treffen und diese auch verantworten. Dies gelingt ihm weil er zur Selbstreflexion seines Tuns fähig ist (Gabler, 1986, S. 71). Motivation als Handlung ist zweckrational und durch Bewusstseinsprozesse gekennzeichnet. Es handelt sich um einen Prozess, der zwischen dem Motiv und dem aktiven Handeln steht. Als Beispielmodell ist hier die VIE-Theorie von Vroom zu nennen und auch das erweiterte Motivationsmodell von Heckhausen (1989).
Mit diesem Thema habe ich mich schon während des Seminars zugewandt und möchte es mit dieser Arbeit im Einzelnen genauer vorstellen. Einführend werde ich die grundlegenden Begriffe erläutern und auf die wichtigsten Determinanten des Modells eingehen, um den Inhalt und vor allem den Sinn dieses Verfahrens fassbar und deutlich zu machen. Anschließend möchte ich das Motivationsmodell schrittweise erklären, während ich es anhand von Beispielen veranschauliche.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen und Einführung in die Thematik
2.1. Die Leistungsmotivation
3. Das erweiterte kognitive Motivationsmodell von Heckhausen (1989)
3.1. Die Erwartungen
3.2. Anreize
3.2.1. Selbstbewertung
3.2.2. Fremdbewertung
3.3. Die aussagenlogische Sequenz des Erweiterten Motivationsmodell
3.4. Erkenntnisse
4. Schlusswort
5. Bibliografie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das erweiterte kognitive Motivationsmodell von Heinz Heckhausen, um zu verdeutlichen, wie menschliches Handeln durch kognitive Prozesse zwischen Motiv und aktiver Handlung gesteuert wird und wie dieses Modell zur Motivationsförderung in pädagogischen Kontexten beitragen kann.
- Grundlegende Begriffsdefinitionen zu Motivation und Leistungsmotivation.
- Analyse der zentralen Komponenten: Erwartungen, Anreize und Attributionen.
- Differenzierung zwischen Handlungsereignissen und deren Folgen.
- Erläuterung der aussagenlogischen Sequenz des Modells anhand von Fallbeispielen.
- Diskussion der diagnostischen Anwendbarkeit des Modells.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Erwartungen
Heckhausen differenziert in seinem Modell vier verschiedene Erwartungen, die sich auf die einzelnen Ergebnisstadien beziehen.
Die Situations-Ergebnis-Erwartung (S ⇒ E) bezeichnet den subjektiven Wahrscheinlichkeitsgrad, mit dem sich eine Situation vermutlich entwickeln kann, wenn der Handelnde nichts unternimmt (Heckhausen, 1989, S. 468/Rheinberg, 1995, S. 132). Angenommen Max, ein Schüler der zwölften Klasse, zeigt im Fach Physik hervorragende Leistungen und schreibt in seinen Klassenarbeiten auch ohne vorheriges Lernen gute Noten, so bedingt die Ausgangssituation bereits das Ergebnis. Die Handlung (für Physik zu üben) kann übersprungen werden, daraus resultiert bereits eine sehr geringe Motivation des Schülers, sich auf die Klausur vorzubereiten. Umgekehrt ist es hingegen mit der vielbeachteten Handlungs-Ergebnis-Erwartung (H ⇒ E), sie gibt Auskunft mit welcher Wahrscheinlichkeit die eigene Aktion zum angestrebten Ergebnis führt (Rheinberg, 1995, S. 132). Je höher die H ⇒ E unter sonst gleichförderlichen Bedingungen in Relation zur S ⇒ E ist, um so höher wird die Handlungstendenz (Ebd. S. 133). Wüsste Max, dass eine intensive Vorbereitung seine Leistung in Physik verbessern würde, wäre seine Motivation zu handeln groß. Schätzt er hingegen seine Fähigkeit in dem Fach so gering ein, dass auch intensives Lernen keine gute Note hervorbringen würde, ist seine Motivation auf ein Minimum reduziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Motivation für den schulischen Lernerfolg ein und stellt den kognitiv-handlungstheoretischen Ansatz sowie das Modell von Heckhausen vor.
