Menschen mit geistiger Behinderung sind in ihrem Leben auf
unterschiedlichste Hilfssysteme und Institutionen angewiesen, die durch
unterschiedliche Schwerpunkte bezüglich der beruflichen Qualifikation und
Integration gekennzeichnet sind. Die viele Institutionen, die ihren Beitrag zur Qualifikation und Integration von
jungen Menschen mit geistiger Behinderung leisten, tun dies jedoch oft
ausschließlich in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich (vgl. PBI 1995, S.42).
So bereitet die Schule für Praktisch Bildbare ihre Schüler auf ein beruflichintegratives
Leben vor (Selbstverwirklichung in sozialer Integration), das
Arbeitsamt berät und fördert den Übergang in das Berufsleben. Dies alles wird
gestützt durch das einzelfallorientierte Vorgehen der Integrationsfachdienste
mit unmittelbaren Kontakten zum Berufsanwärter mit geistiger Behinderung
sowie zu dessen Eltern. Zur Aufrechterhaltung eines sich etablierten
Arbeitsverhältnisses trägt dann das Angebot des Psychosozialen Dienstes bei,
und das Integrationsamt sorgt für den Kündigungsschutz von Menschen mit
Behinderung und für begleitende Hilfen im Arbeits- und Berufsleben. Und falls
eine direkte Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt noch nicht möglich
ist, sollte die Teilnahme an einer Maßnahme im Berufsbildungsbereich den
Menschen mit geistiger Behinderung die Möglichkeit bieten, auf eine
weiterführende Ausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet zu
werden, in den Arbeitsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen
übergehen zu können oder eine Übergangsqualifikation erwerben zu können,
die ihnen eine weiterführende Ausbildungsmaßnahme ermöglicht. Der Mensch mit geistiger Behinderung macht hierbei jedoch die Erfahrung,
dass er von jedem Teilsystem unterschiedlich gesehen und angesprochen wird.
Doch das System Mensch ist unteilbar, daher müssen die unterschiedlichen
Teilsysteme kooperativ zusammenarbeiten, um den Menschen als Ganzes
möglichst optimal zu fördern und voranzubringen (vgl. SPECK 1998, S. 531).
Inhaltsverzeichnis
1.) Zielsetzung und Problemstellung der Arbeit
2.) Die Übergangsphase Schule/Arbeitswelt als krisenanfällige Orientierungsphase in Hinblick auf einen neuen Lebensabschnitt
2.1.) Übergangsphasen sind stets krisenbehaftet – eine grundsätzliche Betrachtung
2.2.) Der Übergang von der Kindheit zur Jugend – eine Phase neuer Identitätsfindung und -bildung
2.3.) Die Übergangsphase Schule / Arbeitswelt
2.3.1.) Aus dem Schonraum Schule in den Ernst des Lebens - neue Lebensgestaltungsanforderungen an das Individuum
2.3.2.) Der Hauptschulabschluss als Mindestvoraussetzung für eine berufliche Ausbildung im dualen Berufsbildungssystem
2.3.3.) Soziale Schlüsselqualifikationen – soziale Kompetenz als unverzichtbare Ausgestaltungsfaktoren der Übergangsphase Schule / Arbeitswelt
2.3.4.) Gesellschaftlich bedingte Benachteiligungsfaktoren für jugendliche Berufsanwärter mit geistiger Behinderung im Berufsvorbereitungsprozess
2.3.4.1.) Geistige Behinderung als Arbeitskraft minderer Güte
2.3.4.2.) Die defizit- und defektorientierte Sichtweise des jugendlichen Berufsanwärters mit geistiger Behinderung (medizinisch – defizitäres Menschenbild)
2.3.4.3.) Der immer noch traditionell praktizierte Automatismus „Schülerschaft auf der Schule für Geistigbehinderte führt zur Mitarbeiterschaft der Werkstatt für behinderte Menschen"
2.3.4.4.) Das alleinige Planen und Handeln im eigenen Zuständigkeitsbereich ohne Kooperations- und Informationskontakte zu anderen am beruflichen Kooperationsprozess Beteiligten
3.) Kooperation und Vernetzung – ein neuer Weg zur verbesserten Ausgestaltung der Übergangsphase Schule /Arbeitswelt im Hinblick auf effiziente berufliche Qualifizierungs- und Integrationsprozesse von jugendlichen Berufsanfängern mit geistiger Behinderung
3.1.) Kooperation
3.1.1.) Kooperation was ist das?