2. Definitionen und Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Motiv und Motivation und grenzt intrinsische von extrinsischer Motivation ab.
2.1. Die Leistungsmotivation: Hier wird der spezifische Begriff der Leistungsmotivation nach Heckhausen sowie die Unterscheidung zwischen Erfolgs- und Misserfolgsmotiv erläutert.
3. Das erweiterte kognitive Motivationsmodell von Heckhausen (1989): Das Hauptkapitel beschreibt das rationale Modell, das den Motivationsprozess in Phasen unterteilt und Motive, Anreize sowie Erwartungen integriert.
3.1. Die Erwartungen: Dieses Kapitel differenziert die vier verschiedenen Erwartungsarten, die den Motivationsprozess in Bezug auf Situations-, Handlungs- und Ergebnisebenen steuern.
3.2. Anreize: Die Ausführungen befassen sich mit den Anreizwerten von Handlungsfolgen und deren Bedeutung für das individuelle Handeln.
3.2.1. Selbstbewertung: Hier wird untersucht, wie Erfolg oder Misserfolg durch Selbstbewertungsprozesse die Motivation beeinflussen.
3.2.2. Fremdbewertung: Dieses Kapitel erläutert, wie externe Rückmeldungen und soziale Anerkennung als Anreize für das Leistungsverhalten wirken.
3.3. Die aussagenlogische Sequenz des Erweiterten Motivationsmodell: Das Kapitel veranschaulicht mittels einer Abfolge von vier Fragen, wie die Handlungsbereitschaft einer Person diagnostiziert werden kann.
3.4. Erkenntnisse: Hier werden die diagnostischen Herausforderungen des Modells und die Präferenzprofile von Erfolg- versus Misserfolgsmotivierten diskutiert.
4. Schlusswort: Das Schlusswort bewertet das Modell als wertvolles Analyseschema für komplexe Handlungskontexte, weist jedoch auf den vorläufigen Charakter als Suchmodell hin.
5. Bibliografie: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literaturhinweise auf.
Schlüsselwörter
Motivation, Motivationsmodell, Heinz Heckhausen, Leistungsmotivation, kognitive Handlungspsychologie, Erwartungs-mal-Wert-Theorie, Handlungsvalenz, Instrumentalität, Attribuierung, Selbstbewertung, Fremdbewertung, Handlungssequenz, Lernmotivation, Erfolgsmotiv, Misserfolgsmotiv.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das erweiterte kognitive Motivationsmodell nach Heinz Heckhausen (1989) und dessen Anwendung zur Erklärung von zielgerichtetem Handeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Leistungsmotivation, die Rolle von Erwartungen und Anreizen im Motivationsprozess sowie die psychologische Unterscheidung zwischen Handlungs- und Ergebnisphasen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das komplexe Modell von Heckhausen allgemein verständlich darzustellen und aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen Personen motiviert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und stützt sich auf etablierte psychologische Theorien, um das Modell schrittweise zu erläutern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der Modellkomponenten (Erwartungen, Anreize), die Darstellung der diagnostischen Fragenfolge sowie eine Analyse der Erkenntnisse hinsichtlich des Motivationsprofils.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Motivation, Leistungsmotivation, Erwartungs-mal-Wert-Theorie und die kognitive Handlungspsychologie charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Fallbeispiel des Schülers "Max"?
Das Beispiel des Schülers Max dient der praktischen Illustration der vier Stufen der aussagenlogischen Sequenz, um die Theorie in eine reale Schulsituation zu übertragen.
Warum trennt das Modell "Ergebnis" und "Folge" voneinander?
Die Trennung ist notwendig, da eine Person nicht direkt Folgen hervorbringt, sondern das Handlungsergebnis, aus dem wiederum mehrere, teils beabsichtigte oder unbeabsichtigte Folgen resultieren können.
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- Anne Langer (Author), 2010, Das Erweiterte Kognitive Motivationsmodell von Heinz Heckhausen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/268290