3.1.2.) Das Kooperationsfeld der beruflichen Rehabilitation und Integration
3.1.3.) Kooperationsformen
3.1.3.1.) Interdisziplinäre Aspekte
3.1.3.2.) Personale Aspekte
3.1.4.) Bedingungen verbesserter Kooperation
3.2.) Vernetzung – Begriffsklärung, Ziele und Inhalte
3.3.) Die am beruflichen Rehabilitationsprozess und am Aufbau eines Systems von Kooperation und Vernetzung beteiligten Institutionen
3.3.1.) Die Werkstufe der Schule für Praktisch Bildbare
3.3.2.) Die regional zuständige Berufschule
3.3.3.) Der Berufsbildungsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen
Exkurs: Detmolder-Lernwege-Modell
3.3.4.) Das örtlich zuständige Arbeitsamt
3.3.5.) Der regionalansässige Integrationsfachdienst
3.3.6.) Der jugendliche Berufsanwärter mit geistiger Behinderung
3.3.7.) Die Eltern
3.3.8.) Der Psychosoziale Dienst (nach erfolgter beruflicher Eingliederung)
3.3.9.) Das Integrationsamt
3.4.) „Runde Tische“ innerhalb der Region als eine Möglichkeit der Kooperation der am beruflichen Qualifizierungs- und Integrationsprozess beteiligten Institutionen
4.) Welche Möglichkeiten und Chancen bietet uns das SGB IX im Hinblick auf die Umsetzung von Kooperations- und Vernetzungsstrategien im Rahmen beruflicher Qualifizierungs- und Integrationsprozesse?
5.) Kooperation und Vernetzung in der modernen Informationsgesellschaft: Eine zukunftsszenarische Ideensammlung zur verbesserten Ausgestaltung von beruflichen Qualifizierungs- und Integrationsprozessen für Menschen mit geistiger Behinderung - thesenhaft formuliert
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung von Kooperation und Vernetzung für den Übergang von Jugendlichen mit geistiger Behinderung von der Schule in die Arbeitswelt. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie durch eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen effiziente Integrationsprozesse gestaltet werden können, um den betroffenen Jugendlichen eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen.
- Analyse der krisenanfälligen Übergangsphase Schule/Arbeitswelt
- Untersuchung gesellschaftlicher Benachteiligungsfaktoren für Jugendliche mit geistiger Behinderung
- Darstellung der Bedeutung von Kooperation und Vernetzung im Rehabilitationsprozess
- Evaluierung der Rolle spezifischer Institutionen wie Werkstätten, Arbeitsämtern und Integrationsfachdiensten
- Diskussion der Chancen des SGB IX für die berufliche Integration
Auszug aus dem Buch
1.) Zielsetzung und Problemstellung der Arbeit
Menschen mit geistiger Behinderung sind in ihrem Leben auf unterschiedlichste Hilfssysteme und Institutionen angewiesen, die durch unterschiedliche Schwerpunkte bezüglich der beruflichen Qualifikation und Integration gekennzeichnet sind.
Die viele Institutionen, die ihren Beitrag zur Qualifikation und Integration von jungen Menschen mit geistiger Behinderung leisten, tun dies jedoch oft ausschließlich in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich (vgl. PBI 1995, S.42). So bereitet die Schule für Praktisch Bildbare ihre Schüler auf ein beruflich-integratives Leben vor (Selbstverwirklichung in sozialer Integration), das Arbeitsamt berät und fördert den Übergang in das Berufsleben. Dies alles wird gestützt durch das einzelfallorientierte Vorgehen der Integrationsfachdienste mit unmittelbaren Kontakten zum Berufsanwärter mit geistiger Behinderung sowie zu dessen Eltern. Zur Aufrechterhaltung eines sich etablierten Arbeitsverhältnisses trägt dann das Angebot des Psychosozialen Dienstes bei, und das Integrationsamt sorgt für den Kündigungsschutz von Menschen mit Behinderung und für begleitende Hilfen im Arbeits- und Berufsleben.
Der Mensch mit geistiger Behinderung macht hierbei jedoch die Erfahrung, dass er von jedem Teilsystem unterschiedlich gesehen und angesprochen wird. Doch das System Mensch ist unteilbar, daher müssen die unterschiedlichen Teilsysteme kooperativ zusammenarbeiten, um den Menschen als Ganzes möglichst optimal zu fördern und voranzubringen (vgl. SPECK 1998, S. 531).
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Zielsetzung und Problemstellung der Arbeit: Einführung in die Problematik der fragmentierten Zuständigkeiten bei der beruflichen Eingliederung von Menschen mit geistiger Behinderung und Notwendigkeit ganzheitlicher Kooperation.
2.) Die Übergangsphase Schule/Arbeitswelt als krisenanfällige Orientierungsphase in Hinblick auf einen neuen Lebensabschnitt: Analyse der soziologischen und psychologischen Herausforderungen des Übergangs in das Erwachsenenalter und die damit verbundene Identitätskrise.
3.) Kooperation und Vernetzung – ein neuer Weg zur verbesserten Ausgestaltung der Übergangsphase Schule /Arbeitswelt im Hinblick auf effiziente berufliche Qualifizierungs- und Integrationsprozesse von jugendlichen Berufsanfängern mit geistiger Behinderung: Erläuterung theoretischer Konzepte von Kooperation und Vernetzung sowie Vorstellung der beteiligten Akteure und Institutionen.
4.) Welche Möglichkeiten und Chancen bietet uns das SGB IX im Hinblick auf die Umsetzung von Kooperations- und Vernetzungsstrategien im Rahmen beruflicher Qualifizierungs- und Integrationsprozesse?: Bewertung des SGB IX hinsichtlich seiner Eignung, eine einheitliche und koordinierte Rehabilitationspraxis zu fördern.
5.) Kooperation und Vernetzung in der modernen Informationsgesellschaft: Eine zukunftsszenarische Ideensammlung zur verbesserten Ausgestaltung von beruflichen Qualifizierungs- und Integrationsprozessen für Menschen mit geistiger Behinderung - thesenhaft formuliert: Zusammenfassende Thesen zur optimierten Gestaltung von Übergangsprozessen unter Berücksichtigung eines egalitären Menschenbildes.
Schlüsselwörter
Kooperation, Vernetzung, Übergangsphase, Schule, Arbeitswelt, geistige Behinderung, berufliche Integration, SGB IX, Rehabilitation, soziale Kompetenz, Integrationsfachdienst, Werkstatt für behinderte Menschen, Empowerment, Inklusion, Förderplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung des Übergangs von Jugendlichen mit geistiger Behinderung von der Schule in die Arbeitswelt durch verbesserte Kooperationsstrukturen zwischen den zuständigen Trägern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Betrachtung von Übergangsphasen, die Rolle sozialer Kompetenzen, die Analyse von Institutionen der beruflichen Rehabilitation sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen nach dem SGB IX.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Effizienz von Qualifizierungs- und Integrationsprozessen zu steigern, indem ein ganzheitliches, kooperatives Handeln der Institutionen gefordert und methodisch begründet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und stützt sich auf sozialwissenschaftliche Modelle (wie die Feldtheorie von Lewin) sowie aktuelle gesetzliche Vorgaben und sozialpädagogische Praxisberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die defizitorientierten Barrieren in bestehenden Systemen und erarbeitet Ansätze für eine kooperative Vernetzung unter Einbeziehung von Schulen, Arbeitsämtern, Integrationsfachdiensten und Eltern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Kooperation, Vernetzung, berufliche Integration, SGB IX, Empowerment und die ganzheitliche Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung.
Warum wird das Detmolder-Lernwege-Modell erwähnt?
Es wird als konkretes Instrumentarium angeführt, um individuelle Fähigkeiten zu erfassen und einen kontinuierlichen Förderverlauf über verschiedene Institutionen hinweg zu gewährleisten.
Welche Rolle spielen "Runde Tische" im Konzept der Autorin?
Sie dienen als regionaler Rahmen, in dem alle beteiligten Akteure interdisziplinär zusammenkommen können, um individuelle Förderpläne gemeinsam zu entwickeln und abzustimmen.
- Arbeit zitieren
- Carmen Trautmann (Autor:in), 2002, Kooperation und Vernetzung als wesentliche Faktoren für jugendliche Berufsanfänger mit geistiger Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/26819